Sonntag, 2. Oktober 2016

Erneut "End-ZEIT-stimmung"

Während derzeit in Johannesburg (Südafrika) die 17. CITES-Artenschutzkonferenz tagt, hat die ZEIT einen Artikel veröffentlicht, in dem wir Terrarianer mit Elfenbeinschnitzern in eine Schublade gesteckt werden: Chinesen lieben Elfenbein, wir quälen Geckos

Einer der Schwerpunkte des Artikels ist die Haltung des Himmelblauen Zwergtaggeckos (Lygodactylus williamsi), welcher demnächst wahrscheinlich einen internationalen Schutzstatus der höchsten Kategorie bekommen wird. Die Haltung dieses inzwischen regelmäßig nachgezüchteten Geckos wird im besagten ZEIT-Artikel auf polemische Art und Weise grundsätzlich kritisiert. Zwar kommt auch eine Züchterin zu Wort, die mit ihren Nachzuchten den illegalen Schmuggel verhindern möchte, der Tenor des Artikels wurde allerdings ganz offensichtlich von den
Personen, die Exotenhaltung hassen und sich als Tierschützer ausgeben übernommen. Leider sind auch einige der Aussagen der besagten Geckohalterin nicht allgemeingültig und werden sicherlich nicht von allen Geckohaltern und -züchtern unterschrieben (z.B. bzgl. Einzelhaltung oder den angeblich immensen Kosten für ein Terrarium).

Es entspricht zwar der Wahrheit, dass der Heimtierhandel bei der besagten Geckoart besonders in den Anfängen des Handels einen negativen Einfluss auf die wildlebenden Populationen ausübte, inzwischen hat sich dies jedoch dank engagierter Halter und Züchter geändert. Lygodactylus williamsi ist keine Rarität mehr in deutschen Terrarien, was einzig und allein daran liegt, dass die Art regelmäßig nachgezüchtet wird. Da sie außerdem innerhalb der EU bereits im Anhang B unter Schutz gestellt wurde, ist ein illegaler Handel mit geschmuggelten Wildfängen zumindest hierzulande mittlerweile eher die Ausnahme (obwohl auf Börsen leider immer noch Exemplare mit der Deklaration
kein Schutzstatus und somit wohl auch ohne die erforderlichen Herkunftsnachweise verkauft werden). Ein internationaler Schutzstatus würde zwar den illegalen Handel weiterhin erschweren, an der fortschreitenden Lebensraumzerstörung, welche die Hauptursache der Gefährdung dieser Geckoart ist, würde sich aber leider wenig ändern.

Die durchaus vorhandenen Probleme wie der illegale Artenhandel rechtfertigen jedoch keinesfalls einen derart diffamierenden Artikel, der stellenweise auch noch fachlich falsche Informationen enthält. Terrarianer wie die im ZEIT-Artikel zitierte Biologin leisten mit ihren Nachzuchten einen wichtigen Beitrag für den Artenschutz. PETA hingegen behauptet, dass die Gefahr illegaler Schmuggelware sehr viel höher sei und dass Verlustraten beim Transport von Reptilien in Höhe vom bis zu 70 Prozent von der Branche einkalkuliert würden. Diese Aussage lässt sich durch keine unabhängige wissenschaftliche Studie belegen! Davon abgesehen, dass unabhängige Studien zu gänzlich anderen Ergebnisse kamen (Transportmortalität von 1,97 bis 3,88 Prozent [STEINMETZ et al., 1996; MORITZ, 1994]), zeigen selbst tragische Fälle wie ein kürzlich am Flughafen Amsterdam aufgedeckter Reptilienschmuggel die Unwahrheit von PETAs Behauptung: Im besagten Fall lag die Transportmortalität trotz der miserablen Transportbedingungen bei
nur 3,9 Prozent. Die Behauptung, dass es bei kontrollierten legalen Transporten regelmäßig immens höher sein soll, entbehrt somit jeder Grundlage. Einzelfälle wie die bei lediglich einem US-Großhändler von PETA USA ermittelte hohe Verlustraten, die aufgrund menschlichen Versagens vereinzelt natürlich durchaus auch mal bei seriösen Händlern vorkommen können, als allgemeingültige Regel darzustellen, ist unwissenschaftlich. Umso schlimmer, wenn solche Aussagen ohne weitere Recherche von eigentlich unabhängigen Journalisten verbreitet werden! 

Dass Reptilien und andere Tiere in menschlicher Obhut besondere Ansprüche an die Haltung stellen (wie z.B. eine artgemäße Ernährung, technische Ausstattung usw.), ist eigentlich logisch, wird jedoch im besagten ZEIT-Artikel als Grund dafür genannt, auf die Haltung von Reptilien zu verzichten. Mit dieser Logik müsste jede Art von Haus- und Heimtierhaltung abgelehnt werden, denn jedes Tier hat besondere Ansprüche, die es mit dem passenden Zubehör und der richtigen Ernährung zu erfüllen gilt. Würden PETA und ihr neues Sprachrohr die ZEIT einmal dieselben Maßstäbe an die Haltung von sog. „domestizierten Tieren“ anlegen wie an die Haltung von sog. „exotischen Wildtieren“, gäbe wohl es einen ordentlichen Shitstorm und entsprechende finanzielle Verluste. Argumente gäbe es jedenfalls genug: Tierschutz bei Hunden, Katzen und Pferden verbessern. Stattdessen werden Reptilienhalter ohne triftigen Grund besonders kritisch hervorgehoben und mit Elfenbeinschnitzern in eine Schublade gesteckt. Nun gut, immerhin braucht man für Elfenbein kein besonderes Zubehör und gefüttert werden muss es auch nicht.

Die finale Aussage des ZEIT-Artikels, dass man sich Gedanken über die Herkunft seiner Tiere machen sollte, unterschreibe ich grundsätzlich. Wenn man (z.B. im Internet, auf Börsen oder durch Vereine und Reptilienstammtische) mit Züchtern in Kontakt kommt, von denen man die Tiere als legale Nachzuchten erwerben kann und bei denen man sich durch einen persönlichen Besuch von der legalen und unproblematischen Herkunft der Tiere überzeugen kann, ist dies der aus meiner Sicht der beste Anschaffungsweg. Dass diese Art des Erwerbs ebenso wie die sog. Wildtierhaltung von PETA abgelehnt wird, ist nicht überraschend. Dass jedoch ein unabhängiges Leitmedium einen solchen Standpunkt undifferenziert unter einer polemischen Schlagzeile verbreitet und damit die Meinungsbildung zu Ungunsten der verantwortungsvollen Tierhaltung lenkt, ist erschreckend! Ich fühle mich als verantwortungsvoller Terrarianer, der alle Vorschriften nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt, seine Tiere entsprechend ihres Schutzstatus ordnungsgemäß angemeldet hat und sich darüber hinaus sogar aktiv im Tier- und Artenschutz einsetzt, von der ZEIT, welche mich und Gleichgesinnte schamlos als Tierqler bezeichnet, grundlos persönlich angegriffen!

Aber mit einer Randgruppe wie den Terrarianern kann man es ja machen. Wobei... Warum eigentlich? Wehren wir uns und hinterlassen unsere (sachlichen!) Kommentare unter dem Online-Artikel und auf der Facebook-Seite von der ZEIT.

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