Montag, 3. Oktober 2016

Höchster Schutzstatus für den Himmelblauen Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi)

Gestern wurde auf der 17. CITES-Artenschutzkonferenz in Südafrika über den Schutzstatus des Himmelblauen Zwergtaggeckos (Lygodactylus williamsi) entschieden. Die Europäische Union hatte gemeinsam mit dem Herkunftsland Tansania die Listung dieses Geckos im Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) beantragt. Dieser Antrag wurde ohne Gegenstimmen vom Komitee angenommen. Eine endgültige Entscheidung folgt zwar erst am 5. Oktober im Plenum der Artenschutzkonferenz, Änderungen sind jedoch aufgrund der einstimmigen Akzeptanz des Antrags nicht mehr zu erwarten. Lygodactylus williamsi bekommt somit einen internationalen Schutzstatus der höchsten Kategorie spendiert, was ein striktes Handelsverbot mit dieser Art weltweit (zumindest in den CITES-Mitgliedsstaaten) bedeutet.

Was bedeutet das nun für uns Terrarianer?
 
Grundsätzlich dient das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) dem Schutz wildlebender Arten. Aber natürlich sind auch Privathalter davon betroffen, weil im Artenschutzrecht bestimmte Auflagen zu erfüllen sind. Lygodactylus williamsi wird als CITES-Anhang-I-Art in der EU einem Besitz- und Vermarktungsverbot unterliegen. Nachzuchten sind davon grundsätzlich ausgenommen. Diese werden jedoch zusätzlich zu der seit Dezember 2014 geltenden Meldepflicht einer Kennzeichnungspflicht gemäß Abschnitt 4 BArtSchV unterliegen. Außerdem muss für den Handel mit Nachzuchten eine Vermarktungsgenehmigung beantragt werden, deren Gebühr je nach Gebührenordnung des jeweiligen Bundeslandes unter Umständen vom (geschätzten) wirtschaftlichen Wert der zu handelnden Tierart abhängt.

Derzeit greifen noch die Regelungen der aktuell gültigen EU-Artenschutzverordnung (Verordnung (EG) Nr. 338/97), deren Vollzug durch die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) und das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) in Deutschland geregelt ist. Nach Abschluss der Artenschutzkonferenz sind die CITES-Mitgliedsstaaten angehalten, die Beschlüsse innerhalb von 90 Tagen in ihren jeweiligen Artenschutzgesetzen und -verordnungen umzusetzen (Article XV CITES). Das bedeutet, dass bis Anfang 2017 die Anhänge der EU-Artenschutzverordnung entsprechend geändert werden müssen. Bis dahin sind Haltung und Handel noch zu den bisherigen Auflagen möglich. Sobald L. williamsi als CITES-Anhang-I-Art in den Anhang A der EU-Artenschutzverordnung aufgenommen wurde, greifen die für die Anhang-A-Arten geltenden strengen Artenschutzvorschriften.


Nachtrag v. 27.01.2017: Inzwischen hat die EU den Schutzstatus aktualisiert und L. williamsi rechtsverbindlich in Anhang A aufgenommen: CITES-Beschlüsse treten im EU-Recht in Kraft!
 

Es ist nicht die Aufgabe von betroffenen Haltern, sich im vorauseilenden Gehorsam nun Gedanken über die bevorstehende Art der Kennzeichnung zu machen. Ob sinnvoll oder nicht, es wird wahrscheinlich auf eine Fotodokumentation hinauslaufen. Näheres wird aber erst in Anlage 6 BArtSchV festgelegt. Wichtig ist für den Moment nur, dass betroffene Halter ihre Tiere auch wirklich zu den aktuell gültigen Rechtsvorschriften halten (also der geltenden Meldepflicht nachkommen).

Die Listung im CITES-Anhang I und die damit bevorstehende Aufnahme von L. williamsi im Anhang A der EU-Artenschutzverordnung bedeuten für Halter und Züchter in Zukunft sehr viel mehr Aufwand, Kosten und Bürokratie, weswegen wohl viele Erhaltungszuchten einbrechen werden. Womöglich kommt es in den nächsten Wochen noch zu regelrechten Panikverkäufen, weil Halter und Züchter die verschärften Auflagen scheuen oder aufgrund von Panikmache sogar Angst vor Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen haben. Wer sich an die geltenden Auflagen hält, hat aber normalerweise nichts zu befürchten (von vereinzelt vorkommender Behördenwillkür einmal abgesehen).

War L. williamsi nicht schon längst geschützt?

Der Himmelblaue Zwergtaggecko war bzw. ist bis jetzt wie erläutert nur im Anhang B der EU-Artenschutzverordnung gelistet und deswegen zwar in Deutschland besonders geschützt, in Nicht-EU-Staaten bislang aber nicht weiter reglementiert. Tansania hat den Export ebenfalls längst verboten, was jedoch Wilddiebe nicht davon abhielt, die Tiere zu schmuggeln und dann – vollkommen legal – außerhalb ihres Herkunftslandes zu verkaufen. Deswegen war ein internationaler Schutzstatus dringend notwendig.

Was bedeutet das für die wildlebenden Populationen?

Schmuggel und Lebensraumzerstörung werden durch den Beschluss wohl leider nicht gestoppt. Immerhin wird der Handel mit illegalen Wildfängen weiterhin und vor allem weltweit erschwert. Aber dafür hätte aus meiner Sicht zunächst auch eine Listung im CITES-Anhang II mit einer Null-Quote für den Export von Wildfängen ausgereicht.

Für den Erhalt der Art ist es mit dem internationalen Schutzstatus allein nicht getan. Der Lebensraum muss in Zukunft ebenfalls besser geschützt werden. Eine nachhaltige Nutzung der Wildpopulationen gab es bei L. williamsi nie. Die Schraubenbäume, auf denen die Geckos leben, wurden von Wilddieben gefällt und die Tiere danach abgesammelt. Immerhin ist der illegale Handel mit der Zeit zurückgegangen, weil immer mehr Exemplare in menschlicher Obhut nachgezüchtet wurden. Da aufgrund der höchsten Schutzkategorie wohl viele Erhaltungszuchten hierzulande aufgegeben werden, könnte der illegale Handel mit Naturentnahmen allerdings wieder lukrativer werden.

Aktuell ist der Himmelblaue Zwergtaggecko noch eine vergleichsweise häufig gehaltene Art in deutschen Terrarien. Dies wird sich meiner Einschätzung nach in Zukunft ändern. Nicht etwa, weil es keine als Nachzuchten deklarierten illegalen Wildfänge mehr gibt (wie manche Artenschützer verlauten lassen), sondern weil viele Betroffene den neuen Schutzstatus als Überregulierung verstehen. Der behördliche Aufwand wird sich im Verkaufspreis widerspiegeln. L. williamsi wird zukünftig wohl nur noch von wenigen Liebhabern gehalten, die den ganzen Aufwand nicht scheuen. Deswegen wäre es für den Erhalt der Art sinnvoll, wenn Züchter ihre Bemühungen z.B. innerhalb von Halterverbänden und Terraristik-Vereinen zukünftig gezielter koordinieren,
vergleichbar den Zuchtbüchern zoologischer Einrichtungen, um möglichst blutsfremde Tiere miteinander zu verpaaren. Der kommerzielle Handel wird aber gewiss anders reagieren und auf andere, nicht geschützte (aber deswegen nicht zwangsläufig weniger gefährdete) Arten wie z.B. Lygodactylus picturatus oder Lygodactylus fischeri zurückgreifen.

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Kommentare:

  1. Frage: Wie soll man L. Williamsi´s dokumentieren? Meine sehen (abgesehen von der Größe) alle gleich aus.

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    1. Antwort: Wie ich im Artikel geschrieben habe, soll das nicht unsere Sorge sein. Spekulationen bringen uns nicht wirklich weiter. Soll der Verordnungsgeber sich darüber erst mal selbst Gedanken machen.

      Fakt ist, dass Reptilien bevorzugt mit einem Transponder zu kennzeichnen sind und andernfalls per Fotodokumentation. Dies wird in Anlage 6 BArtSchV für jede Tierart näher definiert. Da Transponderkennzeichnung bei L. williamsi aufgrund des zu geringen Körpergewichts (< 200 g) grundsätzlich ausscheidet (siehe § 13 BArtSCHV), bleibt zunächst nur die Fotodokumentation als Kennzeichnungsmethode übrig. Sollte diese nicht nur aus Haltersicht, sondern auch aus Sicht des Verordnungsgebers kein probates Mittel der Kennzeichnung sein, findet sich eine weitere Alternative im § 13 BArtSchV: "Soweit dies nicht möglich ist, können weitere geeignete Kennzeichnungsmethoden, insbesondere molekulargenetische Methoden, zugelassen werden."

      Vielleicht läuft es also auf DNA-Analysen hinaus. Aber wie gesagt, das ist alles noch sehr spekulativ. Sollen sich erst mal andere darüber den Kopf zerbrechen.

