Montag, 3. Oktober 2016

Spinnen- und Insekten-Ausstellung in der Rattenfängerhalle Hameln

Brachypelma hamorii (ex smithi) - Symbolbild
Am 2. Oktober 2016 gastierte die Spinnen- und Insekten-Ausstellung aus Bielefeld in der Rattenfängerhalle Hameln. Ausgestellt wurden diverse Insekten, Spinnentiere und andere Wirbellose, darunter mit Theraphosa blondi die laut Guinness-Buch der Rekorde größte Vogelspinne der Welt. Vor allem Spinnentiere waren sehr präsent auf der Ausstellung. Neben Dutzenden verschiedenen Vogelspinnenarten, darunter die für die Gruppenhaltung geeignete Monocentropus balfouri oder die begehrte und zu hohen Preisen gehandelte Pamphobeteus insignis, wurden Riesenkrabbenspinnen, eine Geißelspinne (Damon diadema) und sogar zwei Echte Witwen (Latrodectus) ausgestellt - letztere zwar immer in Sichtweite des Veranstalters und mit einem Warnhinweis zur Giftigkeit, aber seltsamerweise in Falltürterrarien ohne Terrarienschlösser. Skorpione waren ebenfalls gut vertreten. Laut Website der Veranstalter gehören auch Kaiserskorpione (Pandinus imperator) zum Tierbestand der Ausstellung. Diese Art wurde aber leider nicht präsentiert. Nachdem der Export dieser Art in den Herkunftsländern eingestellt wurde, ist diese – angeblich häufig in Privathand nachgezüchtete Art – plötzlich zu einer regelrechten Rarität in deutschen Terrarien geworden. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

An Insekten wurden verschiedene Schaben und Gespenstschrecken gezeigt. Käfer und Gottesanbeterinnen waren leider nur als Präparate vorhanden, nicht jedoch als Lebendexemplare. Ein besonderes Highlight war für mich eine lebende Riesenwasserwanze (Lethocerus patruelis). Zwei Hundertfüßer (Scolopendra dehaani und Scolopendra morsitans), Riesentausendfüßer (Archispirostreptus gigas), Achatschnecken (Achatina marginata suturalis), Einsiedlerkrebse und Landkrabben vollendeten das ausgestellte Lebendtiersortiment. Darüber hinaus wurden noch einige Präparate und eine Dokumentation präsentiert.

Die Terrarien waren für eine Wanderausstellung größtenteils ordentlich ausgestattet und soweit artgerecht. Während unseres Besuches wurden die Tiere regelmäßig mit (Sprüh-)Wasser versorgt. Manche Terrarien hätten vielleicht ein wenig mehr Dekoration vertragen können. Leider entsprachen ein paar wenige der Terrarien nicht unbedingt den empfohlenen Haltungsbedingungen. So wurde bei der Wasserwanze zwar im Begleittext erklärt, dass sich diese Tiere in Wasserpflanzen verstecken, diese suchte man im ausgestellten Aquaterrarium allerdings vergebens. Einer Blauen Burma (Haplopelma lividum) wurde nur sehr wenig Bodengrund geboten, was leider bei sehr vielen Haltern so praktiziert wird und der an sich bloß scheuen Vogelspinne einen besonders aggressiven Ruf verpasst hat. Diese Tiere sind aber gar nicht aggressiv, wenn man sie entsprechend ihrer Lebensweise als Röhrenbewohner vernünftig mit ausreichend Bodengrund hält und ihnen somit mehr als nur einen Blumentopf als Rückzugsmöglichkeit bietet. Ein ähnlicher Mangel an Verstecken war beim ausgestellten Riesenspaltenskorpion (Hadogenes paucidens) und bei der Geißelspinne zu beobachten. Letztere hatte lediglich einen Ast zur Verfügung, an dessen Rückseite die nachtaktive Spinne Schutz suchte. Normalerweise hält sich die Art tagsüber in Steinspalten oder hinter abgeplatzter Baumrinde auf. Von Spalten als Versteckmöglichkeit war auch im Terrarium des Spaltenskorpions nichts zu finden. Abgesehen davon waren die ausgestellten Terrarien aber in Ordnung.

