Freitag, 22. Juli 2016

Ab April 2017 keine Wildfänge mehr bei Fressnapf!

Gestern vermeldete der Deutsche Tierschutzbund e.V. in einer Pressemeldung, dass die Zoofachhandelskette Fressnapf ab April 2017 auf den Verkauf von wildgefangenen Reptilien verzichten will. Außerdem sollen ab April 2018 nur noch Reptilien aus europäischen Nachzuchten angeboten werden. Importiere Nachzuchten aus Drittländern wird es dann also auch nicht mehr geben. So zumindest der Plan, ob die Lieferketten allerdings bis zuletzt ins Detail rückverfolgbar sein werden, bleibt abzuwarten.

Obwohl der Tierschutzbund diese Entscheidung begrüßt, weil sie einen Schritt in Richtung „Ende der Reptilienhaltung” darstellt (eine nicht nachvollziehbare Forderung), finde ich diese Entscheidung trotzdem auch begrüßenswert. Ich persönlich habe in Filialen der großen Zoofachhandelsketten schon die wildesten Dinge erlebt – und damit meine ich nicht das angebotene Tiersortiment: Von falschen wissenschaftlichen Artnamen auf den Verkaufsbehältern und fehlenden Papieren für geschützte Arten über mangelnde Kenntnis des Personals bis hin zum „Verkauf um jeden Preis”. In einer dieser Filialen musste sogar der Kunde selbst Vogelspinnen, Skorpione & Co. aus den Verkaufsterrarien fangen, weil sich das Personal dies nicht zutraute!

Doch auch ohne solche Extreme merkt man als fachkundiger Kunde schon nach wenigen Minuten eines Beratungsgesprächs, ob ein Kauf anzuraten ist oder eher nicht. Während man in spezialisierten Zoofachgeschäften tatsächlich gut und ausführlich beraten wird, zeigt mir meine persönliche Erfahrung, dass dies in den Filialen der großen Ketten leider eher eine Seltenheit ist. Viele Tiere wandern über den Ladentisch in die Hände von nicht ausreichend informierten Haltern, die auf die „Beratung” des Fachpersonals vertrauen und die Verkaufsbecken, die primär der Tierpräsentation dienen, als Vorbild für die Haltungsbedingungen der frisch erworbenen Tiere nehmen. Insbesondere bei Wildfängen, die nicht an den Menschen und die Haltung in menschlicher Obhut gewöhnt sind, eine dramatische Konstellation.

Daher finde ich es ebenfalls begrüßenswert, dass zumindest schon mal Fressnapf auf den Verkauf von Wildfängen verzichten will. Ich bin grundsätzlich kein Gegner von Wildfängen, da diese auch einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten können, bin jedoch der Meinung, dass diese nicht auf Börsen oder im Zoofachhandel an jedermann verkauft werden sollten. Den vom Tierschutzbund postulierten Rückgang des angebotenen Artenspektrums sehe ich (abgesehen vom ohnehin zunehmend fortschreitenden Rückgang der Terraristik)
allerdings nicht . Ein großes Tiersortiment kann ausschließlich mit Nachzuchten gedeckt werden. Kommerzielle Großzuchten mit dem Ziel Profit abzuwerfen gibt es bekanntlich nicht nur bei klassischen Heimtieren, sondern auch bei Reptilien. Das Artenspektrum wird aus meiner Sicht also nicht in dem Maße zurückgehen, als dass sich die Mitarbeiter für die verbleibenden Arten eine verbesserte Fachkunde aneignen könnten. Ob sie diese dann auch an den Kunden weitergeben würden, stünde ohnehin auf einem anderen Blatt Papier.

Im Einzelfall finde ich es sogar sinnvoll, wenn Zoofachgeschäfte auf den Verkauf von lebenden Reptilien grundsätzlich verzichten. Einen solchen Verzicht habe ich auch schon selbst bei einer örtlichen Großkettenfiliale durchgesetzt. Einer der letzten Großabnehmer für Futtertiere zu sein, hat eben gewisse Vorteile. Selbst wenn Fressnapf und andere Zoofachhandelsketten dem Wunsch des Tierschutzbundes irgendwann folgen sollten und den Verkauf von Reptilien in all ihren Filialen einstellen, wäre dies aus meiner Sicht kein Verlust für die Terraristik. Spezialisierte Fachgeschäfte wird es auch weiterhin geben und dort wird man auch als Laie gut beraten. Bei all der Kritik an den großen Ketten soll nicht verschwiegen werden, dass es natürlich auch dort Fachpersonal geben kann, welches sich gut mit Reptilien auskennt und diese womöglich sogar selber privat hält. Bei solchen Mitarbeitern wird man dann womöglich auch gut beraten. Nur sind mir diese bisher nicht begegnet bzw. wurde bei ihnen trotz der vorhandenen Fachkunde deutlich, dass der Verkauf eines Tieres am Ende dann doch die höchste Priorität hat. Wer abweichende Erfahrungen gesammelt hat, kann sich glücklich schätzen.

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