Mittwoch, 18. März 2015

Was ist eigentlich... WISIA?

WISIA steht für „Wissenschaftliches Informationssystem zum Internationalen Artenschutz“ und ist eine vom Bundesamt für Naturschutz betriebene Online-Datenbank, mit der man den Schutzstatus verschiedener geschützter Tier- und Pflanzenarten abrufen kann. Für die Ordnungsbehörden ist WISIA das zentrale Instrument, wenn der Schutzstatus einer Art ermittelt werden muss. Beispielsweise bei der Einfuhr im Rahmen einer Zollrecherche oder auch bei Begehungen von gewerblichen oder privaten Tierhaltungen. Somit ist es sehr hilfreich, wenn auch wir Tierhalter dieses Instrument kennen und bedienen können.

Auf wisia.de findet man zuerst einmal einen einleitenden Text, der nicht unwichtig ist. So heißt es dort ganz am Ende „verbindlich sind im Zweifelsfall die betreffenden Gesetzestexte und ihre Anhänge!“ Dies ist wichtig zu wissen, denn WISIA gibt keine Informationen über eine eventuelle Meldepflicht an und ist auch nicht immer auf dem aktuellsten Stand der Rechtslage.

Nach einem Klick auf Recherche gelangt man zu einem Suchformular, mit dem man den Schutzstatus einer Art abfragen kann. Dort findet man zudem Informationen über die letzten Aktualisierungen der Datenbank. So wurde nach heutigem Stand der Dinge zuletzt am 01.02.2013 eine neue EG-Verordnung eingepflegt, die am 15.12.2012 veröffentlich wurde. WISIA befindet sich somit derzeit noch auf Stand 2013. Die Ende 2014 veröffentlichte und somit in Kraft getretene EG-Verordnung, die den Himmelblauen Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi) in Anhang B der EU-Artenschutzverordnung aufnahm (ich berichtete), wurde bis jetzt also noch nicht eingepflegt. Eine Abfrage bzgl. des Schutzstatus dieser Art hat also derzeit noch keinen Erfolg. In diesem Fall muss die Anmerkung befolgt werden, dass die entsprechende EG-Verordnung verbindlich ist.

Auf der linken Seite kann man im Suchfeld einen Artnamen eingeben. Ob man dabei den wissenschaftlichen Namen oder einen deutschen Trivialnamen eingibt, ist theoretisch egal. Praktisch empfehle ich jedoch die Eingabe des wissenschaftlichen und überall auf der Welt gültigen Artnamens.

Wenn ich beispielsweise wissen möchte, ob das Jemenchamäleon geschützt ist, gebe ich im Suchfeld „Chamaeleo calyptratus“ ein (die Suche nach „Jemenchamäleon“ ergibt keine Treffer, die Suche nach „Jemen-Chamäleon“ hingegen schon, daher immer den wissenschaftlichen Artnamen verwenden!) und klicke auf „Suche starten“ (darauf achten, dass alle Regelwerke mit einem Haken markiert sind). Im Ergebnis wird mir dann angezeigt, dass diese Art in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA: II), in Anhang B der EU-Artenschutzverordnung (EG: B) und als „besonders geschützt“ gemäß Bundesnaturschutzgesetz (BG: b) in der Datenbank erfasst ist. Wenn man nun diese Gesetze und Regelungen kennt, dann weiß man auch, dass alle „besonders geschützten“ Wirbeltiere meldepflichtig und buchführungspflichtig gemäß § 7 Bundesartenschutzverordnung sind. Ich benötige also Herkunftsnachweise für diese Art und muss den Bestand bei meiner zuständigen unteren Naturschutzbehörde anmelden. Wenn man in den WISIA-Ergebnissen auf den Artnamen klickt, können noch weitere Informationen abgerufen werden. So wird z.B. angezeigt, dass das Jemenchamäleon seit dem 31.08.1980 als „besonders geschützt“ im Bundesnaturschutzgesetz aufgeführt ist. Außerdem wird dort ebenfalls in roter Schrift betont: „Das Internetangebot WISIA-Online dient als Hilfsmittel zur Ermittlung des vom Gesetzgeber festgelegten Schutzumfangs; verbindlich sind im Zweifelsfall die betreffenden Gesetzestexte und ihre Anhänge!“

Ein anderes Beispiel wäre die Recherche nach dem Schutzstatus des Kaiserskorpions (Pandinus imperator). Diese Art hat laut WISIA denselben Schutzstatus, wie das Jemenchamäleon. Gemäß Bundesartenschutzverordnung sind jedoch nur Wirbeltiere meldepflichtig, weswegen bei dieser Art lediglich die Buchführungspflicht übrigbleibt. Man benötigt also Herkunftsnachweise, muss die Art jedoch selber nicht aktiv bei den Behörden anmelden (außer im eigenen Bundesland gibt es Regelungen, die den Kaiserskorpion als Gefahrtier einstufen!).

Wie sieht es denn z.B. beim Königspython (Python regius) aus? Die Recherche nach dieser Art ergibt dasselbe Ergebnis, wie bei den vorgenannten. Bei dieser Art entfällt jedoch die Meldepflicht, weil sie in Anlage 5 der Bundesartenschutzverordnung von dieser befreit wurde. Die Buchführungspflicht bleibt allerdings bestehen (außer im eigenen Bundesland gibt es Regelungen, mit denen auf die Buchführungspflicht ebenfalls verzichtet wird).

Als letztes Beispiel fragen wir mal den Schutzstatus der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni) ab: WISIA gibt an, dass diese Art in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA: II), in Anhang A der EU-Artenschutzverordnung (EG: A), in den Anhängen II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH: IV, II) und als „streng geschützt“ gemäß Bundesnaturschutzgesetz (BG: s) erfasst ist. Sie unterliegt also einem generellen Haltungs- und Handelsverbot. EU-Nachzuchten dürfen jedoch frei gehandelt werden, wenn der Züchter bei seiner zuständigen Artenschutzbehörde Bescheinigungen beantragt hat, welche die legale Herkunft der Tiere bestätigen. Außerdem müssen die Tiere gekennzeichnet werden (bei Schildkröten reicht derzeit noch die „Kennzeichnung“ per Fotodokumentation aus). Mit diesen Papieren müssen die Tiere nach dem Erwerb bei der eigenen zuständigen Naturschutzbehörde angemeldet werden.

Fazit:
WISIA ist ein hilfreiches Werkzeug, wenn man mal eben schnell den Schutzstatus einer Art ermitteln möchte. Weiterführende Informationen wie z.B. Melde- und Buchführungspflicht, Kennzeichnungspflicht, Ausnahmen von diesen Bestimmungen etc. können der Datenbank jedoch nicht entnommen werden. Somit sind ausreichende Kenntnisse der zugrundeliegenden Regelwerke wichtig.

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