Die beschreibenden Begleittexte enthielten stellenweise leider fachliche Fehler. Bei einer Brachypelma wurde lobenswerterweise der bestehende Schutzstatus beschrieben. Leider war dies bei den anderen Vogelspinnen der Gattung Brachypelma nicht der Fall. Bei einer Spinne fehlte der Begleittext leider komplett. Ich kam zwar nicht dazu, jeden Text aufmerksam bis zu Ende zu lesen aber was ich so las, entsprach häufig nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft. So wurden beispielsweise Zikaden-Präparate als
„Grashüpfer bezeichnet, dabei sind Zikaden nicht in dieser Unterfamilie (Gomphocerinae) zu finden und nicht einmal mit Heuschrecken verwandt. Auf anderen Tafeln wurden Vogelspinnen fälschlicherweise als „Taranteln“ bezeichnet. Die Wasserwanze wurde mit dem falschen wissenschaftlichen Artnamen benannt (Lethocerinae patruelis statt Lethocerus patruelis). Derart fehlerhafte Infotafeln entsprechen nicht meinem Anspruch, den ich an eine pädagogisch wertvolle Ausstellung über Wirbellose stelle.

Am Souvenirstand wurden neben dem üblichen Kitsch auch noch sog.
Anfängervogelspinnen (inkl. Terrarium/Faunabox) verkauft. Konkret handelte es sich bei diesen Tieren um die Rote Chile-Vogelspinne (Grammostola rosea) und um die unter Artenschutz stehende Brachypelma boehmei. Diese beiden Arten halte ich nur bedingt für den Einstieg in die Vogelspinnenhaltung geeignet, weil eine artgerechte Haltung eine Winterruhe beinhaltet, die zwar auch Einsteiger bieten können, die jedoch eine umfangreichere Vorabinformation erfordert, die beim gezielten Kauf auf einer Börse oder in einem Fachgeschäft sicherlich eher gegeben ist als bei einem Spontankauf beim Besuch einer Wanderausstellung. Den Verkauf von Tieren auf solchen Ausstellungen halte ich daher für sehr fragwürdig. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller, wenn statt lebender Tiere beispielsweise Bücher über die Haltung von Vogelspinnen und anderen Wirbellosen verkauft würden.

Besucher konnten auch noch ein Foto mit einer Vogelspinne auf der Hand machen und als Andenken ausdrucken lassen. Das Handling von Vogelspinnen lehne ich persönlich ab. Ich finde es zwar nicht schlimm, wenn man Menschen auf diese direkte Art und Weise diese wundervollen Tiere näherbringen und die Harmlosigkeit demonstrieren möchte – zumal die dafür verwendeten Tiere wohl sicherlich daran gewöhnt sind. Trotzdem sollte dies aus meiner Sicht immer eine Ausnahme sein und kein Showeffekt. Es handelt sich immerhin um Tiere, die zwar von Experten gut einzuschätzen sind, bei denen aber trotzdem immer das (wenn auch geringe) Risiko eines Unfalls besteht. Würde ein solcher Fall eintreten, würde dies natürlich wieder in sämtlichen Sensationsmedien ausgeschlachtet und auf alle verantwortungsvollen Halter zurückfallen. Fauchschaben, Gespenstschrecken oder Riesentausendfüßer wären für solche Aktionen vielleicht besser geeignet.

Fazit:
Grundsätzlich fand ich die Ausstellung trotz einiger fachlicher Fehler durchaus sehenswert und interessant. Bei manchen Tieren könnte die Außenwirkung einer artgerechten Haltung verbessert werden. Die Infotafeln sollten ebenfalls überarbeitet werden, um den wissenschaftlichen Wert der Ausstellung zu steigern. Abgesehen davon ist die besagte Ausstellung sicherlich auch für Terrarianer einen Besuch wert.

 

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