Dienstag, 16. Juni 2015

Erfolg: Presserat weist MOPO24.de auf Verstöße hin

Am 24.03.2015 veröffentlichte „MOPO24.de“ einen Artikel mit der Schlagzeile „Er hielt sich Giftschlangen, nun ist er tot!“. Diese Überschrift suggeriert dem Leser, dass ein Giftschlangenhalter an den Folgen eines Schlangenbisses gestorben sei. Fakt ist jedoch, dass besagte Person einem Krebsleiden erlag, die Schlangenhaltung somit in keinem Zusammenhang zum Ableben stand. Dies wird zwar im besagten Artikel später auch deutlich, da jedoch Untersuchungen zufolge doppelt so viele Leser lediglich die Überschrift eines Artikels lesen, wie den Artikel selbst, wird der Großteil der Leser durch eine solche Schlagzeile in die Irre geführt. Dies stellt aus meiner Sicht einen Verstoß gegen Ziffer 2 Pressekodex (Sorgfaltspflicht) dar.

Geschmückt wurde der Artikel zusätzlich noch mit einem Foto, welches den Verstorbenen nach einem Schlangenbiss im Krankenhaus zeigt. Dieses Foto entstand 2003 nachdem ein tatsächlicher Schlangenbiss glimpflich verlief. Zwar hatte das Bissopfer gewiss seine Einwilligung zur Veröffentlichung des Fotos in dem damaligen Zusammenhang gegeben, dass eine solche Einwilligung für eine Bildveröffentlichung in einem gänzlich anderen Zusammenhang (Ableben nach Krebsleiden) gegeben wurde, ist jedoch zweifelhaft. Hier lagen aus meiner Sicht eine Verletzung der allgemeinen Persönlichkeitsrechte des Betroffenen sowie ein Verstoß gegen Ziffer 2 Pressekodex (Schutz der Persönlichkeit) vor.

Aus diesen beiden Gründen legte ich am 26.03.2015 Beschwerde beim Deutschen Presserat ein, über den mit Beschluss vom 02.06.2015 nun entschieden wurde. Die Rechtsvertretung von MOPO24.de rechtfertigte die Verwendung des Fotos damit, dass die Einwilligung zur Veröffentlichung aus dem Jahr 2003 vorlag und diese seitdem nicht vom Betroffenen bzw. seinen Angehörigen widerrufen wurde. Außerdem sei eine anlassbezogene Verwendung legitim, weil in dem Artikel ebenfalls auf die Schlangenhaltung hingewiesen wurde. Dies sah der Presserat jedoch anders. Eine posthume Veröffentlichung ist aus Sicht des Presserates eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Betroffenen, welche nicht mehr durch eine 12 Jahre alte Einwilligung gedeckt ist. Ferner wurde das Bild in einem gänzlich anderen Zusammenhang erneut veröffentlicht, weswegen die Redaktion laut Presserat auf eine Verwendung des Bildes hätte verzichten müssen.

Die Verwendung der Schlagzeile rechtfertigte die Rechtsvertretung von MOPO24.de damit, dass das tatsächliche Ableben des Betroffenen im Artikel genannt wurde und die Überschrift nicht für sich allein genommen betrachtet werden dürfe. Hier waren die Mitglieder des Beschwerdeausschusses des Presserates übereinstimmend einer anderen Meinung. Die Überschrift erwecke beim Leser einen falschen Eindruck. Sie muss auch für sich genommen den Sachverhalt wahrheitsgemäß und unmissverständlich wiedergeben. 

Der Presserat sah meine Beschwerde somit als begründet an und erteilte der Redaktion von MOPO24.de einen entsprechenden Hinweis gemäß § 12 Beschwerdeordnung.

Fazit: 
Ein Hinweis stellt die mildeste Maßnahme des Deutschen Presserates im Falle einer begründeten Beschwerde dar. Die Redaktion ist im Nachgang nicht dazu verpflichtet, ihren Artikel entsprechend zu verändern. Dies hat die Redaktion von MOPO24.de bis jetzt auch nicht getan. Sensationsmedien sind dafür bekannt, dass sie selbst die härteste Maßnahme des Presserates (Rüge) nicht weiter beachten. Prinzipiell bleibt die polemische Medienpropaganda also bestehen. Gegen die unsachgemäße Verwendung des Fotos können lediglich die Angehörigen den Rechtsweg beschreiten. Erfahrungsgemäß machen dies jedoch die wenigsten Betroffenen, weil sie entweder ihre Rechte gar nicht kennen oder die möglichen Kosten scheuen und eine Persönlichkeitsverletzung somit einfach hinnehmen. 

Nachtrag vom 19.06.2015: Inzwischen erscheint beim Klick auf den Artikel-Link eine Meldung, dass der Beitrag nicht mehr existiert!

Somit verbuche ich diesen Fall als Erfolg. Seriöse Medien ändern z.B. bereitwillig ihre irreführenden Schlagzeilen (Erfolg: Rheinische Post ändert Schlagzeile). Sollte die Redaktion von MOPO24.de also nicht auch den Entschluss fassen, den Artikel entsprechend der kritisierten Punkte zu bearbeiten, offenbart sie ihre Meinung zum Pressekodex. Gerade in der heutigen Zeit voller medienkritischer Blogger sollten sich die etablierten Leitmedien genau überlegen, ob sie sich an den Pressekodex halten oder ob sie die ethische Grundlage eines seriösen Journalismus mit Füßen treten. Die Redaktion von MOPO24.de wird jedenfalls mit diesem Vorfall in der Jahresstatistik des Deutschen Presserates auftauchen.

Nach meinem Ableben wünsche ich mir übrigens eine Schlagzeile dieser Art: 



Dieser Fake-Artikel sollte eindeutig als Satire erkennbar sein.
Schließlich würde ich niemals auf die Idee kommen, meine Fenster zu putzen!!!

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