Mittwoch, 26. April 2017

Die Sinaloa-Königsnatter (Lampropeltis polyzona „sinaloae“)

Die Sinaloa-Königsnatter (Lampropeltis polyzona „sinaloae“) ist im Deutschen unter vielen verschiedenen Trivialnamen bekannt. So wird sie auch als Sinaloa-Milchschlange oder als Sinaloa-Dreiecksnatter bezeichnet. Milchschlange wird sie aufgrund einer alten Volkssage genannt, weil sie als Kulturfolger häufig in Kuhställen zu finden ist und die Landwirte glaubten, sie würde an den Eutern der Kühe saugen. Dieser Volksglaube ist übrigens auch bei uns bekannt, betrifft hier jedoch einheimische Schlangen wie Ringelnatter und Kreuzotter. Die deutsche Benennung als Dreiecksnatter ist inzwischen als überholt anzusehen. Die Sinaloa-Königsnatter wurde bis 2014 noch als Lampropeltis triangulum sinaloae und somit als Unterart der Dreiecksnatter (Lampropeltis triangulum) bezeichnet (triangulum = Dreieck). Aufgrund von DNA-Analysen wurde jedoch festgestellt, dass zwischen dieser (ehemaligen) Unterart und den „echten“ Dreiecksnattern doch keine so enge Verwandtschaft besteht. Die Sinaloa-Königsnatter wird deshalb derzeit als Lokalform von Lampropeltis polyzona eingestuft.

Der Lebensraum dieser ungiftigen Natter erstreckt sich über weite Teile Mexikos. Sie ist äußerst anpassungsfähig und kommt sowohl im Tiefland als auch in höheren Lagen vor. Sie bevorzugt eher trockene Lebensräume und ist als Kulturfolger vor allem auf landwirtschaftlich genutzten Flächen zu finden.

Verhalten

Vom Verhalten her sind die Tiere normalerweise ruhig und defensiv. Jungschlangen sind allerdings oftmals sehr hektisch und reagieren auf den Menschen mit Flucht und Ablenkungsmanövern, bei denen sie ihre Schwanzspitze wild hin und her schlagen. Im Laufe der Zeit gewöhnen sie sich jedoch an den Menschen und verlieren ihre Scheu. Sie zeigen sich dann häufiger im Terrarium und flüchten nicht mehr, wenn der Halter vor dem Terrarium erscheint. Mit fortschreitendem Alter werden sie sogar regelrecht zutraulich und kommen in Richtung ihres Halters, in der Erwartung auf Futter. Dies kann bei Arbeiten im Terrarium schon mal etwas lästig sein. Abwehrbisse habe ich bei dieser Art allerdings noch nie erlebt, was einerseits zeigt, dass sie sich gut an eine Haltung in menschlicher Obhut gewöhnt. Ein weiterer Grund dafür ist allerdings auch, dass die Tiere auf Ihre Warnfarben vertrauen. Die Sinaloa-Königsnatter imitiert mit ihrer Färbung nämlich Korallenottern der Gattung Micrurus, die in den selben Verbreitungsgebieten vorkommen und giftig sind. Mit dieser Mimikry täuscht die ungiftige Sinaloa-Königsnatter Fressfeinden eine nicht vorhandene Gefährlichkeit vor. Würde sie zur Abwehr beißen, wäre die Täuschung schnell durchschaut. Auch in Hollywoodfilmen wird die harmlose Sinaloa-Dreiecksnatter gerne als „Double“ für hochgiftige Korallenottern eingesetzt, was für Kenner immer sehr erheiternd ist.

Haltungsbedingungen:

Die Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien geben für ein Pärchen Sinaloa-Königsnattern ein Terrarienmindestmaß von 1,0 x 0,5 x 0,5 mal der Gesamtkörperlänge des größten Tieres an. Die Aufzucht von Jungschlangen erfolgt häufig in sog. „Spinnenwürfeln“ (z.B. 20 x 20 x 20 cm), was auch mit den Mindesthaltungsrichtlinien im Einklang steht (die Aufzucht in kleineren Terrarien ist gestattet). Erwachsene Tiere benötigen entsprechend der o.g. Formel Terrarien von mindestens 100 x 50 x 50 cm oder sogar 120 x 60 x 60 cm (Weibchen werden in der Regel größer als Männchen). Ich verwende Terrarien aus OSB-Holz und bin damit sehr zufrieden.

