Freitag, 16. Januar 2015

Stellungnahme der Tierschutzverbände zum Entwurf des GefTierG NRW

Eine ganze Palette an sogenannten „Tier-, Natur- und Artenschutzverbänden“ hat im Rahmen der Verbandsanhörung zum Entwurf des Gefahrtiergesetzes Nordrhein-Westfalen eine gemeinsame Stellungnahme mit dem Titel „Ist der Gefahrtiergesetz-Entwurf NRW erforderlich und verhältnismäßig?“ eingereicht. Dieses Pamphlet zeugt erneut von den dubiosen Machenschaften und der abgrundtiefen Unkenntnis der unterzeichnenden Verbände (Deutscher Tierschutzbund, BUND NRW, NABU NRW, Pro Wildlife, Bundesverband Tierschutz, Bund gegen den Missbrauch der Tiere, Animal Public, Vier Pfoten, PETA, Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner, Eurogroup against Birdcrime, Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt), weswegen ich diese Stellungnahme einmal detailliert betrachten muss. Denn manche Dinge kann man so nicht unkommentiert stehen lassen.

In der Einleitung der Stellungnahme werden angebliche Tier- und Artenschutzprobleme erwähnt, die schlicht und ergreifend nichts mit einer Gesetzgebung für die öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu tun haben. Da es den Verbänden offensichtlich nicht gelingt, ihre heile Tierschutzwelt auf Bundesebene im Tierschutzgesetz zu verankern, versuchen sie ihre Ideologie über die darunterliegende Instanz (die Bundesländer) mit Hilfe von Gefahrtierregelungen durchzusetzen. Dies wird schon dadurch deutlich, dass sich in NRW das Umweltministerium der Sache angenommen hat und nicht das eigentlich für solche Themen zuständige Innenministerium. Was sich derzeit hinter den Landtagsmauern in NRW abspielt, führt das ganze System der deutschen Gesetzgebung ad absurdum.

In der Stellungnahme, aus der ich im Folgenden zitieren werde, greifen die Gegner der Wildtierhaltung einzelne Fragestellungen zum Gesetzesentwurf auf und beantworten diese. Na ja… zumindest haben sie sich bemüht:

1) Warum braucht NRW überhaupt ein Gefahrtiergesetz?

In der Praxis müssen die Tier- und Naturschutzverbände feststellen, dass diese Länderregelungen zwar stark voneinander abweichen und vielfach nicht weit genug gehen, um der Problematik tatsächlich zu begegnen. Eine Ausnahme bilden hier jedoch die Regelungen in Hessen und Berlin, die sich auch im Vollzug bewährt haben. […] Langfristiges Ziel sollte eine strikte, bundesweit einheitliche Regelung sein.

Die Forderung nach einer bundesweit einheitlichen Regelung wird von mir unterstützt. Es kann einfach nicht sein, dass ein Tier hier in Niedersachsen verboten ist, nebenan in NRW derzeit jedoch noch ohne Auflagen gehalten werden darf. Die Regelungen von Hessen und Berlin halte ich milde ausgedrückt jedoch für zwei der eher schlechteren Regelungen in ganz Deutschland. Dass sich die Regelung von Berlin im Vollzug bewährt hat, stimmt so absolut nicht. 2007 war darin noch der Grüne Leguan (Iguana iguana) als Gefahrtier aufgeführt, so wie es NRW derzeit auch noch plant. Es hat sich jedoch nach Inkrafttreten der Regelung gezeigt, dass sehr viele Leute diese Tiere halten und der Vollzug extrem unüberschaubar war. Außerdem erkannte man in Berlin mit verspäteter Einsicht, dass es nicht zu rechtfertigen ist, diese Art als Gefahrtier einzustufen. Bei einer Revision der Verordnung im Jahr 2011 wurde der Grüne Leguan also wieder aus der Gefahrtierliste gestrichen. Den ganzen Behördenwahn hätte man vermeiden können, wenn man im Vorfeld auf die vielen konstruktiven Anregungen von tatsächlichen Fachexperten gehört hätte. Wenn der Gesetzgeber in NRW diesem Beispiel trotzdem folgen möchte, macht er sich damit lächerlich.

2) Werden tatsächlich nur die Halter selbst oder auch unbeteiligte Dritte gefährdet?

Immer wieder werden nicht nur die Privathalter, sondern Tierpfleger in Auffangstationen bzw. Zoogeschäften (also Personen, die diese Tiere nicht in ihrem Privatbesitz hatten) oder gar unbeteiligte Dritte durch gefährliche Wildtiere einer Gefahr ausgesetzt.

Auffangstationen und Zoofachgeschäfte können frei entscheiden, welche Tiere sie in ihren Bestand aufnehmen. Der Inhaber von Deutschlands größtem Zoofachgeschäft „Zoo Zajac“ äußerte sich in einem Interview zum Gesetzesentwurf, dass er auf den Verkauf von Giftschlangen verzichte. Auch Auffangstationen können sich gegen die Aufnahme von Gefahrtieren entscheiden. Es gibt also keinen Unterschied zwischen Privathaltern und Tierpflegern/Zoofachgeschäftsangestellten, denn kommt es mal zu einem Zwischenfall, resultiert dies aus der freien Entscheidung und Risikoabschätzung der jeweiligen Person. Als im „Planking-Wahn“ Dutzende Jugendliche von Brückengeländern stürzten, forderte auch niemand den Abbau von Brücken.

Nachfolgend werden in der Stellungnahme insgesamt 28 Vorfälle aus den letzten 10 Jahren genannt, bei denen angeblich die öffentliche Sicherheit in Gefahr gewesen sein soll:

November 2014 – In einer verwahrlosten Wohnung in Düsseldorf findet die Feuerwehr 30 Schlangen, darunter fünf sehr giftige Schlangen (eine Mamba, eine Speikobra, eine Bambusotter, zwei Klapperschlangen) sowie eine Boa constrictor. Der Fall wurde nur entdeckt, weil eine Schlange vom Balkon der Wohnung auf die darunter liegende Terrasse glitt.


Bei der ausgebrochenen Schlange handelte es sich um ein harmloses Exemplar. Ich gebe den Verbänden Recht, dass dies nicht hätte sein müssen. Aber es war kein Mensch in Gefahr. Womöglich, weil die Terrarien mit den tatsächlich gefährlichen Tieren im Gegensatz zu den Terrarien mit den harmlosen Tieren sicher abgeschlossen waren.

