Freitag, 5. Mai 2017

Was sind eigentlich... „Glücksschüppchen"

„Glücksschüppchen“ ist ein verniedlichender Begriff für Reptilien und im weitesten Sinne auch für Amphibien und Fische, die aus dem Tierschutz stammen (z.B. aus schlechter Haltung gerettet oder nach Aufenthalt in einem Tierheim bzw. einer Auffangstation wieder in ein neues Zuhause vermittelt wurden). Das Wort ist abgeleitet vom Begriff „Glücksfellchen“, der bei Haustierhaltern kursiert und Hunde und Katzen sowie im weitesten Sinne auch Kleintiere mit Fell aus dem Tierschutz bezeichnet.

Von ernsthaften Terrarianern, die Reptilien und andere Terrarientiere nicht vermenschlichen, wird der Begriff weitestgehend abgelehnt. Im Kontakt zu Verfechtern eines emotionalen Tierschutzgedankens ist es aber stellenweise sinnvoll, ein vergleichbares Vokabular zu verwenden.

Hier ein paar „Glücksschüppchen“ aus dem Bestand von meinem Partner und mir zur weiteren Erklärung des Begriffs:
 

Bartagamen sind keine Spielzeuge!

Den Anfang macht ein Pärchen Streifenköpfiger Bartagamen (Pogona vitticeps), welches von den Vorbesitzern zwar in einem ausreichend großen Terrarium gepflegt wurde, jedoch ließen Hygiene, Bodengrund und Beleuchtung (insbesondere UV-Anteil) zu wünschen übrig. Das Weibchen quittierte dies mit einer beginnenden Rachitis, welche jedoch glücklicherweise von uns mittels UV-Beleuchtung und vernünftig supplementiertem Futter gestoppt werden konnte. Auch die Ernährung der Tiere bei den Vorbesitzern war nicht artgerecht. Bei Fertigfutterpellets und gefriergetrockneten statt lebenden Insekten scheiden sich bekanntlich die Geister. Doch diese beiden Bartagamen wurden zusätzlich mit Kuchen und ähnlichen Leckereien gefüttert! Eine Kotprobe ergab Oxyuren und Amöben.

Die Tiere wurden zudem ständig frei in der Wohnung herumlaufen gelassen. Resultat: eine Augenverletzung beim Männchen. Ob diese aus einem Zwischenfall mit einer der Katzen der Vorbesitzer resultierte oder aus den Machenschaften, mit denen die Kinder der Vorbesitzer die Tiere traktierten, lässt sich nicht nachvollziehen. Denn die Kinder hatten rege Freude daran, die Tiere umherzuwerfen oder insb. mit dem Weibchen „Auto zu spielen“: das Tier wurde ein wie Spielzeugauto ordentlich über den Teppichboden gezogen! Dadurch verlor das Weibchen an den Vorderbeinen nahezu alle Krallen. Das Auge des Männchens ist laut tierärztlicher Untersuchung zwar nicht vollständig blind, besitzt aber nicht mehr die volle Sehkraft. Dies wird auch im Verhalten des Tieres deutlich.

Schlangen aus Zoofachgeschäft

Eines unserer örtlichen Zoofachgeschäfte verzichtet auf unser Drängen in seiner Terraristikabteilung auf den Lebendtierverkauf, weil die Tiere dort den Verkäufern eher eine Last waren und dementsprechend schlecht gehalten wurden. Bei den von uns übernommenen Tieren handelte es sich um eine Stuart-Königsnatter (Lampropeltis abnorma „stuarti“) und eine Kornnatter (Pantherophis guttatus) - beides nachgezüchtete Farbvarianten. Die Tiere waren trotz der nicht wirklich optimalen Haltungsbedingungen gesund. Das besagte Zoofachgeschäft hält sich bisher an sein Wort und verkauft keine Terrarentiere mehr.
 

Taggecko-Weibchen mit Übergewicht

Dieser weibliche Madagaskar-Taggecko (Phelsuma grandis) mit Übergewicht und Häutungsproblemen stammt aus einem Privathaushalt, in dem die Fütterung mit Mehlwürmern viel zu reichhaltig war. Nach einigen Wochen angemessener Fütterung und der Versorgung mit den notwendigen Mineralstoffen und UV-Licht, entwickelten sich das Tier zu einem sehr zutraulichen und normalgewichtigen Taggecko. 


 

Fundgecko

Dieser Leopardgecko (Eublepharis macularius) wurde angeblich in einer Kunstoffbox auf dem Parkplatz eines Zoofachgeschäfts ausgesetzt und dort von einer Kundin gefunden. Die Box (siehe Foto) mitsamt eingebauter Beleuchtung machte auf uns den Eindruck, als hatte sie nicht nur zum Transport gedient, sondern wurde für die dauerhafte Haltung genutzt. Wie so oft wurde dieses Tier ausschließlich auf losem Sand gehalten, was für Leopardgeckos nicht der richtige Bodengrund ist.
 

Diese „Glücksschüppchen“ sind eine Mahnung dafür, dass die Haltersachkunde verbessert werden sollte, statt mit Positivlisten an der Situation dieser häufig und daher leider auch häufig falsch gehaltenen Reptilien rein gar nichts zu ändern, sondern damit sogar noch privaten Tierschützern die Möglichkeit zu nehmen, in solchen Einzelfällen einzuspringen!
 

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