Das Terrarium sollte gut strukturiert sein und einen grabfähigen Bodengrund enthalten. Gut geeignet ist Garten-, Wald- oder auch Blumenerde. Kleintierstreu, Holzspäne und Rindenprodukte (z.B. Pinienrinde, Rindenmulch etc.), die häufig für Schlangenhaltung angeboten werden, sind aus meiner Sicht nicht für die dauerhafte Haltung von Königsnattern geeignet, da sie nicht wirklich grabfähig sind, häufig stauben oder aufgrund von Kot und Urin schnell schimmeln können. Kokoshumus ist eine mögliche Alternative, muss aber regelmäßig leicht nachgefeuchtet werden, damit er grabfähig bleibt. 
 
Obwohl die Sinaloa-Dreiecksnatter eher selten klettert, sind ein paar Kletteräste und höhergelegene Liegeflächen ebenfalls empfehlenswert, um den aktiv nutzbaren Raum im Terrarium zu vergrößern. Als Versteckmöglichkeiten dienen z.B. Korkröhren, Korkrindenstücke und Pflanzschalen aus Ton. Manche dieser Verstecke werden mit feuchtem Moos ausgestattet. So hat die Schlange die Wahl zwischen verschiedenen Versteckmöglichkeiten. Empfehlenswert ist auch noch eine sog. „Wetbox“, da man diese leichter mit feuchtem Moos bestücken kann. Diese dient den Tieren während der Häutung gerne als Versteck und Weibchen legen darin ihre Eier ab, wenn sie an der richtigen Stelle im Terrarium bei etwa 27 °C platziert wird. Auch nicht verpaarte Weibchen produzieren Eier und benötigen daher eine geeignete Eiablagemöglichkeit. Eine Bepflanzung mit echten Pflanzen ist möglich. Dann benötigt man aber auch viel mehr Licht im Terrarium, was die Schlange selbst eigentlich nicht bräuchte. Eine Alternative wären künstliche Pflanzen, aber hierbei sind die Geschmäcker verschieden.
 

Temperatur & Luftfeuchtigkeit

Die Tagestemperatur sollte im Durchschnitt bei ca. 27 °C liegen. Das kann auf verschiedene Art und Weise erzeugt werden. Manche Halter schwören auf Wärmematten oder sog. „Heat Panels“, ich bevorzuge Wärmelampen. Die erforderliche Leistung richtet sich nach der Terrariengröße und den Umgebungstemperaturen am Aufstellort, daher muss man mit Thermometern messen, welche Lampenleistung man benötigt. Solche Lampen müssen bei Schlangen mit einem Schutzgitter versehen werden, damit die Tiere sich nicht verbrennen können. Unter dem Wärmespot sollten Temperaturen von ca. 35 °C, in der kühlsten Ecke des Terrariums in Höhe von ca. 23 °C erreicht werden. Nachts sollte die Temperatur abhängig von der Jahreszeit auf ca. 20 °C fallen. Die Luftfeuchtigkeit im Terrarium liegt bei mir tagsüber normalerweise zwischen 50 und 60 %, nachts steigt sie etwas an. In den feuchten Verstecken ist sie natürlich höher (Mikroklima). Während der Häutungsphase erhöhe ich durch regelmäßiges Sprühen die Gesamtluftfeuchtigkeit auf ca. 70 %. Aber auch das sind nur grobe Richtwerte. Ich bin der Meinung, dass nicht allzu große Schwankungen für die Tiere nicht schädlich sind, sondern sie sogar fitter machen. Die Natur ist schließlich auch kein Labor mit kontrollierten Bedingungen. Aber allzu sehr darf man von den genannten Werten natürlich nicht abweichen.

