Samstag, 21. April 2018

Schwedischer Zoo tötet 500 gerettete Geckos mit flüssigem Stickstoff

Bereits im März dieses Jahres stellte die schwedische Polizei nach Hinweisen aus der Bevölkerung in einem Zoofachgeschäft in Löberöd fast 850 Reptilien darunter Echsen, Schlagen, Schildkröten und Panzerechsen sowie einige Amphibien sicher, welche mutmaßlich aus Schmugglerkreisen stammten. Während einige der Tiere in zoologischen Einrichtungen untergebracht werden konnten, gab es für etwa 500 Helmkopfgeckos (Tarentola spp.), welche zunächst vom Zoo Kolmården aufgenommen wurden, der dafür ca. 100.000 Schwedische Kronen (umgerechnet ca. 9.500 Euro) investierte, aufgrund artenschutzrechtlicher Bestimmungen keine Möglichkeit der Vermittlung. Zwar gab es laut Angaben der schwedischen Polizei viele Anfragen aus der Bevölkerung zur Aufnahme der Tiere, doch da es sich um mutmaßlich illegale Naturentnahmen handelte und die notwendigen Herkunftsnachweise nicht vorlagen, war eine Abgabe an Privatpersonen nicht möglich. 50 Helmkopfgeckos konnten zwar an andere zoologische Einrichtungen in ganz Europa vermittelt werden, für eine dauerhafte Unterbringung der restlichen Geckos waren jedoch keine Kapazitäten verfügbar, weswegen es an tiergerechten und zugleich artenschutzrechtlich einwandfreien Unterbringungsmöglichkeiten fehlte.

Deswegen wurden die betroffenen Tiere nach Erhalt einer entsprechenden Genehmigung zu ihrem eigenen Wohl mit flüssigem Stickstoff (einer in Schweden zwar nicht offiziell zugelassenen, aber international etablierten Methode) euthanasiert.

Dieser Vorfall ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie der restriktive Vollzug von generell durchaus sinnvollen Artenschutzregelungen den eigentlichen Artenschutzgedanken ad absurdum führen kann. Theoretisch wäre ein solcher Fall auch bei uns in Deutschland denkbar. Europäische Arten der Gattung Tarentola spp. (und somit leider auch alle nicht näher bestimmbaren Exemplare) gelten bei uns ebenfalls als besonders geschützt und dürften in einem ähnlichen Fall ohne die notwendigen Nachweise der Legalität auch nicht ohne Weiteres an Privatleute, die die Tiere sicherlich übernehmen würden, vermittelt werden. Einer Euthanasie steht zwar das Tierschutzgesetz entgegen, doch könnte hypothetisch gedacht ein deutsches Gericht durchaus zu dem Schluss kommen, dass in einer solchen Situation der erforderliche wichtige Grund zur Tötung gegeben sein könnte.

Aufgrund von restriktiven Regelungen, nicht nur im Rahmen des Artenschutzes, sondern auch in anderen Bereichen wie der sog. Gefahrtierhaltung oder bei der Problematik mit invasiven gebietsfremden Arten, haben es Einrichtungen des Tier- und Artenschutzes zunehmend schwer, ausgesetzte, beschlagnahmte oder abgegebene Problemtiere zu vermitteln. Doch statt diesen Problemen mit der Schaffung von Vermittlungsmöglichkeiten zu beheben (indem z.B. artgeschützte Tiere ohne Herkunftsnachweise trotzdem unter bestimmen Auflagen an Privatpersonen vermittelt werden dürfen), fordern manche Aktivisten und politische Entscheidungsträger paradoxerweise weitere Haltungsverbote.

Auf der anderen Seite muss man aber auch selbstkritisch erkennen, dass es solche Vorfälle wie in Schweden nicht gäbe, wenn es nicht auch einen Markt für illegale Wildfänge und Tiere aus dubioser Herkunft gäbe! Ich selbst musste im Rahmen meiner Tierschutzarbeit und Erlebnissen innerhalb der Terraristik-Szene schon mehrfach feststellen, dass manchen Terrarianern das nötige Wissen über die gesetzlichen Regelungen sowie der Antrieb, sich dieses Wissen anzueignen, fehlt (was schon bei der Verwechslung von Nachweis- und Meldepflicht anfängt) oder dass sie für den Erwerb einer besonderen Rarität über den lückenlosen Nachweis der legalen Herkunft gerne mal hinwegsehen. Solange es solche (zwar vereinzelt, aber dennoch vorhandenen) Einstellungen innerhalb unserer Zunft gibt und wir nicht von innen heraus deutlicher gegen solche Aktivitäten vorgehen (u.a. mittels Aufklärung und objektiver Selbstkritik), dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Restriktionen immer schärfer werden... und darunter am Ende die Tiere am meisten zu leiden haben.


1 Kommentar:

  1. Einfach nur schlimm, was dort passiert ist. Einerseits ist es ja gut, dass illegale Schmugglerringe aufgedeckt werden, aber irgendwie wurde dann auch nicht weiter darüber nachgedacht, was danach mit den ganzen geretteten Tieren passieren soll. Und die Tiere müssen wegen uns Menschen getötet werden…. Menschen sind teilweise einfach so egoistisch. Hier bedarf es auf jeden Fall neue Gesetze oder anderen Möglichkeiten, um die Tiere retten zu können.

    AntwortenLöschen

Mit dem Absenden eines Kommentars werden die von Ihnen eingegebenen Formulardaten sowie personenbezogene Daten wie die IP-Adresse übermittelt. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.