Sonntag, 28. Dezember 2014

Kinderhirn: Einmal Kochwäsche bitte!

Warum fällt es der Tierrechtslobby eigentlich so leicht, die Bevölkerung gegen die Haltung von sogenannten „Exoten“ aufzuwiegeln? Einerseits sicherlich aufgrund der fehlenden Kenntnisse großer Teile der Bevölkerung in Bezug auf die Bedürfnisse von Reptilien, Amphibien und Wirbellosen (egal ob nun exotisch oder nicht). Auch das in Teilen unserer Bevölkerung fest verinnerlichte katholische Weltbild über die böse Schlange im Paradies hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen. Meiner Meinung nach fängt das Übel aber schon bei der Erziehung von Kindern an. Beispielsweise übernehmen die Kinder die Ängste vor Spinnen und Schlangen von den Eltern. Kinder zeigen gegenüber solchen Tieren nämlich grundsätzlich keine Ängste sondern Interesse. Darauf könnte Fachkenntnis gut Wurzeln schlagen. Jedoch machen die verängstigten Eltern diese natürliche Begeisterung der Kinder dadurch kaputt, dass sie beim Anblick einer Spinne in den heimischen vier Wänden ohne Grund in Panik geraten. Diesen Emotionen könnte man mit übermitteltem Wissen über solche „Ekeltiere“ entgegenwirken. Leider sieht es in den schulischen Lehrplänen diesbezüglich eher mau aus. Manchen Kindern gelingt es, ihre Neugier zu behalten (ich war eines davon). Leider gelingt das nur einem kleinen Teil und emotionalisierte Propaganda gegen solche Tierarten kann leicht in den Köpfen der nachwachsenden Generationen verankert werden.

Interessant sind zum Thema „Exotenhaltung“ auch die Seiten, mit denen Tierrechtsvereine die Gehirne von Kindern und Jugendlichen mit ihrer einseitigen Negativ-Propaganda gezielt indoktrinieren. Sehr bezeichnend sind z.B. die Informationen über Reptilien, die PETA Deutschland e.V. auf der Seite petakids.de an Kinder weitergibt:
Bunt, schimmernd und irgendwie anders, als alle anderen Tiere – so sehen Reptilien aus: aber so faszinierend Reptilien auch sind – sie gehören nicht in einen Glaskasten, sondern in Freiheit. Viel zu viele von Ihnen führen ein langweiliges Leben in Unfreiheit, nur weil Menschen es toll finden, sie anzuschauen. Oftmals wissen sie zu wenig über die Tiere, um ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Wie geht es den Tieren wohl dabei?
Es geht also gar nicht um Reptilien und die Aufklärung über diese Tiere (sehr scheinheilig also die Aussage, dass nur viele Menschen nur wenig über diese Tiere wissen), sondern um die Diffamierung der Haltung solcher Tiere in Privathand. Dabei werden erneut grundlegend falsche Dinge behauptet:
Schlangen und Echsen gewöhnen sich nicht, wie Hunde oder Katzen, an ein Leben nah beim Menschen. Oftmals versuchen Reptilien, an den Scheiben ihrer Terrarien (so nennt man ihren Käfig) hochzuklettern oder drücken dagegen. Manche Reptilien machen das den ganzen Tag. Durch das Eingesperrt sein entwickeln sie Verhaltensstörungen, so wie die Tiere in Zoos.
Schlangen und Echsen gewöhnen sich also nicht an das Leben in der Nähe des Menschen? Als wissenschaftliche Begründung könnte man dafür z.B. behaupten, dass diese Tiere nicht dieselben kognitiven Fähigkeiten besitzen, wie Hunde oder Katzen (doch PETA begründet die Aussagen natürlich grundsätzlich nicht). Wenn dem aber so wäre, wie können diese „minderbemittelten“ Tiere dann Verhaltensstörungen entwickeln? PETA widerspricht sich also grundlegend und beweißt mal wieder, dass dieser Club entweder selber keine Ahnung von Reptilien hat oder die Fakten bewusst falsch darstellt. Ich tippe auf letzteres, weil zwei komplett gegenteilige Aussagen in einem Absatz zu machen, dazu gehört schon einiges an Kreativität. Manche der von mir gepflegten Reptilien kratzen tatsächlich manchmal an den Scheiben. Aber dies nur, wenn sie mich sehen und Futter erwarten. Meine Wasserschildkröte kommt angeschwommen, wenn ich auf der Bildfläche erscheine, meine Agamen und manche meiner Geckos kommen an die Scheiben, wenn ich vor dem Terrarium hantiere und selbst meine Strumpfbandnattern versammeln sich am üblichen Fütterungstag vor den Scheiben und warten regelrecht auf mich. Die Aussage, dass sich Reptilien nicht an den Menschen gewöhnen können, ist also falsch.

Selbst Wildtiere in freier Natur tun dies. Kürzlich war ich mal wieder im Wald spazieren und kam an einem Teich vorbei. Als ich am Ufer stand, kamen mehrere Stockenten angeschwommen, weil sie offenbar daran gewöhnt sind, dass sie dort von Menschen gefüttert werden. Als ich ohne Fütterung der Tiere ging, fingen sie regelrecht trotzig an lautstark zu quaken. Auch wildlebende Reptilien lernen die Ankunft eines Menschen mit Futter zu verbinden, wie dieses Video eindrucksvoll zeigt (wenn auch falsches Futter gereicht wurde). Soviel also zur Aussage: „Wildtiere gewöhnen sich nicht an den Menschen“
Bis sie in Deutschland ankommen, ist oft der größte Teil der sensiblen Reptilien schon auf dem Weg zu uns gestorben.
Auch diese Aussage wird von PETA nicht mit Fakten untermauert. Vielleicht weil man die Kinder damit nicht verwirren möchte? Wohl eher nicht, denn die Wahrheit sieht auch hier ganz anders aus. 1996 lag die Transportmortalität von wildgefangenen Reptilien noch bei ca. 3,88 Prozent (siehe Mario Steinmetz, Michael Putsch, Thorsten Bisschopinck: „Untersuchungen zur Transportmortalität beim Import von Vögeln und Reptilien nach Deutschland“, Landwirtschaftsverlag, 1996). Zwar auch nicht so toll, aber das ist trotzdem nicht „der größte Teil“. Dank der logistischen und technischen Fortschritte in den letzten 10 Jahren sinkt diese Transportmortalität zudem auch immer weiter und der Anteil an Importen sinkt ebenfalls stetig, weil der Markt (aufgrund der technischen Fortschritte und der steigenden Erfahrungen innerhalb der Terraristik) vermehrt mit Nachzuchten bedient werden kann (siehe meine Ausführungen zu den Importzahlen der letzten Jahre in meinem Beitrag zum SPD-Wildtier-Symposium in Berlin).

Zum Schluss wird den Kindern dann natürlich noch ordentlich Angst gemacht:
Reptilien können für den Menschen sehr gefährlich werden. Reptilien, wie Schlangen oder Echsen, übertragen häufig Salmonellen. Das sind Bakterien, die Krankheiten verursachen können.
Richtig, genauso wie das böse mutierte Hühnerfleisch im häuslichen Kühlschrank oder der Sabber vom kuscheligen Hausköter „Fiffi“, der sich erst mal genüsslich seinen Anus schleckt und dann dem Kind ordentlich durch das Gesicht schlabbert. Hmm... jammi! „Hunde sollten also niemals in den Kontakt zu Menschen kommen.“
Übrigens können auch ungiftige Schlangen und viele Echsen zubeißen und mit spitzen Zähnen schmerzhafte Wunden verursachen.
Die von mir gestellte Hausaufgabe für alle Kinder lautet: Tausche in dem Satz „ungiftige Schlangen“ mit Hunde und „viele Echsen“ mit Katzen aus und sag deinen Eltern, sie sollen Fiffi und Muschi schnell in ein Tierheim abschieben, damit du wieder ohne Angst und feuchte Bettlaken schlafen kannst.

Aber was rege ich mich überhaupt über solche Seiten im Internet auf? Ist doch logisch, dass diese Clubs solch einen Müll verzapfen und vor Kinderseelen keinen Halt machen. Es wird doch aber nicht so sein, dass eine mickrige und somit unwichtige Splittergruppe wie z.B. Pro Wildlife ähnliche Inhalte auf der offiziellen Website eines Landesministerium schalten kann und dort Kinder und Jugendliche mit Panikmache einer ähnlichen Gehirnwäsche unterzieht... oder? Siehe hier:

ökoLeo: Exoten: Gefahr für heimische Arten

Bezüglich der Panikmache in Sachen Faunenverfälschung möchte ich auf diesen Blogbeitrag verweisen: Faunenverfälschung durch ausgesetzte Terrarientiere

Eine ähnliche Gruselgeschichte bietet „ökoLeo“ hier: Exoten: muss das sein?
Im Jahr 2006 kamen etwa 670.000 Reptilien legal am Frankfurter Flughafen an.
...welcher als Umschlagplatz für die gesamte EU dient und somit diese Anzahl gar nicht in Deutschland vermarktet wurde.
So braucht es Dich nicht zu wundern, wenn Du beim Baden in einem See von einer Schildkröte oder einem kleinen Alligator ins Bein gebissen wirst.
...sofern du den Weg dorthin überlebst und nicht vorher von einem Hund zerfleischt oder einem Pferd totgetrampelt wirst: Vorfälle mit gefährlichen Tieren

Davon ganz abgesehen konnten solche Vorfälle nie endgültig belegt werden. Allen voran die medienpräsente Alligatorschildkröte „Lotti“, die angeblich einem Jungen fast die Achillessehne durchtrennt haben soll, wurde selbst nach Auspumpen des Badesees (ein überzogenes Vorgehen, von dem Experten abgeraten hatten, aber die Entscheidungsträger wollten gerne trotzdem ein paar Tausend Euro verschleudern) nie gefunden. Genau wie bei der Terrorpanik nach dem 11. September: Einschränkung der Bürgerrechte, weil ständig Terrorverdächtige aufgespürt wurden. Zwar konnte nie ein Verdacht bestätigt werden, aber das ging in den neuen Meldungen über weitere mutmaßliche Terrorzellen natürlich unter. Die Panikmache in den Medien war ja auch das eigentliche Anliegen, um dem deutschen Volke weitere Grundrechtseinschränkungen in unserem Überwachungsstaat schmackhaft zu machen. Und der Deutsche ist halt blöd genug und erkennt das nicht. Daher wundert es mich nicht, dass die Anti-Exoten-Propaganda so gut in unserem Land funktioniert. 

Die Art und Weise mit der insbesondere Kinder gegen die Haltung von sogenannten „Exoten“ oder sogar gegen Reptilien grundsätzlich aufgehetzt werden, empfinde ich jedoch als extrem pervers! Die Tierrechtslobby kennt auch wirklich keine Grenzen. Pfui! 
 
 
 

Montag, 22. Dezember 2014

„Besonders geschützte“ Arten ohne Herkunftsnachweis aufnehmen

Letzte Woche erhielt ich einen interessanten Anruf von meinem örtlichen Tierschutzverein / Tierheim. Ich hatte mich diesem bereits vor Wochen angeboten, mit Rat und evtl. Tat zur Seite zu stehen, falls mal ein Vorfall mit einem „Exoten“ vorliegt. Ein solcher Fall ist nun eingetroffen. Eine Halterin suchte händeringend nach einer neuen Bleibe für ihre drei Königspythons, weil sie in Sorge war, dass diese ihrem neugeborenen Kind gefährlich werden könnten. Da ich mit der Haltung von Königspythons bereits Erfahrung habe und auch den Platz für eine angemessene Unterbringung bieten kann, erteilte ich dem Tierheim die Erlaubnis, meine Handynummer an die Halterin weiterzugeben.
 
 
Abends erhielt ich dann den entsprechenden Anruf. Da der Königspython im Anhang B des Washingtoner Artenschutzübereinkommens aufgeführt ist, gilt er als „besonders geschützt“ gemäß Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Er ist zwar in Anlage 5 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) aufgeführt und somit von der Meldepflicht befreit, eine Nachweispflicht über die legale Herkunft besteht jedoch grundsätzlich weiterhin. Also fragte ich die Halterin nach den entsprechenden Herkunftsnachweisen, welche die legale Herkunft belegten. Diese hatte sie nicht und konnte diese auch nicht von den Vorbesitzern besorgen.

Nach meinem Verständnis der Rechtslage zu diesem Zeitpunkt handelte es sich daher um illegale Tiere, die ich so nicht in meinen Bestand aufnehmen wollte. Um die Sache abzuklären, wie dabei nun verfahren werden sollte, rief ich beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) an.

Telefonat Nr. 1:
Mein erster Gesprächspartner teilte mir am Telefon mit, dass Niedersachsen auf die Nachweispflicht verzichten würde. Auf meine Nachfrage, ob ich diese Aussage auch schriftlich bekommen könnte (man weiß ja nie, welcher fanatische Tierrechtler einem ans Bein pissen will), wurde ich gebeten später noch einmal bei einer Kollegin anzurufen.

Telefonat Nr. 2:
Diese Gesprächspartnerin erklärte mir ebenfalls, dass Niedersachsen auf die Nachweisführung beim Königspython verzichte, weil diese Art auf der Unbedenklichkeitsliste stehen würde. Nachzulesen sei dies in einem Merkblatt des NLWKN. Ich dürfe also die Tiere ohne Herkunftsnachweise bei mir aufnehmen, müsste aber vorsichtig sein, wenn ich sie in ein anderes Bundesland abgeben wollen würde.

Daraufhin erkundigte ich mich, wie es denn dann bei einem Umzug in ein anderes Bundesland aussehen würde, weil ja dann auch nicht die legale Herkunft lückenlos nachgewiesen werden könnte. Die Dame vom NLWKN meinte, dass ich das dann mit der jeweiligen Behörde des Bundeslandes abklären müsste. Also wieder einmal eine Stolperfalle in den gesetzlichen Regelungen entdeckt…

Ich äußerte meinen Unmut darüber, dass dies praktisch ein Freifahrtschein für illegalen Wildtierhandel sei. Sie relativierte diese Ansicht einerseits mit der Aussage, dass sie mir auch zig Herkunftsnachweise ausstellen könnte und man damit auch nicht sicher sein könnte, ob die Tiere legal im Land sind. Das mag zwar sein, aber stellt dies praktisch eine Urkundenfälschung dar. Mit diesem Argument könnte man alle besonders geschützten Arten auf die Unbedenklichkeitsliste setzen, wenn die Papiere im Grunde witzlos sind, die von den Züchtern ausgestellt werden. In diesem Punkt war und bin ich mit ihr also uneins. Erfreulicherweise tätigte sie aber auch noch die Aussage, dass bei den Arten auf der Unbedenklichkeitsliste nicht angenommen wird, dass diese illegal gehandelt werden. Das ist in Hinblick auf die IFAW-Studie interessant, da ich diese Ansicht selber als Begründung vortrug, dass der Großteil der von den IFAW-Ermittlern beobachteten Aktivitäten beim Handel mit CITES-Arten im Internet unproblematisch ist. An sich also sehr erfreulich, dass zumindest manche Behörden dies genauso sehen.

Die Vollzugshinweise zum Artenschutzrecht (Stand: 19.11.2010) besagen folgendes:
Bei Arten, die in der Anlage 5 BArtSchV […] aufgeführt sind, kann jedoch auf die Nachweisführung verzichtet werden.
Achtung: Das Dokument richtet sich an die Vollzugsbehörden und nicht an die Halter! Dieser Passus bedeutet also nicht, dass alle Halter und Züchter bundesweit einfach so auf die Nachweispflicht verzichten dürfen. Wir müssen uns nach den entsprechenden Vollzugsvorschriften unseres jeweiligen Bundeslandes richten.

Mein Bundesland Niedersachsen verzichtet beim Vollzug der BArtSchV also darauf, dass Halter Nachweise über die Herkunft der in Anlage 5 BArtSchV aufgeführten Tiere vorweisen müssen. Ausgenommen sind davon lediglich die in Anlage 5 gelisteten Baumsteigerfrösche. Nachzulesen ist dies im Tierhaltermerkblatt des NLWKN „Schildkröte, Papagei und Co. – Hinweise zum Artenschutz für die Tierhaltung“. Darin steht konkret:
Bei Arten, die in die Unbedenklichkeitsliste aufgenommen wurden, wird seitens niedersächsischer Behörden auf die Nachweisführung überhaupt verzichtet. (In Niedersachsen umfasst diese Unbedenklichkeitsliste alle Arten des Anhangs X der EG-Verordnung Nr. 865/2006 und der Anlage 5 der Bundesartenschutzverordnung mit Ausnahme der Dendrobates-Arten.)
In Niedersachsen müssen die Halter von Grünen Leguanen, Königspythons, Abgottschlangen, Kaiserboas, Madagaskar-Taggeckos, Goldstaub-Taggeckos, Rotwangen-Schmuckschildkröten, Axolotls und Chinesischen Rotbauchunken also grundsätzlich keine Nachweise über die legale Herkunft ihrer Tiere vorweisen können. Uff… das war selbst mir bis zu diesen Gesprächen neu. Ich ging davon aus, dass wir zumindest im Artenschutz eine bundesweit einheitliche Regelung hätten. Man lernt eben nie aus.

Die ganze Sache ist zwar schön und gut, aber auch eine sehr heikle Angelegenheit. Solange die Tiere in Niedersachsen bleiben, können Halter wie ich mich auf diese Regelung beziehen. Bei einem Umzug in ein anderes Bundesland oder bei Abgabe eines solchen Tieres in ein anderes Bundesland wird es jedoch problematisch. Die dortigen Behörden / Halter verlangen dann wahrscheinlich die Herkunftsnachweise. Kann man die lückenlose Nachweispflicht nicht mehr erfüllen, hat man ein großes Problem und muss den jeweiligen Behörden die Sachlage erneut verständlich machen.

Auch in Hinblick auf eine evtl. drohende Verschärfung der gesetzlichen Lage äußerte ich gegenüber dem NLWKN Bedenken, dass dann plötzlich all diese Tiere ohne Herkunftsnachweise praktisch illegal seien. Meine Gesprächspartnerin versicherte mir diesbezüglich, dass in einem solchen Fall immer der Bestandsschutz gewahrt werden würde. Das mag zwar sein, aber die Erfahrungen in anderen Bundesländern in Bezug auf die Haltung von Gefahrtieren zeigen, dass ein solcher Bestandsschutz mit besonderen Auflagen verbunden werden kann, wie beispielsweise einem Verbot der weiteren Nachzucht mit den Tieren, für die man die Herkunft nicht lückenlos nachweisen kann.

Daher empfehle ich allen Haltern hier in Niedersachsen (und den Bundesländern mit ähnlicher Regelung), die langfristig ihre Bestände in jeder Hinsicht sichern wollen, trotzdem von den Vorbesitzern, Züchtern und Zoofachhändlern entsprechende Herkunftsnachweise zu verlangen, wenn man eine Art aus der Anlage 5 der BArtSchV erwirbt. Nur wenn man definitiv die Herkunft nachweisen kann, ist man rechtlich abgesichert.


Samstag, 20. Dezember 2014

Haltung gefährlicher Tiere: Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein findet man die Regelung über die Haltung von gefährlichen Tieren nicht etwa in einer eigenständigen Gefahrtierverordnung oder in einem allgemeinen Gesetz zur Regelung der öffentlichen Sicherheit. Nein, man findet die Regelung versteckt im § 29 des „Gesetzes zum Schutz der Natur“ (Landesnaturschutzgesetz - LNatSchG) vom 24. Februar 2010. Das ist an sich schon einmal vollkommen absurd. Eine Regelung zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung hat mit Naturschutz rein gar nichts zu tun. Warum also wurden hier zwei unterschiedliche Dinge vermischt? Man weiß es nicht.

Durch die Aufnahme der Gefahrtierregelung in das Landesnaturschutzgesetz sind für den Vollzug der Regelung letztlich die in § 2 genannten unteren Naturschutzbehörden verantwortlich. In Schleswig-Holstein sind dies die Landräte der Kreise sowie die (Ober)Bürgermeister/innen der kreisfreien Städte und nicht etwa, wie es eigentlich sein sollte, die Ordnungsämter. Bei den Ordnungsämtern an kompetente Sachverständige zu geraten, ist teilweise ja schon Glückssache. Bei den Landräten und Bürgermeistern halte ich diesen Anspruch (ohne pro Einzelfall gesondert hinzugezogene Sachverständige) für völlig illusorisch. Allein dies erschwert den Vollzug der Regelung gewaltig. Auch in Hinblick auf die dadurch entstehenden Kosten ist die Regelung zu kritisieren.

Doch damit nicht genug. Der § 29 LNatSchG besagt lediglich:
Die Haltung von Tieren wild lebender Arten, die Menschen lebensgefährlich werden können, insbesondere von Tieren aller großen Katzen- und Bärenarten, Wölfen, Krokodilen und Giftschlangen ist unzulässig. Die zuständige Naturschutzbehörde kann Ausnahmen zulassen.
Eine Liste mit gefährlichen Tieren gemäß des Gesetzes und eine Checkliste an Eigenschaften, die eine Ausnahme bedingen, gibt es somit keine. Dies erschwert den Vollzug ebenfalls und öffnet der Willkür der einzelnen Behörden Tür und Tor. Eine einheitliche Regelung sieht anders aus! Ab wann ist ein Tier als lebensgefährlich einzustufen? Wenn bereits ein Todesfall aufgrund eines anaphylaktischen Schocks nach einem Giftbiss oder Giftstich eingetreten ist? Dann müssten auch Honigbienen unter die Regelung fallen. Oder gelten diese als domestiziert im Sinne des Gesetzes? Letztlich bleibt dies eine Einzelfallentscheidung der jeweiligen Behörde und für Halter wird die ganze Sache somit zu einem Glücksspiel.

Fazit: 
Die Benennung der falschen Behörden und zusätzlich noch fehlende Tierlisten und Kriterien für die Ausnahmegenehmigung machen aus der Gefahrtierregelung in Schleswig-Holstein ein unpraktikables Desaster nicht nur für die Halter, sondern auch für die Vollzugsbehörden. Daher ist diese Regelung die in meinen Augen schlechteste in ganz Deutschland! Unnötig zu erwähnen, dass so etwas keinesfalls Vorbildcharakter für Überlegungen auf Bundesebene einnimmt!

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Vorfälle mit gefährlichen Tieren #2

Bei der ganzen Diskussion über gefährliche Terrarientiere werden immer wieder Einzelfälle aus der Vergangenheit (z.B. die 2010 entflohene Monokelkobra in Mülheim an der Ruhr) hervorgekramt und in den Medien aufgebauscht, während Vorfälle mit „normalen“ Tieren aus Menschenobhut häufig nur als Randnotiz abgehakt werden. Eine derart einseitige Propaganda kann ich natürlich auch, nur muss ich dafür keine vier Jahre alten Fälle aus der Mottenkiste kramen. 
 
Hier mal wieder eine kleine Auswahl an Vorfällen der letzten vier Wochen mit gefährlichen Tieren, die auf keiner Gefahrtierliste stehen und bei denen unschuldige Personen verletzt oder finanziell geschädigt wurden:

18.11.2014: Pferd kollidiert mit Auto
Fahrer tot! Der Sachschaden ist deswegen eher eine Nebensache.
 
18.11.2014: Hund zerrt Fahrradständer auf Straße und verursacht Unfall
Keine Verletzten, aber ca. 1.000 Euro Sachschaden.

18.11.2014: Hund beißt 70-Jährigen, Halterin fährt davon
Rentner von Hund verletzt. Halterin interessiert das nicht und fährt davon.

19.11.2014: Katze verursacht Verkehrsunfall
Keine Verletzten, jedoch ca. 2.000 Euro Sachschaden.

20.11.2014: Freilaufender Hund beißt 13-Jährigen in beide Arme
Kind verletzt, Halter meldet sich nicht mehr.

20.11.2014: Einer von drei Hunden beißt 69-Jährigen dreimal ins Bein
Rentner verletzt.

20.11.2014: Pferd erschreckt Autofahrerin
Unfall ohne Verletzte dafür mit Sachschaden in unbekannter Höhe.

21.11.2014: 70-jähriger Fahrradfahrer stürzt wegen Katze
Zum Glück nur leichte Verletzungen. Aber auch das ist schon schlimm genug und hätte auch tödlich enden können.

22.11.2014: Pferde laufen vor Auto
Beifahrer schwer verletzt und erneut hoher Sachschaden.

22.11.2014: Hund beißt 41-jährigen Jogger
Jogger erleidet blutende Fleischwunde. Hundehalter entfernt sich vom Ort des Geschehens. Ich kenne genug Hundehalter, die dem Jogger die Schuld geben würden, da dieser ja auch langsam am Hund hätte vorbeilaufen können. Fakt ist: Der Hund hat eine unbeteiligte Person verletzt. Dies zu verhindern ist Aufgabe des Tierhalters.

24.11.2014: Ehefrau überrollt wegen Hund auf Rückbank
59-Jährige schwer verletzt in Klinik notoperiert. Hinzu kommt ein Sachschaden in Höhe von ca. 10.000 Euro.

25.11.2014: Hund beißt 6-Jährige ins Gesicht
Mädchen wird schwer verletzt.

27.11.2014: Pferd verursacht Autounfall
Vier Menschen verletzt und Sachschaden in nicht bekannter Höhe.

29.11.2014: Zwei Pferde verursachen schweren Autounfall auf Landstraße
Keine Person verletzt, jedoch Sachschaden in Höhe von über 10.000 Euro.

01.12.2014: Hund beißt 7-Jährigen in Kopf
Der Junge erleidet schwere Verletzungen. Begleitperson des Kindes wird ebenfalls gebissen.

02.12.2014: Hund beißt 2-jähriges Mädchen in Wange
Erneut ein verletztes Kind und ein flüchtender Hundehalter.

03.12.2014: Katze verursacht schweren Unfall auf Bundesstraße
Zwei Menschen verletzt. Der Sachschaden liegt in Höhe von mindestens 16.500 Euro. Ob der Halter wohl eine Tierhalterhaftpflichtversicherung abgeschlossen hat, wie sie Gefahrtierhalter in manchen Bundesländern abschließen müssen?

05.12.2014: Hund beißt 14-jähriges Mädchen, Halter geht weiter
Kind verletzt, doch den Hundehalter interessiert das nicht. Er gibt die Schuld dem Kind und geht weiter.

06.12.2014: Autofahrer weicht (toter) Katze aus und verursacht Unfall
Zum Glück keine Verletzten, aber ein Sachschaden in Höhe von ca. 3.000 Euro.

07.12.2014: Unfall nach Ausweichmanöver wegen Katze
Autofahrerin schwer verletzt und Sachschaden in Höhe von ca. 800 Euro.

08.12.2014: Hund läuft vor Auto
Zum Glück kein verheerender Unfall, sondern „nur“ leichte Sachschäden.

09.12.2014: Auto stößt mit einem von drei Pferden zusammen
Fahrer erleidet leichte Verletzungen. Der Sachschaden beträgt ca. 2.600 Euro.

10.12.2014: Zwei Pferde verursachen schweren Verkehrsunfall
Zum Glück keine schweren Verletzungen auf Menschenseite, jedoch ein nicht unerheblicher Sachschaden.

10.12.2014: Hund läuft vor Auto
Keine Verletzten, aber ca. 2.500 Euro Sachschaden. In den Fällen wo verletzte Hunde flüchten können, kommt noch erschwerend hinzu, dass diese in ihrem Zustand unberechenbar sind und somit weiterhin eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen!

12.12.2014: Hund beißt Frau
Diese dadurch leicht verletzt. Das kommt vor, wenn man Raubtieren zuerst die Scheu vor dem Menschen abtrainiert bzw. wegzüchtet und diese potentiell gefährlichen Tiere dann in den öffentlichen Raum führen muss.

12.12.2014: Hund verursacht Verkehrsunfall
Glücklicherweise keine Verletzten, dafür aber Sachschaden am Fahrzeug.

13.12.2014: Hund beißt 11-Jährige in Oberschenkel
Mädchen erleidet nur leichte Verletzungen, der Hundehalter flieht.

13.12.2014: Erneut kollidiert Pferd mit Auto
Zum Glück keine Verletzten, aber erneut ein Sachschaden in nicht bekannter Höhe.

14.12.2014: 65-jähriger Radfahrer nach Unfall mit Hund verletzt
Opfer erleidet leichte Verletzungen. Auch dieser Hundehalter verhielt sich keinesfalls verantwortungsbewusst. Ganz im Gegensatz zum Schlangenhalter damals in Mülheim an der Ruhr.

15.12.2014: Pferde gehen mit Kutsche durch
Zwei Frauen verletzt. Der Sachschaden beträgt ca. 1.500 Euro.

17.12.2014: Autounfall wegen Katze
Fahrerin unverletzt, jedoch wieder einmal Sachschaden. Dieser Artikel zeigt auch sehr anschaulich, dass derartige Vorfälle (im Gegensatz zu Schlangenfunden) nicht aufgebauscht sondern lediglich als kleine Randnotiz veröffentlicht werden.

In der Statistik tauchen keine Fälle mit „Exoten“ auf, weil keine unbeteiligten Personen in diesem Zeitraum (und auch sonst nicht in diesem Jahr) von solchen Tieren verletzt wurden!

Fazit:
In der dunklen Jahreszeit häufen sich insbesondere die Vorfälle mit Pferden. Vorfälle mit z.B. entflohenen Schlangen sind im Winter (sofern die Pisse da draußen aktuell als solcher bezeichnet werden kann) extrem selten. Wenn dieser Tage mal eine Schlange aus einem Terrarium entwischt, bleibt sie meist in der Wohnung, weil im Winter die Fenster und Türen eher geschlossen gehalten werden. Außerdem würde eine Schlange sich eher wieder in die Wohnung zurückziehen, wenn sie merkt, dass es draußen recht kalt ist. Davon abgesehen sollte sich ein nicht unerheblicher Teil der in Privathand gepflegten Schlangen derzeit in einem eher inaktiven Ruhezustand befinden. Im Sommer sieht das anders aus, daher häufen sich in der warmen Zeit des Jahres die Vorfälle mit „Exoten“, über die die Medien aufgrund der parlamentarischen Sommerpause dann auch freudig berichten. In der Vorweihnachtszeit sind die Leute hingegen gedanklich viel mehr mit anderen Dingen beschäftigt. Im Bewusstsein der Leute gehen Vorfälle mit Hunden, Katzen und Pferden, die ohnehin nicht so sehr das Interesse erwecken wie Vorfälle mit „Exoten“, gänzlich unter. „Exoten“ werden natürlich auch immer gleich als potentiell gefährlich gewertet. Dabei passieren solche Vorfälle eher selten. Sie kommen vor, aber in der Sommersaison vielleicht ein Fall alle zwei Wochen. Unschuldige Personen werden dabei in der Regel nicht verletzt. Die letzten vier Wochen zeigen jedoch, dass Unfälle mit domestizierten Tieren fast täglich passieren und oftmals zum Teil schwere Sach- und Personenschäden verursachen.

Bei den Vorfällen mit Hunden wird deutlich, dass der Großteil nur deswegen publik wurde, weil die Polizei nach den Haltern fahndete. Vorfälle, die zu keiner Flucht der Halter führen, werden offenbar nicht medienpräsent breitgetreten. Ich kann mir die Situation im wahrsten Sinne des Wortes BILDlich vorstellen, wie die Redakteure der Klatschpresse den Polizeifunk abhören: „Och nö… schon wieder nur ein Hundebiss. Warten wir mal drauf, bis die Polizei uns Infos dazu gibt, weil sie wieder den Halter suchen müssen. Interessiert ja sonst eh keinen. Halt… warte… eine womöglich giftige Schlange wurde gefunden? Da müssen wir sofort einen Reporter hinschicken!“

Die oben aufgeführten Meldungen wären eigentlich sehr gute Argumente für ein grundsätzliches Verbot von insbesondere Pferden und auch großen Hunden. „Warum müssen sich Privatpersonen überhaupt solche Viecher anschaffen?“ Aber würde ich so argumentieren, wäre ich nicht besser als die fanatischen Leute, die gefährliche „Exoten“ komplett verbieten wollen. Außerdem schmeckt mir Pferdewurst einfach viel zu gut, als dass ich diese Tiere komplett verbieten lassen würde. Daher fordere ich für alle gefährlichen Tiere (egal ob Giftschlange, Krokodil, Hund, Pferd oder Katze): geprüfte Sachkunde und Zuverlässigkeit der Halter, sichere Unterbringung der Tiere (dazu gehört auch die Sicherung der Tiere im öffentlichen Raum wie z.B. Leinenzwang bei allen mittelgroßen Hunden und zusätzlichen Maulkorbzwang* bei allen großen Hunderassen sowie Haltung solcher Tiere nur von Personen mit der entsprechenden körperlichen Kondition). Bei bestimmten Tierarten außerdem eine Tierhalterhaftpflichtversicherung, eine Meldepflicht sowie eine Kennzeichnungspflicht.

Diese ganzen Vorfälle haben selbst mich geschockt. Ich hätte noch fleißig weiter aufzählen können. Unfälle mit Nutztieren habe ich gar nicht mehr weiter abgefragt. Im kommenden Jahr werde ich eine Studie durchführen und sämtliche Vorfälle mit Hunden, Katzen, Pferden, Nutztieren und eben auch „Exoten“ dokumentieren, von denen ich dank Google-Alerts Kenntnis erhalte. Ende 2015 erstelle ich dann eine Statistik aus der die Kosten und Verletzten/Toten hervorgehen und in welcher Höhe diese auf wessen Konto gehen: Exotenhalter oder Halter domestizierter Tiere. Das sollte die Verhältnismäßigkeiten einmal mehr ins richtige Licht rücken.
 

*Gegner von Maulkörben argumentieren, dass diese bei den Hunden ein tierschutzrelevantes Leid verursachen, weil die Hunde in ihren Grundbedürfnissen zu sehr einschränkt werden. Wenn das so ist, komme ich zu dem Ergebnis, dass diese Raubtiere nur mit großem Aufwand artgerecht und gleichzeitig sicher gehalten werden können. Einzige Lösung: ein grundsätzliches Verbot großer Hunde im öffentlichen Raum (ausgenommen die Tiere von Sicherheitsbeamten). Eine Haltung gäbe es somit nur noch bei Privathaltern und zoologischen Gärten, die diesen Tieren artgerechte und sichere Gehege bieten können. Denn anatomisch macht es kaum einen Unterschied zwischen Wildhund, Wolf und Haushund. Vom Verhalten her sind Wildtiere zudem eher scheu, während auf den Menschen sozialisierte Haushunde ein sehr viel größeres Gefahrenpotential bieten.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Fisch und Reptil 2014 – Messe Sindelfingen

Vom 05.12. bis 07.12.2014 fand im baden-württembergischen Sindelfingen (ca. 15 km südwestlich von Stuttgart) die Aquaristik- und Terraristik-Messe „Fisch und Reptil“ statt. Auch ich war dieses Jahr zusammen mit meinem Partner an allen drei Tagen vor Ort. Nachfolgend werde ich das Messegeschehen, die integrierte Verkaufsbörse und das von uns besuchte Rahmenprogramm einzeln betrachten.


Die Messe:
Von der eigentlichen Messepräsentation war ich leider dann doch etwas enttäuscht. Zuerst einmal lag der Schwerpunkt der Messe eindeutig auf der Aquaristik. Für mich als Terrarianer wurde vergleichsweise wenig geboten. Eine Messe dient meiner Meinung nach dazu, dass verschiedene Anbieter ihre Produkte vorstellen und die Messebesucher die Möglichkeit haben, direkte Vergleiche bei der Qualität anzustellen. Dies war mangels einer größeren Auswahl an verschiedenen Herstellerpräsentationen leider kaum möglich. Auch Neuerscheinungen, die noch nicht auf dem Markt sind, werden auf Messen präsentiert. So kenne ich es jedenfalls von der CeBIT Hannover oder der Leipziger Buchmesse. Mit einer ähnlichen Erwartung fuhr ich zur Messe Sindelfingen. Beispielsweise hat die Firma ExoTerra kürzlich einige neue Terrarieneinrichtungsgegenstände herausgebracht, die in Deutschland noch nicht oder erst seit kurzer Zeit auf dem Markt sind. Auch in Hinblick auf Produkttests in meinem Blog oder bzgl. Anregungen für Produktentwicklungen hätte ich gerne mit jemanden von dieser namenhaften Firma auf der Messe Kontakt aufgenommen. Sehr bitter für mich war es dann jedoch festzustellen, dass ExoTerra mit keinem eigenen Stand auf der Messe vertreten war. Lediglich ein ExoTerra-Verkaufsdisplay (mit bereits im Handel etablierten Produkten) war an den Messestand eines anderen Ausstellers angegliedert. Dies entsprach jedoch nicht meinen Erwartungen an eine sogenannte Messe. Überhaupt war die „Fisch und Reptil“ (zumindest im Bereich der Terraristik, denn die Aquaristik kann ich bis auf die Nano-Aquaristik für Wirbellose nicht beurteilen) mehr eine Verkaufsmesse als eine Präsentationsmesse. Doch selbst als eine der (laut Angabe auf der eigenen Website) führenden Meerwasseraquaristik-Messen muss die „Fisch und Reptil“ bei Facebook die Kritik eines Meerwasseraquarianers ertragen können, dass in seinem Wohnzimmer eine größere Auswahl zu finden sei als auf der Messe. Autsch!

Ich habe jedenfalls bemerkt, dass die Terraristik auf der „Fisch und Reptil“ noch sehr stiefmütterlich präsentiert wird. Die Ausstellungsfläche vom Reptilium Landau war (abgesehen vom Rahmenprogramm) eines der wenigen Terraristik-Highlights auf der „Fisch und Reptil“. Deutschlands größter Reptilienzoo stellte zwei Gehege mit jeweils zwei Tigerpythons und zwei Kapwaranen auf der Messe aus. Auch das Bühnenprogramm wurde vom Reptilium Landau organisiert, welches ich später noch betrachten werde.

 
Die Interessengemeinschaft für Gifttiere und Terrarienbau „aconitum fera“ stellte mehrere Terrarien mit mehr oder weniger giftigen Tieren aus und klärte interessierte Besucher über den Umgang mit solchen Tieren und die Vorteile der Gifttierhaltung für die Entwicklung von Antiseren und neuen Medikamenten auf. Sehr lobenswert, jedoch hätte ich mir hier die Ausgabe eines umfangreichen Flyers gewünscht, denn nicht jeder Besucher spricht die Aussteller aktiv an, aber umso mehr nehmen kostenlose Flyer mit. Insbesondere in Bezug auf die ganze Gefahrtierdiskussion wäre eine aktivere Aufklärungsarbeit wünschenswert gewesen. Erstere ist zwar derzeit noch nicht in Baden-Württemberg angekommen, steht aber schon vor der Tür und dann kann die Imagepflege der Gifttierhaltung bereits zu spät sein.


 

Wie von einem meiner Blogkommentatoren prophezeit, stieß ich auf der „Fisch und Reptil“ erstmalig auf einen Anbieter, der Einsiedlerkrebse in buntbemalten Häuschen und aus extrem schlicht eingerichteten Schaubecken heraus verkaufte. Zwar sollte ein Zettel mit der Aufschrift „Diese Tiere werden NICHT bemalt“ wahrscheinlich das Gewissen beruhigen, jedoch soll es bereits vorgekommen sein, dass Landeinsiedlerkrebse nicht weniger tierschutzwidrig mittels Pressluft ihrer natürlichen Gehäuse entledigt wurden und dann gezwungenermaßen in ein buntbemaltes Alternativgehäuse mit aufgeklebten Wackelaugen gezogen sind. Dies würden sie zwar irgendwann auch freiwillig machen, wenn aufgrund des Wachstums ein Umzug in ein größeres Gehäuse nötig ist (in der Natur wählen diese Tiere dazu z.B. auch Konservendosen), jedoch fehlt vielen Händlern die Zeit dafür. Sie wollen direkt niedliche Krebse in kitschigen Gehäusen verkaufen. Auch die Flyer und Informationen, die wir von diesem Anbieter bekamen (total anspruchslose Tiere, perfekte Haustiere für Kinder) empfand ich ziemlich befremdlich. Ich verfasste vor einiger Zeit zwar meinen Beitrag „7 Gründe doch Einsiedlerkrebse zu kaufen“ und stehe auch dazu, dass diese Tiere entgegen der Behauptung seitens PETA sehr wohl langfristig möglichst artgerecht gehalten werden können, jedoch empfand ich den sorglosen Umgang mit den Tieren, den dieser Anbieter den Messebesuchern präsentierte, dann doch als sehr abschreckend und nicht gerade artgerecht.


Der Anbieter „Lucky Reptile“ stellte ebenfalls einige Terrarientiere aus:

 
 

Als Halter von aquatischen Wirbellosen konnte ich mir einen Abstecher beim Messeauftritt der Firma „Dennerle“ natürlich auch nicht entgehen lassen:


Fachliteratur wurde z.B. vom Natur- und Tier-Verlag geboten. Seltsamerweise sprachen die Verkäufer dort kein Deutsch, was auf mich nicht sehr einladend wirkte.

