Donnerstag, 9. März 2017

Krokodil-Kadaver in Schlitz: Halter meldet sich

Vor drei Wochen ging eine Meldung durch die Presse, die mal wieder ein schlechtes Licht auf die Terraristik und hier konkret auf die Haltung von potentiell gefährlichen Tieren warf. Im hessischen Vogelsbergkreis wurde ein ca. 1 Meter langer Krokodil-Kadaver von Anwohnern in einem Graben gefunden. Zunächst ging man davon aus, dass das Krokodil (ein mutmaßlicher Brillenkaiman) lebendig ausgesetzt wurde und bei der Kälte qualvoll verendete. Inzwischen hat sich der 39-jährige Halter des Krokodils der Polizei gestellt. Laut seiner Aussage sei das Tier bereits tot gewesen. Es starb nach vierjähriger Terrarienhaltung. So berichtete jedenfalls die Fuldaer Zeitung: Totes Krokodil in Schlitz: Besitzer meldet sich bei Polizei

Weitere Einzelheiten zur Todesursache des Tieres werden in den nächsten Tagen in einer gemeinsamen Presseerklärung von Polizei, Veterinäramt und Landeslabor erwartet.

Haltung verboten

Das Verhalten des Besitzers war natürlich verantwortungslos. Schon die Anschaffung des Tieres war mutmaßlich illegal, da in Hessen ein äußerst strenges Gefahriergesetz die Haltung und den Handel von Panzerechsen verbietet. Der Halter gab an, das Tier in einer Zoohandlung erworben zu haben. Ob dazu auch Einzelheiten in der Presseerklärung stehen werden, bleibt abzuwarten. Eines wird aber auch schon so deutlich: Strikte Haltungsverbote werden von verantwortungslosen Leute umgangen.

Die private Haltung von Panzerechsen ist in Hessen verboten.
Diese Leute, die gefährliche Tiere halten möchte und von denen die größte Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht, werden sich diese auch anschaffen. Doch was passiert mit Gefahrtieren, die nicht schon bei ihren Haltern verenden und illegal entsorgt werden, sondern die lebendig ausgesetzt oder nach Auffliegen einer illegalen Haltung von den Behörden beschlagnahmt werden? Diese Tiere müssen dauerhaft in Auffangstationen untergebracht werden und dürfen von dort nicht mehr an qualifizierte Privatpersonen vermittelt werden. Restriktive Gefahrtierregelungen führen somit zu einer Mehrbelastung von Tierheimen und Auffangstationen, denen es oftmals an Kapazitäten und finanziellen Mitteln für eine dauerhafte Unterbringung fehlt. Die daraus resultierenden Konsequenzen sind schon hinlänglich von der sog. „Kampfhund“-Problematik bekannt.

Lösung: Sachkundenachweis

Sinnvoller wäre daher die Schaffung eines verbindlichen Sachkundenachweises. Damit würde der illegale Handel zwar auch nicht verschwinden und gewisse Leute würden sich wohl immer noch auf anderen Wegen ihre Gefahrtiere besorgen, aber immerhin könnten Tierheime und Auffangstationen durch sachkundige Privatpersonen entlastet werden, denen eine Aufnahme von solchen Tieren weiterhin erlaubt bliebe.

In Hessen hat man diesen Weg leider nicht gewählt. Der Gesetzgeber knüpfte die Haltung von gefährlichen Tieren stattdessen an ein sogenanntes „berechtigtes Interesse“, welches selbst von verantwortungsvollen Privathaltern mit der vorhandenen Sachkunde kaum erfüllt werden kann. Getreu dem Grundsatz: Was verboten ist, existiert auch nicht mehr. Vorfälle wie jüngst in Schlitz zeigen, dass es nicht so ist. Der einzige Vorteil ist, dass der Anteil an wirklich gefährlichen Tieren in deutschen Haushalten sehr gering ist und es daher selten zu solchen Situationen kommt. Anders sieht es aus, wenn immer mehr harmlose Tiere als gefährlich eingestuft oder mittels anderer Regelungen (beispielsweise einer Positivliste) in Privathand verboten werden.

Dem ehemaligen Besitzer des Krokodils droht nun jedenfalls eine Geldstrafe in Höhe von bis zu 5.000 Euro wegen Verstoßes gegen das Hessische Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG).
  

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