Samstag, 22. Juli 2017

10 Gründe gegen die Exotenhaltung…?


1. Die meisten Reptilien sterben frühzeitig in Gefangenschaft, weil sie schlecht gehalten werden?

Die durchschnittliche Mortalitätsrate von Reptilien in menschlicher Obhut beträgt im ersten Haltungsjahr ca. 4 %. Hunde und Katzen haben eine doppelt so hohe Mortalität im ersten Haltungsjahr. Die Lebenserwartung von Reptilien in menschlicher Obhut ist zudem höher als die ihrer wildlebenden Artgenossen. Derzeit gibt es keine repräsentativen Studien, welche die Qualität der Haltungsbedingungen von Reptilien in Privathand untersuchen. Verlässliche Aussagen können daher aktuell nicht getroffen werden. Auf die Ergebnisse einer großangelegten Studie des zuständigen Bundesministeriums wird mit Spannung gewartet.

2. Reptilien und andere Wildtiere eignen sich nicht für eine Haltung in Gefangenschaft, weil sie nicht domestiziert sind?

Aus Tierschutzsicht sind sog. „Wildtiere“ nicht zwangsläufig schlechter für eine Haltung in menschlicher Obhut geeignet als domestizierte Tiere (RICHTER et al., 2012). Bedürfnisorientierte Haltung ist in sachkundigen Händen möglich. Die Domestikation ist ein Prozess, der bei vielen Haustieren (z.B. Wellensittich, Goldfisch etc.) längst nicht vollständig abgeschlossen ist. Selbst die Domestikation von Hunden, Katzen und Pferden basiert lediglich auf Training (Zähmung) des Einzeltieres. An Reptilien, die kein ausgeprägtes Sozialverhalten besitzen, können nicht dieselben Maßstäbe angelegt werden, wie an hochentwickelte Säugetiere. Doch auch Reptilien befinden sich – in Rahmen ihrer Möglichkeiten – längst ebenfalls in Domestikation.
 

3. Die Haltung von Tieren in engen Glaskästen ist nicht artgerecht?

Das Wort „artgerecht“ beschreibt eine bedürfnisorientierte Tierhaltung. Die Terrarien sorgen für das von der jeweiligen Tierart benötigte Klima. Ein Reptil fühlt sich unwohl, wenn Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden können. Der menschliche „Freiheitsbegriff“ ist Reptilien fremd, da sie mangels eines ausgeprägten Präfrontalcortex wahrscheinlich nicht mal ein Ich-Empfinden besitzen. Langeweile und Freizeitbeschäftigungen sind ihnen fremd. Leidensfähig sind sie aber durchaus. In menschlicher Obhut zeigen sie auffälliges Verhalten und leiden, wenn sie Bedürfnisse nicht befriedigen können (z.B. Hunger, Durst, Mangel an Versteckmöglichkeiten, Temperaturabweichungen etc.). Sind jedoch alle Haltungsparameter im grünen Bereich (was eine gewisse Mindestgröße der Terrarien voraussetzt), fühlen sich eingelebte Wildtiere und Zuchttiere aus Menschenhand auch nicht gefangen.

4. Jährlich werden Hunderttausende Reptilien für den Heimtiermarkt importiert?

Die Importzahlen sind seit Jahren rückläufig, weil immer mehr Nachzuchten die Nachfrage decken. Die meisten handelsrelevanten Arten werden nachgezüchtet. Neben dem illegalen Artenhandel, für den es keinerlei verlässliche Zahlen gibt, stellen billige Massenimporte von nicht geschützten Arten, welche die Preise für Nachzuchten drücken, aber ein Problem dar. Insbesondere wenn es sich um Arten handelt, die nur in kleinen Verbreitungsgebieten vorkommen oder die einen langen Generationszyklus haben. Nachhaltige Naturentnahmen sind (ebenso wie die Terraristik grundsätzlich) allerdings kein Raubbau, sondern leisten einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.