Vergesellschaftung

Die Sinaloa-Königsnatter ist zwar ophiophag, frisst also im natürlichen Verbreitungsgebiet gelegentlich auch mal andere Schlangen, bei in menschlicher Obhut aufgewachsenen und ausschließlich mit Nagetieren ernährten Nachzuchten scheint dieses Verhalten aber nicht mehr so stark ausgeprägt zu sein. Eine Paar- oder gar Gruppenhaltung wird Berichten zufolge von vielen Haltern ohne Zwischenfälle praktiziert. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass die Tiere dieselbe Größe haben, damit nicht doch ein kleineres Tier einem größeren zum Opfer fällt. Auch während der Fütterung ist dabei besondere Vorsicht geboten. Ich selbst halte meine Tiere allerdings einzeln und kann daher zur Vergesellschaftung keine persönlichen Erfahrungen schildern. Vergesellschaftung mit anderen Arten sollte unterlassen werden, auch wenn dies z.B. in manchen zoologischen Schauvivarien anders demonstriert wird:
 
Sinaloa-Königsnatter mit Kaiserboa im Naturhistorischen Museum Braunschweig (2015)

Fütterung

Obwohl Lampropeltis polyzona „sinaloae“, wie oben schon erläutert wurde, andere Schlangen und auch Echsen frisst, ist ein Verfüttern dieser Tiere nicht zwingend erforderlich. Die Art lässt sich sehr gut ausschließlich mit Nagetieren ernähren. Sie ist normalerweise schon als Jungtier futterfest und akzeptiert Frostfutter problemlos. Bei adulten Tieren reichen 1-2 Mäuse oder kleine Ratten pro Woche aus. Jungschlangen brauchen öfter Futter. Im natürlichen Lebensraum stehen auch Vögel, Eier und gelegentlich sogar Insekten auf ihrem Speiseplan.

Frisches Wasser sollte immer zur Verfügung stehen. Da die Sinaloa-Königsnatter insbesondere in der Häutungsphase gelegentlich badet, sollte die Wasserschale groß genug sein, um dies zu ermöglichen. Manchmal wird die Wasserschale auch als Toilette genutzt, dann ist das Wasser natürlich sofort zu wechseln.

Winterruhe & Erwerb

Diese Art benötigt eine eher milde, zwei- bis dreimonatige Winterruhe bei Tagestemperaturen von ca. 20 °C und ausgeschalteter Beleuchtung. Diese wird im Herbst durch eine stückweise Reduzierung der Beleuchtung und Wärmetechnik eingeleitet. In dieser Zeit wird auch die Fütterung eingestellt. Nachts sollten die Temperaturen während der Winterruhe im Bereich von ca. 10-15 °C liegen, aber nicht dauerhaft unter 10 °C fallen.
 
Paarungen finden nach der Winterruhe im Frühjahr statt. Die Nachzucht ist unproblematisch und gelingt regelmäßig, weswegen Nachzuchten der Sinaloa-Königsnatter schon zu vergleichsweise niedrigen Preisen angeboten werden. Dies hat zu einer gewissen Marktsättigung geführt. Nicht so stark wie beispielsweise bei Kornnattern, aber doch in einem Ausmaß, aufgrund dessen diese Schlange leider regelmäßig in Tierheimen und Auffangstationen landet. Daher sollte man sein Glück ruhig auch einmal in einer solchen Einrichtung versuchen, um einem der dortigen Tiere eine 2. Chance zu geben.

Die Lebenserwartung der Sinaloa-Königsnatter liegt in menschlicher Obhut bei ca. 20 Jahren, im natürlichen Lebensraum ist sie vermutlich kürzer.

 
Da in einem Blogpost nicht auf alle Bedürfnisse detailliert eingegangen werden kann, sind weiterführende Informationen zur artgerechten Haltung der einschlägigen Fachliteratur zur entnehmen. Für den Einstieg ist das Buch „Die Dreiecksnatter: Lampropeltis triangulum“ von Dieter Schmidt aus der Art-für-Art-Reihe empfehlenswert.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen