Dienstag, 14. März 2017

Review: „Panorama 3“ (NDR) über „Ungezügelten Handel mit exotischen Tieren“

Heterometrus cyaneus im Börsenverkauf
Der heutige Bericht „Ungezügelter Handel mit exotischen Tieren“ in der NDR-Sendung „Panorama 3“ hat mal wieder eindrucksvoll gezeigt, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eine aus meiner Sicht einseitige Meinungsbildung betreiben:

Dass der freie Handel mit sogenannten „Exoten“ auf Börsen oder im Internet für Tierschutzprobleme sorgen kann, soll an dieser Stelle gar nicht geleugnet werden. Personen, die Reptilien und andere Exoten z.B. als Statussymbol kaufen, sich jedoch nicht ausreichend über die Haltungsbedingungen informiert haben, gibt es durchaus und das vermutlich nicht gerade wenige (belastbare Zahlen gibt es allerdings nicht). Die im Beitrag interviewten Börsenbesucher zeugten größtenteils nicht gerade von Fachkenntnis. Wenn beispielsweise nicht einmal bekannt ist, welches Tier man da gerade erworben hat, ist vorhandene Sachkunde zweifelhaft. Ob die Verkäufer über die artgerechte Haltung aufgeklärt haben (was übrigens bei wirbellosen Tieren vom Gesetzgeber nicht vorgesehen ist), bleibt fraglich. Schließlich können Verkäufer ihren Kunden auch nur bis vor die Stirn schauen. Selbst Tierheime haben regelmäßig Rückläufer, weil sie Tiere in falsche Hände vermittelt haben. Das kommt vor und ist menschlich. Fraglich ist ebenso, wie viele fachkundige Käufer interviewt, aber nicht gezeigt wurden. Nach solchen Berichten wundert es mich andererseits auch nicht, dass immer weniger fachkundige Käufer für solche Interviews bereit sind. Übrig bleiben dann nur noch die mediengeilen Spontankäufer, die mit unqualifizierten Aussagen nur allzu gut in derartige Sendungen passen.

Tierschutzprobleme sind kein Exoten-Phänomen

Von den genannten Tierschutzproblemen sind vor allem die häufig gehaltenen Arten betroffen, die auch in dem Beitrag von der Leiterin der Reptilienstation Kappeln genannt wurden. Zur ganzen Wahrheit gehört ebenso, dass diese Arten mittlerweile einen gewissen Haustierstatus erlangt haben, den auch schon Katzen und Hunde „genießen“ und bei denen Probleme wie Tierheimabgaben in einem immens höheren Ausmaß auftreten. Doch nach verbindlichen Sachkundenachweisen für klassische Haustiere schreit niemand (immerhin haben manche Bundesländer eine mehr oder weniger sinnvolle Sachkundenachweispflicht für Hundehalter eingeführt). Dabei landen jährlich rund 80.000 Hunde und 130.000 Katzen in deutschen Tierheimen, während es bei Reptilien, basierend auf Zahlen des Deutschen Tierschutzbundes, gerade mal 1.800 sind. Jedes davon ist natürlich eines zu viel, aber von einer Exotenschwemme kann im Vergleich zu anderen Tieren absolut keine Rede sein – insbesondere, weil wir verantwortungsvollen Terrarianer eher untereinander für eine artgerechte Unterbringung sorgen, statt Tierheime in Anspruch zu nehmen. Aber dass ist ja dann „böser Internethandel“. Wie man es macht, macht man es falsch...

Sachkundenachweis - sinnvoll, aber fair?

Die Forderung einer verbindlichen Sachkundenachweispflicht wird von mir zwar grundsätzlich unterstützt. Ein solches Konzept sollte jedoch von echten Experten entwickelt und den Ansprüchen der jeweiligen Tierart angepasst werden. Vor allem aber sollte ein Sachkundenachweis kein Exklusivrecht für leidende Exoten sein, sondern für jede Art der Heimtierhaltung eingeführt werden.

In den Aussagen der Stationsleiterin aus dem NDR-Beitrag wurde deutlich, dass die Privathaltung von sogenannten „Exoten“ generell abgelehnt wird. So wurde u.a. der Haustier-Berater.de kritisiert, weil damit Werbung für die Haltung von Tieren gemacht würde, die „aus Tierschutzsicht auf keinen Fall in Haushalten gehalten werden sollten“. Eine Begründung für diese Aussage bleibt uns der Bericht leider schuldig. Warum? Weil sich alle Argumente gegen die Haltung von Reptilien und anderen „Exoten“ ausnahmslos auch auf domestizierte Haustiere übertragen lassen: Haltung bewahren!

Fazit:

Und so wird der Zuschauer mal wieder in dem Glauben gelassen, dass alle Reptilienhalter ihre spontan auf Börsen gekauften Viecher krank pflegen und beim kleinsten Problem abschieben. Warum nur sind die Öffentlich-Rechtlichen regelmäßig nicht zu einer differenzierten Berichterstattung in der Lage? Warum werden keine echten Fachleute wie z.B. Mitglieder der DGHT gezeigt, um zumindest den Versuch einer seriösen Berichterstattung zu wagen? Stattdessen wird mal wieder den einseitigen Aussagen von Tierschutzbund & Co. Gewicht verliehen. Journalistische Sorgfaltspflicht sieht für mich anders aus!

Am Ende des Beitrags wurde von der Moderatorin die Bitte geäußert, man solle sich melden, wenn man eine Geschichte habe, die einen aufregt oder ärgert – man würde dazu recherchieren. Was mich wirklich ärgert ist der ständige Gesinnungsjournalismus und die einseitige Meinungsbildung der Öffentlich-Rechtlichen. Das wäre doch mal ein spannendes Thema. Ich würde das Team von Panorama 3 ja um Recherche dazu bitten, aber damit würde ich der Redaktion eine unvoreingenommene Recherche zutrauen. Dies ist aufgrund des Exoten-Beitrags leider nicht der Fall...

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