Samstag, 16. April 2016

Review: n-tv-Dokumentation „Extrem-Schmuggler – Wildtiere“

Am Mittwoch lief auf n-tv die Dokumentation „Extrem-Schmuggler – Wildtiere“. Der Handel mit lebenden Reptilien war einer der Schwerpunkte der Doku, die erwartungsgemäß zur Unterhaltung sensationsheischend aufgemotzt wurde, was den Informationsgehalt ziemlich trübte. Gezeigt wurde u.a. Bildmaterial, das von einem Ermittler der Tierrechtsorganisation PETA USA beim texanischen Wildtiergroßhändler „U.S. Global Exotics“ (USGE) mittels versteckten Kameras aufgenommen wurde.

Die verdeckten Aufnahmen zeigten diverse Reptilien in einem sehr schlechten Zustand. Viele waren dehydriert, einige befanden sich bereits im Todeskampf. Mitarbeiter der Firma äußerten gegenüber dem PETA-Ermittler, dass hohe Verluste einkalkuliert würden. Auch Artenschutzverstöße wurden vermutet. Geschützte und illegal aus der Natur entnommene Arten sollen z.B. unter legalen Giftschlangenlieferungen versteckt geschmuggelt worden sein. Der legale Tierhandel diente demnach nicht nur dem direkten Profit, sondern auch als Maske eines noch sehr viel lukrativeren illegalen Artenhandels. Schließlich wurde Anzeige erstattet, was dazu führte, dass die Firma dicht gemacht und die Tiere gerettet werden konnten. USGE soll Geschäftsbeziehungen in alle Welt (auch nach Deutschland zu namhaften Händlern) gehabt haben. Wer die Machenschaften von PETA kennt, könnte vermuten, dass die Aufnahmen vielleicht nur in einer Quarantänestation der Firma entstanden und die kranken Tiere gar nicht für den weiteren Handel vorgesehen waren. Da jedoch auch Vertreter der örtlichen Veterinärbehörde in der n-tv-Doku zu Wort kamen, die von PETA USA erhobenen Vorwürfe bestätigten und das Amtsgericht Arlington dem USGE-Inhaber Jasen Shaw die weitere Obhut der Tiere untersagte, ist den gezeigten Missständen Glauben zu schenken.

PETA USA hat in diesem Fall mit ihren dubiosen Methoden wie Hausfriedensbruch also tatsächlich mal etwas geleistet, wovon Tiere am Ende profitieren konnten. Leidende Tiere vor einem Großhändler zu retten, der sie lediglich als Ware betrachtete und lieber Verluste hinnahm, statt Tierarztkosten zu zahlen, verdient Lob. Dies allerdings mit ebenfalls gesetzeswidrigen Methoden zu erreichen, ist abzulehnen.

Die Qualität der Dokumentation war allgemein eher dürftig, weil das komplexe Thema „Artenschmuggel“ in einer solchen Art von Unterhaltungsformat nur angekratzt werden konnte und stellenweise auch fachliche Fehler auftraten (so wurde z.B. Tierschutz mit Artenschutz verwechselt).

Erwähnenswert wäre abschließend vielleicht noch eine Bitte von PETA Deutschland, die aufgrund der Ermittlungen beim besagten US-Großhändler laufend davon abrät, Tiere im Zoofachhandel, auf Börsen oder gar bei Züchtern zu kaufen, weil man damit angeblich das Leid der Tiere bei Großhändler wie USGE unterstütze. Ob dies jedoch tatsächlich der Fall ist, ist zu bezweifeln. Sicherlich gibt es schwarze Schafe auch bei deutschen Händlern oder Massenproduzenten, die sich selbst „Züchter“ nennen. Und bei vielen Tieren insbesondere im Zoofachhandel aber auch auf Börsen ist die Herkunft nicht immer klar. Grundsätzlich jedoch vom Kauf abzuraten, ist dennoch unangebracht. Kauft man direkt bei einem Züchter und nimmt die Tierhaltung dabei vor Ort in Augenschein, ist daran nichts auszusetzen. Auf diesem Wege kann man sich meiner Einschätzung nach sogar wesentlich besser über die Vorgeschichte eines Tieres informieren, als z.B. in einem Tierheim. Natürlich ist jedem ans Herz zu legen, zunächst die Tiere aus einem Tierheim oder einer Auffangstation in die eigene Obhut aufzunehmen. Die meisten Arten gibt es dort allerdings gar nicht, weswegen der Kauf bei einem seriösen Züchter vollkommen in Ordnung ist (natürlich solange man sich seiner Verantwortung als Tierhalter bewusst ist und sich entsprechend im Vorfeld über die Haltungsansprüche informiert hat).

Durch den direkten Kauf bei einem Züchter unterstützt man keine dubiosen US-Großhändler, die kranke Tiere verramschen, sondern noble Leute, die sich mit Herzblut und hohem finanziellen Aufwand für ihre Tiere einsetzen, diese zumeist ohne Profit vermehren und damit einen wichtigen Beitrag für den Artenschutz leisten! Wer jedoch Kornnattern, Königspythons, Abgottschlangen, Leopardgeckos etc. sucht, sollte sich tatsächlich eher mal an ein Tierheim oder eine Auffangstation wenden, um die Massenvermehrung dieser Tiere im Rahmen der Morphenzucht nicht auch noch zu unterstützen.
 

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