Freitag, 5. Mai 2017

Tierschutz ist SCHEISSE!!!1elf

Im Nachklang des Hilferufs von 30 Tierschutzvereinen an den amtierenden Bundeslandwirtschaftsminister (ich berichtete) entbrannte auf der Facebookseite des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e.V. (HTV) eine hitzige Debatte über die Forderungen der mitzeichnenden Vereine. Konkret wurde die Forderung nach einer Positivliste (nette Umschreibung für Haltungsverbote) von einigen Reptilienhaltern inkl. meiner Wenigkeit scharf kritisiert. So stellten wir u.a. klar, dass
…eine Positivliste nicht die Reptilienhalter reglementieren würde, die sich diese Tiere als Statussymbol anschaffen, da sich diese dann einfach am noch erlaubten Artenspektrum bedienen würden oder ihre Tiere aus dubiosen, nicht kontrollierbaren Quellen bezögen.

…verantwortungsvolle Reptilienhalter, die sich als Artenschützer in Kooperation mit Naturschutzverbänden und -behörden am Erhalt und der Auswilderung von Arten sowie als Bürgerwissenschaftler z.B. bei der Entdeckung von Brutpflegeverhalten aktiv am Artenschutz beteiligen, in diesem wichtigen Engagement behindert würden.

…Reptilienhalter, die Tierheime und Auffangstationen entlasten, nicht mehr helfen dürften, da mit einer Positivliste ein generelles Verbot der Neuanschaffung einherginge und die zunehmend ansteigenden Tierheimbestände daher nicht mehr vermittelt werden dürften.

…in diversen anderen Situationen, in denen Verbote umgesetzt wurden (z.B. Schnapp- und Geierschildkröten, Gefahrtiere, invasive Arten, Listenhunde...), Tierheime und Auffangstationen eine besondere Überlastung beklagen, weil sie diese Tiere nicht mehr vermitteln dürfen (was nach Beschluss einer Positivliste nicht mehr nur für ein paar wenige, sondern Tausende Spezies gelten würde).

…die Eignung eines Tieres für die Haltung in menschlicher Obhut davon abhängt, ob und in welcher Weise die Bedürfnisse des Tieres erfüllt werden können und dass sich die meisten Reptilien aus Tierschutzsicht nachweislich nicht von anderen Heimtieren unterscheiden.
Weitere Argumente sind dem Diskussionsverlauf auf Facebook zu entnehmen. Fraglich ist, wie lange noch, da bereits erste Kommentare gelöscht und Kommentatoren blockiert wurden, was die Hilflosigkeit des HTV in Anbetracht des geballten Fachwissens seiner Kritiker unterstreicht.

Auf diese Argumente gingen weder der HTV noch die anderen aktiven Befürwortern einer Positivliste ein. Positivlisten wurden und werden als das Allheilmittel schlechthin zur Beseitigung der vorhandenen Probleme in der Reptilienhaltung beschworen. Eine Antwort auf die Frage, warum man dieses tolle Instrument dann nicht auch zur Beseitigung der massiven Probleme in der sog. „Haustierhaltung“ fordert, blieb man uns schuldig. Stattdessen wurden wir lapidar als skrupellose, Tierausbeuter bezeichnet, die Probleme stur leugnen und denen Tierschutz egal se
i. 

Tierhaltung ist Tierschutz – auch „Wildtierhaltung“ 

Der Vorwurf, dass wir Terrarianer die Probleme der Reptilienhaltung leugnen und uns nicht im Tierschutz engagieren, ist ein Undank sondergleichen! Mein eigener Tierbestand besteht größtenteils aus „Glücksschüppchen“. Wenn Leute Hunde oder Katzen aus dem Tierschutz aufnehmen und mit großem finanziellen Aufwand wieder aufpäppeln, dann werden sie dafür gefeiert. Ich will ja gar nicht gefeiert werden, denn ich halte meine Tiere schließlich nicht als Statussymbol, aber ich verlange Toleranz und Respekt dafür, dass ich mich im gleichen Maße für Tiere einsetze, die Großteile der Bevölkerung als Ekelviecher bezeichnen. Dafür müssen wir Terrarianer uns genauso wenig schämen, wie alle anderen Leute, die Tierheimtieren ein schönes Zuhause bieten!

Ferner taten der HTV und seine Unterstützer die jährlich ca. 130.000 Tierheimkatzen und 80.000 Tierheimhunde als Einzelfälle ab (und rechtfertigen so indirekt den regelmäßigen Import von inzwischen über 300 weiteren Hunden aus Rumänien durch den HTV und seine Kooperationspartner), während die jährlich ca. 1.800 Reptilien in den angeschlossenen Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes als großes Übel dargestellt wurden. Dabei geht aus diesen Zahlen deutlich hervor, dass Reptilien für Tierheime keine große Rolle spielen. Man beachte, dass der HTV auf seiner Website einen jährlichen Katzenbestand von etwa 3.000 angibt. Dieses Tierheim muss also fast doppelt so viele Katzen unterbringen, wie Reptilien in allen Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes zusammen untergebracht werden müssen! Aber Exoten sind ein Problem...