5. Großhändler rechnen hohe Verluste bis zu 70 % beim Lebendtierimport bereits ein?

Die Tierrechtsorganisation PETA USA hat bei einem US-Großhändler miserable Bedingungen und hohe Ausfallquoten ermittelt. Diese Erkenntnisse können jedoch nicht auf die Allgemeinheit der Reptilientransporte übertragen werden. Bei einem medienbekannten Tierschmuggelfall, bei dem die Tiere unter miserablen Bedingungen transportiert wurden, lag die Mortalität bei nur 3,9 %. Dieses vergleichsweise niedrige Einzelfallergebnis kann ebenso wenig auf die Allgemeinheit der Transporte übertragen werden. Unabhängige Studien kamen in den Jahren 1994 und 1996 auf eine Mortalitätsrate in Höhe von ca. 2 % bei Reptilienimporten (MORITZ, 1994; STEINMETZ et al., 1996).

6. Hohe Durchseuchungsrate mit Salmonellen bei Reptilien in Höhe von bis zu 90 %?

Die Infektionsrate mit Salmonellen beträgt bei Reptilien in menschlicher Obhut durchschnittlich 13 % und ist mit der von Hunden und Katzen (ca. 11 %) vergleichbar.

7 Hoher Anteil an Reptilien und anderen Exoten in Tierheimen?

Die Tierheimstatistiken belegen, dass „Exoten“ in klassischen Tierheimen keine große Rolle spielen. Der Anteil an Reptilien in den Tierheimen beträgt ca. 1.800 Tiere pro Jahr, während der Anteil an Hunden 44-mal, der von Katzen sogar 72-mal höher ist. Vor allem Tiere, die aufgrund strikter Auflagen nicht vermittelt werden dürfen (z.B. geschützte Arten ohne Papiere, „Gefahrtiere“ oder neuerdings invasive Arten) stellen für Tierschutzeinrichtungen ein Problem dar. Diese Erkenntnisse sprechen somit deutlich gegen Haltungsverbote.

8. Exoten stellen eine große Gefahr für die einheimische Artenvielfalt dar?

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein x-beliebiges Reptil in Deutschland als invasive Art in Erscheinung tritt, beträgt statistisch gerade mal 0,02 %. Manche Spezies stellen aber durchaus ein Risiko dar. Eine Freisetzung von Tieren aus menschlicher Obhut in die heimische Natur muss vermieden werden. Davon betroffen ist aber insbesondere auch die Hauskatze (als Nachfahre der Afrikanischen Falbkatze ebenfalls eine exotische Spezies), die regelmäßig von verantwortungslosen Besitzern als sog. „Freigänger“ in die heimische Natur entlassen wird und die den höchsten negativen Einfluss auf bedrohte, einheimische Arten hat (GENOVESI et al., 2012).

9. Von gefährlichen Reptilien in deutschen Wohnzimmern geht ein großes Sicherheitsrisiko aus?

Wie hoch der Anteil an potentiell gefährlichen Terrarientieren in deutschen Haushalten ist, ist leider nicht bekannt. Für Tierheime haben diese „Gefahrtiere“ keine statistische Relevanz und auch Meldungen über Unfälle sind selbst in den Bundesländern ohne Gefahrtierregelung extrem selten. Dies lässt darauf schließen, dass nur wenige gefährliche Tiere gehalten werden und/oder die Halter größtenteils verantwortungsbewusst mit ihnen umgehen. Noch nie wurde eine unbeteiligte Person durch ein entwichenes oder ausgesetztes Reptil ernsthaft verletzt. Im Gegensatz dazu sind Hunde und Pferde die häufigsten „Gefahrtiere“ im öffentlichen Raum, die jährlich mehrere Dutzend Personen (oftmals Kinder) schwer bis tödlich verletzen.

