Sonntag, 15. März 2015

Nachbetrachtung: 57. Terraristika Hamm

Am gestrigen Samstag, den 14. März 2015 pilgerten wieder Tausende Terraristik-Begeisterte ins nordrhein-westfälische Hamm, um die 57. Terraristika zu besuchen. Für mich begann damit nach einer selbst auferlegten Winterpause das neue Börsenjahr. Nach dem Erwerb meines Eintrittsbändchens im Zelt der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT) und einem freundlichen „Hereinspaziert!“ seitens der Türsteher ging es also hinein ins Getümmel. Wobei „Getümmel“ noch äußerst milde ausgedrückt ist. Normalerweise sind die Sommerbörsen immer am besten besucht. Letztes Jahr überstiegen die gefühlten Besucherzahlen der Herbst-Terraristika die der Sommerbörse dank einer umfangreichen Werbeaktion von PETA noch einmal deutlich. Die gestrige Frühlings-Terraristika war jedoch die vollste Börse, die ich je besucht habe! Was war da denn bitte los? Ich stellte mir stellenweise die Frage, ob wieder irgendwelche dubiosen Tierrechtssekten Plakate ausgehängt hatten, fand jedoch im Umfeld der Zentralhallen keines dieser Art. Selbst die Plakate des Veranstalters befanden sich dieses Jahr nur im nahen Einzugsgebiet der Börse. Die exorbitant hohen Besucherzahlen sind für mich also unerklärlich. Vielleicht lag es am inoffiziellen Motto „Stopp Verbotspolitik“? Wirklich Freude kam also leider nicht auf. Dank meiner Körpergröße von knapp zwei Metern konnte ich immerhin erkennen, ob an den Ständen Tiere von Interesse angeboten wurden. Anbieter von „Lutschbonbons“ (Farbzuchten) konnte ich so direkt überspringen.

Zu Beginn fielen mir einige Idioten auf, die regelrecht panisch von Stand zu Stand hetzten und dabei keine Rücksicht auf andere Besucher nahmen. Ich habe zwar Verständnis dafür, dass man natürlich die gesuchten Tiere auch bekommen möchte, jedoch sollte dabei der Anstand nicht auf der Strecke bleiben. In den vollen Gängen kam mir stellenweise auch der Gedanke, dass ich gerne mit einem der angebotenen Reptilien den Platz getauscht hätte, weil den Tieren in ihren Verkaufsbehältern wesentlich mehr Platz zur Verfügung stand als so manchem Besucher. Hinzu kam dank der Hitze schnell auch der betörende Duft betäubende Gestank von Homo sapiens, die offenbar diese Woche noch nicht geduscht hatten oder die Nacht von Freitag auf Samstag in einer Lache aus Bier und Erbrochenem verbracht hatten. Als ich dann vom Weg aus der Tribünenhalle zurück in die Haupthalle im Verbindungsgang fast über eine junge Mutter stolperte, die auf einer auf dem Boden stehenden Styroporbox ihr Baby wickelte, musste ich mich sehr zusammenreißen. Eigentlich wollte ich erstmalig rein aus Interesse den Gifttierraum betreten, doch die zu erwartende Wartezeit (Besucher werden vernünftigerweise nur begrenzt dort eingelassen, um Gedränge zu vermeiden), ließen mich von diesem Vorhaben abkommen.

Aber gehen wir mal lieber auf das eigentliche Börsenangebot ein:
Im Vorfeld konnte ich über ein Kleinanzeigenportal Kontakt zu einer Anbieterin aufnehmen, die Nachzuchten des Palmatogeckos (Pachydactylus rangei) verkaufte. Somit konnte ich nun endlich meinen eigenen Bestand nach über einem Jahr verzweifelter Suche aufstocken. Allein dafür hat sich mein Börsenbesuch schon gelohnt. Hätte ich im Vorfeld nicht diesen „Verkauf unter der Ladentheke“ organisiert, wäre die Ausbeute aber sehr mager gewesen: Sie bestand neben Futterinsekten nämlich lediglich aus Rosenkäferlarven (Chlorocala africana oertzeni). Eigentlich war ich auch noch auf der Suche nach einer Zuchtgruppe des Kaiserskorpions (Pandinus imperator), deren Anschaffung nach Rücksprache mit meinem Landkreis nichts mehr im Wege stand, aber leider wurde diese Art gar nicht wirklich angeboten. Lediglich ein Anbieter verkaufte ein adultes Exemplar für 50 Euro, was ich dann doch etwas teuer fand, da es ja eigentlich eine oft gehaltene, einfach zu züchtende und somit häufig angebotene Art sein sollte. Asiatische Waldskorpione der Gattung Heterometrus und auch andere Vertreter der afrikanischen Gattung Pandinus wurden zwar angeboten, aber mein Ziel der Begierde war entweder sehr schnell vergriffen oder ist aus dem züchterischen Interesse als „Anfängerart“ längst ausgeschieden. Bei einigen Wirbellosenhändlern bildeten sich ohnehin regelrechte Menschentrauben, weswegen ich das angebotene Sortiment nur aus der Ferne überblicken konnte, ehe ich im Gedränge weitergeschoben wurde. Schade, vielleicht klappt es ja auf der Terrarienbörse Hannover am 3. Mai...

Die zum Teil sehr kleine oder sogar fehlende Beschriftung der Verkaufsbehältnisse tat ihren Teil zur erfolglosen Suche bei. Ich halte es für äußerst fragwürdig, dass die Veranstalter und die Börsenordner ein solches Vorgehen überhaupt durchgehen lassen. Sind nicht deutlich und vollständig beschriftete Behälter in den Börsenrichtlinien und in der eigenen Börsenordnung vorgeschrieben? Eigentlich schon, nur wurde leider darauf mal wieder nicht wirklich viel Wert gelegt.

Diesbezüglich war ich natürlich auch vor Ort, um die Etikettierung des Himmelblauen Zwergtaggeckos (Lygodactylus williamsi) zu überprüfen, der Ende 2014 in Anhang B der EU-Artenschutzverordnung unter Schutz gestellt wurde. Ich fand zwar keinen Anbieter, der diese Art als „nicht geschützt“ verkaufte, jedoch auch nur einen einzigen Anbieter, der den Schutzstatus korrekt auf den Verkaufsbehältern angab (und somit sicherlich auch die Herkunftsnachweise aushändigte). Die restlichen Anbieter verzichteten auf eine ausführliche Beschriftung. Wenn hier Vereine wie z.B. Pro Wildlife e.V. nun scharfe Kritik üben sollten, muss ich leider zustimmen. Vorauseilender Gehorsam mag zwar unschön sein, hat mit einem verantwortungsbewussten Einhalten der artenschutzrechtlichen Bestimmungen jedoch nichts zu tun. Hier hat die Terraristika leider wieder eine schlechte Seite von sich gezeigt. Da nützen auch die kostenlos verteilten und vom Wortlaut her irgendwie zweideutigen Autoaufkleber „Stopp Verbotspolitik.de“ oder salbungsvolle Worte im Börsenbegleitheft gegen Exotenverbote nichts, wenn die Alternative zu solchen Verboten (nämlich das korrekte Einhalten der gültigen Gesetze) nicht aktiv praktiziert wird!

Ob sich für mich zukünftig ein Besuch der Terraristika lohnt, muss ich im Einzelfall entscheiden. Derzeit sieht es jedenfalls nicht so aus, als würde ich die Sommer-Terraristika am 13. Juni besuchen. Denn das Angebot driftet immer stärker in den Bereich der Farb- und Qualzuchten von populären Arten ab. So wurden erneut wieder schuppenlose Bartagamen (höhere Lichtempfindlichkeit und Verletzungsgefahr bei der Paarung) und sogar ein Enigma-Leopardgecko (der aufgrund des Börsenstresses in seiner Plastikbox rotierte) verkauft. Diese Auswüchse, die immer öfter auf Börsen zu sehen sind, haben mit meinem Verständnis einer verantwortungsvollen Terraristik leider nichts mehr zu tun!

Kommentare:

  1. Ohja es war sehr voll. Aber vielleicht sollte man nächstes mal alles mehr sortieren nach arten dann muss man nicht überall hin in dem gedränge. Und was mich Persönlich gestört hat 70 % nur Schlangen. Für mich lohnt es sich nicht mehr.

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    1. Bezieht sich dein Kommentar auf die 57. Terraristika (über die ich hier geschrieben habe) oder auf die gestrige 58. Terraristika? Gestern soll es ja wohl vergleichsweise leer gewesen sein - für eine Sommerbörse. Ich war jedenfalls nicht vor Ort, weil es sich für mich derzeit auch nicht mehr lohnt. Ich halte zwar Schlangen, aber normalerweise keine Farbzuchten. Wenn ich kunterbunte Lutschbonbons sehen will, kann ich auch zu "Süßes Kaufhaus" gehen.

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