Sonntag, 24. Juni 2018

Falscher Veterinäramtmitarbeiter klaut drei Schlangen

In Halberstadt (Sachsen-Anhalt) kam es am vergangenen Donnerstag zu einem kuriosen Trickbetrug. Medienberichten zufolge hat sich ein Unbekannter gemeinsam mit einem 26-jährigen Komplizen drei Schlangen einer 18-Jährigen angeeignet, indem er sich als Mitarbeiter des Veterinäramtes ausgab.

Der bisher unbekannte Täter behauptete gegenüber einer Verwandten der Schlangenhalterin, die zum Tatzeitpunkt selbst gar nicht anwesend war, dass die drei Schlangen der Art Boa constrictor nicht artgerecht gehalten würden und deshalb beschlagnahmt werden müssten. Die Verwandte übergab die Tiere leichtgläubig mitsamt Terrarium. Polizeiberichten zufolge soll zumindest der 26-jährige Mittäter der Schlangenhalterin bekannt sein. Die Ermittlungen dauern an.

Sollte man selbst einmal in eine ähnliche Situation geraten, sollte man vor Zutrittsgewährung in die eigene Wohnung oder gar vor Herausgabe seiner Tiere prüfen, ob es sich bei den angeblichen Veterinäramtsmitarbeiten tatsächlich um solche handelt. Auf irgendwelche Dienstausweise sollte man sich dabei nicht verlassen. Sicherheit kann einem nur eine direkte Nachfrage beim zuständigen Veterinäramt geben, ob die Aktion dort bekannt ist. Eine Sicht der amtlichen Ausweisdokumente ist im Zweifelsfall ebenfalls anzuraten. Dazu hat man als Privatperson zwar keine rechtliche Handhabe, sollten sich die angeblichen Veterinäramtsmitarbeiter jedoch strikt weigern, kann und sollte man die Polizei hinzuziehen, welche die Personalien überprüfen darf. Schließlich können Trickbetrüger noch ganz andere Absichten wie den Diebstahl von Wertsachen oder Gewalttaten im Sinn haben.
 
Boa constrictor - Symbolbild
 

Hauskatzen für Reptilien noch gefährlicher als für Vögel

Im Jahr 2017 untersuchte eine groß angelegte Studie das Jagdverhalten von verwilderten Hauskatzen in Australien und kam zu dem Ergebnis, dass pro Jahr mehr als 370 Mio. Vögel von den ca. 6 Mio. verwilderten Hauskatzen getötet werden. Pro Tag werden demnach über 1 Mio. Vögel von Hauskatzen erbeutet.

Nun zeigt eine aktuelle Studie von WOINARSKI et al. von der Charles Darwin University in Casuarina, dass die Situation für australische Reptilien noch viel dramatischer ist: Den Forschungen zufolge werden jährlich fast 650 Mio. Echsen und andere keine Reptilien aus 258 verschiedenen teils bedrohten Spezies von verwilderten Hauskatzen getötet. Somit werden doppelt so viele Reptilien von Hauskatzen getötet wie Vögel - täglich fast 2 Mio. Stück!

Zum Schutz der australischen Fauna soll der Bestand an eingeschleppten exotischen Hauskatzen (u.a. mit Selbstschussanlagen) gemanagt werden.

Übertragung der Erkenntnisse auf Deutschland möglich?

Auch hierzulande wird von Naturschützern immer wieder zu Recht angemerkt, dass Hauskatzen hier ebenfalls einen immens hohen negativen Einfluss auf heimische Wildtiere haben. Einerseits als direkte Prädatoren, andererseits als Konkurrenten für heimische Beutegreifer wie z.B. Wildkatzen. Zwar gelten Hauskatzen naturschutzfachlich trotz ihrer afrikanischen Herkunft zwar nicht als Exoten, sondern als Archäozoen, allerdings werden diese Tiere vom Menschen gehegt (z.B. im Krankheitsfall behandelt oder in Zeiten knapper Nahrung gefüttert), weswegen sich das von Katzenliebhabern häufig als Rechtfertigungsgrund für Freigänge genannte „natürliche Gleichgewicht gar nicht einpendeln kann.

Die Erkenntnisse aus Down Under zeigen uns zwar Tendenzen - so ist davon auszugehen, dass auch bei uns Reptilien stärker unter dem Prädatorendruck durch Hauskatzen leiden als Vögel - dennoch lassen sich die Ergebnisse aus Australien oder die mit vergleichbaren Studien in den USA ermittelten Zahlen nicht vollständig auf Mitteleuropa übertragen. Unsere heimische Kontinentalfauna hat sich anders entwickelt als die Inselfauna Australiens. So haben sich z.B. bodenbrütende Vögel in Australien nicht an Katzen als Beutegreifer angepasst und sind daher ein leichtes Opfer für eingeschleppte Hauskatzen.

Trotzdem offenbaren sogar europäische Studien die Gefahren, die von streunenden und verwilderten Hauskatzen für heimische Wildtiere ausgehen. Nach GENOVESI et al. stellen Hauskatzen den größten negativen Einfluss für 16 bedrohte heimische Arten dar. Somit sollte auch hierzulande der Bestand an Hauskatzen in freier Natur gesteuert werden. Vielleicht nicht unbedingt mit Selbstschussanlagen, aber zumindest mit einer gesetzlichen Ausgangssperre für unbetreute Haustiere.

Literatur:
WOINARSKI et al.; How many reptiles are killed by cats in Australia?; Wildlife Research 45(3) 247-266; 2018

GENOVESI et al.; Alien mammals in Europe: updated numbers and trends, and assessment of the effects on biodiversity; 2012