Dienstag, 19. April 2016

Wenn „Exoten“ gefunden werden…

Leider kommt es immer wieder vor, dass exotische Reptilien im öffentlichen Raum aufgefunden werden. Vorfälle wie der einer wahrscheinlich entflohenen Kornnatter in Wegberg oder der einer mutmaßlich ausgesetzten Boa bei Schönberg passieren leider immer wieder. Die lebende Kornnatter wurde von Autofahrern auf einer ehemaligen Bundesstraße entdeckt. Die bereits verstorbene Boa wurde von einer Joggerin gefunden. Über die Halter ist wie bei den meisten derartigen Vorfällen derzeit nichts bekannt.
 
 
Wie kommt es zu solchen Vorfällen?
Es gibt verschiedene Gründe, warum exotische Heimtiere im öffentlichen Raum aufgefunden werden. Wenn die Tage wieder länger werden und die Temperaturen steigen, erwachen viele Reptilien in der Heimtierhaltung aus der Winterruhe. Für Reptilien aus gemäßigten Breiten beginnen nun Paarungszeit und Partnersuche, was zu einer besonders gesteigerten Aktivität führt. Bei unzureichender Ausbruchssicherung gelingt daher so manchem Reptil der Ausbruch aus seinem Terrarium. Da an wärmeren Tagen zudem die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass Halter ihre Räumlichkeiten längerfristig und womöglich in Abwesenheit lüften, gelingt einem ausgebrochenen Reptil auch schon mal die Flucht aus der Wohnung.
 
Auch die Überforderung eines Halters kann ein Grund dafür sein, dass dieser sein Tier verbotenerweise einfach aussetzt und es schließlich im öffentlichen Raum aufgefunden wird. Deshalb ist es wichtig, eine Sachkundenachweispflicht für private Tierhalter einzuführen. Ein solcher Sachkundenachweis sollte mehrstufig aufgebaut sein, weil für gefährliche Tiere (Giftschlangen, Pferde, Hunde etc.), besonders anspruchsvolle Arten (z.B. Nahrungsspezialisten) oder Invasoren (Schmuckschildkröten, Hauskatzen etc.) höhere Anforderungen an die Halter gestellt werden sollten, als bei weniger anspruchsvollen Arten.

Ein solcher „Tierführerschein“ würde außerdem Spontankäufe verhindern. Diese sind oftmals der Grund dafür, dass Heimtiere später in Tierheimen und Auffangstationen abgegeben oder sogar ausgesetzt werden. Jedes Jahr landen ca. 80.000 Hunde, 130.000 Katzen und 1.800 Reptilien in deutschen Tierheimen.

Was tun, wenn man ein exotisches Reptil findet?
Obwohl die Wahrscheinlichkeit, einem entflohenen oder ausgesetzten Reptil im öffentlichen Raum zu begegnen, sehr gering ist, sollte man in einer solchen unverhofften Situation Folgendes beachten:
 
  • Wenn man sich der Ungefährlichkeit des Tieres nicht sicher ist, sollte man es nicht berühren und Abstand halten. Reptilien greifen in der Regel nur an, wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlen. In dieser Situation sollte man die Polizei, Feuerwehr oder örtliche Tierrettung über den Fund informieren und das Tier währenddessen im Auge behalten, bis die Einsatzkräfte eingetroffen sind.
  • Handelt es sich augenscheinlich um ein harmloses Tier, welches jedoch nicht direkt eingefangen werden kann, sollte man es z.B. mit einem Karton oder ähnlichen Hilfsmitteln vor Ort sichern, bis die Einsatzkräfte eingetroffen sind.
  • Handelt es sich definitiv um ein harmloses Reptil und man ist in der Lage, dieses selber zu fangen, sollte man dies tun und das Tier entweder zur Polizei, Feuerwehr oder zum örtlichen Tierschutzverein oder bestenfalls zu einer Wildtierauffangstation bringen. Ist das Tier augenscheinlich verletzt, sollte man es zu einem Tierarzt (im besten Fall zu einem, der sich auf Reptilien spezialisiert hat) bringen.
  • Wenn ein Reptil bei niedrigen Außentemperaturen gefunden wurde, darf dieses keinesfalls direkt unter eine Wärmelampe gelegt werden! Eine Temperaturanpassung muss stufenweise erfolgen, sonst kann das Tier einen Kreislaufzusammenbruch erleiden.
Zum Glück sind solche Vorfälle nicht die Regel, weil Reptilienhalter normalerweise sehr achtsam mit ihren Tieren umgehen.

Kommentare:

  1. Da unsere Freunde von PETA Deutschland in ihrem VeganBlog sehr differenziert mit einem Hundebissvorfall in Stuttgart umgehen, diesen Vorfall als Einzelfall relativieren und vernünftige Forderungen wie einen Hundeführerschein stellen, fühle ich mich inspiriert, in diesem Artikel ein anderes Thema im gleichen Stil aufzugreifen. Denn nun beginnt langsam wieder die "Saison" der entflohenen und ausgesetzten Reptilien. Mögen sich unsere Freunde von PETA ein Beispiel daran nehmen und bei solchen Vorfällen ähnlich differenziert argumentieren, statt immer nur Haltungsverbote zu fordern.

    P.S. Um die Zielgruppe für diesen Artikel nicht zu sehr zu überfordern, wurden manche Formulierungen bewusst vereinfacht.

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  2. Aussage eines auf Reptilien, Amphibien und Exoten spezialisierten Tierarztes: "Es ist ja mittlerweile gang und gäbe, die Katze beim Umzug vor die Tür zu setzen oder den Hund vor dem Sommerurlaub auszusetzen. Nur bei Exoten fällt das den Leuten noch auf."

    Quelle: http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.horb-a-n-polizei-fischtschildkroete-aus-muehlkanal.8cfd6616-8be7-48a5-bc66-8cb1bbcd746b.html

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