Positivlisten leisten Tierschutz einen Bärendienst

Aus der Tierheimbefragung des Deutschen Tierschutzbundes aus dem dem Jahr 2014 geht hervor, dass das Hamburger Tierheim jährlich durchschnittlich 204 Reptilien aufnehmen muss (davon rund 62 % Wasserschildkröten, 11 % Landschildkröten, 8 % Bartagamen, 5 % Kornnattern und 1 % Pythons). Der Verein ist damit einer der Spitzenreiter was Reptilienaufnahmen betrifft. Deswegen habe ich für die Probleme des Vereins durchaus Verständnis. Warum der HTV diese Probleme aber weiter befeuert, indem er mit der Forderung nach einer Positivliste die Möglichkeit einer Weitervermittlung beendet, entzieht sich meinem Verständnis. Womöglich spekuliert man darauf, dass die typischen Tierheimtiere vom Gesetzgeber als gut haltbar und demnach auch als „handelbar“ eingestuft werden. Fall nicht, wird der HTV im Falle einer nächsten Befragung wohl nicht mehr angeben: „Alle Reptilien konnten erfolgreich an Privathaushalte vermittelt werden“ 

Mir liegt es fern, die Überforderung von klassischen Tierheimen in Bezug auf sog. „Exoten“ zu leugnen (das erlebe ich ja selbst, deswegen springe ich als Fachkundiger ja gerne helfend ein). Aber die Darstellung des HTV ist in meinen Augen scheinheilig. Die Tierschutzvereine können froh sein, dass es momentan noch so wenige „Exoten“ sind, die im Tierheim landen. Denn das ist wohl nur die Spitze des Eisbergs, weil wir Reptilienhalter recht gut vernetzt sind und untereinander Tiere weitervermitteln, ohne Tierheime zu belasten. Aber das ist ja dann für Außenstehende der „Szene“ wieder „illegaler Internethandel“ oder „Herumreichen von Wanderpokalen“. Wie man es macht, macht man es falsch...

Ich hätte nie gedacht, dass jemals der Tag kommen würde, an dem ich mich schämen muss, selbst im Tierschutz aktiv zu sein! Deswegen ist Tierschutz manchmal eben scheiße. Man gibt sein letztes Hemd, arbeitet hart und wird dann noch von sog. „Tierschutzvereinen“ mit Undank bestraft. Immer mehr seriöse Tierschutzvereine scheinen sich bei radikalen Tierhaltungsgegnern anzubiedern und deren Forderungen undifferenziert auf die eigene Fahne zu schreiben, obwohl ihnen diese Clubs ohne aktive Tierschutzarbeit ständig Unterstützer und Spendengelder abspenstig machen. Und echte Tierschützer aus den Reihen der Tierhalterschaft werden mit unqualifizierten Aussagen vor den Kopf gestoßen. Das ist entweder pure Dummheit oder es steckt tatsächlich mehr dah
inter. 

Verbote verschaffen nicht nur der Tiermafia Profit

Positivlisten (also Haltungsverbote) sind eine Enteignung der Tierhalter auf Raten. Zwar wird der Bestandsschutz gewahrt, aber es wäre naiv anzunehmen, dass Tiere nicht doch irgendwann ein Fall für den Tierschutz werden. Da Positivlisten die Neuanschaffung verbieten, wird auch die Vermittlung innerhalb der Halterschaft verboten. Die betroffenen Tiere wären dann immer ein Fall für die Behörden, die dieses Problem bekanntlich gerne auf den Tierschutz abwälzen, und würden zur dauerhaften Unterbringung in Tierschutzeinrichtungen verdammt. Wer dies nicht einfach nur aus Naivität ausblendet, scheint diese Konsequenz offenbar als eigentliches Ziel zu verfolgen. Gewisse Organisationen scheinen, so mein in den Jahren gewachsener persönlicher Eindruck, ehemalige „Wildtiere“ aus Zirkussen, Zoos und Privathand in sogenannten „Gnadenhöfen“ und „Tierschutz-Zoos“ unterbringen zu wollen, um mit den Eintrittsgeldern sowie Spenden ihre Gehälter aufzustocken. Die Tierhaltung, die auf der einen Seite als großes Übel dargestellt wird, wird selbst betrieben und weißgewaschen. Objektiv hat sich für die Tiere aber rein gar nichts geändert. Statt selbst die teils seltenen Tiere mit großem Aufwand zu züchten, werden einfach Verbote gefordert, mit denen die Halter enteignet und die „Tierschutz-Zoos“ mit neuen Exponaten aufgewertet werden.

Fazit:

Selbst wenn die Forderung nach einer Positivliste doch nur auf Naivität beruht, empfinde ich es als sehr bedenklich, dass die Befürworter solcher Haltungsverbote trotz der vielen Warnungen und vergleichbaren Erkenntnissen aus der Vergangenheit beratungsresistent sind. Am Ende sind nicht nur wir, sondern auch die Tierheime und Auffangstationen und natürlich die Tiere die Leidtragenden. Ich werde, sollten die politischen Entscheidungsträger ebenso borniert sein und tatsächlich der Forderung nachgeben, meine Konsequenzen aus der Sache ziehen. Sollte eine Positivliste beschlossen werden, stehen die besagten 30 Vereine – angefangen beim Hamburger Tierschutzverein – auf meiner persönlichen „Positivliste“ all der Einrichtungen, die zur Exotenaufnahme empfohlen werden können. Sollen die sich dann um die ganzen Fund- und Abgabetiere selbst kümmern, bei denen bisher noch sachkundige Privathalter einspringen dürfen. Die Vereine haben ja offenbar genug Kapazitäten, um auf privates Ehrenamt verzichten zu können, sonst würden sie Tierschutzprobleme nicht noch weiter befeuern.


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