Montag, 16. Februar 2015

Heimtiermesse Hannover 2015

Vom 13. bis 15. Februar fand in einer Halle auf dem Messegelände Hannover die „Heimtiermesse Hannover 2015“ statt. Ich war am 14. Februar selber vor Ort und habe mir das Messegeschehen angesehen:

Die Heimtiermesse war in der „abf Messe für aktive Freizeit“ (im Folgenden „Freizeitmesse“ genannt) integriert. Während auf besagter Freizeitmesse beispielsweise Reiseangebote, Caravaning, Campingzubehör, Fitnessaktivitäten etc. präsentiert wurden, war in der Messehalle 23 die eigentliche Heimtiermesse untergebracht. Beim dortigen Rundgang wurde sofort deutlich, welchen Platz die Terraristik auf dem Heimtiersektor einnimmt: Hunde, Katzen und Kleintiere dominierten das Geschehen. Auch die Aquaristik war gut vertreten. Bei der Terraristik sah es jedoch extrem mau aus.

Das Zoofachgeschäft „MegaZoo“ hatte ein paar Landschildkröten aufgebaut.

 

Ein gewisser kommerzieller Händler von Landeinsiedlerkrebsen in bunten Gehäusen war ebenfalls vor Ort. Auch „The Pet Factory“ war auf der Messe zu finden und bot ein Sortiment an Wirbellosen wie Käfern, Käferlarven, Vogelspinnen und Skorpionen sowie Zubehör für deren Haltung an. Beim Stand des Dähne-Verlags konnte man die in diesem Verlag erschienene Literatur erwerben. Vom Dähne-Verlag wurde auch ein Vortragsprogramm organisiert, welches sich jedoch primär auf die Aquaristik bezog. Da ich selbst ja auch zu einem gewissen Anteil Aquarianer bin und Wirbellose wie Garnelen, Flusskrebse, Schnecken und Blutegel in Aquarien halte, habe ich mir ein paar der Vorträge am Tag meines Besuches angehört.

Den Anfang machte der Leiter des VDA-Arbeitskreises für Wirbellose in Binnengewässern e.V. (bei dem ich selbst auch Mitglied bin) zum Thema „Nano-Aquaristik – Tiere in kleinen Aquarien“. Der Vortragstitel machte mir die Hoffnung, dass es dabei primär um Wirbellose gehen würde, weil Fische aufgrund ihres Stoffwechsels nicht gut in kleinen Wassermengen haltbar sind (so jedenfalls meine bisherige Annahme). Zwar wurde ich dahingehend anders belehrt, weil der Referent Kai A. Quante in seinem Vortrag verdeutlichte, dass er Fische auch schon in kleinsten Wassermengen langfristig halten konnte. Jedoch war für mich als Wirbellosenhalter der Schwerpunkt des Vortrags auf „Nano-Fische“ nicht sonderlich interessant. Nur wenige Wirbellose wurden vorgestellt und Schnecken nahezu komplett übersprungen, weil diese in einem Anschlussvortrag noch näher betrachtet werden sollten. Positiv in Erinnerung geblieben ist aber die Darstellung, dass Aquarien ruhig eine dicke Mulmschicht am Boden haben können und somit gewissermaßen „verdreckt“ aussehen dürfen, weil sie dann aufgrund der ganzen Mikroorganismen umso stabiler laufen. Dieselbe Erfahrung habe ich mit der Zeit ebenfalls gemacht, nachdem ich in meinen Nano-Aquaristik-Anfängen meine Aquarien wie in den Hochglanzmagazinen sehr „sauber“ hielt und trotzdem immer wieder Ausfälle bei den Tieren zu beklagen hatte. Die Anfälligkeit von Hochzuchtgarnelen wurde ebenfalls im Vortrag erwähnt. Der typische unterschwellige Humor eines Norddeutschen kam in diesem Vortrag auch nicht zu kurz.

Im Anschluss daran folgte ein Vortrag von der Schneckenexpertin Alexandra Behrendt zum Thema „Bekannte und neue Schnecken im Blickpunkt“. Positiv anzumerken ist, dass sie die Haltung von manchen anspruchsvollen Schneckenarten, die nur als Wildfänge in die Aquarien gelangen, eher ablehnte, weil diese Arten in Gefangenschaft wohl nicht sehr alt werden. Leider fühlte ich mich bei diesem Vortrag mit der Zeit sehr deplaziert, weil die Referentin immer wieder mit den ihr bekannten Teilen des Auditoriums interagierte, ständig die Tür zum Vortragsbereich öffnete und wieder schloss oder jeden neu hinzugestoßenen Zuhörer direkt persönlich begrüßte und sich dadurch immer wieder in ihrem Vortrag unterbrechen ließ. Die gute Frau verhielt sich zudem noch wie eine Tante, der man auf einer feucht-fröhlichen Feier einmal versehentlich gesagt hat, dass sie ja sooo lustig sei und die seitdem dies auch von sich selber glaubt. Ihr „Humor“ war mit dem meinen leider nicht sehr kompatibel. Aufgrund der ständigen Unterbrechungen (zwischenzeitlich brach auch noch ein Messebesucher durch die Leichtbauwand des Vortragsbereiches) musste Frau Behrendt zum Ende hin aus Zeitgründen durch den Vortrag hetzen. Leider befanden sich dort genau die Schnecken, die mich am meisten interessiert hätten (Anentome helena).

