Donnerstag, 19. Mai 2016

Vogelspinnenschmuggel in Görlitz? Behörden rudern zurück!

Es gibt Neuigkeiten zu den im März in Görlitz beschlagnahmten Vogelspinnen und Geckos (ich berichtete: 130 Vogelspinnen und 16 Geckos grundlos sichergestellt). Nachdem ich seinerzeit von den betroffenen polnischen Haltern erfuhr, dass ihnen die Tiere am 16. März vom Veterinäramt ohne weitere Auflagen (abgesehen von der Kostenübernahme für die vorübergehende Unterbringung) wieder ausgehändigt wurden, nahm ich mehrmals Kontakt zur Sächsischen Zeitung (SZ) auf und bat um eine öffentliche Aufklärung der Situation, weil nach einem vorherigen Pressebericht noch ein mutmaßlicher Verstoß gegen geltendes Artenschutzrecht im Raum stand. Als ich schließlich Antwort von der Lokalredaktion bekam, schilderte ich die Situation, dass es sich bei den beschlagnahmten Vogelspinnen um gezüchtete Jungtiere der nicht geschützten „Rotweißen Brasilianischen Vogelspinne“ (Nhandu chromatus) handelte, für die keine Dokumente erforderlich sind und dass diese Art von Laien leicht mit geschützten Vogelspinnenarten aus der Gattung Brachypelma verwechselt werden kann.

Die SZ hat sich dem Fall tatsächlich noch einmal angenommen und bei den zuständigen Behörden nachgefragt. Das Ergebnis wurde am 27. April im Lokalteil der Sächsischen Zeitung veröffentlicht. Der Artikel ist auch online verfügbar (allerdings kostenpflichtig und nur testweise gratis): Spiderman verloren im Behördendschungel 

In diesem Artikel wird unter anderem erläutert, dass die beschlagnahmten Tiere zunächst im Tierpark Görlitz untergebracht wurden. Der Tierparkdirektor wollte sich ansonsten nicht zum Vorfall äußern und verwies für weitere Informationen an die zuständigen Behörden. Laut der Pressesprecherin des Landkreises wurde während der Kontrolle auch das Ausstellerverzeichnis der TERRARISTIKA überprüft, in dem die polnischen Händler nicht aufgeführt waren. Dies bekräftigte den Anfangsverdacht, dass die Tiere womöglich für einen illegalen Handel am Rande der Börse bestimmt seien.

Meine Ausführungen zum Schutzstatus wurden im Artikel ebenfalls zitiert – wenn auch ein wenig durcheinander gewürfelt. Ein Biologe des Senckenberg-Museums für Naturkunde in Görlitz ergänzt, dass für geschützte Arten, die aus der Natur entnommen wurden (Wildfänge) der legale Import mit CITES-Papieren nachgewiesen werden muss. Für innerhalb der EU nachgezüchtete Tiere reiche ein Herkunftsnachweis aus. Wie schon erläutert ist beides bei Nhandu chromatus sowie bei den ebenfalls in diesem Vorfall beteiligten Geckoarten nicht erforderlich. Dieser Umstand wird im Artikel in einem kurz eingeschobenen Satz erwähnt:
Im Fall der 130 Vogelspinnen von der A 4 konnte das Landratsamt allerdings keinen Verstoß gegen das Artenschutzgesetz feststellen.
Diese entscheidende Aussage verdeutlicht, dass nun auch von offizieller Seite bestätigt wurde, dass es sich beim besagten Vorfall um keinen Artenschmuggel handelte! 

Der Fall kann somit nun abgehakt werden. Wie schon von mir dargestellt, ist den kontrollierenden Bundespolizisten kein Vorwurf zu machen. Sie taten ihren Job und wenn es sich tatsächlich um einen Artenschmuggel gehandelt hätte, wäre es fatal gewesen, hätten die Beamten die Händler einfach durchgewunken. Bezeichnend ist allerdings, wie viel Zeit von den zuständigen Veterinär- und Naturschutzbehörden benötigt wurde, um den Vorfall aufzuklären und dass den Betroffenen dadurch unnötige Kosten entstanden. Deswegen fordern manche Vereine und Parteien die Einführung einer knappen Positivliste, um Behörden die Identifikation von Tierarten zu erleichtern. Statt aber mit einer solchen Regelung den Rechtsstaat zu beugen und unschuldige Halter grundlos einzuschränken, wären eine Verbesserung der vorherrschenden Fachkunde bei den zuständigen Behörden und ein enges Netzwerk an fachkundigen Experten (auch aus den Reihen der Tierhalter) sinnvoller, um in solchen Situationen schnell die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Für die betroffenen Polen sollte der Vorfall allerdings noch nicht abgehakt sein. Die Beschlagnahme ist zwar grundsätzlich als rechtmäßig zu betrachten, daher haben sie wohl leider keine Chance, den entstanden Verdienstausfall aufgrund der versäumten Börsenverkäufe einzufordern. Die Kosten für die zeitweilige Unterbringung der Tiere, die ihnen seitens der Behörden in Rechnung gestellt wurden, sollten hingegen nicht von ihnen, sondern gemäß § 51 Bundesnaturschutzgesetz von der öffentlichen Hand getragen werden:
(1) Ergeben sich im Rahmen der zollamtlichen Überwachung Zweifel, ob das Verbringen von Tieren oder Pflanzen Regelungen oder Verboten im Sinne des § 49 Absatz 1 unterliegt, kann die Zollbehörde die Tiere oder Pflanzen auf Kosten der verfügungsberechtigten Person bis zur Klärung der Zweifel in Verwahrung nehmen oder einen Dritten mit der Verwahrung beauftragen; […] Erweisen sich die Zweifel als unbegründet, hat der Bund der verfügungsberechtigten Person die Kosten für die Beschaffung der Bescheinigung und die zusätzlichen Kosten der Verwahrung zu erstatten.
Es kann schließlich nicht sein, dass unschuldige EU-Bürger auch noch draufzahlen, nur weil die Mühlen der deutschen Behörden mal wieder etwas langsam mahlen.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen