Dienstag, 25. April 2017

Zootierhaltung in der öffentlichen Kritik

Nach den kürzlich veröffentlichten Aufnahmen der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland im Report Mainz (ARD) über das Elefantentraining im Erlebniszoo Hannover und der gestrigen erneuten Ausstrahlung dieses Materials im RTL-Magazin „Extra“, wird die grundsätzliche Legitimation von Zoos zunehmend kontrovers diskutiert.

Kritik wird vor allem seitens einer von Tierrechtlern aufgehetzten Schar an Wutbürgern laut. Schaut man sich die Urheber der zum Teil strafrechtlich relevanten Kommentare in den (a)sozialen Netzwerken an, wird schnell deutlich, dass diese Leute offenbar nicht verstanden haben, worum es den Organisationen geht, denen sie so bereitwillig folgen: Die sukzessive Abschaffung jeder Art von Tiernutzung. Erstaunlicherweise findet man in den Profilen der meisten Zookritiker, die ihr mangelhaftes Wissen über die sog. „Wildtierhaltung“ mit überschwänglichen Emotionen und dumpfen Bauchgefühlen zu kompensieren versuchen, fast immer Aufnahmen von persönlichen Tierhaltungen, die vom harten Kern der als Helden gefeierten Tierrechtslobby ebenfalls abgelehnt werden. Da werden Hunde, Katzen und Pferde freudig der Kamera präsentiert, während man von der Couch aus Scheißhausparolen wie „Artgerecht ist nur die Freiheit“ in den Äther schickt. Tierhalter, die Tierhaltung ablehnen? In den Psychiatrien sitzen Leute für weniger…

Domestikation als Rechtfertigung?

Auf diese schizophren anmutende Geistesstörung hingewiesen, reagieren die Betroffenen zumeist mit der Rechtfertigung, dass ihre Tiere schließlich domestiziert seien und daher gar nicht mit Wildtieren in Zoos verglichen werden können. Das stimmt insofern, als dass Zoos und andere Wildtierhalter sich bei der Schaffung von Tiergehegen an den natürlichen Lebensräumen orientieren, während die Domestikation von Tieren seit jeher das genaue Gegenteil vorsieht: Tiere den menschlichen Wünschen durch Selektionszucht anzupassen. Die Domestikation ist, aus Sicht der Tierrechtsideologie, eigentlich als das größte Verbrechen aller Zeiten zu betrachten. Umso absurder wirkt es, wenn Tierrechtler diesen Tierrechtsverstoß als Argument vorbringen, um ihre eigene, ebenso egoistische Tierhaltung zu rechtfertigen, während sie mit erhobenem Zeigefinger auf Tierhaltungen zeigen, die sie nicht verstehen.

Tierrechtsvereine wie PETA, animal public etc. haben ein Talent dafür, Missstände bei „domestizierten“ Tieren zu verschweigen, mit einseitigen Berichten Vorurteile zu schüren und die öffentliche Wahrnehmung zu manipulieren, damit sie möglichst viele „Tierfreunde“ desinformieren und so auf ihre Seite ziehen können. Mit diesen Methoden haben auch AfD, Flat-Earther, und der IS großen Erfolg.

Wie definiert ein Tier „Freiheit“?

Das Freiheitsempfinden von unterschiedlichen Tierspezies ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Eine Verallgemeinerung und das Übertragen des menschlichen Freiheitsbewusstseins auf andere Tiere, wie es der Antispeziesismus – die Kernideologie der Tierrechtsbewegung – vorsieht, ist kontraproduktiv und daher abzulehnen. Den moralischen Ansatz dieser Ideologie „Gleichbehandlung dort, wo gleiche Interessen vorhanden sind“ kann ich durchaus nachvollziehen. Leider werden dann aber sehr oft gleiche Interessen wie z.B. der Wunsch nach Freiheit in Tiere hineininterpretiert, die sich diesem vom Menschen geschaffenen Modell gar nicht bewusst sein können. Antispeziesismus basiert nämlich nicht auf objektivem Wissen, sondern auf einer nicht greifbaren, je nach Gutdünken wandelbaren Doppelmoral. Alle Tiere (inkl. des Menschen) werden dabei als gleichberechtigt auf eine Stufe gestellt und anatomische sowie evolutionäre Unterschiede einfach ignoriert. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Entwicklungsgeschichte sind Tiere aber nun mal nicht gleich. Das bedeutet nicht, dass eine Schlange weniger wert ist als ein Elefant, aber dennoch gibt es entwicklungsgeschichtliche große Unterschiede, die beachtet werden müssen. Man schaue sich nur einmal den Aufbau des Gehirns an. 
 
 
Dies führt dazu, dass man die Bedürfnisse der jeweiligen Tierart betrachten und dann abwägen muss, ob und in welcher Form eine Haltung in menschlicher Obhut angebracht ist oder nicht. Sicherlich ist nicht jede Tierart für jedermann als Heimtier geeignet. Daher wird es immer Situationen geben, in denen Tierhaltungen (auch in Zoos) aus Tierschutzsicht abzulehnen sind. Aber auch hier lässt sich keine Tierart als besonders geeignet oder ungeeignet hervorheben, so wie es von Zookritikern und Tierhaltungsgegnern regelmäßig getan wird. Entweder befürwortet man bedürfnisorientierte (=artgerechte) Tierhaltung oder aber man lehnt jede Art von Tierhaltung ab. Ein Zwischending wäre scheinheilig.

Daher ist es unlogisch, warum Antispeziesisten für die omnivore Tierspezies Homo sapiens eine nicht artgerechte herbivore Ernährungsweise propagieren, während die Lebensweise aller anderen omnivoren und carnivoren Tierspezies moralisch akzeptabel sein soll. Das widerspricht bereits dem Gleichheitsgedanken des Antispeziesismus.

Zoos und Artenschutz

Zoos dienten früher dazu, Menschen mit exotischen Tieren aus fremden Ländern zu unterhalten. Heutzutage haben zoologische Einrichtungen aber einen ganz anderen Ansatz. Sicherlich erfüllt nicht jeder „Wald-und-Wiesen-Tierparkt“ diesen hohen Anspruch, aber das rechtfertigt keine Generalkritik an Zoos, sondern erfordert eine genaue Einzelfallbetrachtung.

Sehr oft werden Aussagen von Zookritikern verbreitet, die das komplexe Thema viel zu sehr pauschalisieren. Beispielsweise wird behauptet, dass in menschlicher Obhut aufgewachsene Wildtiere nicht mehr ausgewildert werden können und Zoos daher nicht dem Artenschutz dienen. Auch hierbei kommt es wieder ganz auf die Tierart an und auch auf die Art und Weise der Aufzucht. Handaufzuchten hochsozialer Säugetiere sind für eine Auswilderung sicherlich ungeeignet. Dennoch gibt es viele Beispiele, in denen in menschlicher Obhut aufgewachsene Tiere erfolgreich ausgewildert und wildlebende Populationen dadurch vielleicht sogar langfristig gerettet wurden (z.B. Przewalskipferde, Andenkondor oder als naheliegendes Beispiel: Wisent). Auswilderung bedeutet nicht: Man nehme ein Zuchttier und setze es aus. Auswilderung bedeutet, dass die Tiere stückweise an ein Leben in freier Wildbahn herangeführt werden. Sie müssen das Leben in Freiheit also erst erlernen und sich den veränderten Bedingungen neu anpassen. Mit der Behauptung, sie seien dazu nicht fähig, tut man ihnen Unrecht.

Nicht nur die Nachzucht für die Auswilderung spielt für den Artenschutzgedanken eine Rolle, sondern auch der Aspekt der Naturbildung. Deren Erfolg lässt sich zwar kaum messen, aber das ist bei den von Zookritikern als Alternative promoteten Dokumentarfilmen auch nicht anders. Ich bin der Meinung, dass das direkte Erleben im Endeffekt sehr viel mehr bei den Menschen bewirkt, als das stupide Betrachten von Filmaufnahmen. Aufgrund der Aussagen mancher Tierrechtler habe ich außerdem den Eindruck, dass sie Filme wie „Findet Nemo“ und „Rio“ gedanklich als Dokumentarfilme wahrnehmen. Als Lösung wird dann von Zookritikern angeführt, dass man doch in die natürlichen Lebensräume reisen könnte, wenn man unbedingt Wildtiere live erleben möchte. Man hält es also für sinnvoller, dass Menschenmassen statt gezüchtete Tiere in Zoos anzuschauen, selber in die Lebensräume reisen, um dort Wildtiere zu beunruhigen. Tja, Tierrechtslogik kennt nun mal keine Logik.

Emotionalisierung der „freien Natur“

Zookritiker sind der Meinung, dass man Tieren in menschlicher Obhut niemals die Natur ersetzen kann. Schließlich wandern Elefanten in Afrika weite Strecken, was sie im Zoo nicht können und diese Einschränkung daher als tierquälerischer „Tierknast“ interpretiert wird. Doch auch dies hält als Argument nicht stand.

Natürlich ist jeder Art von Tierhaltung eine Abweichung von der Natur, aber ist das auch problematisch? Große Reviere sind schließlich kein Zeichen von Freiheit, denn auch diese sind begrenzt. Die Reviergröße richtet sich nach den verfügbaren Ressourcen. Afrikanische Elefanten müssen beispielsweise nur deshalb weite Strecken wandern, um in kargen Landschaften ausreichend Nahrung oder während der Trockenzeiten Wasserstellen zu finden. Sie wandern nicht etwa, weil es ihnen Spaß macht, ihre ach so tolle Freiheit auszuleben oder weil sie es als eines ihrer schützenswerten Grundrechte verstehen, sondern weil sie sonst nicht überleben würden. Wenn die Ressourcenlage es zulässt, stellen sie ihre Wanderungen ein. So gibt es Populationen, die zwar regelmäßig weite Strecken zu angestammten Gebieten mit üppiger Vegetation auf sich nehmen, sich dort aber in großen Scharen auf vergleichsweise kleinem Terrain langfristig aufhalten, bis die Ressourcen erschöpft sind. Die Reviergröße beschreibt somit lediglich die Ressourcenlage, ist emotional aber gänzlich ohne Wertung. Je größer die Reviere, desto schlechter sind die Ressourcen verteilt. Wenn Tiere wie im Zoo regelmäßig vom Menschen versorgt werden, erübrigen sich Wanderungen in kilometerweiten Gebieten zur Nahrungs- und Wasserbeschaffung. Deshalb ist tiergerechte Beschäftigung auch so wichtig, damit die Tiere sich nicht langweilen – das gilt für Zootiere ebenso wie für Haustiere.

So wie die Hunde der Zookritiker ihre Beute eben auch nicht in großen Rudeln nach kilometerweiten Hetzjagden selbst erlegen müssen, weil sie vom Menschen versorgt werden, so brauchen auch andere Tiere in menschlicher Obhut keine 1:1 Abbildung ihres natürlichen Lebensraumes, um „glücklich“ zu sein. Wer der Meinung ist, dass eine solche Einschränkung unmoralisch ist, kann von mir aus sehr gerne dieser Meinung sein. Diese Leute dürfen dann aber selbst auch keine Tiere halten, weil das sonst inkonsequente Doppelmoral ist.

Fazit:

Tierquälerei ist natürlich nicht zu dulden und sollte die ermittelnde Staatsanwaltschaft zu der Erkenntnis kommen, dass das Elefantentraining im Zoo Hannover nicht tierschutzgerecht abgelaufen ist, erwarte ich vom Zoo, dass entsprechende Konsequenzen gezogen werden. Doch ganz egal wie das Ergebnis ausfällt, PETA hat sich bereits der Mittäterschaft schuldig gemacht. Die mutmaßlich tierquälerischen Aufnahmen, die im Herbst letzten Jahres von dieser Organisation angefertigt wurden, hätten zeitnah den Behörden überreicht werden müssen und nicht erst knapp ein halbes Jahr später, damit PETA damit – passend zum Beginn der Zoo-Saison – zunächst erst mal in den Medien platziert wird. Keiner der emotional aufgewühlten Tierfreunde erkennt, dass PETA mit diesem Verhalten das Tierleid verlängert hat und selbst keine weiße Weste hat. Keine der TV-Anstalten scheint dieses Vorgehen auch nur ansatzweise hinterfragt zu haben. Das ist – neben der überzogenen Generalkritik an Zoos – der größte Skandal.
 
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