Donnerstag, 19. März 2015

Vergesellschaftung von Schlangen

Immer wieder lese ich die Frage von Neulingen in der Schlangenhaltung, ob man in einem Terrarium direkt mehrere Exemplare einer Schlangenart halten kann. Meist bezieht sich diese Frage auf die typischen „Anfängerarten“ wie z.B. Kornnatter, Königspython oder Königsnatter.

Die pauschale Antwort, die man auf solche Fragen von den meisten Haltern liest, ist das heruntergepredigte Mantra „Schlangen sind Einzelgänger!“. Sicherlich entspricht dies in der Hinsicht der Wahrheit, dass diese Tiere keine Gesellschaft zum „Glücklichsein“ benötigen (anders als z.B. Meerschweinchen oder Wellensittiche). Doch damit ist noch nicht gesagt, dass eine Vergesellschaftung von mehreren Schlangen schädlich für die Tiere ist. Das pauschale Verneinen einer Vergesellschaftung von Schlangen empfinde ich als ebenso falsch, wie das unüberlegte praktizieren selbiger. Da das Thema aus meiner Sicht sehr komplex ist, sollte man nicht verallgemeinern, sondern den Einzelfall betrachten und dann entscheiden.

Entscheidend ist (abgesehen natürlich von der erforderlichen Terrariengröße, die ich an dieser Stelle voraussetze) zuerst einmal, ob es sich um Schlangen handelt, die andere Schlangen fressen (Ophiophagie). Insbesondere bei den Königsnattern ist (je nach Art und Unterart) diese Ophiophagie mehr oder weniger stark ausgeprägt. Ausgewachsene Dreiecksnattern (die zu den Königsnattern gehören) haben z.B. einen eher schwach ausgeprägten Appetit auf andere Schlangen. Experimente mit kleineren Futterschlangen haben ergeben, dass ausgewachsene und an Nagetiere gewöhnte Dreiecksnattern diese Futterquelle eher ignorierten. Auch Kornnattern neigen unter gewissen Umständen dazu, einen von der Größe her ins Beutespektrum passenden Terrarienkameraden zu verspeisen. Dies passiert zwar eher selten und lässt sich zumeist auf Unfälle während oder nach der Fütterung zurückführen, befindet sich jedoch im Bereich des Möglichen. Königspythons hingegen haben keinen Drang zum Kannibalismus, obwohl Unfälle im Rahmen der Fütterung (z.B. zwei Tiere verbeißen sich in dasselbe Futtertier) hier ebenfalls möglich sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Geschlechtsverteilung der Schlangen. Bei vielen Reptilien (z.B. bei Bartagamen) würden sich zwei miteinander vergesellschaftete geschlechtsreife Männchen wahrscheinlich so lange bekämpfen bzw. unterdrücken und somit stressen, bis das unterlegene Tier kümmert und schlussendlich eingeht, sofern der Halter die Kontrahenten nicht rechtzeitig trennt. Kämpfe mit unmittelbarer Todesfolge sind ebenfalls bei diesen Tieren nicht auszuschließen. Bei den o.g. Schlangen ist dieses Territorialverhalten nicht in einem solchen Maß ausgeprägt. Lediglich während der Paarungszeit kann es dazu kommen, dass sich zwei Männchen bekämpfen (Kommentkämpfe). Diese Kämpfe verlaufen zwar in aller Regel ohne körperliche Schäden ab, stellen jedoch ebenfalls einen gewissen Stress für die Kontrahenten dar, insbesondere für das unterlegene Tier, welches in der Terrarienhaltung nicht wie in freier Natur nach dem Kampf das Weite suchen kann. 

