Dienstag, 25. Juli 2017

Was sind eigentlich… invasive Arten?

Bei der Diskussion über invasive gebietsfremde Arten werden regelmäßig verschiedene Begrifflichkeiten miteinander verwechselt. Da es auch hier im Blog immer wieder um dieses Thema geht, ist eine Begriffsbestimmung sinnvoll.

Gebietsfremde Arten

Gebietsfremde Arten sind diejenigen Spezies (für die Terraristik sind wohl nur Tiere und Pflanzen relevant), welche natürlicherweise nicht in Deutschland bzw. Mitteleuropa vorkommen und auch nicht auf natürlichen Wegen (also ohne direkten oder indirekten Einfluss des Menschen) einwandern. Gebietsfremde Arten sind allerdings grundsätzlich nicht mit invasiven Arten gleichzusetzen.

Neobiota: Neophyten & Neozoen

Neobiota sind diejenigen gebietsfremden Tier- (Neozoen) und Pflanzenarten (Neophyten), welche nach dem Jahr 1492 durch direkten oder indirekten Einfluss des Menschen eingeschleppt wurden. Warum das Jahr 1492? Weil mit der Entdeckung von Amerika und dem Beginn des transatlantischen Handels in kürzester Zeit ein hohes Maß an neuen Arten einwandern konnte.

Da neobiotische Pilze (Neomyceten) für die Terraristik keine Relevanz haben, finden sie an dieser Stelle keine weitere Beachtung.

Archäobiota: Archäophyten & Archäozoen

Gebietsfremde Arten, die vor 1492 durch menschlichen Einfluss eingeschleppt wurden, werden als Archäobiota bezeichnet. Diese Tier- (Archäozoen) und Pflanzenarten (Archäophyten) sind zwar nicht einheimisch (indigen), werden im Naturschutz aber traditionell den einheimischen Arten gleichgestellt und daher als heimisch betrachtet (NEHRING et al., 2013). Die oft u.a. von Herpetologen kritisierte Freisetzung von Hauskatzen, die nachweislich einen hohen negativen Einfluss auf bedrohte einheimische Arten haben (siehe u.a. GENOVESI et al., 2012), wird wohl nie mittels Regularien zur Eindämmung von invasiven Neobiota unterbunden werden können, da die Hauskatze im Naturschutz als Archäozoon und somit nicht als gebietsfremde Art bewertet wird. Deswegen müssen andere Lösungen gefunden werden, um das unkontrollierte Freisetzen von hochspezialisierten Beutegreifern, derer sich die Natur aufgrund der menschlichen Hege nicht mittels Krankheiten, Nahrungsmangel etc. erwehren kann, zu verhindern – beispielswiese mittels einer Katzenschutzverordnung, die endlich Mindesthaltungsrichtlinien für diese Tiere schaffen und zudem eine strikte Ausgangssperre für Hauskatzen verhängen sollte.

Invasive Arten

Gemäß § 7 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) wird eine invasive Art als „eine Art, deren Vorkommen außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets für die dort natürlich vorkommenden Ökosysteme, Biotope oder Arten ein erhebliches Gefährdungspotenzial darstellt“ und in der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 als „eine gebietsfremde Art, deren Einbringung oder Ausbreitung die Biodiversität und die damit verbundenen Ökosystemdienstleistungen gefährdet oder nachteilig beeinflusst“ definiert. Neobiota werden im Naturschutz in drei Kategorien eingeordnet:
  1. Arten, die keinen ökologischen Schaden verursachen = (noch) nicht invasiv
  2. Arten, die ökologische Schäden verursachen = invasiv
  3. Arten, die vermuten lassen, dass sie ökologische Schäden verursachen können = potentiell invasiv
Aus diesem Grund betreffen die Maßnahmen der Europäischen Union derzeit vorrangig nordamerikanische Spezies, weil diese aufgrund der ähnlichen klimatischen Bedingungen und der nachgewiesenen Einschleppung nach 1492 in Mitteleuropa als invasive bzw. potentiell invasive Neobiota eingestuft werden. Darunter fallen derzeit neben Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta) und Nordamerikanischem Ochsenfrosch (Rana catesbeiana; Syn. Lithobates catesbeianus) diverse amerikanische Sumpfkrebsarten (u.a. Procambarus clarkii) und natürlich der Waschbär (Procyon lotor). Das Problem bei solchen Invasivitätsbewertungen ist, dass ein Spagat zwischen Prävention und dem Vorhandensein von objektiven Nachweisen über Schäden abgewogen werden muss. Aus Naturschutzsicht ist der Prävention mehr Gewicht zu verleihen, was allerdings aus Sicht von Betroffenen oft als Überregulierung aufgefasst wird.

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