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  2. Hallo. Ich habe da mal eine vielleicht dumme Frage zur angeblichen Meldepflicht. Wenn ich es richtig verstanden habe wird die doch in der Bundesartenschutzverordnung vorgeschrieben und nicht in der EU-Artenschutzverordnung. Bisher steht L. williamsi nicht in der Anlage 1 der Bundesartenschutz-VO drin. Meinem Verständnis nach ist er deshalb gar nicht "besonders geschützt" im Sinne der Bundesartenschutz-VO. Warum soll er dann aber meldepflichtig sein? Vielleicht kannst du mir das ja erklären. :)

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    1. Hallo „Anonym“, es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. ;)
      Du hast Recht, dass Lygodactylus williamsi derzeit (noch) nicht in der Anlage 1 der BArtSchV auftaucht. Meldepflichtig ist er aber trotzdem. Ich erkläre dir auch gerne, warum: § 7 BArtSchV schreibt eine Meldepflicht für „besonders geschützte“ Tiere vor. Die Definition, was „besonders geschützte“ Tiere sind, geht aber nicht nur aus der Anlage 1 BArtSchV hervor. Eine weitere wichtige Vorschrift ist das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Laut § 7 BNatSchG gelten Tier- und Pflanzenarten als besonders geschützt (und somit meldepflichtig gemäß § 7 BArtSchV), die in Anhang A oder Anhang B der EU-Artenschutzverordnung aufgeführt sind (als „streng geschützt“ gelten die Arten, die in Anhang A der EU-Artenschutzverordnung aufgeführt sind). Somit erlangt eine Art umgehend den nationalen Schutzstatus mit all seinen Auflagen, sobald sie in einem der EU-Anhänge gelistet wird.

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  3. Hallo, ich hätte da auch mal noch eine Frage. Ich wollte mir schon lange ein Pärchen L. williamsi holen, nun sollte es eigentlich soweit sein aber ich habe auch Angst davor was da auf mich zukommt grade an Kosten. Wie ist dass da jetzt, darf man die Art zur Zeit gar nicht kaufen? Wie hoch sind denn da ungefähr die Kosten für eine Vermarktungsgenehmigung? Dadurch werden ja jetzt weniger züchten, was doch eigentlich ein Nachteil für L. williamsi ist.
    Würde mich über eine Antwort freuen

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    1. Hallo, die Vermarktungsgenehmigung muss der Züchter/Händler beantragen von dem du die Tiere erwerben möchtest. Ob er diese von seiner Behörde bekommt, ist aktuell noch Glückssache. Manche Behörden sind ein wenig überfordert mit der Situation. Aber das ist nicht dein Problem, sondern das Problem des Verkäufers, der auch die Kosten dafür trägt (diese aber vermutlich durch eine Preiserhöhung auf die Käufer umlegen wird). Die Kosten sind je nach Bundesland unterschiedlich und richten sich nach der jeweiligen Gebührenordnung.

      Die Vermarktungsgenehmigung musst du bei der Meldung an deine Behörde beifügen. Mehr musst du als KäuferIn eigentlich nicht beachten. Wenn dir jedoch jemand Tiere ohne die Vermarktungsgenehmigung (gelbe EG-Bescheinigungen) verkaufen möchte, dann handelst du als KäuferIn rechtswidrig, wenn du dich darauf einlässt. In solchen Fällen also bitte von einem Kauf absehen.

      Du selbst müsstest eine Vermarktungsgenehmigung nur dann beantragen, wenn du die Tiere irgendwann wieder abgeben möchtest. Aktuell ist die Kennzeichnung von L. williamsi noch nicht geklärt, weswegen eine Befreiung vom Vermarktungsverbot immer nur für einen Abgabevorgang gilt. Könnten die Tiere endlich eindeutig gekennzeichnet werden, würde die EG-Bescheinigungen einmalig ausgestellt und würde dann auch in Zukunft für alle weiteren Transaktionen gelten, weil sie eindeutig dem jeweiligen Tier zugeordnet werden könnte.

      Ich rechne auch damit, dass immer weniger Leute diese Tiere aufgrund der behördlichen Hürden züchten werden. Schade wäre es, weil die Art in der Terraristik eine sichere Überlebenschance gehabt hätte.

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  4. zehlt der Streifenzwerggecko (Lygodactylus kimhowelli)zu meldeflicht ?

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    1. Nein, Lygodactylus kimhowelli ist davon nicht betroffen. Diese Art hat keinen Schutzstatus und ist demnach auch nicht meldepflichtig.

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