Freitag, 18. März 2016

Was ist nur mit den Veterinärämtern los?

Dunkler Tigerpython (Python molurus bivittatus)
Erst gestern berichtete ich über einen Fall von Amtswillkür und die dadurch verursachten Schäden, welche aus der fehlenden Fachkenntnis eines Kreisveterinäramtes resultierten (130 Vogelspinnen und 16 Geckos grundlos sichergestellt) und heute macht schon der nächste Klopfer die Runde: Auf einem Parkplatz an der B 29 in der Nähe von Waldhausen wurde gestern Abend von einem Autofahrer eine ca. 4 Meter lange bereits verstorbene „Riesenschlange“ gefunden. Laut Presseberichten erklärte die Polizei, dass es sich nach Einschätzung des zuständigen Veterinäramtes um einen Netzpython handelte: Würgeschlange auf Parkplatz gefunden
 
Anhand der veröffentlichen Fotos des Fundtieres wurde jedoch deutlich, dass es sich um einen Tigerpython und nicht um einen Netzpython handelte. Nach entsprechenden Kommentaren von sachkundigen Leuten unter dem oben verlinkten Artikel wurde von der Redaktion zunächst erneut bestätigt, dass ein Vertreter des Veterinäramtes, der gestern selbst am Ort des Geschehens war, das Tier als Netzpython identifizierte. Erst im weiteren Verlauf des heutigen Tages erklärte die Pressestelle des Landratsamts Ostalbkreis, dass es sich wohl doch um einen Tigerpython handelte, der nicht bei den Behörden gemeldet war (davon war auch nicht auszugehen, weil es sich vermutlich um ein ausgesetztes Exemplar handelte und ein Tierhalter, der so bereitwillig gegen das Tierschutzgesetz verstößt, wahrscheinlich auch andere Regelungen wie die Meldepflicht vernachlässigt).

Das Verhalten des Tierhalters ist natürlich scharf zu kritisieren! Es ist traurig, dass solche Einzelfälle geschehen, obwohl es sicherlich andere Wege gegeben hätte, das Tier gut unterzubringen. Neben Auffangstationen gibt es viele Reptilienhalter, die sich im Tierschutz engagieren und solche Tiere aufnehmen würden, bevor sie womöglich ausgesetzt werden.* Davon bekommt die Öffentlichkeit nur kaum etwas mit, weil Terrarianer einerseits solche Dinge in der Regel unter sich klären (z.B. im Internet oder auf Börsen) und weil andererseits die etablierten Medien solche Vorfälle nicht ganz so spannend finden. Interessant wird es für viele Presseredaktionen erst, wenn ein Tier im öffentlichen Raum gefunden wurde. Solch ein Fund wird großflächig in der Medienlandschaft ausgeschlachtet, was aber nur zeigt, wie selten solche Einzelfälle im Vergleich zu regelmäßig ausgesetzten Hunden oder Katzen auftreten.
 
Trotzdem spielt diese Verzerrung der öffentlichen Meinung, die ohnehin schon Vorbehalte in Bezug auf „Ekeltiere“ hat, radikalen Tierhaltungsgegnern und Verbotsparteien in die Karten!  

Was aber nicht minder bedenklich stimmt, ist die Tatsache, dass erneut die Amtsperson eines Veterinäramtes nicht in der Lage war, ein Reptil richtig zu identifizieren. Binnen weniger Tage wird deutlich, welche Fachkunde offenbar bei einigen Veterinärämtern vorherrscht. Sind es doch diese Behörden, die private und gewerbliche Tierhaltungen begutachten und die Haltungsbedingungen absegnen. Das Ausmaß an Fehlentscheidungen ist wohl nur zu erahnen.

Zur Beseitigung dieses Problems fordern Tierhaltungsgegner die Schaffung einer Positivliste für die Tierhaltung, damit Amtsvertreter nur noch ein paar wenige Arten identifizieren können müssen. Was Positivlisten sind und dass dadurch erst immense Tierschutzprobleme erzeugt würden sowie ein vermehrtes Auftreten solcher Einzelfälle vorprogrammiert wäre, habe ich hier erklärt. Angemessen wäre stattdessen die Sicherstellung der nötigen Fachkunde bei den Veterinärämtern beispielsweise in Zusammenarbeit mit Tierhaltern und Tierhalterfachverbänden. Schon jetzt arbeiten Behörden mit Privatpersonen zusammen, wenn es um die Identifizierung von aufgefundenen „Exoten“ geht. Dies wäre nach Schaffung restriktiver Gesetze und Positivlisten kaum noch möglich.

*Nachtrag: Inzwischen hat die Obduktion der Schlange (welche noch einmal eindeutig als Dunkler Tigerpython identifiziert wurde) ergeben, dass das Tier an einer bakteriellen Infektion gestorben ist und wahrscheinlich schon tot war, als sie auf dem Parkplatz abgelegt wurde: Im Ostalbkreis entdeckter Python - Todesursache ist mittlerweile bekannt
Demnach liegt (zumindest was das mutmaßliche Aussetzen betrifft) kein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor, sondern nurein Verstoß gegen die Vorschriften zur Tierkörperbeseitigung, wobei auch dies natürlich angemessen bestraft werden sollte, sofern der Halter noch ermittelt wird.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen