Sonntag, 28. Mai 2017

Ein „Tag“ auf der Schlangenfarm Schladen

Im schönen nördlichen Harzvorland liegt Schladen, wo sich Europas größte, private Schlangenfarm befindet. Gründer und Inhaber der Farm ist der aus TV und Zeitung bekannte Weltrekordhalter im „Snake-sit-in“ Jürgen Hergert.

Auf der Schlangenfarm Schladen (auch als
Nordharzer Schlangenparadies bekannt) werden erwartungsgemäß vor allem Schlangen gezeigt. Schwerpunkt liegt auf der Präsentation von Giftschlagen. Von den laut eigenen Angaben 58 Schlangenarten zählen 48 Arten zu den weitläufig als „Giftschlangen“ bezeichneten Arten. Doch auch ungiftige Exemplare wie Korn- und Erdnattern, Boidae, Pythonidae und sogar einige Echsen und Schildkröten werden ausgestellt. Diverse Wirbellose (hauptsächlich Vogelspinnen und Skorpione), Piranhas sowie ein „Krokodilhaus“ vervollständigen den Tierbestand. Mein persönliches Highlight war ein zentrales Außenterrarium, in dem sich mehrere einheimische Schlangenarten befanden. Dort konnte ich mehrere Äskulapnattern und eine Ringelnatter beobachten, die an einem improvisierten Fischteich auf Beutefang ging.
 

Insgesamt werden auf dem 3000 Quadratmeter großen Gelände rund 1300 Tiere gehalten. Da die Farm aber vor allem der Produktion von Schlangengiften dient, die in der Pharmazie z.B. für Antiseren oder Medikamente eingesetzt werden, wird nur ein vergleichsweise kleiner Teil davon den Besuchern präsentiert. Der Rundweg ist entsprechend kurz, daher darf man nicht mit falschen Erwartungen an einen tagesfüllenden Ausflug anreisen. Ich habe mir Zeit gelassen, manche Terrarien mehrmals besucht und eine Vorführung angesehen, war aber trotzdem schon nach etwa einer Stunde mit allem durch.


Die Präsentation der Tiere wirkte auf mich teilweise leider nicht besonders ansprechend. Die ganze Farm hat einen Charme, den Wohnungsmakler beschönigend als „vintage“ bezeichnen würden. Die meisten Schlangenterrarien sind in Gebäuden eingemauert und durch Außenfenster zugänglich. Durch diese Fenster erfolgt auch die Beobachtung. Da man sich selbst dabei jedoch unter freiem Himmel befindet, erschweren Lichtreflexionen und Schattenwürfe die Beobachtung.
 

Bei der Einrichtung der Terrarien gab es ebenfalls Licht und Schatten. Die meisten Terrarien waren während meines Besuchs zunächst einmal sauber. Abgestreifte Exuvien – so erfuhr ich in der Vorführung – werden zu Demonstrationszwecken absichtlich für eine Zeit lang in den Terrarien belassen. Leider ließ die Einrichtung bei einigen Arten zu wünschen übrig. Geschnitzte Eulen und weihnachtliche Elche/Rentiere (?) aus Holz mögen zwar für manche eine ansprechende Terrariendekoration sein, auf mich wirkte das dann aber doch eher befremdlich. Vielleicht sollte damit dargestellt werden, dass die Tiere in freier Natur gerne mal Müllhaufen als Versteck nutzen? In einem Terrarium mit mehreren ausgewachsenen Tigerpythons gab es keinerlei Versteckmöglichkeiten. Zwar sind sich diese Tiere sicherlich ihrer Kraft bewusst und daher nicht mehr so scheu wie Jungtiere, dennoch würde ich bei diesen Tieren immer ein paar ausreichend große Rindenstücke o.Ä. empfehlen, unter die sich die Tiere bei Bedarf zurückziehen können. In einem Terrarium mit Schönnattern - auch Streifenkletternattern genannt – fehlte es mir an Kletterästen und Deckung im oberen Terrarienbereich. Der nutzbare Raum wurde meinem Empfinden nach nicht wirklich sinnvoll genutzt. Die Piranhas hatten es leider nicht besser. Diesen sensiblen Fischen dienten nämlich nicht etwa Wurzeln und Wasserpflanzung als Versteckmöglichkeit, sondern lediglich eine außen mit Rückwandfolie abgeklebte Hälfte ihres Aquariums.

