Aktuelles

Seit einiger Zeit werden verschiedene Aspekte der Terraristik / Haltung von „exotischen Wildtieren“ auf politischer Ebene diskutiert. Diese Aufstellung soll einen wertungsfreien Überblick über die aktuell geplanten* Einschränkungen der sog. „Exotenhaltung“ verschaffen:

Gebietsfremde, invasive Arten von unionsweiter Bedeutung
Eine 2. Ergänzungsliste zur Unionsliste ist für das Jahr 2019 vorgesehen (eine für 2018 geplante Ergänzung wurde verschoben). Für dieses Update sind keine für die Terraristik relevanten Tierarten vorgesehen.
Mit der bereits geplanten 3. Ergänzungsliste, welche voraussichtlich 2020 in Kraft treten wird, sollen Handel, Haltung und Zucht der Kettennatter (Lampropeltis getula) verboten werden. Nationale Verbotslisten mit weiteren Arten sind nach Schaffung eines nationalen Durchführungsgesetzes jedoch ebenfalls denkbar.

Die Bundesländer haben Managementvorschläge veröffentlicht, zu denen bis zum 20. November 2017 Stellungnahmen von der Öffentlichkeit eingereicht werden konnten. Während eine Vermittlung von Buchstaben-Schmuckschildkröten z.B. aus Tierheimen weiterhin erlaubt sein soll, ist dies bei Nordamerikanischen Ochsenfröschen nicht vorgesehen. Weitere Informationen gibt es hier: Bürgerbeteiligung für Management invasiver Arten ausgerufen

Sachkundenachweis für Exotenhalter

In Niedersachsen war ein verpflichtender Sachkundenachweis für die Haltung von exotischen Wildtieren geplant. Konkrete Gesetzesentwürfe gab es dazu allerdings nicht. Da es Anfang August 2017 in Niedersachsen aufgrund des Wechsels der Grünen-Landtagsabgeordneten Elke Twesten in die CDU zu einem Mehrheitswechsel kam, fand am 15. Oktober 2017 eine vorgezogene Landtagswahl statt. Die rot-grüne Landesregierung wurde dabei abgewählt und von einer Großen Koalition aus SPD und CDU abgelöst. Im Entwurf des Koalitionsvertrags der niedersächsischen GroKo ist nichts zur Haltung von exotischen Wildtieren zu finden. Der Ausgang des Antrags, welcher von den Grünen initiiert wurde, ist also derzeit wieder vollkommen offen.

Gefahrtierhaltung
Die Niedersächsische Gefahrtierverordnung soll auf Antrag der Grünen überarbeitet werden. Konkrete Termine und Entwürfe gibt es dazu derzeit nicht.

In Baden-Württemberg soll auf Drängen des amtierenden Ministers für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk (CDU) erstmalig eine Gefahrtierregelung basierend auf Sachkunde und Meldepflicht beschlossen werden. Entwürfe liegen allerdings noch nicht vor. Zur Verbesserung des Tierschutzes für „normale Exoten“ sieht der Minister den Bundesgesetzgeber in der Pflicht.

Die Forderung nach einer bundeseinheitlichen Gefahrtierregelung steht ebenfalls im Raum, wurde aber bislang noch nicht weiter angegangen.

Börsenverbote
Nach den Verboten von Wildtierverkaufsbörsen in Österreich werden auch hierzulande die Forderungen nach solchen Verboten lauter. Laut der schwarz-roten Regierungskoalition sollen zunächst einmal die Ergebnisse der EXOPET-Studie abgewartet und die Börsenrichtlinien in rechtverbindlichen Status einer Verordnung erhoben werden. Laut Koalitionsvertrag soll das zuständige Ministerium bis Mitte der Legislaturperiode konkrete Vorschläge zur Beseitigung der ermittelten Missstände vorlegen.

Internethandel
Der Online-Tierhandel soll reguliert werden. Aktuell findet dies allerdings mehr oder weniger in Form einer Selbstregulierung durch einschlägige Handelsplattformen statt. Ob und in welcher Weise Einschränkungen oder gar Verbote gesetzlich umgesetzt werden, bleibt fraglich. Maßnahmen sollen bis Mitte der Legislaturperiode vom zuständigen Ministerium vorgelegt werden.

Positivliste
Die Reduzierung des in Privathaushalten gehaltenen Artenspektrums auf ein Minimum an aus Sicht des Gesetzgebers unproblematischen Arten mittels Positivliste wird von einigen Parteien und Landesregierungen zwar gefordert, steht aber aktuell nicht auf der Agenda der Bundesregierung. Im Zuge der konkreten Maßnahmen zur Beseitigung von Tierschutzproblemen, welche das Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gemäß Koalitionsvertrag bis Mitte der Legislaturperiode vorlegen soll, könnte eine Positivliste aber wieder näher rücken.
 

Eine einheitliche Positivliste für die EU ist nicht geplant.

Importverbote / „EU-Lacey-Act
Gefordert wird eine Regelung, welche den Handel mit in ihren Herkunftsländern geschützten Arten, die keinem internationalen Schutzstatus unterliegen, verbietet. Eine solche Regelung müsste auf EU-Ebene beschlossen werden. Die Ergebnisse einer Marktanalyse im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), für die Pro Wildlife e.V. den Zuschlag bekam, werden meines Erachtens für diese Forderung von Bedeutung sein.

CITES-Artenschutzkonferenz 2019 (CoP18)
Die 18. CITES-Artenschutzkonferenz wird vom 23. Mai bis 3. Juni 2019 in Colombo (Sri Lanka) stattfinden. Offizielle Schutzanträge liegen aktuell zwar noch nicht vor, diverse Arten (z.B. Gonatodes daudini) werden aber bereits diskutiert.

*Für bereits beschlossene Regelungen und weiterführende Informationen siehe die entsprechenden Artikel hier im Blog. Diese Aufstellung wird laufend aktualisiert, daher sind Änderungen des Inhalts jederzeit möglich! Zuletzt erfolgte Änderungen werden gelb markiert.

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