10. Exotische Tiere werden oft spontan als Statussymbol gekauft und als Wanderpokale weitergegeben?

Das kommt vor, ebenso wie es Leute gibt, die sich martialische Hunderassen als Statussymbol oder Hunde/Katzen als Kinder-/Partnerersatz in die eigenen vier Wände hohlen. Ebenso kommen Spontankäufen bei anderen Tieren (z.B. Hamster als Kinderspielzeug) vor. Die Beweggründe einer Tieranschaffung sind immer individuell und rechtfertigen keine Pauschalkritik. Nur weil man von der Norm abweichende Tierhaltungen nicht nachvollziehen kann, muss man sie nicht ablehnen. Tierhaltung ist ein erhaltenswertes Kulturgut, welches Empathie und Naturbegeisterung fördert. Abhängig von der Persönlichkeit und den Lebensumständen des jeweiligen Menschen sind Reptilien mitunter sogar besser als Heimtiere geeignet als klassische Haustiere. Da sich Lebensumstände ändern können, wird leider manchmal eine Tierabgabe notwendig. Reptilienhalter geben ihre Tiere lieber untereinander in gute Hände weiter, weil sie wissen, dass Tierschutzeinrichtungen oftmals mit diesen Tieren überfordert sind. Dieses ehrenamtliche Tierschutzengagement als „Weiterreichen von Wanderpokalen“ zu diffamieren, entbehrt jeder sachlichen Grundlage.

Fazit:

Tierhaltungsgegner und organisierte Tierrechtler verfolgen aufgrund einer Ideologie und der Erkenntnis, dass sie gegen die wahren Tierausbeuter und Lebensraumzerstörer sowieso nicht ankommen, das perfide (wenn auch lukrative) Ziel, mittels Desinformation eine negative Meinung über die sog. „Exotenhaltung“ in der Öffentlichkeit zu verankern, um damit massive Einschränkungen auf politischer Ebene zu erleichtern und diese als eigene Erfolge zu feiern. Eine solche Propaganda ist diskriminierend, insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich sämtliche „Argumente“ gegen die Haltung von sog. „exotischen Wildtieren“ problemlos auch auf die klassische Haustierhaltung übertragen lassen. Besagte Organisationen spekulieren darauf, dass Großteile der Bevölkerung die Hintergründe nicht durchblicken, die ihren Behauptungen zugrundeliegenden Studien nicht lesen und zu wissenschaftlichen (= objektiven) Faktenchecks ohnehin nicht fähig sind.

Dieser Artikel richtet sich primär an die Personen, die Vorbehalte gegenüber der Haltung von sog. Exoten“ hegen. Da sich die Exoten-Debatte aktuell primär auf die Reptilienhaltung bezieht und mit dem Label Exot“ meist Reptilien gemeint sind, wurde sich hier auch nur auf diesen Teilbereich der Terraristik konzentriert. Mehr Infos zur Begriffsbestimmung: Was sind eigentlich... Exoten? 

1 Kommentar:

  1. Kognitive Dissonanz - oder: Das ist einfach unangenehm
    Die Kluft zwischen der Realität, in der in Deutschland die überwiegende Mehrheit der sogenannten „Exoten“ artgerecht gehalten und regelmäßig nachgezüchtet wird und dem Weltbild von Peta-Mitgliedern, in dem es sich bei sämtlichen „Exoten“ um halbtote Schmuggelware handelt, deren letzte Zuckungen als Volksbelustigung in deutschen Wohnstuben dienen, müssen massive kognitive Dissonanz erzeugen. Irgendetwas passt da nicht zusammen, und das ist einfach unangenehm. Unser kognitiver Apparat verfährt da nach dem Prinzip: "Was nicht passt, wird passend gemacht." Auf Psychologisch heißt das: Dissonante Information wird abgewertet. Stichwort "Zoo-Propaganda" - wenn Zoos regelmäßig über ihre Nachzuchterfolge und Arterhaltungsprojekte berichten.
    Dass es tatsächlich Orte gibt, an denen bedrohte Wildtiere artgerecht und fachmännisch gehalten und gezüchtet werden, kann und darf in der düsteren Welt von Peta-Mitgliedern nicht wahr sein. Konsonante Information dagegen wird aufgewertet, und so ist jeder Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und jede Schlagzeile über aufgeflogene Tierschmuggler den Untergangspropheten in Wahrheit hochwillkommen.

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