Der dritte Vortrag wurde von Monika Rademacher und Oliver Mengedoht zum Thema „Geosesarma-Krabben – Buntes aus Südostasien“ gehalten. Darin wurde neben der Haltung verschiedener Krabbenarten aus der Gattung Geosesarma auch auf die neue Taxonomie eingegangen. Sehr ernüchternd bei diesem an sich rundum gelungenen Vortrag war, dass sich die zuvor anwesende Zuschauerzahl von ca. 40 bis 50 auf anfangs nur noch 6 (später ca. 10) Personen beschränkte. Ein weiteres Zeichen dafür, wo die Terraristik ihren Platz hat.

Für den letzten Vortrag zum Thema „Wirbellose in europäischen Gewässern“ reiste Werner Klotz aus Österreich an. Auch dieser (dann auch wieder besser besuchte) Vortrag war sehr sehenswert. Es wurden neben Garnelen und Krebsen aus z.B. Griechenland, Deutschland und Österreich auch eingeschleppte Tiere wie Procambarus clarkii und Neocaridina davidi vorgestellt, letztere sogar als „deutscher Wildfang“ aus dem berüchtigten „Guppybach“ am Niederrhein in der Nähe eines Kohlekraftwerks bei Köln. Als Blutegelhalter vermisste ich diese europäischen Wirbellosen aber schon irgendwie im Vortrag.

Im Rahmen der Heimtiermesse wurden mehrere Wettbewerbe veranstaltet. Im Bereich der Aquaristik z.B. der Aquascaper-Wettbewerb „The Art of the Planted Aquarium“ sowie das 7. Internationale Garnelenchampionat, bei dem Farbzuchten von Zwerggarnelen ausgezeichnet wurden.

Diese ganze Herumzüchterei ist ein Trend, den ich äußerst kritisch betrachte. Ich war sogar im Vorfeld am Überlegen, ob ich am sogenannten „Championat“ nicht mit meiner transparenten und somit gänzlich farblosen Rückenstrichgarnelen-Wildform mitmachen sollte. Nur um damit zu zeigen, dass diese Wildformen mehr als nur eine Existenzberechtigung haben! Aber andererseits bin ich auch kein Freund von solchen Wettbewerben grundsätzlich und die Startgebühr war mir ein Verstoß gegen dieses Prinzip dann auch nicht wert. Das einzige Highlight am Stand des Garnelenchampionats war eine eher unscheinbar drapierte Vase mit Feenkrebsen.


Auch die sogenannte Terrascaping-Weltmeisterschaft „The Art of the Planted Terrarium“ mit dem Motto „Green Desert – Die Wüste ist grün“ fand auf der Heimtiermesse statt. Bei diesem Schwanzvergleich Wettbewerb mussten die Teilnehmer jeweils ein großes Terrarium mit den Maßen 90 x 45 x 45 cm sowie einen „30er-Würfel“ des Sponsors ExoTerra gemäß des Mottos einrichten. Bei meinem Besuch am Samstag war das Werk von The Pet Factory, welche außer Konkurrenz teilnahm, bereits fertig – inkl. Plastiksalamander. Das Team „Futterhaus“ befand sich gerade im Aufbau. Ansonsten war auf der Terrascaping-WM zum Zeitpunkt meines Besuches nicht viel zu sehen. Ohnehin halte ich den Veranstaltungsort für eine sogenannte „Weltmeisterschaft“ am Rande einer Freizeitmesse in einer Großortschaft wie Hannover schon für ziemlich gewagt. Ein Foto vom Gewinner gibt es auf der Facebookpage von www.terraristik.com zu sehen: Gewinner Terrascaping-WM

 
Weitere sonderbare Präsentationen auf der Heimtiermesse waren z.B. die in kleinen Käfigen gesperrten Rassekatzen, bei denen ich mich fragte, ob diese Tiere eine solche Unterbringung eigentlich genauso relaxt überstehen, wie Reptilien in den Verkaufsbehältnissen auf einschlägigen Börsen: 


Auch am Stand des „Natur ohne Jagd e.V.“, der direkt bei den Rassekatzen positioniert war und an dem getreu dem Motto „Jagd kostet Leben“ meinem Empfinden nach äußerst einseitig über das Thema Jagd informiert wurde, verschlug es mir als aktiven Naturschützer und Lobbyisten der heimischen Flora und Fauna die Sprache. Das typische Schubladendenken und kategorische Verurteilen der Jagd wurde dort jedenfalls wieder einmal ordentlich unter Beweis gestellt.

Abseits der Heimtiermesse informierte der Zoll übrigens auch über Artenschutzprobleme bei Urlaubsmitbringseln. Eine Thematik, über die in der Tat mehr aufgeklärt werden sollte.


Kommentare:

  1. Ja, ja - eine Weltmeisterschaft im Terrascaping für die der Teilnehmer zahlen muss! Warum nennt man diesen Wettbewerb nicht einfach Dauerwerbesendung? Für mich eine Farce, die sich nun schon ein paar Jahre wiederholt. Warum veranstaltet EXO- Terra nicht mal eine richtige Weltmeisterschaft? Also Teilnehmer aus mehreren Ländern? Die Veranstaltung in Hannover kann ja dann eine Deutsche Meisterschaft sein, eine Weltmeisterschaft ist es keinesfalls ...

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    1. Ganz meine Meinung. Eine Startgebühr finde ich an sich nicht schlimm, aber 195 Euro sind trotz der Freikarten echt happig. Auch die Richtlinien des Wettbewerbs sprechen Bände. In Bezug auf verwendete Technik (z.B. Pumpen und Ultraschallvernebler) werden die Produkte der Sponsoren "empfohlen". Klar, was denn auch sonst? Da investiere ich lieber in meine eigenen Terrarien als in diese Wer-hat-den-Längsten-Kommerzkacke.

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