Donnerstag, 14. Januar 2016

Review: VOX-Sendung „Status Zoo“ (Folge 2)

Am 19. Dezember 2015 sowie am 2. Januar 2016 lief auf VOX mit „Status Zoo“ eine sehenswerte zweiteilige Dokumentation, in der Einblicke in das Thema Zootierhaltung ermöglicht und verschiedene Pro- und Kontra-Meinungen präsentiert wurden.

Zu Beginn der 2. Folge wurde zunächst der Unterschied zwischen „Tierschützern“ und „Tierrechtlern“ erklärt. Für die Fraktion der Zootierhaltungsgegner erhob Laura Zodrow vom Verein animal public e.V. das Wort. Dieser Verein bezeichnet sich auf seiner Website selbst als „Tier- und Artenschutzverein“, laut „Status Zoo“ handelt es sich jedoch um einen Tierrechtsverein. Frontfrau Zodrow wurde zudem nicht als „Tierschützerin“, sondern als „Tierrechtlerin“ betitelt. Der Unterschied besteht darin, dass Tierschützer sich für das Wohl von Tieren im Rahmen der geltenden Gesetze (z.B. dem Tierschutzgesetz) einsetzen, während Tierrechtler die Sonderstellung des Menschen ablehnen und stattdessen Rechte für Tiere einfordern, die weit über die für sie geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen hinausgehen (z.B. das Recht auf uneingeschränkte Freiheit und absolute Unversehrtheit). Während sich Zootierhalter demnach zumeist selbst als Tierschützer definieren, sind Gegner der legalen Haltung von („Wild“-)Tieren in menschlicher Obhut als Tierrechtler zu bezeichnen.

In der Sendung stellte Frau Zodrow die Behauptung auf, dass zoologische Einrichtungen hohe Gewinne erwirtschaften und diese Gelder eher in Werbung stecken würden, statt in den Artenschutz. Meine kritische Nachfrage bei Facebook, wie viel von seinen Spendengeldern eigentlich der Verein animal public im Jahr 2015 in Artenschutzprojekte und wie viel in Werbung gesteckt habe, wurde mit der dauerhaften Blockade meines Profils beantwortet. An einem kritischen Diskurs ist man bei animal public also leider in keiner Weise interessiert. Während sich Zoos und andere sog. „Wildtierhalter“ regelmäßig in aller Öffentlichkeit als Tierquäler beschimpfen lassen müssen (und eine Frau Zodrow über mich schreibt, dass „die Reptilienhaltung mir aufs Hirn geschlagen“ sei), reagieren die Urheber solcher Diffamierungen offenbar sehr schnell eingeschnappt, wenn man sich dem Kern ihrer Machenschaften nähert. Wenn man als „gemeinnütziger Tier- und Artenschutzverein“ in der Öffentlichkeit aktiv ist, sollte man - bevor man auf andere Einrichtungen zeigt - zuerst einmal nachweisen können, was man selbst für den Artenschutz leistet, sonst ist man über den Verdacht der Heuchelei nicht erhaben. Anhand von Zahlenmaterial könnte ich als Außenstehender vergleichen, ob ich weiterhin meine Zootierpatenschaften finanzieren oder dem besagten Verein Geld spenden sollte. Momentan ist für mich jeder Zoo wesentlich transparenter und vertrauenswürdiger als animal public e.V.!

Aber zurück zur Sendung „Status Zoo“...
Es gab neben der Ideologie der Frau Zodrow auch fundierte Kritik: Die Aussage von Bernd Schildger, Leiter des Tierparks Dählhölzli in Bern (Schweiz), dass Zoos ihre Verantwortung für Wildtiere und deren Lebensräume auch durch den Verkauf von regionalen und ökologischen Bratwürstchen in ihren Restaurants demonstrieren sollten, kann von mir nur unterschrieben werden. Ebenso sollten meiner Meinung nach alle Artikel mit Palmöl aus den Zoo-Restaurants und Souvenirshops verschwinden. Das wäre mal ein deutliches Statement für den Schutz von Lebensräumen! Denn solange diese Lebensräume trotz Schutzgebieten illegal zerstört werden, um die Gier des Menschen nach Billigfleisch und Billigfett zu stillen, sind die in den Lebensraumschutz gesteckten Gelder leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Auch das Motto des Tierparks Dählhölzli „Mehr Platz für weniger Tiere“ stellt einen lobenswerten Ansatz für die Zootierhaltung dar. Ich kann verstehen, dass Zoos mit bestimmten Flaggschiffarten Besucher anlocken wollen und dass diese Tiere Botschafter für Lebensräume sind, von deren Schutz auch andere Tierarten profitieren. Solange ein Zoo oder Tierpark eine hohe Anzahl von Tieren oder besonders anspruchsvolle Arten wie Menschenaffen oder Meeressäuger managen kann, dann ist daran grundsätzlich nichts auszusetzen. Leider sind mir natürlich durchaus auch negative Fälle mit stereotypen Verhaltensweisen von Tieren in zoologischen Einrichtungen bekannt. In solchen Einzelfällen ist es durchaus berechtig, wenn man Kritik an der jeweiligen Tierhaltung übt.

Fazit:
Die Sendung „Status Zoo“ zeigte größtenteils positive Aspekte der Zootierhaltung. Es ist in deutschen Zoos und Tierparks sicherlich nicht immer und überall „heile Welt“ und negativen Einzelfällen sollte entsprechend begegnet werden, die ideologischen Parolen der Tierrechtsfraktion konnten aber von qualifizierten Experten ausführlich widerlegt werden. Bedauerlicherweise waren die Einschaltquoten nicht ganz so optimal, weswegen eine Fortsetzung dieses Formats wohl nicht zu erwarten ist.

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