Oktober 2014 – Berlin: Ein Vermieter findet in der leeren Mietwohnung Terrarien mit 19 Klapperschlangen, die vom Mieter zurückgelassen wurden.

Auch hier wurde niemand gefährdet. Die Tiere waren in Terrarien sicher untergebracht. Aber Moment mal… wurde Berlin nicht zuvor noch als lobenswertes Beispiel für ein gutes Gefahrtiergesetz aufgeführt? Schon irgendwie peinlich, dass dann dieser Vorfall als Beispiel dafür aufgezählt wird, dass nur Verbote die richtige Lösung seien. Die Tiere wurden nämlich nur deswegen vom Halter zurückgelassen, weil er sie aufgrund des Verbotes gar nicht hätte besitzen dürfen. Solche Vorfälle würden sich also auch in NRW häufen.

September 2014 - Eine fast zwei Meter lange, 15 Kilo schwere Boa constrictor ist in Ickern ihrem Halter ausgebüxt, als dieser der Würgeschlange im Garten "Auslauf" gewährt hatte.

Riesenschlangen gelten aus Sicht von Fachleuten erst ab drei Metern Länge als potentiell gefährlich für Einzelpersonen. Auch dieser Vorfall hätte natürlich nicht sein müssen, kann aber passieren. Genauso wie täglich Tausende Hunde und Katzen im öffentlichen Raum unterwegs sind und den Straßenverkehr gefährden, über die sich die Tierschutzverbände jedoch nicht echauffieren. Während alle paar Wochen bundesweit mal eine Schlange ausbüxt, sind es allein in Berlin/Brandenburg täglich mehrere Hunde, wie auf der Facebookseite „Entlaufene Hunde Berlin/Brandenburg“ deutlich wird. Manchen Haltern laufen die Hunde direkt hintereinander sogar zweimal weg.

Über diese Masse an Vorfällen berichten die Zeitungen erst, wenn ein Unfall passiert und der Halter daraufhin gesucht wird. Dann teilweise aber nur als Randnotiz in der Lokalpresse. Über entflohene und aufgefundene „Exoten“ (egal ob gefährlich oder nicht) wird jedoch sehr gerne und dann meist auch bundesweit berichtet. Wie die Presse sich dann auf solche exotischen Vorfälle stürzt, wird in meinem Beitrag Düsseldorf: 30 Giftschlangen in Wohnung sichergestellt deutlich. Bevorzugt in Zeiten des medialen Sommerlochs (was auch bei den genannten Fällen in der Stellungnahme offenbart wird), weil in der Zeit nicht nur einheimische Schlangen aktiv sind (und gerne mal mit „Exoten“ verwechselt werden), sondern eben auch die in den Terrarien gehaltenen Exemplare nach einem Ausbruch gelegentlich mal den Weg in die Freiheit finden, weil tagsüber die Fenster nicht immer komplett geschlossen sind.

August 2014 – Eine Radfahrerin entdeckt in Möhrendorf einen 3 m langen Tigerpython am Waldrand. Die Feuerwehr sichert das Tier.

Verletzt wurde zwar niemand, aber gut – gestehen wir der Gegenseite hiermit mal ein entflohenes oder ausgesetztes Gefahrtier zu. Doch auch hierbei ist es interessant zu wissen, dass Möhrendorf in Bayern liegt und dass Bayern sowohl den Hellen als auch den Dunklen Tigerpython als Gefahrtier einstuft. Es handelt sich somit also erneut um einen Fall, bei dem eine Gefahrtierregelung offenbar nichts an der Situation für die öffentliche Sicherheit geändert hat. Womöglich sogar im Gegenteil!

Juli 2014 - Eine sechs Kilo schwere Schnappschildkröte wurde im Raum Friedrichshafen aufgegriffen

Juni 2014 - Ein Hund stellte in Rheinberg eine 40 cm große Schnappschildkröte, die erstmal in einem Pferdeanhänger untergebracht wurde.


Es wird immer absurder. Die Haltung von Schnappschildkröten ist bereits seit 1999 in Hinblick auf den Schutz der einheimischen Fauna verboten. Ich verstehe die Logik einfach nicht, warum man Verbote befürwortet und dies mit Fällen begründet, bei denen solche Verbote nachweislich keinerlei Wirkung gezeigt haben. Das ist absolut widersprüchlich und zeigt, dass die Gegenseite einfach Argumente präsentiert ohne überhaupt mal kurz über die Thematik nachzudenken.

Juni 2014 – Bergen-Enkheim: Hausbesitzer entdecken an ihrem Pool im Garten eine hochgiftige Korallenschlange. Die Polizei fängt das Tier in einer mühsamen Aktion ein.

Korallenschlangen werden extrem selten in Privathand und zoologischen Einrichtungen gehalten. Daher wurde ich seinerzeit schon recht stutzig. Lediglich eine größere Zeitung berichtete über diesen Fund einer angeblichen Giftschlange: Die BILD-Zeitung, die ja bekannt für ihre Glaubwürdigkeit ist. In dem Artikel findet man eine Abbildung von dem Fundtier. Es handelte sich definitiv um eine ungefährliche Dreiecksnatter! Die Farbfolge bei der giftigen Korallenschlange ist „Rot-Gelb-Schwarz-Gelb-Rot“ außerdem hat sie keine roten Farbanteile in der Beschuppung des Schwanzes. Bei einer ungiftigen Dreiecksnatter ist die Farbfolge „Rot-Schwarz-Gelb-Schwarz-Rot“, die sich bis auf wenige Ausnahmen auch über den Schwanz erstreckt. Es gibt sogar mehrere Merksätze dafür: „Gelb an Rot und du bist tot.“ oder „Rot an Dotter = Todesotter.“ Zur Verdeutlichung habe ich diese dilettantische Abbildung gekrickelt:


Bei dem gefundenen Tier handelte es sich um eine Albino-Farbzucht, bei der die schwarzen Streifen hell gezüchtet wurden. Richtet man sich allein nach dem Merksatz, liegen bei diesem Tier die roten Streifen an hellen Streifen und man könnte als Laie mit den Merksätzen im Hinterkopf tatsächlich von einer Korallenschlange ausgehen. Jedoch müsste das Tier dann trotzdem auch schwarze Streifen zwischen den hellen Streifen haben. Diese hat es jedoch nicht. Bei genauem Hinsehen erkennt man die folgende Farbfolge „Rot-Hellrosa-Gelb-Hellrosa-Rot“, wobei das helle Rosa das albinotische Schwarz ist. Auch im Schwanz befinden sich rote Streifen, was keine Zweifel daran lässt, dass es sich um eine ungiftige Dreiecksnatter handelte. Dieser Vorfall kann somit getrost aus der Aufzählung gestrichen werden! Die BILD war übrigens nicht bereit für eine Richtigstellung, aber das wundert mich natürlich nicht.

Dass jedoch gleich 12 Tier-, Natur- und Artenschutzverbände auf diese Ente hereinfallen und nicht erkennen, dass es sich um eine vollkommen harmlose Schlange handelte, zeugt von mangelndem Fachwissen oder gezielter Propaganda. In beiden Fällen haben diese Vereine ihr Mitspracherecht bei der Gesetzgebung jedenfalls endgültig verspielt!

Als kleine Randnotiz noch eine interessante Aussage von Dr. rer. nat. Markus Monzel vom Serum-Depot - Berlin e.V. über die echte Korallenschlange: „Die kaum in Privathand befindlichen Korallenschlangen verfügen über ein äußerst stark wirksames Nervengift, das schwerste Folgen auch für den Menschen haben kann. Gleichzeitig handelt es sich aber bei vielen der über 50 Arten um äußerst beißfaule Arten mit einer kleinen Maulöffnung, so dass die Zahl der erfassten Bissunfälle selbst in Südamerika verschwinden gering ist. In Privathaltung ist mir kein Biss-Unfall mit Korallenschlangen bekannt.

Quelle: Stellungnahme zur Anlage der [Berliner] Verordnung über das Halten gefährlicher Tiere wildlebender Arten

April 2014 – In Bernau, Brandenburg, finden Spaziergänger einen 4 m langen Tigerpython.

Juni 2013 – Ein Anwohner findet in Emden einen 6 m langen, 50 kg schweren Netzpython auf einem Weg, das Tier wird von der Feuerwehr eingefangen.

Juli 2012 – Ein Ehepaar findet in Osnabrück einen 3,5 m langen Python, die Feuerwehr fängt das Tier ein.


Das wären die ersten drei Fälle von aufgefundenen potentiell gefährlichen Terrarientieren in Bundesländern, die für diese Tiere keine Regelung beschlossen haben. Es zeugt jedoch von großer Hilflosigkeit, dass die Verbände dafür so weit in die Vergangenheit schauen müssen. Durchschnittlich ein Vorfall pro Jahr, bei denen bisher keine unbeteiligte Person verletzt wurde. Ich ermittelte im Dezember 2014 in einem Zeitraum von nur vier Wochen insgesamt 31 Vorfälle mit Hunden, Katzen und Pferden, bei denen 24 unbeteiligte Personen (darunter Kinder) zum Teil schwer verletzt wurden und 1 unbeteiligte Person sogar starb sowie mindestens 50.000 Euro Sachschaden zustande kamen! Wo wären also bitte zuerst Haltungsverbote angebracht? Doch wohl eher bei den domestizierten Tieren!

Januar 2012 – Feuerwehrleute treffen bei einem Brandeinsatz in einer Wohnung in Melk (AT) auf 2 Taipane, 1 Monokelkobra und 4 Baumbusottern, die durch den Brand freigekommen waren. Der Löscheinsatz wird wegen der Giftschlangen abgebrochen.

Langsam wird es echt lächerlich. Ein Einzelfall von vor drei Jahren im Ausland wird als Argument für deutsche Gesetzgebung hervorgekramt? Aber gut: Die Tiere befanden sich im Wirtschaftstrakt des brennenden Anwesens. Der Löscheinsatz wurde nicht abgebrochen, sondern lediglich unterbrochen, während die Einsatzkräfte sich darüber informierten, welche Tiere dort gehalten wurden und wo Gegengifte für den Fall eines Bisses vorhanden waren. Dies ist ein übliches und besonnenes Vorgehen, wenn eine Gefahrensituation nicht eindeutig ist. In Lagerhallen mit gefährlichen Chemikalien oder Brandbeschleunigern wird auch erst die Lage sondiert. Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr müssen mit solchen Gefahren rechnen. Sie setzen sich aufgrund ihrer Berufswahl bewusst und freiwillig solchen Situationen aus (und verdienen dafür unseren Respekt!). Die betroffenen Einsatzkräfte haben überlegt gehandelt und somit kam auch niemand zu Schaden. Da das Feuer nicht auf die Schlangenhaltung zurückzuführen ist und auch sonst niemand unmittelbar wegen der Schlangen gefährdet wurde, ist dieser Fall schlicht und ergreifend kein plausibles Argument für Haltungsverbote.

September 2011: In Heidelberg finden Passanten eine Braune Nachtbaumnatter (Giftschlange) in einem Gebüsch. Sie rufen die Feuerwehr. Nur wenige Tage zuvor war in Heppenheim ebenfalls ein Braune Nachtbaumnatter auf einem Gehweg entdeckt worden.

Biologisch gibt es keine allumfassend gültige Einordnung von Tieren in die Kategorie „Giftschlange“. Nachbaumnattern sind zuerst einmal Trugnattern. Manche Trugnattern können dem Menschen zwar gefährlich werden, das Gift der Braunen Nachtbaumnatter ist für Menschen jedoch nicht tödlich und wird auch nur dann in spürbarer Menge injiziert, wenn das Tier ordentlich am Menschen herumkauen kann. Danach sind lediglich leichte Lähmungen als Folgen eines Bisses bekannt. Der erklärte Anspruch des GefTierG NRW ist, dass Wildtiere verboten werden sollen, die dem Menschen einen erheblichen Schaden mit möglicher Todesfolge zufügen können. Diesen Anspruch erfüllt die Braune Nachtbaumnatter definitiv nicht! Sie hat zwar wie alle Heimtiere nichts im öffentlichen Raum zu suchen, daher soll der Fall auch gar nicht heruntergespielt werden, dennoch bestand erneut keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit.

Heppenheim liegt übrigens in Hessen, dem zweiten Bundesland, dessen Gefahrtierregelung aus dem Jahr 2007 von den unterzeichnenden Verbänden dieser Stellungnahme ja als so toll empfunden wird.

Im Juni 2011 entdeckt ein 11-jähriger Junge am Spielplatz in Kirchlichteln offenbar eine Klapperschlange, die unter Schwanzrasseln im Gebüsch verschwindet.

Dieser Vorfall ereignete sich in Kirchlinteln und nicht in Kirchlichteln. Kirchlinteln liegt in Niedersachsen, wo die Haltung von Giftschlangen verboten ist. Also erneut kein plausibles Argument für Verbotsforderungen. Davon ganz abgesehen wurde das Tier nie gefunden, wodurch auch nie geklärt werden konnte, ob es tatsächlich eine Klapperschlange war. Auch andere Schlangen (z.B. Kornnattern oder Königsnattern) bewegen bei Bedrohung ihre Schwanzspitze so schnell hin und her, was in Anwesenheit von z.B. Laub zu einem Rasseln und Rascheln führt, dass man in der ersten Schrecksekunde eine solche harmlose Schlange tatsächlich für eine Klapperschlange halten könnte. Da jedoch weder eine Kornnatter noch eine Klapperschlange gefunden wurde, handelt es sich vielleicht auch nur um einen Jungenstreich. Ein triftiger Grund endlich mal Kinder zu verbieten!

März 2010 - Eine hochgiftige Monokelkobra, nur wenige Tage zuvor auf der Reptilienbörse in Hamm gekauft, entkommt ihrem 18-jährigen Halter. Die Feuerwehr entkernt und evakuiert das Sechs-Parteienhaus auf der Suche nach dem Tier. Es entsteht ein Sachschaden von über 100.000 €.

Soweit ist das alles richtig. Fakt ist jedoch auch, dass der Halter so verantwortungsbewusst war, dass er in dieser Situation Hilfe rief und dadurch kein anderer Bewohner verletzt wurde. Dies war ihm nur deswegen möglich, weil die Haltung in seinem Wohnort (Mühlheim an der Ruhr in NRW) zu diesem Zeitpunkt nicht verboten war. Hätte er das Tier illegal gehalten, hätte er sich womöglich zweimal überlegt, ob er den Ausbruch bekanntgibt. Dadurch wäre die Gefahr für Unbeteiligte natürlich noch größer gewesen.

Die hohen Kosten entstanden außerdem nur deswegen, weil die Einsatzkräfte auf Anraten der Behörden, die unter dem Druck der Medien und der Öffentlichkeit standen, vollkommen überstürzt gehandelt haben. Das Ausräumen der Wohnung war der erste idiotische Schnellschuss. Hätte sich das Tier in einem Möbelstück versteckt, wäre ihm durch den unkontrollierten Transport der Möbel auf die Straße vor dem Wohnhaus der Weg in die Freiheit geebnet worden. Beteiligte Reptilienexperten mahnten die Entscheidungsträger zu einem besonnenen Vorgehen. Stattdessen wurde im blinden Aktionismus vieles falsch gemacht und dadurch unnötige Gelder verschleudert. Ein Glück, dass in dem Chaos niemand verletzt wurde. Wäre es dazu gekommen, wären daran vor allem die Behörden schuld gewesen. Doch die hätten (wie auch jetzt schon in Bezug auf die Kosten) alles dem Halter in die Schuhe geschoben, der sich jedoch in dieser natürlich misslichen Situation insgesamt sehr vorbildlich verhalten hat.

März 2010: In Hessen wird in einer verlassenen Wohnung eine Gabunviper gefunden.

Februar 2010 – Spaziergänger finden im Wald in Berlin einen 4 m langen, 30 kg schweren Tigerpython, das Tier ist in Kältestarre


Muss ich mich wiederholen? Es ist schon verdächtig, dass solche Fälle gehäuft in den Bundesländern auftreten, die bereits Haltungsverbote beschlossen haben. Aufwachen! Verbote sind scheiße und gefährden die öffentliche Sicherheit!

November 2009 – Eine Frau nahe Erlangen findet auf dem Flur ihrer Wohnung einen stark giftigen Skorpion.

Es handelte sich um einen Gelben Mittelmeerskorpion (Leiurus quinquestriatus), der tatsächlich für Menschen gefährlich sein kann. Für die Frau bestand also in diesem Fall tatsächlich eine Gefahr, denn im Gegensatz zu einem für Passanten vergleichsweise harmlosen Tigerpython ist ein kleines Gifttier in der Wohnung sehr wohl ein ziemlich großes Risiko. Schon interessant, dass der erste nennenswerte Zwischenfall mit einem für Unbeteiligte tatsächlich potentiell tödlichen Wildtier bereits über 5 Jahre in der Vergangenheit liegt. Ist das die Dringlichkeit, die scharfe Gesetze erforderlich macht? Erlangen liegt übrigens in Bayern, wo die Haltung von Skorpionen der Gattung Leiurus verboten ist.

Oktober 2009 – In Villach (AT) finden Beerensammler im Wald eine giftige Levanteotter.

Juli 2008 – In Villach, Österreich, entdeckt ein Rentner beim Essen im Garten neben ihm eine Levanteotter. Die Giftschlange war offenbar ausgesetzt worden.


Österreich scheint wohl ein neuer Lebensraum für diese europäische Giftschlange zu werden. Klimaerwärmung macht‘s möglich. Oder (und das ist wohl auch wahrscheinlicher) es handelt sich um zwei Meldungen, die aus ein und derselben Tierhaltung resultierten. Auch hier finde ich es äußerst dubios, dass die Verbände derart alte Einzelfälle und noch dazu aus dem Ausland hervorkramen müssen.

September 2009 – Ein Feuerwehrmann in Lemgo (NRW) wird bei Löscharbeiten in einer Wohnung von einer Kupferkopfotter gebissen, die durch das Feuer aus dem Terrarium entkam.

Die dazugehörige Pressemeldung zu diesem dramatischen Vorfall gibt es hier: >>>klick mich<<<
Die Haltung dieser Viecher gehört echt langsam mal verboten! 
…oder habe ich da gerade etwas verwechselt?

April 2007: Eine Familie in Erfurt sorgt mit Fotos für bundesweite Schlagzeilen, auf denen ihr drei Monate altes Baby auf einem riesigen Python im Wohnzimmer schläft. Auf weiteren Fotos posen die Eltern mit dem Baby und einem Alligator direkt daneben.

Wer starke Nerven hat und noch mehr Bilder sehen möchte, auf denen Babys neben potentiell gefährlichen Tieren posieren, möge bitte HIER klicken.

Die restlichen Vorfälle in der Stellungnahme sind schon so alt und so uninteressant, dass ich es damit nun belassen möchte. Ein wenig Mitleid empfinde ich ja schon mit den Tierrechtlern, die in ihrer Hilflosigkeit nach jedem Strohhalm greifen müssen, der sich ihnen bietet. Fakt ist jedoch, dass Verbote ohne Möglichkeit einer Haltungsbewilligung mit den paar Einzelfällen ganz einfach nicht zu rechtfertigen sind. Ich fordere von den unterzeichnenden Vereinen, dass sie sich zukünftig bitte auch für Haltungsverbote von Hunden, Katzen und Pferden einsetzen mögen. Das wäre wenigstens konsequent.

3) Reicht eine Sachkunde- und Meldepflicht bei potentiell tödlichen Tieren aus?

Nein. Immer wieder sind es auch erfahrene Halter und Pfleger mit entsprechender Sachkunde, die schwere Unfälle – immer wieder auch mit Todesfolge – verursachen:

Doch! Denn falls es die geistig scheinbar ziemlich unterernährte Tofu-Fraktion noch nicht begriffen haben sollte: Es handelt sich um eine Gesetzgebung zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Was hinter verschlossenen Türen passiert und welcher persönlichen Gefahr sich Menschen bei der Ausübung ihrer Hobbys aussetzen, geht niemanden etwas an. Vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Öffentlichkeit nicht gefährdet wird, ist natürlich in Ordnung und von Seiten der Halter auch gewünscht. Bevormundung von unbescholtenen Personen jedoch nicht! Ständig begeben sich Tierrechtler in ihren Nacht- und Nebelbefreiungsaktionen in Gefahr und begehen sogar Straftaten. Um diese Leute vor sich selbst zu schützen, bleibt in der Konsequenz also nur ein Verbot von Vereinen wie PETA, Animal Public, Menschen für Tierrechte und Co., die mit ihrer Arbeit zu solchen Taten ermutigen.

Zur Begründung, dass Sachkunde alleine nicht ausreicht und nur Verbote etwas bewirken können, nennen die Verbände insgesamt 7 Vorfälle, bei denen sich 5 Stück auf deutsche Tierhalter beziehen, von denen wiederum 2 Halter an den Folgen eines Giftbisses gestorben sind. Dies in einem Zeitraum von 2000 bis 2014. Zwei Todesfälle in 14 Jahren?! Das soll die Dramatik sein, die beweisen soll, dass Sachkunde nicht ausreicht und nur Verbote etwas nützen? Alle mal herzhaft lachen bitte! Müsste die Zahl nicht wesentlich höher sein, wenn die Halter von Gefahrtieren in einer ständigen Lebensgefahr schweben würden? Hier muss ich den Verbänden tatsächlich einmal danken, denn einen besseren Beweis für einen sachkundigen und damit äußerst risikoarmen Umgang von Gefahrtierhaltern mit ihren Tieren gibt es nicht.

Dies ergibt wiederum, dass radikale Verbote ohne Erlaubnisvorbehalt vom Tisch sein sollten, wenn sich der Gesetzgeber rechtsstaatlich korrekt verhält. Denn hierbei greift das Verhältnismäßigkeitsprinzip, welches sinngemäß besagt, dass angestrebte Ziele und die dafür in Kauf genommenen Belastungen des Bürgers nicht außer Verhältnis zueinander stehen dürfen. Das GefTierG NRW soll direkt vier Grundrechte einschränken und damit massiv eine Vielzahl an betroffenen Bürger belasten. Verhindert werden soll damit eine verschwindend geringe Anzahl an Zwischenfällen. Ziel und Belastung stehen somit vollkommen außer Verhältnis zueinander.

Das Verhältnismäßigkeitsprinzip besagt außerdem, dass das Mittel zur Zielerreichung nur dann gerechtfertigt ist, wenn es dafür überhaupt geeignet ist. Die Tierschutzvereine zeigen in ihrer Stellungnahme, dass in den Bundesländern Hessen und Berlin die ergriffenen Komplettverbote nicht verhindern konnten, dass Menschen durch ausgesetzte oder entflohene Gefahrtiere gefährdet wurden. Somit verstößt der NRW-Gesetzesentwurf in zweifacher Weise gegen das rechtsstaatliche Verhältnismäßigkeitsprinzip.

4) Wie gefährlich sind großwüchsige Riesenschlangen?

Riesenschlangen, die eine Körperlänge von über 3 Meter erreichen, können einen ausgewachsenen Menschen töten – dies bestätigt auch die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT), also der Dachverband der Reptilienhalter, in ihrem neuen Sachkundeheft „Gefährliche Reptilien“ (2014).

Das stimmt so auch wieder nicht. Die VDA / DGHT Sachkunde GbR schreibt zwar in ihrem Schulungsbuch, dass Riesenschlangen ab 3 Metern dem Menschen gefährlich werden können, es dabei aber auch auf die Muskelkraft ankommt. Ein schlanker Teppichpython mit 3 Metern ist als nicht so gefährlich einzustufen wie eine muskulöse Anakonda derselben Größe. Außerdem wird erläutert, dass Zwischenfälle in aller Regel durch den Kontakt zwischen Pfleger und Tier passieren können, wenn z.B. der Pfleger nach Futtertier riecht. Menschen gehören nun einmal nicht zum Beuteschema von Riesenschlangen, daher besteht z.B. für Passanten kaum eine Gefahr, wenn sie auf eine ausgesetzte oder entflohene Riesenschlange treffen. Die genannte Größenmarke bedeutet zuerst einmal auch, dass die in dem Gesetzesentwurf angedachte Größenmarke von 2 Metern nach oben korrigiert werden muss. Und nur weil ein Tier in der Lage ist einen Menschen zu töten, rechtfertigt das noch lange keine Komplettverbote. Pferde und Hunde können das nämlich ebenfalls, was sie ja auch regelmäßig demonstrieren und was wohl keiner abstreiten würde. Somit müssten die unterzeichnenden Verbände eigentlich dafür plädieren, dass diese Tiere ebenfalls in die Gefahrtierliste aufgenommen werden. Dies tun sie aufgrund ihrer scheinheiligen Doppelmoral jedoch nicht, weil sie ihre eigene Klientel nicht verprellen wollen.

Für ein sicheres Handling dieser Tiere werden mehrere Menschen benötigt, Richtlinie dabei ist eine Person pro Meter Schlange – eine Voraussetzung, die in einem Privathaushalt im alltäglichen Umgang mit sehr großen Schlangen wohl nicht gegeben ist.

Knapp vorbei ist auch daneben. Richtlinie dabei ist eine Person pro weiteren Meter Schlange. Schlangen bis 3 Metern können also von einer Einzelperson versorgt werden. Für eine Schlange mit 4 Metern benötigt diese Person dann einen Helfer. Ich weiß zwar nicht welche Vorstellungen die frustrierten und vereinsamten Tierrechtler haben, aber ein Haushalt mit zwei Personen ist nach meinem Verständnis keine Seltenheit. Richtlinien sind zudem kein bindendes Gesetz sondern eine Empfehlung. Entscheidend ist wohl auch die körperliche Verfassung des / der Halter. Zwei kräftige Männer können Problemlos auch eine 5 Meter lange Riesenschlange halten, während drei tattrige Damen wohl schon ein Problem mit einem 3-Meter-Tier hätten. Wenn ich auf den Straßen Rentner sehe, die von ihren Golden Retrievern durch die Botanik gezerrt werden, bleibt mir auch regelmäßig fast das Herz stehen. Ob dabei der sichere Umgang gewährleistet ist, wage ich stark zu bezweifeln. Daher sollten solche Aspekte (körperliche Konstitution, Haushaltszusammensetzung) im Rahmen der Haltungsbewilligung von tatsächlich als gefährlich anzusehenden Riesenschlangen beachtet werden. Weiterführende Einschränkungen wären jedoch unverhältnismäßig.

Die Tier- und Artenschutzverbände halten es daher für dringend geboten, dass auch großwüchsige Riesenschlangen ab 3 Meter potentieller Körperlänge in die Liste der Tiere aufgenommen werden, deren Haltung verboten wird.

Genauso wie bei den dort bereits gelisteten Tieren (z.B. Giftschlangen) würde dies, wie oben und in den Stellungnahmen der tatsächlich fachkundigen Verbände (DGHT, BNA etc.) schon hinreichend dargestellt wurde, nichts nützen. Die Tierschutz- und die Sicherheitsprobleme (um letztere geht es ja) wären immens, wenn diesem Wunsch nachgekommen werden würde. Denn selbst in den 12 Fällen, bei denen Menschen von Riesenschlangen verletzt oder getötet wurden (größtenteils aus Übersee!), wurde keine unbeteiligte Person auf offener Straße von einem solchen Tier angegriffen. Wenn Kinder der Halter von einem Heimtier getötet werden, dann liegt das in der Risikosphäre der Halter. Der Deutsche Tierschutzbund teilte mir auf Anfrage nach einer Stellungnahme zu einem Hundevorfall in Deutschland mit, dass man sich dazu nicht äußern wolle, weil man nicht selber vor Ort gewesen sei. Wie kann es denn dann aber sein, dass das Logo dieses Vereins über einer Stellungnahme prangt, in der zu Einzelfällen aus Übersee Stellung bezogen wird, um damit absurderweise deutsche Gesetzgebung zu begründen? Sicherlich sind einige dieser Vorfälle zu sehr aufgebauscht, weil sich die US-Medien nicht am Deutschen Pressekodex orientieren müssen. 1974 entstand in den USA zwar ein nationaler Presserat, dieser scheiterte jedoch schon nach 11 Jahren. Die für uns kaum überprüfbaren Medienberichte aus Übersee sollten daher äußerst kritisch hinterfragt werden und dürfen keinesfalls Einfluss auf Gesetzgebungsverfahren haben.

5) Treibt ein Haltungsverbot die Halter in die Illegalität?

Nein. Mit diesem Argument könnte man auch keine Gesetze gegen Waffen oder Drogen beschließen, denn auch in dem Bereich gibt es einen geringen Anteil in der Bevölkerung mit krimineller Energie, der sich nicht an die Gesetze hält.

Interessant. Mit dem großen Unterschied, dass der Waffenbesitz gar nicht komplett verboten ist! Wer eine Schusswaffe besitzen möchte, kann dafür eine Sachkundeschulung ablegen und muss dem Ordnungsamt belegen, dass er die Waffe und die Munition entsprechend gesichert bei sich zuhause in speziellen Waffen- und Munitionsschränken lagert. Warum sollen diese Rahmenbedingungen (Sachkunde, Meldepflicht und Abnahme der sicheren Unterbringung usw.) dann nicht auch für die Haltung von Gefahrtieren ausreichen? Zwar sind z.B. vollautomatische Waffen und Kriegswaffen verboten, jedoch liegt dies daran, dass damit viele Menschen auf einen Schlag ausgelöscht werden können. Die Tier- und Artenschutzvereine sollten so viel Kenntnis von der Natur haben, dass ein Tier dieses niemals leisten kann. Eine Schlange mit einem für Menschen potentiell tödlichen Gift sollte somit analog zu einer Standardschusswaffe betrachtet werden. Diese kann zwar Einzelpersonen töten, steht jedoch lediglich unter Erlaubnisvorbehalt.

Es ist sicherlich anzunehmen, dass die allermeisten Halter sich gesetzeskonform verhalten werden. Um das Drogenkonsum-Argument zu bedienen, hat ja auch „nur“ jeder vierte Erwachsene (26,5 %) im Alter von 18 bis 64 Jahren schon einmal eine illegale Droge probiert (Epidemiologischer Suchtsurvey 2009). Dennoch muss man unterscheiden zwischen den Leuten, die etwas aufgrund des Reizes des Verbotenen tun und Leuten, die ein Hobby haben, welches sie erfüllt und mit dem sie ihre Zeit vernünftig und in aller Regel ohne Gefährdung von Dritten verbringen.

Zudem sieht der Gesetzentwurf in NRW einen Bestandsschutz vor, so dass Halter, die sich in einer bestimmten Zeit melden, registriert sind und ihr Bestand damit legalisiert ist.

Käme das angedachte Verbot, würden die Bestände zwar bei den verantwortungsvollen Haltern auslaufen, nicht jedoch bei den Leuten, die nichts auf solche Gesetze geben und von denen die tatsächliche Gefahr ausgeht. Diese sind es auch, die ihre Tiere womöglich aussetzen werden, wenn plötzlich das Ordnungsamt vor der Tür steht. Wie schon oft erwähnt ist es einfach auch nicht nachvollziehbar, dass die Gefahrtierbestände eine geraume Zeit in den Händen der sachkundigen Halter geduldet werden, nach dem Tod der Tiere jedoch diese Duldung dann aber plötzlich erlöschen soll. Um den Vergleich zur Waffe erneut aufzugreifen: Das wäre so, als würde man einem Sportschützen zwar den Besitz einer Waffe erlauben, jedoch nur ein Munitionsmagazin gestatten und sobald dieses aufgebraucht ist, muss er seine Waffe wieder abgeben. Doch selbst dieser Vergleich hinkt. Denn bei der Tierhaltung geht es nicht nur um ein Hobby sondern um eine Leidenschaft, die das Leben vieler Leute erfüllt. Eine solche Biophilie, also die Liebe etwas „Lebendiges“ (kann per Definition auch im übertragenen Sinn verstanden werden) zum Wachsen zu bringen, kann man nicht einfach so abschalten. Das Verbot von etwas, das man liebt und das den persönlichen Lebensinhalt ausmacht, ist nicht mit einem Verbot von z.B. Glühbirnen oder Alkohol am Steuer zu vergleichen. So schwer die Vorstellung für manche vielleicht sein mag, wir lieben unsere Schlangen, Spinnen und Echsen so wie andere ihre Hunde und Katzen. Wegen zwei erschossenen Hunden in Rüsselsheim ging vergangenes Jahr eine Welle der Empörung durch das Land. Vergleiche mit erschossenen Kindern wurden angestellt. Selbst Nicht-Hundehalter zeigten Solidarität. Dies würde ich mir auch für die Halter von sogenannten „Exoten“ wünschen.