Bei Schlangen mit einer stark ausgeprägten Paarungszeit z.B. nach einer Winterruhe (im Falle der o.g. Beispiele also insbesondere Kornnattern und Königsnattern aus nördlicheren Verbreitungsgebieten) sind diese Kommentkämpfe besonders häufig zu beobachten, ziehen sich aber auch nur über einen Zeitraum von wenigen Wochen hin, in denen selbst einzeln gehaltene Männchen gerne mal das Fressen einstellen. In ausreichend großen und gut strukturierten Terrarien halte ich daher die Vergesellschaftung von mehreren Männchen dieser Arten für möglich. Auch Königspythons haben eine Paarungszeit (in unserem Winter so zwischen November und April), in der die Kommentkämpfe zunehmen. Aufgrund der Länge dieser Paarungszeit ziehen sich natürlich auch die Streitigkeiten über einen längeren Zeitraum hin und können die Tiere somit wesentlich mehr unter Stress setzen als bei Tieren mit einer eher kurzen Paarungszeit. Insbesondere bei ständiger Anwesenheit eines geschlechtsreifen Weibchens sind die Kämpfe häufiger und zumeist auch heftiger. In diesem Fall sollte man die Tiere unbedingt wieder trennen. Bei Schlangen z.B. aus dem tropischen Regenwald, die keine ausgeprägte Paarungszeit haben und sich das ganze Jahr über fortpflanzen, treten Kommentkämpfe eher selten auf. Meist dann, sobald zwei Männchen „zufälligerweise“ gleichzeitig in Paarungsstimmung sind, was z.B. durch die Anwesenheit eines geschlechtsreifen Weibchens ausgelöst werden kann. Eine Vergesellschaftung von mehreren Männchen ohne Weibchen kann bei diesen Arten somit zwar gut funktionieren, muss es aber nicht. 

In allen genannten Fällen ist der Halter in der Pflicht, seine Tiere aufmerksam zu beobachten und bei Bedarf wieder zu trennen. Dies setzt natürlich eine gewisse Erfahrung voraus. Im Zweifelsfall ist auf eine Vergesellschaftung lieber zu verzichten. Möglich ist sie aber in bestimmten Situationen und unter gewissen Voraussetzungen entgegen der pauschalen Verneinung mancher Halter meiner Einschätzung nach sehr wohl. So gestaltet sich die Haltung von mehreren Weibchen bei den meisten Schlangen in der Regel unproblematisch. 

Die Haltung einer gemischten Gruppe beschert nicht nur das Risiko von Kommentkämpfen, sondern erhöht durch den Paarungseifer der Männchen den Druck auf die vorhandenen Weibchen. Pauschal kann man sagen, dass immer mehr Weibchen vorhanden sein sollten als Männchen, damit nicht z.B. ein einzelnes Weibchen von mehreren Männchen ständig begattet und dadurch gestresst wird. Zu frühe Verpaarung kann sogar zu Legenot führen, weswegen man bei solchen Vergesellschaftungen schon gut wissen muss, was man tut. Geschlechtsreife Paare mancher Arten verlieren sogar regelrecht das Interesse aneinander, wenn sie dauerhaft zusammengehalten werden, was dann natürlich die eigenen Nachzuchtbemühungen zunichtemachen kann. Gemischte Konstellationen funktionieren meiner Meinung nach somit am wenigsten, weswegen ich eher davon abrate. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel, so habe ich bei der Gemeinschaftshaltung von Strumpfbandnattern bisher keine Probleme feststellen können.

Auf die Vergesellschaftung von artfremden Schlangen (z.B. Tigerpython mit Abgottschlange) möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, weil ich dies nicht praktiziere und somit auch keine eigenen Erfahrungen dazu veröffentlichen kann.

So mancher Halter interpretiert menschliche Wesenszüge in das Verhalten seiner Schlangen. Wenn sich mehrere Schlangen denselben Sonnenplatz oder dasselbe Versteck teilen, dann entsteht schnell der Eindruck, die Tiere würden miteinander „kuscheln“ und die Nähe zueinander genießen. Diese vermenschlichende Annahme ist aus wissenschaftlicher Sicht absurd, da es sich bei diesen Tieren von Natur aus in der Tat um Einzelgänger handelt, die die Nähe ihrer Artgenossen außerhalb der Paarungszeit in der Regel nicht aktiv suchen. Entweder teilen sich die Tiere in der Terrarienhaltung dasselbe Versteck oder denselben Sonnenplatz, weil ihnen dort die Temperatur oder Luftfeuchtigkeit gerade besonders zusagt oder weil ein enges Versteck mit einer zweiten Schlange darin noch sehr viel enger wird und somit ihr Sicherheitsbedürfnis umso mehr befriedigt. In diesem Fall können plötzlich aktiv werdende Artgenossen die ruhenden Exemplare stressen, was bei stressanfälligen Schlangen zu Futterverweigerung oder anderen Problemen führen kann. Die „typischen Anfängerschlangen“ zeichnen sich jedoch gerade durch ein gewisses Maß an Stressresistenz aus, weswegen ich dieses Argument bei diesen Arten für vernachlässigbar halte. Im Grunde kann man schon sagen, dass sich ein Königspython gerne zu einem Artgenossen ins Versteck legt, nicht jedoch weil er die Nähe zu seinem Artgenossen sucht, sondern weil ihm die Enge zusagt. Solange sich die Tiere nicht im Rahmen von Kommentkämpfen oder durch andauernden Paarungseifer stressen, besteht aus meiner Sicht kein Grund, eine Vergesellschaftung grundsätzlich auszuschließen.

Sicherlich birgt eine Haltung von mehreren Schlangen in einem Terrarium noch ein paar andere Risiken wie beispielsweise die stärkere Verschmutzung des Lebensraumes oder die Gefahr, dass im Falle einer Infektion direkt mehrere Tiere erkranken. Auf Hygiene sollte aber meiner Meinung nach immer geachtet werden, denn auch wenn man Schlangen getrennt in verschiedenen Terrarien hält, können Parasiten wie Milben und andere Krankheiten den ganzen Bestand befallen, daher ist dies für mich kein plausibles Totschlagargument gegen die Haltung von mehreren Schlangen im selben Terrarium. Außerdem ist bei naturnah eingerichteten Terrarien der Hygieneaspekt ebenfalls mit einem besonderem Augenmerk zu betrachten, da diese Terrarien, auch wenn sie noch so schön aussehen, nicht unbedingt immer so praktikabel sind wie zweckmäßig eingerichtete Terrarien.

Auch die Fütterung ist bei der Haltung von mehreren Schlangen in einem Terrarium mit besonderer Vorsicht durchzuführen. Füttert man seine Tiere direkt im Terrarium, können sich zwei Schlangen in dasselbe Futtertier verbeißen und sich gegenseitig verschlingen, was zumeist den Tod für beide Tiere zur Folge hat. Ich empfehle und praktiziere daher (und auch aus anderen Gründen) bei all meinen Schlangen die Fütterung in separaten Boxen oder Kartons. Nach der Fütterung beobachte ich bei den vergesellschafteten Tieren, ob sie sich ignorieren oder ob der anhaftende Duft ein noch hungriges Exemplar anlockt. Bei besonders gierigen Exemplaren lasse ich die Terrariengenossen zur Sicherheit durch ein leicht befeuchtetes Handtuch gleiten und lenke sie beim Einsetzen ins Terrarium direkt in eine dort vorhandene Box mit feuchtem Moos. So verliert sich der anhaftende Duft der Futtertiere recht schnell. Manche Schlangen (nicht unbedingt artabhängig sondern je nach Individuum) empfinden das Füttern in einer separaten Box allerdings als Stress und gehen mitunter nicht sofort ans angebotene Futter. In solchen Fällen empfiehlt sich die Einzelhaltung, da man bei diesen Sensibelchen dann direkt im Terrarium füttern kann.

Die Kontrolle der Exkremente wird bei der Gemeinschaftshaltung ebenfalls erschwert. Findet man plötzlich auffälligen Kot im Terrarium (z.B. Durchfall), kann man diesen nicht unbedingt der richtigen und womöglich kranken Schlange zuordnen. Gleiches gilt für ausgewürgte Futtertiere. Daher empfiehlt es sich, für solche Situationen ausreichend Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung zu haben, um die Tiere getrennt voneinander beobachten und bei Bedarf behandeln zu können.

Fazit:
Schlangen sind zwar grundsätzlich Einzelgänger, lassen sich unter gewissen Umständen aber auch erfolgreich in Gruppen halten. Voraussetzung dafür sind neben dem erforderlichen Platz auch ein entsprechendes Größenverhältnis der Tiere zueinander, eine zweckmäßige Terrarieneinrichtung und eine passende Geschlechterverteilung. Der Halter muss außerdem bei Fütterung, Hygiene, Gesundheitskontrolle und ggf. Geburtenkontrolle besondere Vorsicht walten lassen. Die Ansprüche der Art und auch einzelner Individuen sind dabei über die Ansprüche des Halters zu stellen. Im Zweifelsfall ist auf eine Vergesellschaftung zum Wohle der Tiere besser zu verzichten!

1 Kommentar:

  1. Hallo wenn jemand schlangen sucht Die geeignet sind In einer Gruppe zu halten Würde ich die raue grasnatter empfehlen habe mir vor paar Monaten vier Stück gekauft Und halte sie zusammen in einem terrarium und bis jetzt hatte ich null probleme damit

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