Donnerstag, 21. April 2016

Nachzuchtbericht: Afrikanische Hausschlange (Boaedon fuliginosus)

Die Nachzucht der Afrikanischen Hausschlange (Boaedon fuliginosus) ist prinzipiell nicht schwierig. Die Fortpflanzungszeit dieser Tiere richtet sich im natürlichen Lebensraum nach den Regen- und Trockenzeiten. Da die Afrikanische Hausschlange als anpassungsfähiger Kulturfolger über weite Teile Afrikas verbreitet ist, unterscheiden sich auch die Hauptaktivitätszeiten je nach lokalem Klima. Im Terrarium lassen sich über das ganze Jahr hinweg Paarungen beobachten. Die Paarung selbst verläuft bei diesen Schlangen ziemlich ruppig. Ich konnte schon beobachten, wie das Weibchen das wesentlich kleinere Männchen während der Paarung durch das ganze Terrarium zog. Zu Verletzungen kam es dabei jedoch nie. Vor und auch noch während der Paarung bewegt sich das Männchen ruckartig entlang des Rückens des Weibchens. Damit soll das Weibchen zur Paarung stimuliert werden.

Nach erfolgreicher Kopulation dauert es etwa 2 Monate, bis das Weibchen seine Eier ablegt. Ziemlich exakt eine Woche vor der Eiablage häutet sich das Weibchen. Eine Verweigerung der Futteraufnahme während der gesamten Trächtigkeit konnte ich bisher nicht beobachten. Ich stelle eher einen gesteigerten Appetit in dieser Zeit fest. Am Tag der Eiablage ist mein Weibchen sehr aktiv und testet verschiedene Stellen im Terrarium auf die Eiablagetauglichkeit. Das Terrarium sieht dann regelrecht umgegraben aus. Die eigentliche Eiablage erfolgte bisher immer in einer bereitgestellten Wetbox (eine Kunststoffbox gefüllt mit Terrarien-Moos, welches zu Ziegeln gepresst im Fachhandel erhältlich ist), welche sich im Terrarium in einem Temperaturbereich von ca. 27 °C befindet.
 

Je nach Alter des Weibchens schwankt die Zahl der abgelegten Eier normalerweise zwischen 5 und 15 Stück. Das erste Gelege meines Weibchens bestand aus 6 Eiern und sah ziemlich deformiert aus. Ob aus den Eiern lebensfähige Jungtiere geschlüpft wären, kann ich leider nicht sagen, weil der Inkubator während der Inkubation einen Defekt erlitt und zum Kühlschrank mutierte.

Die Inkubation des zweiten Geleges war erfolgreicher. Inkubiert wurde bei 27 °C Dauertemperatur auf feuchtem Vermiculite. Nach 68 Tagen schlüpfte das erste Jungtier.  
 

Auch wenn es auf dem Foto so aussieht, handelt es sich um kein melanistisches Exemplar! Die Jungtiere sind zwar nach dem Schlupf dunkler als ihre Eltern, diese Farbe verliert sich jedoch nach einiger Zeit und sie entwickeln eine ähnliche braun-olive Grundfarbe wie ihre Eltern. Melanistische Hausschlangen sind derzeit sehr begehrt, daher sollte man sich vor dem Kauf unbedingt die Elterntiere anschauen! Andernfalls kauft man vielleicht Exemplare, die gar nicht melanistisch sind.

Manche Halter bringen ihre Tiere zunächst in sterilen Boxen mit Küchentüchern oder Zeitungspapier als „Bodengrund“ unter. Ich würde dies nur tun, falls sich der Dottersack eines Jungtieres kurz nach dem Schlupf einmal nicht komplett zurückgezogen haben sollte. Dies kam bei mir bisher aber noch nicht vor. Meine Schlüpflinge werden direkt auf Terrariensubstrat in kleinen Aufzuchtsboxen untergebracht. Eine kleine Wetbox mit feuchtem Moos, eine Wasserschale und ein paar Korkstücke als Versteckmöglichkeit und Häutungshilfe vervollständigen die Einrichtung. Gefüttert werden die Jungtiere nach der ersten Häutung wöchentlich mit zerkleinerten und später ganzen Babymäusen. Mit fortschreitendem Wachstum der Jungtiere wird die Futtergröße und der Fütterungsintervall entsprechend angepasst.

Erfahrungsgemäß sind die Jungtiere sehr gute Fresser, die bereits ab der ersten Fütterung Frostfutter akzeptieren. Während der Häutungsphase kann die Fütterung ausfallen. Die weitere Aufzucht bereitet keine Probleme. Wichtig ist nur, dass man unbedingt auf einen ausreichenden Ausbruchsschutz achtet! Man mag nicht glauben, durch was für schmale Lüftungsschlitze sich die kleinen Hausschlangen zwängen können.
 

Mehr zum Thema:
Die Afrikanische Hausschlange (Boaedon fuliginosus)

Für weiterführende Informationen über die Haltung und Zucht von Hausschlangen empfehle ich das Buch „Die Hausschlange: Lamprophis lineatus“ von Kriton Kunz aus der Reihe „Art für Art“ des Natur und Tier Verlags.

Anmerkung
Wie ich bereits in meiner Haltungsbeschreibung zur Afrikanischen Hausschlange schrieb, gehe ich davon aus, dass es sich bei meinen Exemplaren trotz anderslautender Deklaration seitens des Vorbesitzers in Wahrheit um Gestreifte Hausschlangen (Boaedon lineatus) handelt. Die Gestreifte Hausschlange galt lange Zeit nicht als eigenständige Art, sondern lediglich als Variation der Afrikanischen Hausschlange. Daher wurden diese Tiere in der Literatur und in der Terraristik häufig miteinander verwechselt. Meiner Einschätzung nach handelt es sich bei den meisten als „Boaedon fuliginosus“ bezeichneten Exemplaren innerhalb der Terraristik um Falschdeklarationen oder sogar um Hybriden! Artreine Afrikanische Hausschlangen sind innerhalb der Terraristik selten anzutreffen. DNA-Untersuchungen von freilebenden und in menschlicher Obhut gehaltenen Exemplaren könnten hierbei Licht ins Dunkel bringen.


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