6) Ist bei einem Haltungsverbot das vermehrte Aussetzen gefährlicher Tiere zu befürchten?

Dies ist unserer Ansicht nach nicht zu erwarten. In Hessen, wo seit 2007 ein Haltungsverbot für gefährliche Tiere besteht, ist eine solche Aussetzungswelle ausgeblieben.

Wie man an o.g. Fällen sieht, hat das Verbot aber auch in keiner Weise das Aussetzen von Tieren verhindert. Ein Komplettverbot ist somit nicht geeignet, das angedachte Ziel zu erfüllen und somit verstößt der Gesetzesentwurf wie schon geschildert gegen das Verhältnismäßigkeitsprinzip.

Ob es zu einer Aussetzungswelle kommt, hängt natürlich auch davon ab, wie sehr die Behörden den Vollzug des Gesetzes praktizieren und wie stark dadurch die Halter gegen die Wand gedrückt werden. Im Gegensatz zum hessischen Gefahrtiergesetz wird das NRW-Gesetz sehr viel mehr Halter in eine womöglich aussichtslose Situation treiben. Grund dafür ist nicht nur die dreifache Bevölkerungszahl von NRW im Vergleich zu Hessen (und somit auch ein rechnerisch dreimal höherer Anteil an Gefahrtierhaltern). Denn aufgrund der Tatsache, dass in der vorliegenden Gefahrtierliste des Entwurfs sehr viel mehr (harmlose!) Arten aufgeführt sind als in Hessen, steigt der Anteil noch einmal exorbitant.

Das Gefahrtiergesetz Nordrhein-Westfalen provoziert in seiner angedachten Form also in der Konsequenz sehr viel mehr Halter zu illegalen Aktivitäten als das hessische Gefahrtiergesetz.

Dass Halterverbände das Argument verwenden, dass eine erhöhte Gefahr des Aussetzens gefährlicher Tiere bestünde, löst Bedenken aus, wie skrupellos hier die eigenen Mitglieder eingeschätzt werden, und es bleibt zu hoffen, dass dies nur als leere Drohung gemeint ist.

Netter Versuch, aber die Halterverbände mahnen in ihren Stellungnahmen, dass verantwortungslose Halter, die eben nicht in Verbänden organisiert sind, womöglich ihre Tiere aussetzen. Es wäre eine Wunschvorstellung, wenn jeder Tierhalter auch in einem Verband organisiert wäre. Dann wäre dieses Argument tatsächlich etwas seltsam. Die eigentliche Gefahr geht jedoch von Haltern aus, die eben nicht in Verbänden organisiert sind und die sich neben Rottweiler und 3er-BMW eben auch noch eine Kobra aus Geltungssucht anschaffen. Vor diesen Leuten wird von unserer Seite gewarnt und nicht vor den Mitgliedern der Halterverbände. Aber diese wollen die Tierrechtler natürlich in ihrem Glaubenskrieg zuerst ausschalten, weil wir mit unseren fundierten Argumenten ziemlich lästig sind.

7) Was geschieht mit verbotenen, zu beschlagnahmenden Tieren?

Beschlagnahmte Tiere sollen in Auffangstationen untergebracht werden, für die das Land aufkommen möchte.

In NRW scheinen die Steuereinahmen wohl ziemlich locker zu sitzen. Es sollen also Gelder der Allgemeinheit für eine Regelung gesteckt werden, die nachweislich das gewünschte Ziel des Schutzes der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (das Ziel der unterzeichnenden Verbände ist natürlich ein ganz anderes) nicht erreichen wird. Statt die Gelder also vernünftig einzusetzen und bestehende Probleme zu beseitigen, werden neue Probleme geschaffen und Gelder dafür verbrannt.

Die Verbände haben zuvor in ihrer Stellungnahme noch dargestellt, dass auch Angestellten in Auffangstationen in großer Gefahr schweben. Und nun soll es doch wieder der richtige Ansatz sein, diesen (aus Sicht der Verbände) „unbeteiligten“ Bürgern noch mehr Gefahrtiere aufzubürden? Das macht erneut keinen Sinn!

Da die Tierschutzvereine in den meisten Fällen weder personell, noch finanziell oder räumlich zur Unterbringung gefährlicher Tiere in der Lage sind, [...].

In absoluten Ausnahmefällen wäre die zwischenzeitliche Unterbringung bei bereits registrierten Privathaltern denkbar.


Sich in Gesetzgebungsverfahren einmischen, äußerst destruktive Planungen unterstützen oder noch zu verschlimmern und dann die Hilfe von vornherein ablehnen, sondern die drohende Problembewältigung am Ende dann doch wieder den Privathaltern überlassen? Sagt mal liebe Tierschutzvereine, geht es euch noch ganz gut?!

Die Bundesländer ohne Gefahrtierregelung sollten hierbei schon mal aufhorchen, denn eine Schwemme von (angeblichen) Gefahrtieren wird evtl. bald von NRW über die ostwestfälische Demarkationslinie herüberschwappen.

8) Ist die private Wildtierhaltung ein essentieller Beitrag für den Artenschutz?

Diese Frage hat auf den ersten Blick eigentlich absolut nichts mit dem Gefahrtiergesetz Nordrhein-Westfalen zutun. Da unsere Fürsprecher jedoch selber das Artenschutzargument genannt haben, ist es natürlich legitim, dass die Gegenseite darauf eingeht. Nur verbreitet sie dabei erneut Unwahrheiten und widerspricht sich selbst. Einerseits wird gesagt, dass die EU mit der EU-Artenschutzverordnung sehr viel mehr bedrohte Tierarten schützen müsste, auf der anderen Seite wird jedoch kritisch erwähnt, dass immer mehr Arten über das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützt werden müssen. Das passt irgendwie nicht zusammen.

Der Schwarze Peter wird dabei den Haltern zugeschoben. Fakt ist jedoch (und das verschweigen die Verbände mal wieder absichtlich), dass primär die Lebensraumzerstörung und nicht der Wildtierhandel am Aussterben der betroffenen Tierarten Schuld ist. Außerdem werden erneut „Wildtierimporte“ gleichgesetzt mit Importen von aus der Natur entnommenen Wildfängen. Dass die Importzahlen seit Jahren dank der Nachzuchtbemühungen sinken und über zwei Drittel (also die Mehrheit!) der Importe von geschützten Tieren laut Bundesamt für Naturschutz (Ein- und Ausfuhren nach dem WA geschützter lebender Wirbeltiere und Pflanzen in 2012) Nachzuchten aus Menschenhand sind, wird ebenfalls von den Vereinen verschwiegen.

Hier gibt es detaillierte und fundierte Informationen zum Thema Wildfänge.

Einen weiteren ausführlichen Beitrag zum Thema Terraristik und Artenschutz gibt es in meinem Beitrag „Ist die Terraristik eine „Arche Noah“ für bedrohte Arten?“.

Es wäre also äußerst fatal für den Artenschutz, wenn die Nachzucht von potentiell gefährlichen Tieren verboten werden würde. Ein Weg, der Naturentnahmen verringert, sollte nicht verboten werden. Dies müsste jedem mit ein wenig gesundem Menschenverstand eigentlich klar sein.

Nach Aussage des Robert Koch-Instituts ist mittlerweile jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern auf den Kontakt mit exotischen Reptilien zurückzuführen.

Dabei konnte aber nie geklärt werden, ob nicht vielleicht sogar die Kinder die Reptilien mit Salmonellen infiziert haben. Der Anteil an domestizierten Tieren in den betroffenen Haushalten, die ebenfalls Salmonellen übertragen können, wurde ebenfalls nicht angegeben. Somit sind die Ergebnisse nicht eindeutig auf eine Ansteckung der Kinder aufgrund der Reptilienhaltung zurückzuführen. Das Robert Koch-Institut nennt als Grundsätze für die Haltung von Reptilien als Heimtiere:

Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko (YOPIS =Young, Old, Pregnant, Immunosuppressive; children younger than five years), sollten den Kontakt mit Reptilien meiden und Kleinkinder sollten nicht im Aktionsbereich von Reptilien auf dem Boden krabbeln oder Gegenstände, die Kontakt zu Reptilien hatten, in den Mund nehmen dürfen. Eltern sollten zwischen Kontakt zu den Tieren oder Terrarien und Kleinkindern die Hände mit Seife waschen. Insbesondere die Säuglings-Salmonellose durch Reptilien im Haushalt kann lebensbedrohend sein. Reptilien sollten nicht in Kindereinrichtungen oder Haushalten von Tagesmüttern gehalten werden. Bei Reptilienbörsen / Reptilienausstellungen aller Art sollte die Möglichkeit der Händereinigung auch für Besucher vorgehalten werden.

Ich sehe in diesen Grundsätzen an keiner Stelle, dass das RKI die Forderung nach einem Komplettverbot wegen des möglichen Salmonellenrisikos unterstützt. Lediglich in Einrichtungen für die Kleinkinderbetreuung sollten keine Reptilien gehalten werden. Dass an solchen Orten keine Giftschlangen oder Panzerechsen gehalten werden sollten, wird sicherlich niemand abstreiten. Dennoch ist das Schreckgespenst der Salmonellose kein Argument für ein Komplettverbot von potentiell gefährlichen Tieren. Erst recht nicht in Hinblick darauf, dass noch vor der Salmonellose die meldepflichtige Krankheit Campylobacteriose wesentlich häufiger auftritt. Und diese wird von Katzen übertragen!

Fazit:
Die sogenannten „Tier- und Artenschutzvereine“ widersprechen sich in ihrer Stellungnahme an mehreren Stellen und disqualifizieren sich dadurch grundlegend für weiteres Mitspracherecht:

  • Die Gefahrtiergesetze von Hessen und Berlin werden gelobt, jedoch werden mehrere Pressemeldungen dargestellt, bei denen Verbote dort ganz offensichtlich nicht den gewünschten Erfolg hatten.

  • Es wird kritisiert, dass immer mehr Angestellte in Auffangstationen von Giftschlangen gebissen werden, aber es sollen mehr solcher Einrichtungen geschaffen werden, weil die unterzeichnenden Tierschutzvereine nicht einspringen können.

  • Es werden Vorfälle aus Übersee aufgezählt, die mit deutscher Rechtsprechung nichts zu tun haben und deren Seriosität nicht überprüft werden kann.

  • Es werden Berichte aus Deutschland aufgegriffen, bei denen es sich nachweislich um Vorfälle mit harmlosen Tieren handelte.

  • Es werden ein paar wenige Todesfälle aufgezählt, welche die Dramatik unterstreichen sollen, die in keinem Verhältnis zu den Todesfällen aufgrund von domestizierten Tieren stehen.

  • Verantwortungslose Halter werden in die Reihe der verantwortungsvollen Mitglieder von Halterverbänden gestellt.

  • Wildtierimporte werden fälschlicherweise als grundsätzlich aus der Natur entnommene Tiere bewertet.

  • Wildtierimporte werden einerseits kritisiert, Verbote von Nachzuchten jedoch andererseits unterstützt.

  • Belange der öffentlichen Sicherheit und Ordnung werden mit gänzlich anderen Interessen vermischt.


1 Kommentar:

  1. Als Reaktion auf die Stellungnahme der "Tier- und Artenschutzvereine" zum Gefahrtiergesetz NRW hat die LesTAT IG dem Landtag NRW am 20.01. eine Ergänzung zu ihrer Stellungnahme zukommen lassen, in der sie/wir die dubiosen Machenschaften dieser Vereine aufdecken. Am 21.01. bekamen wir die Antwort, dass das Schriftstück allen Mitgliedern des Landtags zur Kenntnis gegeben wurde.

    http://www.lestat-exoten.de/app/download/11069349126/Anmerkungen+zur+Stellungnahme+der+Tier-+und+Artenschutzvereine+zum+GefTierG+NRW.pdf?t=1421865900

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