Samstag, 21. Januar 2017

Stromkosten in der Terraristik

So manch Terrarianer findet in diesen Tagen die Abrechnungen seines Stromanbieters in seinem Briefkasten. Der eine oder andere Einsteiger wird dabei vielleicht eine böse Überraschung erleben. Immer wieder erlebe ich, dass Leute ihre Reptilien abgeben, weil die Stromkosten (angeblich) nicht mehr tragbar sind. Um solchen Fällen vorzubeugen, halte ich es für wichtig, dieses Thema einmal näher zu beleuchten:

Stromkosten errechnen:

Tools zur Berechnung von Stromkosten gibt im Internet einige. Beispielhaft sei hier der Stromkostenrechner von zwergbartagamen-ratgeber.de genannt. In diesem und vergleichbaren Tools gibt man zunächst seinen Strompreis ein. Meiner beträgt dieses Jahr 27,75 Cent/kWh – also rund 0,28 Euro/kWh.

Nachdem man seinen Strompreis in das Tool eingegeben hat, kann man mehrere Geräte benennen und deren Leistung sowie die Dauer der Nutzung in Stunden pro Tag und Tage pro Jahr eintragen. Auf diese Weise kann man einzelne Geräte wie Grundbeleuchtung, Wärmespots, Beregnungsanlage etc. eingeben, um so die anfallenden Stromkosten für den Betrieb eines Terrariums zu errechnen.

Handelt es sich um ein Terrarium für ein Tier, welches eine Hibernation einlegt und in dieser Zeit keine Terrarientechnik in Betrieb ist, muss man die Tage und bei Bedarf auch die Stundenzahl (z.B. für die Übergangszeit, in der die Beleuchtung/Temperatur stückweise heruntergefahren wird) anpassen, um ein möglichst genaues Ergebnis zu erhalten.

Welche Geräte man wie lange im Jahr in Betrieb hat, kommt - abgesehen natürlich von der zu haltenden Tierart - immer auch auf die räumlichen Gegebenheiten an. In einem kühlen Hobbykeller muss man wohl höhere Wattzahlen (Leistung) in die Terrarien bauen als in einer Dachgeschosswohnung, wo im Sommer womöglich sogar Wärmequellen abgeschaltet werden müssen, um eine Überhitzung der Terrarien zu vermeiden. Da derartige Eventualitäten zu beachten sind, verzichte ich an dieser Stelle auf tierartbezogene Beispielrechnungen. Stattdessen errechne ich beispielhaft die Betriebskosten für ein Terrarium ohne näher definierten Tierbesatz:

Beispiel:

Unser Beispielterrarium hat zwei Leuchtstoffröhren mit einer Leistung von 18 Watt, welche das ganze Jahr über 12 Stunden pro Tag laufen (Grundbeleuchtung). Darüber hinaus wird zur Mittagszeit für täglich 4 Stunden ein 35 Watt Wärmespot zugeschaltet. Zweimal täglich läuft zudem eine Beregnungsanlage mit 40 Watt für jeweils 1 Minute. Die jährlichen Kosten für den Betrieb dieses Beispiel-Terrariums betragen bei einem Strompreis von 0,28 Euro/kWh:

Grundbeleuchtung: 44,16 Euro
Wärmequelle: 14,31 Euro
Beregnungsanlage: 0,12 Euro
Jahreskosten: 58,59 Euro

Auf diese Art kann man vor der Anschaffung eines Tieres die zu erwartenden Jahresstromkosten für den Betrieb eines Terrariums errechnen und prüfen, ob diese das eigene Budget sprengen oder nicht. Natürlich kann man auch andere Geräte auf diese Art errechnen. Wer z.B. täglich 4 Stunden am 150-Watt-TV fernsieht, zahlt dafür ebenfalls rund 60 Euro im Jahr. Es soll ja tatsächlich noch Terrarianer geben, die statt in ihre Terrarien auch mal in die Flimmerkiste schauen.

Strom sparen:

Natürlich gibt es auch innerhalb der Terraristik Möglichkeiten, den Stromverbrauch zu senken und Kosten einzusparen. Derzeit wird die LED-Technik immer erschwinglicher in der Anschaffung. Die Qualität dieser Leuchtmittel hat sich in den letzten Jahren auch enorm verbessert. Das Beheizen von Terrarien über die Raumheizung ist in der Regel wirtschaftlicher, als die Terrarien mit Strom zu heizen. Wichtig beim Stromsparen ist jedoch eines: Spart niemals am Tier! Damit Reptilien & Co. ihre natürlichen Verhaltensweisen zeigen (und sich somit in menschlicher Obhut augenscheinlich wohlfühlen), müssen die artspezifischen Bedürfnisse erfüllt werden. Sonnenhungrige Echsen wie z.B. Bartagamen in dunklen und kalten Terrarien zu halten, nur um Strom zu sparen, wird sich mittelfristig negativ auf die Gesundheit der Tiere auswirken! Probleme wird es auch geben, wenn man den Terrarienraum mittels Raumheizung erwärmt, den Tieren im Terrarium dadurch jedoch ein Temperaturgefälle und demnach ein kühlerer Rückzugsort fehlt. Solche Fehler sind zu vermeiden.

Fazit:

Die Kosten für ein Terarrientier sind je nach Art und Bezugsquelle manchmal lächerlich niedrig und verleiten zu Spontankäufen, die laufenden Kosten für den Betrieb eines Terrariums sollten aber nicht vergessen werden. Diese sind zwar je nach Tierart nicht besonders hoch, trotzdem sollte man sich vor der Anschaffung einen Kostenplan erstellen. Dazu gehören neben den zu erwartenden Stromkosten auch die Kosten für Futter und evtl. notwendige Tierarztbesuche. Ein artgerechtes Terrarium sowie die dafür erforderliche Technik kosten nicht nur in der Anschaffung Geld. Dies sollte man sich bewusst sein, damit es bei der nächsten Stromabrechnung kein böses Erwachen gibt und das Tier evtl. wieder abgegeben werden muss.

Das von Tierrechtlern gerne mal vorgeschobene Argument der angeblich immens hohen Kosten rechtfertigt allerdings keine harsche Kritik an der Terraristik grundsätzlich. Andere Haustiere oder Hobbys gehen schließlich ebenso ins Geld. Jeder muss für sich selbst abwägen, was er investieren kann, um dann evtl. von der Anschaffung eines Tieres Abstand zu nehmen.

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