Donnerstag, 11. Mai 2017

Norwegen beschließt Positivliste für Reptilien

Seit 40 Jahren besteht in Norwegen ein striktes Haltungs- und Handelsverbot für Reptilien. Wie der ehemalige DGHT-Präsident Peter Buchert in einem Vortrag auf dem ersten Wildtier-Symposium in Berlin darstellte, führte dieses generelle Verbot zur Tötung von jährlich mindestens 1.000 beschlagnahmten Reptilien und Amphibien. Damit wird voraussichtlich ab Sommer dieses Jahres zumindest ein Stück weit Schluss sein: 

Wie die norwegische Regierung heute in einer Pressemeldung bekanntgab, wird am 15. August 2017 eine Änderungsverordnung in Kraft treten, welche die Haltung, den Import und den Handel von 19 Reptilienarten wieder legalisiert. Die Liste der erlaubten Reptilien entstand in einem langwierigen Prozess seit 1994 unter Konsultation verschiedener Experten und mit Beteiligung mehrerer Ausschüsse (anders also als in den Niederlanden).

Lobenswert ist, dass die norwegische Regierung sich in den letzten 23 Jahren intensiv mit Meinungen seitens der Heimtierbranche auseinandergesetzt hat und nicht mehr an einem veralteten Beschluss festhalten wollte. Andererseits wird deutlich, dass die Zoofachhandelslobby ihren Einfluss vor allem bei den handelsrelevanten Arten spielen ließ. Folgende 19 Reptilienarten werden nämlich wieder erlaubt sein:

Schlangen:
Grüner Baumpython (Morelia viridis)
Hundskopfboa (Corallus hortulanus)
Abgottschlange (Boa constrictor)
Königspython (Python regius)
Kettennatter (Lampropeltis getula)
Kornnatter (Pantherophis guttatus)
Dreiecksnatter (Lampropeltis triangulum)
Regenbogenboa (Epicrates cenchria)
Rautenpython (Morelia spilota)

Echsen:
Stachelschwanzwaran (Varanus acanthurus)
Neukaledonischer Kronengecko (Correlophus ciliatus, syn. Rhacodactylus ciliatus)
Leopardgecko (Eublepharis macularius)
Perleidechse (Lacerta lepida)
Geschmückte Dornschwanzagame (Uromastyx ocellata)
Bartagame (Pogona vitticeps)
Madagaskar-Taggecko (Phelsuma madagascariensis)

Schildkröten:
Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni)
Chinesische Dreikielschildkröte (Chinemys reevesi)
Köhlerschildkröte (Chelonoidis carbonarius, syn. Geochelone carbonaria)

Prinzipiell hat also Lobbyismus zwar dafür gesorgt, dass ein paar wenige Reptilienarten wieder gehalten und gehandelt werden dürfen, statt beschlagnahmt und getötet zu werden, was man zunächst einmal als Erfolg auffassen könnte. Dennoch ist die Objektivität weiterhin zu hinterfragen. Warum soll z.B. die Kornnatter geeigneter für die Heimtierhaltung sein als beispielsweise die Erdnatter (Pantherophis obsoletus)? Objektiv gibt es dafür schlicht und ergreifend keinen Grund… aus subjektiven Handelsinteressen aber offenbar schon
.
 
Positivlisten mögen in einem Land, welches bislang nur strikte Komplettverbote kannte, zwar ein Schritt in die richtige Richtung sein, dennoch sind sie prinzipiell abzulehnen. Denn für Tausende andere Reptilienarten wird sich nichts ändern. Sie werden weiterhin beschlagnahmt und mitunter eingeschläfert. Dabei wären diese in der Mehrzahl ebenfalls für eine sachkundige Privathaltung sehr gut geeignet. Ein ideologisch motiviertes generelles Verbot aller Reptilien lehne ich zwar ebenso ab, es ist für mich aber dann doch eher nachzuvollziehen als diese leidige Rosinenpickerei mittels Positvliste!


1 Kommentar:

  1. Spannend ist auch, was mit Boa imperator, Phelsuma grandis, Lampropeltis polyzona und L. abnorma ist. Erlaubt oder nicht? Werden wohl wieder Gerichte entscheiden müssen.

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