Donnerstag, 18. Dezember 2014

Vorfälle mit gefährlichen Tieren #2

Bei der ganzen Diskussion über gefährliche Terrarientiere werden immer wieder Einzelfälle aus der Vergangenheit (z.B. die 2010 entflohene Monokelkobra in Mülheim an der Ruhr) hervorgekramt und in den Medien aufgebauscht, während Vorfälle mit „normalen“ Tieren aus Menschenobhut häufig nur als Randnotiz abgehakt werden. Eine derart einseitige Propaganda kann ich natürlich auch, nur muss ich dafür keine vier Jahre alten Fälle aus der Mottenkiste kramen. 
 
Hier mal wieder eine kleine Auswahl an Vorfällen der letzten vier Wochen mit gefährlichen Tieren, die auf keiner Gefahrtierliste stehen und bei denen unschuldige Personen verletzt oder finanziell geschädigt wurden:

18.11.2014: Pferd kollidiert mit Auto
Fahrer tot! Der Sachschaden ist deswegen eher eine Nebensache.
 
18.11.2014: Hund zerrt Fahrradständer auf Straße und verursacht Unfall
Keine Verletzten, aber ca. 1.000 Euro Sachschaden.

18.11.2014: Hund beißt 70-Jährigen, Halterin fährt davon
Rentner von Hund verletzt. Halterin interessiert das nicht und fährt davon.

19.11.2014: Katze verursacht Verkehrsunfall
Keine Verletzten, jedoch ca. 2.000 Euro Sachschaden.

20.11.2014: Freilaufender Hund beißt 13-Jährigen in beide Arme
Kind verletzt, Halter meldet sich nicht mehr.

20.11.2014: Einer von drei Hunden beißt 69-Jährigen dreimal ins Bein
Rentner verletzt.

20.11.2014: Pferd erschreckt Autofahrerin
Unfall ohne Verletzte dafür mit Sachschaden in unbekannter Höhe.

21.11.2014: 70-jähriger Fahrradfahrer stürzt wegen Katze
Zum Glück nur leichte Verletzungen. Aber auch das ist schon schlimm genug und hätte auch tödlich enden können.

22.11.2014: Pferde laufen vor Auto
Beifahrer schwer verletzt und erneut hoher Sachschaden.

22.11.2014: Hund beißt 41-jährigen Jogger
Jogger erleidet blutende Fleischwunde. Hundehalter entfernt sich vom Ort des Geschehens. Ich kenne genug Hundehalter, die dem Jogger die Schuld geben würden, da dieser ja auch langsam am Hund hätte vorbeilaufen können. Fakt ist: Der Hund hat eine unbeteiligte Person verletzt. Dies zu verhindern ist Aufgabe des Tierhalters.

24.11.2014: Ehefrau überrollt wegen Hund auf Rückbank
59-Jährige schwer verletzt in Klinik notoperiert. Hinzu kommt ein Sachschaden in Höhe von ca. 10.000 Euro.

25.11.2014: Hund beißt 6-Jährige ins Gesicht
Mädchen wird schwer verletzt.

27.11.2014: Pferd verursacht Autounfall
Vier Menschen verletzt und Sachschaden in nicht bekannter Höhe.

29.11.2014: Zwei Pferde verursachen schweren Autounfall auf Landstraße
Keine Person verletzt, jedoch Sachschaden in Höhe von über 10.000 Euro.

01.12.2014: Hund beißt 7-Jährigen in Kopf
Der Junge erleidet schwere Verletzungen. Begleitperson des Kindes wird ebenfalls gebissen.

02.12.2014: Hund beißt 2-jähriges Mädchen in Wange
Erneut ein verletztes Kind und ein flüchtender Hundehalter.

03.12.2014: Katze verursacht schweren Unfall auf Bundesstraße
Zwei Menschen verletzt. Der Sachschaden liegt in Höhe von mindestens 16.500 Euro. Ob der Halter wohl eine Tierhalterhaftpflichtversicherung abgeschlossen hat, wie sie Gefahrtierhalter in manchen Bundesländern abschließen müssen?

05.12.2014: Hund beißt 14-jähriges Mädchen, Halter geht weiter
Kind verletzt, doch den Hundehalter interessiert das nicht. Er gibt die Schuld dem Kind und geht weiter.

06.12.2014: Autofahrer weicht (toter) Katze aus und verursacht Unfall
Zum Glück keine Verletzten, aber ein Sachschaden in Höhe von ca. 3.000 Euro.

07.12.2014: Unfall nach Ausweichmanöver wegen Katze
Autofahrerin schwer verletzt und Sachschaden in Höhe von ca. 800 Euro.

08.12.2014: Hund läuft vor Auto
Zum Glück kein verheerender Unfall, sondern „nur“ leichte Sachschäden.

09.12.2014: Auto stößt mit einem von drei Pferden zusammen
Fahrer erleidet leichte Verletzungen. Der Sachschaden beträgt ca. 2.600 Euro.

10.12.2014: Zwei Pferde verursachen schweren Verkehrsunfall
Zum Glück keine schweren Verletzungen auf Menschenseite, jedoch ein nicht unerheblicher Sachschaden.

10.12.2014: Hund läuft vor Auto
Keine Verletzten, aber ca. 2.500 Euro Sachschaden. In den Fällen wo verletzte Hunde flüchten können, kommt noch erschwerend hinzu, dass diese in ihrem Zustand unberechenbar sind und somit weiterhin eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen!

12.12.2014: Hund beißt Frau
Diese dadurch leicht verletzt. Das kommt vor, wenn man Raubtieren zuerst die Scheu vor dem Menschen abtrainiert bzw. wegzüchtet und diese potentiell gefährlichen Tiere dann in den öffentlichen Raum führen muss.

12.12.2014: Hund verursacht Verkehrsunfall
Glücklicherweise keine Verletzten, dafür aber Sachschaden am Fahrzeug.

13.12.2014: Hund beißt 11-Jährige in Oberschenkel
Mädchen erleidet nur leichte Verletzungen, der Hundehalter flieht.

13.12.2014: Erneut kollidiert Pferd mit Auto
Zum Glück keine Verletzten, aber erneut ein Sachschaden in nicht bekannter Höhe.

14.12.2014: 65-jähriger Radfahrer nach Unfall mit Hund verletzt
Opfer erleidet leichte Verletzungen. Auch dieser Hundehalter verhielt sich keinesfalls verantwortungsbewusst. Ganz im Gegensatz zum Schlangenhalter damals in Mülheim an der Ruhr.

15.12.2014: Pferde gehen mit Kutsche durch
Zwei Frauen verletzt. Der Sachschaden beträgt ca. 1.500 Euro.

17.12.2014: Autounfall wegen Katze
Fahrerin unverletzt, jedoch wieder einmal Sachschaden. Dieser Artikel zeigt auch sehr anschaulich, dass derartige Vorfälle (im Gegensatz zu Schlangenfunden) nicht aufgebauscht sondern lediglich als kleine Randnotiz veröffentlicht werden.

In der Statistik tauchen keine Fälle mit „Exoten“ auf, weil keine unbeteiligten Personen in diesem Zeitraum (und auch sonst nicht in diesem Jahr) von solchen Tieren verletzt wurden!

Fazit:
In der dunklen Jahreszeit häufen sich insbesondere die Vorfälle mit Pferden. Vorfälle mit z.B. entflohenen Schlangen sind im Winter (sofern die Pisse da draußen aktuell als solcher bezeichnet werden kann) extrem selten. Wenn dieser Tage mal eine Schlange aus einem Terrarium entwischt, bleibt sie meist in der Wohnung, weil im Winter die Fenster und Türen eher geschlossen gehalten werden. Außerdem würde eine Schlange sich eher wieder in die Wohnung zurückziehen, wenn sie merkt, dass es draußen recht kalt ist. Davon abgesehen sollte sich ein nicht unerheblicher Teil der in Privathand gepflegten Schlangen derzeit in einem eher inaktiven Ruhezustand befinden. Im Sommer sieht das anders aus, daher häufen sich in der warmen Zeit des Jahres die Vorfälle mit „Exoten“, über die die Medien aufgrund der parlamentarischen Sommerpause dann auch freudig berichten. In der Vorweihnachtszeit sind die Leute hingegen gedanklich viel mehr mit anderen Dingen beschäftigt. Im Bewusstsein der Leute gehen Vorfälle mit Hunden, Katzen und Pferden, die ohnehin nicht so sehr das Interesse erwecken wie Vorfälle mit „Exoten“, gänzlich unter. „Exoten“ werden natürlich auch immer gleich als potentiell gefährlich gewertet. Dabei passieren solche Vorfälle eher selten. Sie kommen vor, aber in der Sommersaison vielleicht ein Fall alle zwei Wochen. Unschuldige Personen werden dabei in der Regel nicht verletzt. Die letzten vier Wochen zeigen jedoch, dass Unfälle mit domestizierten Tieren fast täglich passieren und oftmals zum Teil schwere Sach- und Personenschäden verursachen.

Bei den Vorfällen mit Hunden wird deutlich, dass der Großteil nur deswegen publik wurde, weil die Polizei nach den Haltern fahndete. Vorfälle, die zu keiner Flucht der Halter führen, werden offenbar nicht medienpräsent breitgetreten. Ich kann mir die Situation im wahrsten Sinne des Wortes BILDlich vorstellen, wie die Redakteure der Klatschpresse den Polizeifunk abhören: „Och nö… schon wieder nur ein Hundebiss. Warten wir mal drauf, bis die Polizei uns Infos dazu gibt, weil sie wieder den Halter suchen müssen. Interessiert ja sonst eh keinen. Halt… warte… eine womöglich giftige Schlange wurde gefunden? Da müssen wir sofort einen Reporter hinschicken!“

Die oben aufgeführten Meldungen wären eigentlich sehr gute Argumente für ein grundsätzliches Verbot von insbesondere Pferden und auch großen Hunden. „Warum müssen sich Privatpersonen überhaupt solche Viecher anschaffen?“ Aber würde ich so argumentieren, wäre ich nicht besser als die fanatischen Leute, die gefährliche „Exoten“ komplett verbieten wollen. Außerdem schmeckt mir Pferdewurst einfach viel zu gut, als dass ich diese Tiere komplett verbieten lassen würde. Daher fordere ich für alle gefährlichen Tiere (egal ob Giftschlange, Krokodil, Hund, Pferd oder Katze): geprüfte Sachkunde und Zuverlässigkeit der Halter, sichere Unterbringung der Tiere (dazu gehört auch die Sicherung der Tiere im öffentlichen Raum wie z.B. Leinenzwang bei allen mittelgroßen Hunden und zusätzlichen Maulkorbzwang* bei allen großen Hunderassen sowie Haltung solcher Tiere nur von Personen mit der entsprechenden körperlichen Kondition). Bei bestimmten Tierarten außerdem eine Tierhalterhaftpflichtversicherung, eine Meldepflicht sowie eine Kennzeichnungspflicht.

Diese ganzen Vorfälle haben selbst mich geschockt. Ich hätte noch fleißig weiter aufzählen können. Unfälle mit Nutztieren habe ich gar nicht mehr weiter abgefragt. Im kommenden Jahr werde ich eine Studie durchführen und sämtliche Vorfälle mit Hunden, Katzen, Pferden, Nutztieren und eben auch „Exoten“ dokumentieren, von denen ich dank Google-Alerts Kenntnis erhalte. Ende 2015 erstelle ich dann eine Statistik aus der die Kosten und Verletzten/Toten hervorgehen und in welcher Höhe diese auf wessen Konto gehen: Exotenhalter oder Halter domestizierter Tiere. Das sollte die Verhältnismäßigkeiten einmal mehr ins richtige Licht rücken.
 

*Gegner von Maulkörben argumentieren, dass diese bei den Hunden ein tierschutzrelevantes Leid verursachen, weil die Hunde in ihren Grundbedürfnissen zu sehr einschränkt werden. Wenn das so ist, komme ich zu dem Ergebnis, dass diese Raubtiere nur mit großem Aufwand artgerecht und gleichzeitig sicher gehalten werden können. Einzige Lösung: ein grundsätzliches Verbot großer Hunde im öffentlichen Raum (ausgenommen die Tiere von Sicherheitsbeamten). Eine Haltung gäbe es somit nur noch bei Privathaltern und zoologischen Gärten, die diesen Tieren artgerechte und sichere Gehege bieten können. Denn anatomisch macht es kaum einen Unterschied zwischen Wildhund, Wolf und Haushund. Vom Verhalten her sind Wildtiere zudem eher scheu, während auf den Menschen sozialisierte Haushunde ein sehr viel größeres Gefahrenpotential bieten.

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