Freitag, 17. April 2015

Geschmuggelte Schmuck-Grüngeckos kehren in Heimat zurück

Eine freudige Nachricht gab gestern das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in einer Pressemeldung bekannt: Zwei illegal von skrupellosen Tierfängern geschmuggelte Schmuck-Grüngeckos (Naultinus gemmeus) haben nach zwei Jahren endlich ihre Reise zurück in ihre Heimat Neuseeland angetreten.

Die beiden besonders geschützten Tiere wurden illegal in Neuseeland gefangen und nach Deutschland geschmuggelt. Hier landeten sie bei einem 45-jährigen Privathalter aus Stadthagen (Niedersachsen). Als dieser die Tiere im Dezember 2013 im Internet verkaufen wollte, konnte eines der Tiere dank einer wissenschaftlichen Fotodokumentation in einer neuseeländischen Datenbank identifiziert werden. Beide Geckos wurden daraufhin beschlagnahmt und vorläufig im Kölner Zoo untergebracht. Der unermüdlichen Zusammenarbeit zwischen den deutschen und den neuseeländischen Behörden sowie dem Kölner Zoo ist es zu verdanken, dass die Tiere nun nach ihrer Winterruhe ihre Heimreise antreten konnten, um in Neuseeland nach einer Quarantäne wieder ausgewildert zu werden. Das Weibchen ist laut Berichten der Aachener Zeitung sogar trächtig.

Die Gattung Naultinus wurde Mitte 2013 in den CITES Anhang II aufgenommen. Seit 2003 waren sie nur in Neuseeland geschützt (WA III) und durften nicht exportiert werden, in der EU konnten sie bis 2013 aber weiterhin frei gehandelt werden. Seit 2013 ist der Handel mit Nachzuchten innerhalb der EU, die es von dieser Art durchaus gibt und die im Gegensatz zu den in der Pressemeldung genannten 7.000 Euro einen realistischen Marktwert zwischen 300 und 700 Euro (pro Einzeltier) haben, weiterhin erlaubt. Rahmenbedingungen dafür sind jedoch entsprechende Herkunftsnachweise sowie eine Meldepflicht bei der zuständigen Naturschutzbehörde. Diese Tiere sind wieder einmal der Beweis dafür, dass die bestehenden Artenschutzwerkzeuge ausreichen, um den Handel zu reglementieren. Generelle Import- und Haltungsverbote hätten in diesem konkreten Fall nämlich sicherlich das Gegenteil bewirkt: Der Halter hätte die Tiere mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht öffentlich im Internet inseriert, sondern einfach in dunkle Kanäle verkauft. Handels- oder gar Haltungsverbote hätten die Rückkehr der Tiere somit verhindert, was aufzeigt, dass ein freier Handel unter gewissen Rahmenbedingungen die bessere Lösung ist als strikte Verbote!

Das Ergebnis ist natürlich ein schönes „Happy End“ für die beiden Geckos. Illegalem Wildtierhandel und Schmuggel muss auch in Zukunft mit aller Härte begegnet werden. Dafür sollten z.B. die Kontrollen an den Flughäfen verschärft werden. Engagierte Terrarianer aus gut organisierten Vereinen können dafür beispielsweise ihr Fachwissen weitergeben. Auch der Anteil von auf artenschutzrechtlich relevante Souvenirs geschulten Spürhunden könnte an den Flughäfen ausgebaut werden. Bereits 2012 wurde ein Deutscher in Neuseeland zu vier Monaten Haft verurteilt, weil er Grüngeckos schmuggeln wollte. Derartige Einzelfälle werfen leider ein schlechtes Licht auf die gesamte Terraristik. Engagierte Züchter, die ihre Nachzuchten vollkommen legal weitergeben, stehen aufgrund solcher Vorfälle immer wieder unter dem Generalverdacht, sie würden illegal mit geschützten Wildtieren handeln. Die Situation wird sogar noch dadurch pointiert, dass mir ein Fall bekannt ist, bei dem nachgezüchtete Grüngeckos aus einer privaten Terrarienanlage gestohlen wurden. Der oder die Einbrecher wusste/n, dass diese Tiere einen gewissen Wert haben und raubten einen bei den Behörden gemeldeten Privatbestand aus! Hinter beiden Einzelfällen stecken skrupellose und von kriminellen Energien getriebene Räuber, von denen wir uns als verantwortungsbewusste Terrarianer deutlich distanzieren müssen. 

1 Kommentar:

  1. Meine Lokalzeitung hat ebenfalls über diesen Vorfall berichtet und dort steht noch die interessante Information drin, dass das Verfahren gegen den ehemaligen Halter mit der Auflage einer Geldspende in Höhe von 200 Euro an eine Wildtierstation in Sachsenhagen eingestellt wurde. Laut Staatsanwaltschaft Bückeburg zeigte er sich außerdem bei den Ermittlungen sehr kooperativ.

    Er hatte die Tiere wahrscheinlich ohne die Kenntnis, dass es sich um illegale Wildfänge handelte, ohne Papiere erworben, was seinerzeit auch kein Artenschutzvergehen seinerseits war. Sein einziger Fehler bestand also darin, die Tiere nicht ordnungsgemäß angemeldet zu haben, nachdem sie 2013 in WA II aufgenommen wurden.

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