Montag, 9. Februar 2015

Fundskorpion bei „Menschen, Tiere & Doktoren“ (Sendung vom 01.02.2015)

Euscorpius alpha (Beispielbild)
Am 01.02.2015 lief auf VOX eine für Terrarianer interessante Folge der Sendung „Menschen, Tiere & Doktoren“. In dieser regelmäßigen Tierarzt-Doku, die derzeit sonntags um kurz nach 5 Uhr ausgestrahlt wird, dreht sich alles um tierische Patienten und den Berufsalltag in den Tierarztpraxen, Kleintierkliniken und bei der Tierrettung. Ein in besagter Sendung vom Kamerateam begleiteter Fall der Tierrettung München, die vom Verein aktion tier e.V. unterstützt wird, handelte von einem Skorpion (der Vorfall ereignete sich im Jahr 2011):

Dr. Sylvia Haghayegh von der Tierrettung München wurde in die Privatwohnung einer jungen Frau gerufen, die in ihrem Urlaubsgepäck einen Skorpion entdeckt hatte. Die Dame war gerade aus der Toskana zurück. Dr. Haghayegh schloss aus dieser Vorgeschichte korrekterweise, dass das ungewollte Urlaubsmitbringsel aufgrund seiner Herkunft eher zu den ungefährlichen Skorpionen zählen müsste. Gemeinsam durchstöberten die Damen mit dicken Handschuhen und einer langen Pinzette ausgerüstet die Reisetasche der zurückgekehrten Urlauberin. Musikalisch unterlegt wurde die Aktion natürlich wieder mal ganz im Stile eines Hitchcock-Filmes. Schließlich fanden sie in der Tasche tatsächlich einen recht kleinen Skorpion, den Dr. Haghayegh vorsichtig mit der Pinzette in ein glattwandiges Glas bugsierte. Bereits zu diesem Zeitpunkt erkannten fachkundige Zuschauer an den markanten Pedipalpen und dem im Vergleich dazu eher zerbrechlichen Metasoma, dass es sich um einen ungefährlichen Vertreter der Gattung Euscorpius handelte, bei dem die Giftwirkung nach einem Stich mit der eines Bienen- bzw. Wespenstichs vergleichbar ist.

Nach einer kurzen Suche nach einem zweiten Skorpion brachte Dr. Haghayegh das Tier zur Reptilienauffangstation München, wo Fachtierarzt Thomas Türbl exakt diese Einschätzung bestätigte, den Skorpion als „nicht aggressiv“ bezeichnete und der den Fund eines solchen Tieres im Urlaubsgepäck meinem Empfinden nach nicht wirklich als große Sache auffasste. Auf der Website der Reptilienauffangstation steht diesbezüglich bei den Spinnentieren
„Oft sind versehentlich aus südlichen Ländern mitgebrachte kleine Euscorpius spec. bei uns im Bestand. Bitte anfragen, welche Skorpione aktuell bei uns zur Vermittlung sind.“ 
Für Dr. Haghayegh sei dieser Fall jedoch in den mehr als 10 Jahren ihrer Tätigkeit bei der Tierrettung München eine Prämiere gewesen. Der Bericht endete mit der Anmerkung, dass die Vermittlungschancen für den Skorpion nach einer kurzen Quarantäne gar nicht so schlecht stünden.

Dieser Bericht lässt natürlich auch ein paar Gedankenspiele zu, insbesondere wenn man bedenkt, dass der Verein aktion tier e.V. der sogenannten „Exotenhaltung“ äußerst negativ gegenübersteht. Beispielsweise werden offenbar regelmäßig versehentlich nach Deutschland gebrachte Wildfänge geradezu selbstverständlich in Privathand vermittelt. Aus meiner Sicht ist daran natürlich auch absolut nichts auszusetzen. Die Auffangstationen achten schließlich auch darauf, dass die Tiere in gute Hände kommen. Faktisch gesehen handelt es sich jedoch um ein Wildfangtier (Euscorpius gilt in Italien übrigens als gefährdet), worüber sich viele Tierschutz- und Tierrechtsvereine immer wieder echauffieren. Eigentlich müssten Urlauber künftig mit drakonischen Strafen rechnen, wenn sie geschützte Tiere schmuggeln und nicht nur Terrarianer, die solche Tiere (auf lange Sicht womöglich illegal) aus Liebhaberei halten und nachzüchten.

Auch in Hinblick auf Gefahrtiergesetze ist der Fall interessant: Wenn die Haltung von Skorpionen immer stärker reglementiert wird und beispielswiese auch harmlose Arten wie der gefundene Euscorpius in naher Zukunft kaum noch gehalten werden dürften, wäre das langfristig mit der Vermittlung ein Problem. Wohin dann nämlich mit diesen Tieren? Die kämen auch weiterhin nach Deutschland und da Italien zur EU gehört, würde auch ein Wildtierimportverbot nichts daran ändern.

Nicht zuletzt sollten wir diese Situation im Hinterkopf behalten, wenn Gegner der Exotenhaltung die Einsätze von Tierrettung und Co. als Argument für ein Haltungsverbot von Skorpionen etc. nennen. Denn ein offenbar nicht unerheblicher Anteil der Vorfälle insbesondere mit Wirbellosen lässt sich auf den Tourismus und auch den Handel mit Waren innerhalb der EU (die berüchtigte Bananenspinne im Supermarkt) zurückführen und steht nicht unbedingt immer in direktem Zusammenhang zu einem entflohenen / ausgesetzten Tier aus der Privathaltung! Wer also die Haltung von Skorpionen verbieten möchte, sollte konsequenterweise auch den Tourismus und den Warentransfer verbieten.

Einen Bericht über diesen Vorfall von Dr. Haghayegh gibt es auf der Website der Tierrettung München.

 

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