Dass Terrarien mit Giftschlangen immer gut einsehbar sein müssen und daher zwischen Praktikabilität, Sicherheit und ausreichend Deckung für die Tiere abgewogen werden muss, ist mir bewusst. Die eher spartanische Einrichtung der Terrarien mit ungiftigen Schlangen lässt sich damit allerdings nicht rechtfertigen. Auch bei den Unterkünften der Echsen (beispielsweise einer Grünen Wasseragame sowie mehrerer Grüner Leguane, die in Gewächshäusern – jedoch ohne Gewächse – hockten, oder von Leopardgeckos, deren Rückwand keinerlei strukturierte Aufenthaltsfläche bot) waren die Haltungsbedingungen leider nicht so vorbildlich, wie sie bei einer öffentlich zugänglichen Tierhaltung meiner Meinung nach sein sollten.


Die Vorführung war in Ordnung. Eine Tierpflegerin präsentierte den Zuschauern einen Königspython namens „Norbert“ und erklärte einiges über die Farm, die Lebensweise dieses Tieres sowie die unterschiedlichen Giftwirkungen. Interessant war die Information, dass das Melken von Giftschlangen inzwischen nicht mehr in öffentlichen Vorführungen, sondern hauptsächlich hinter den Kulissen abläuft. Während des Vortrags konnten die Zuschauer den Königspython berühren, halten und mit ihm Fotos machen. Für mich als Halter dieser Art war das zwar nichts Besonderes, das Tier wirkte aber immerhin ruhig und gelassen. Auch war es schön zu sehen, wie Leute, die sonst mit diesen Tieren wohl eher nichts zu tun haben, ihre Vorbehalte ablegten und das Tier hautnah erlebten. Aus Aspekten der Naturbildung eine tolle Sache.
 

Fazit:

Wer in der Nähe von Schladen wohnt, ein Auto hat (oder eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln inkl. eines längeren Fußmarsches nicht scheut) und sich vor allem für Giftschlangen begeistert, sollte sich ruhig selbst mal einen Eindruck von der Schlangenfarm verschaffen. Eine weite Anreise lohnt sich aber meinem Empfinden nach nicht. Die 8,- Euro Eintrittspreis empfinde ich auch als zu hoch, insbesondere da man als Besucher nicht den Eindruck hat, als würden die Einnahmen für Modernisierungen eingesetzt. Auch die Außenwirkung der Terrarien lässt teilweise sehr zu wünschen übrig. Durch eine derartige Präsentation von Tieren in einer öffentlich zugänglichen, zoologischen Einrichtung wird leider erneut der (falsche) Eindruck vermittelt, dass Reptilien in deutschen Haushalten auch nicht besser gehalten werden.


Kommentare:

  1. Auf YouTube gibt es eine Folge von der Sendung Tach Auch! in der es um die Schlangenfarm Schladen ging. Was Jürgen Hergert darin für Märchen über Schlangen erzählt (eine Boa constrictor wird über 6 Meter lang und Pythons riechen mit ihrem Grubenorgan) passt sehr gut zur Qualität dieser Farm, die du berichtest.

    https://www.youtube.com/watch?v=h1yoKF3S0vU

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    1. Danke für den Hinweis. Die Labialgruben mit dem Jacobsonschen Organ zu verwechseln, ist für einen Schlangenexperten schon mehr als bedenklich. Bei der "Tiershow", die ich gesehen habe, hat die Tierpflegerin die Funktion der Labialgruben richtig erklärt und auch sonst waren ihre Infos korrekt. Ich wäre schwer geschockt gewesen und hätte mich sicher nicht zurückgehalten, wenn sie oder Herr Hergert (der bei meinem Besuch übrigens nicht vor Ort war) in meiner Gegenwart solch gefährliches Halbwissen verbreitet hätten.

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