Samstag, 23. September 2017

Bundestagswahl, mach ich da mit?

Morgen ist es wieder soweit. Deutschland wählt für die nächsten vier Jahre einen neuen Bundestag. Tja, da geht man also alle paar Jahre zur Urne, wählt sprichwörtlich zwischen Pest und Cholera, nur um dann zu erleben, wie die Parteien miteinander kungeln, unsägliche Zugeständnisse auf Kosten ihrer Wahlversprechen machen und Politiker  - angetrieben von Lobbyisten - ihre Zukunft in der Wirtschaft vorbereiten. So sehen es jedenfalls viele Mitbürger dieses Landes. Politikverdrossenheit ist etwas, das ich insbesondere in Terrarianer-Kreisen rückblickend auf diverse Überregulierungen und Einschränkungen durchaus nachvollziehen kann. Der eine oder andere Leser wird daher vielleicht schon entschieden haben, den morgigen Wahlsonntag gemütlich auf der Couch zu verbringen.

Aber: Nicht wählen zu gehen ist leider keine Option, weil man dadurch alle Parteien stärkt - auch diejenigen, die unser Hobby abschaffen wollen! Gleiches ist bei durchgestrichenen oder leer abgegebenen Wahlzetteln der Fall. Solange in unserem Wahlsystem die Enthaltungen von Nichtwählern (die ja durchaus eine politische Meinung haben können) und Leerabgaben (anders als z.B. in Frankreich oder Spanien) keinerlei Beachtung finden, wählt man mit seiner Enthaltung oder einem aus Protest ungültig gemachten Wahlzettel all die Parteien, die man eigentlich gar nicht haben will.

Zur Verdeutlichung: Wenn 100 Leute wahlberechtigt sind und 20 davon wählen A, 15 B, 4 C und 61 Wahlberechtigte gehen nicht wählen oder geben ungültige Stimmzettel ab, käme C mit einem Anteil von 4 % rechnerisch eigentlich nicht über die Fünf-Prozent-Hürde. Wenn jedoch nur die 39 abgegebenen gültigen Stimmen als 100 % gewertet werden und die Enthaltungen unter den Tisch fallen, kommt C mit einem Anteil von 10 % deutlich über die Fünf-Prozent-Hürde. Da in unserem Wahlsystem so gerechnet wird, unterstützt jeder Nichtwähler anteilig alle Parteien und C (stellvertretend für radikale Parteien) schafft nur dank der Nicht- und Protestwähler den Einzug ins Parlament. Doch auch die großen Parteien werden im gleichen Maße anteilig unterstützt.

Also geht morgen bitte wählen und wählt bewusst. Unser Hobby ist sicherlich nicht das relevanteste Thema bei der persönlichen Wahlentscheidung, sollte aber dennoch eine Rolle spielen. Vor allem die FDP zeichnet sich meines Erachtens mit ihren Forderungen im Wahlprogramm sowie aufgrund der differenzierten Antworten auf die Wahlprüfsteine als besonders wählenswert für Terrarianer aus. Auch CDU/CSU ist mit kleinen Abstrichen für Terrarianer wählbar. Die SPD ist zwar inzwischen von radikalen Positionen abgetreten, hat Haltungsverboten aber noch nicht gänzlich abgeschworen. Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und überraschenderweise auch die AfD haben sich aufgrund ihrer Forderungen nach einer Positivliste, welche das legal haltbare Artenspektrum auf ein Minimum reduzieren, das Ende der organisierten Terraristik einläuten und diverse Tier- und Artenschutzprobleme bedeuten würde, meiner Meinung nach für Terrarianer als unwählbare Verbotsparteien disqualifiziert.

Wer den etablierten Parteien gar nichts abgewinnen kann, sollte wenigstens eine kleine Splitterpartei wählen, um nicht anteilig die Verbotsparteien zu stärken. Damit erleichtert man unter Umständen zwar manchen Koalitionen die Regierungsbildung, weil die großen Parteien rechnerisch weniger Stimmen für die absolute Mehrheit im Parlament benötigen, je höher die Prozentpunkte der sonstigen Parteien sind, die es selbst nicht über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, aber irgendjemand wird uns ja sowieso regieren und diese Art der indirekten Unterstützung der Verbotsparteien ist eher zu vernachlässigen als bei einer Enthaltung/Leerabgabe. 

Im Übrigen: Wer als Halter von sog. „exotischen Wildtieren“ bewusst eine der Verbotsparteien wählt - mögen sie noch so vernünftige Ansichten in anderen Bereichen vertreten - hat seine Tiere meiner Meinung nach nicht verdient! Einzelne Mitglieder solcher Parteien mögen unserem Hobby zwar unkritisch gegenüberstehen oder sind selbst sogar Terrarianer, aber das ändert leider nichts an der unsäglichen Fraktionssolidarität“ (= Fraktionszwang).

Mehr zum Thema:

1 Kommentar:

  1. Ai, der Artikel ist nun leider auch schon etwas älter - aber ich fand in den letzten Monaten leider wenig Zeit, mich auf Deinem Blog einzulesen.

    Ich finde Deine Schilderungen zwar nachvollziehbar, das Fazit allerdings nicht.

    Wenn man schreibt:

    "Wer als Halter von sog. „exotischen Wildtieren“ bewusst eine der Verbotsparteien wählt - mögen sie noch so vernünftige Ansichten in anderen Bereichen vertreten - hat seine Tiere meiner Meinung nach nicht verdient!"

    , dann blendet man aus, dass es andere - mitunter wichtigere Themen auf bundespolitischer Ebene gibt. Natürlich ist die Auseinandersetzung mit unserem Hobby - ich würde es teilweise eher Berufung nennen - wichtig. Aber gesamtgesellschaftlich gibt es andere, sehr wichtige Themen, die eben das Interesse an einem Hobby oder einer Berufung in den Hintergrund stellen.

    Natürlich darf jeder wählen, was er will - und die Wahl ist ja nun auch schon gelaufen. Dennoch darf man vor lauter Fixierung auf sein Hobby eben nicht vergessen, dass die Welt und auch unser Land aus mehr besteht als dem.

    Du empfiehlst hier beispielsweise die FDP als wählbar - eben aufgrund der Position zur Haltung. Nun - ob ich als kleiner Angestellter diese Partei wählen sollte wäre dann doch noch zu bedenken. Die FDP steht - mehr als andere Parteien - für einen deregulierten Markt. Wenn ich mir den Strom für die Haltung meiner Tiere nicht mehr leisten kann, dann hilft es mir auch nicht, dass die Haltung selbst legal ist ;)

    AntwortenLöschen

Mit dem Absenden eines Kommentars werden die von Ihnen eingegebenen Formulardaten sowie personenbezogene Daten wie die IP-Adresse übermittelt. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.