Donnerstag, 22. Januar 2015

Geosesarma sp. „Vampir“ heißt jetzt Geosesarma dennerle

Vampirkrabben erfreuen sich seit einigen Jahren innerhalb der Terraristik wachsender Beliebtheit. Zwar nehmen diese Süßwasserkrabben noch eine gewisse Außenseiterposition innerhalb der Wirbellosenterraristik ein, dennoch sind sie aufgrund ihrer interessanten Verhaltensweisen und der recht einfachen Pflege sowie Nachzucht beliebte Pfleglinge in Aquaterrarien.

Die 2006 erstmals aus Indonesien nach Deutschland importierte Geosesarma sp. „Vampir“ wurde nun nach langer Zeit wissenschaftlich beschrieben. Die Herkunft des deutschen Trivialnamens „Vampirkrabbe“ ist nicht bekannt. Ich spekuliere, dass das Aussehen der Krabbe die Importeure ganz einfach an Vampire erinnerte. Betrachtet man eine Vampirkrabbe von der Vorderseite, wirken die abgespreizten Beine wie die Flügel einer Fledermaus. Die Scheren mit den hellen Spitzen wirken wie kleine Vampirzähne. Die violette Färbung und die orangen Augen komplettieren das vampirhafte Aussehen. Von dieser Art gab und gibt es verschiedene Varianten mit unterschiedlicher Augenfarbe und Farbzeichnung des Rückenschilds (Carapax). Später gesellte sich noch die Rote Vampirkrabbe dazu, welche ebenfalls nun erstmalig wissenschaftlich von NG et al. beschrieben wurde. Die Autoren veröffentlichten die Erstbeschreibung am 16.01.2015 in „The Raffles Bulletin of Zoology Volume 63“ unter dem Titel:

New species of "vampire crabs" (Geosesarma De Man, 1892) from central Java, Indonesia, and the identity of Sesarma (Geosesarma) nodulifera De Man, 1892 (Crustacea, Brachyura, Thoracotremata, Sesarmidae)

Die klassische Vampirkrabben mit orangen Augen und die Variante mit gelben Augen wurden zusammen mit einer vormals als Geosesarma sp. „Blue“ bezeichneten grünäugigen Krabbe in einen gemeinsamen Artstatus erhoben und tragen fortan den wissenschaftlichen Artnamen Geosesarma dennerle.
Benannt wurden sie nach dem bekannten Hersteller für Aquaristikbedarf DENNERLE, der die Forschungen der Autoren finanziell unterstützte. Im Deutschen sollte sich daher der Trivialname „Dennerles Vampirkrabbe“ einbürgern.

Die Rote Vampirkrabbe, vormals als Geosesarma sp. „Red Devil“ bekannt und gehandelt, wurde von den Autoren als Geosesarma hagen beschrieben.
Diese Art wurde nach der Rolf C. Hagen Inc. bzw. der deutschen Tochtergesellschaft Hagen Deutschland GmbH & Co. KG benannt, einem weiteren Produktions- und Vertriebsunternehmen für Heimtierbedarf, welches in Terrarianerkreisen bekannt durch die Vermarktung der Marke EXO TERRA ist und ebenfalls die Forschungen unterstützte. Der deutsche Trivialname  Hagens Vampirkrappe liegt also nahe.

Für beide Unternehmen ist die Namenspatenschaft ein grandioser PR-Schachzug, der glücklicherweise nicht ganz so absurd wirkt, wie beim GoldenPalace.com-Springaffen (Callicebus aureipalatii), wobei auch dort die geflossenen Gelder natürlich einem guten Zweck dienten.

NG et al. machen in ihrer Erstbeschreibung deutlich, dass die Arten in ihrem natürlichen Lebensraum gefährdet sind (nicht zuletzt auch aufgrund der Importe für den Heimtiermarkt) und dass der Heimtiermarkt vermehrt auf Nachzuchten zurückgreifen sollte. Da beide Arten sich in Gefangenschaft gut nachzüchten lassen, wäre das grundsätzlich auch kein Problem. Nur greifen leider einige gewerbliche Großhändler lieber auf günstige Importe zurück als auf Nachzuchten aus Privathand.

Ob nachfolgende Beschreibungen am Artstatus rütteln werden, bleibt abzuwarten. Insbesondere bei der ehemaligen Geosesarma sp. „Blue“ besteht womöglich Revisionsbedarf. Bis dahin werde ich die Arten, sollte ich mal wieder über sie berichten, mit dem jeweiligen Artnamen bezeichnen, den NG et al. in ihrer Erstbeschreibung festgelegt haben. 
 
    Geosesarma sp. im Terrarium“ by Eumeldingens
http://de.wikipedia.org/wiki/Geosesarma#mediaviewer/File:Vampirkrabbe001.jpg  
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