Auch der Dähne-Verlag präsentierte sich auf der Messe und bot nicht nur seine Aquaristik- und Terraristik-Bücher zum Verkauf an, sondern auch kostenlose Probeexemplare der Magazine „terrarisik“ und „caridina“. Das Terraristik-Symposium wurde ebenfalls vom Dähne-Verlag organisiert.


Ein im Vorfeld auf der Website der Messe angekündigtes Regenwaldpanorama, welches auf 56 qm Fläche vor den Augen der Besucher von der IG Regenwaldzentrale als natürlicher Lebensraum für verschiedene Reptilien und Fische aufgebaut werden sollte, war ebenfalls ein furioses Highlight der Messe Flop. Hier ein Vergleich vom ersten Messevormittag zum Endergebnis am Ende des dritten Messetages:

Die Ausstellungsstücke der IG Regenwaldzentrale waren ohnehin eher als abstrakte Kunst aufzufassen:


Nach all dem Messetrubel und dem ständigen Betrachten von Fischen hatten wir am Abend direkt Lust und Appetit auf eine Einkehr bei Nordsee:


Die Verkaufsbörse:
Die Verkaufsbörse befand sich hinter einem Treppenaufgang und war lobenswerterweise in Aquaristik und Terraristik getrennt. Die Anbieterzahl war zwar auf beiden Seiten nicht sehr groß, aber dennoch war die Auswahl an Tieren (zumindest wie ich es im Bereich der Terraristik beurteilen konnte) sehr vielseitig gewählt. Neben den üblichen Verdächtigen wie Bartagame, Kornnatter, Leopardgecko sowie Königspython und Abgottschlange (natürlich wie immer in verschiedenen Farbvarianten) waren auch kleine Raritäten wie die von mir ebenfalls gepflegte Schwarze Mexiko-Königsnatter (Lampropeltis getula nigrita bzw. Lampropeltis californiae „nigrita“) oder die Rotflecken-Strumpfbandnatter (Thamnophis sirtalis concinnus) zu finden. Einzig negativ könnte man erwähnen, dass die Tiere sicherlich an allen drei Messetagen und darüber hinaus an den Transporttagen in ihren Verkaufsboxen hocken mussten. Kurzzeitigen Börsenstress auf Tagesbörsen halte ich für vernachlässigbar, den Stress bei einem dreitägigen Messetrubel jedoch nicht.

Das Rahmenprogramm:
Auch wenn das Messegeschehen an sich eher eine Enttäuschung für überkritische Terrarianer wie mich war, konnte das vom Dähne-Verlag organisierte Terraritik-Symposium und das vom Reptilium Landau inszenierte Bühnenprogramm einiges wieder rausreißen. Einziger Kritikpunk war der straffe Zeitplan insbesondere bei den Workshops, da diese sowohl für den Aquaristik-Bereich als auch für die Terraristik im selben Raum stattfanden. Auch die Zeitplanung zwischen Symposium und Workshops war teilweise so eng, dass man sich als Besucher entscheiden musste, ob man nun dem Vortrag eines Experten im Symposium lauschen oder einen Workshop besuchen sollte. Hinzu kam das Bühnenprogramm, welches sich nur schwer in den Zeitplan eingliedern lies.

Vom Bühnenprogramm erlebten wir am ersten Messetag nach unserer Ankunft noch das Ende der „Kleinen Tiershow“. Dort stellte das Reptilium Landau den Besuchern eine Schlange (diese Präsentation haben wir verpasst), eine Bartagame und eine Vogelspinne vor. Die Bartagame (und vermutlich auch die Schlange) konnten von den Besuchern angefasst werden. Auch die Vogelspinne (eine Grammostola rosea) demonstrierte ihre Friedfertigkeit. Zwar waren die Erklärungen zu den Tieren teilweise etwas überzogen, dennoch war diese Vorführung meiner Meinung nach eine sehr schöne Aktion zur Beseitigung von Vorurteilen und Ängsten. Insbesondere die Kinder zeigten keine Berührungsängste, ganz im Gegensatz zu manchen Erwachsenen.

Eine weitere Show des Reptiliums war das „Insektenkochen“. Hier wurden auf der Bühne gefrorene Schokoschaben in einem Wok mit Sonnenblumenöl frittiert. Iiiiiiih! Sonnenblumenöl!!! Ich selbst bin schon lange ein Verfechter von der Ernährung mit Insekten. Die Gründe dafür wurden sehr ausführlich vom Tierpfleger des Reptiliums erläutert: geringe CO2-Bilanz, beenden des Welthungers, niedriger Kostenfaktor (zumindest wenn man in Massen produziert) und hoher Nährwert. Ich fand es schon immer seltsam, dass Garnelen und Flusskrebse hierzulande gerne gegessen werden und Hummer als Delikatesse gelten, während andere Gliedertiere wie Schaben oder Heuschrecken als abscheuliches Ungeziefer abgetan und nicht als Nahrungsmittel akzeptiert werden. Umso erfreulicher fand ich es zu erleben, dass doch sehr viele Leute von den frittierten Schokoschaben kosteten und sogar noch ein Nachschlag frittiert werden musste. Tja, wenn es mal was gratis zum Fressen gibt… Vermutlich waren aber alle auch vom leckeren Hähnchengeschmack überzeugt.


Die anderen Shows des Reptiliums (über Riesenschlangen und die Fütterung der Kapwarane) konnten wir uns nicht anschauen, weil wir stattdessen am Terrarstik-Symposium des Dähne-Verlags teilnahmen. In einem Vortragsraum hielten einige Autoren des Magazins „terraristik“ Vorträge. Thomas und Yvonne Klesius stellten in ihren Präsentationen an zwei Tagen die Leopardnatter (Zamenis situla) und die Langnasennatter (Rhynchophis boulengeri) vor. Beide Vorträge waren sehr aufschlussreich, detailliert und unterhaltsam. Sehr lobenswert fand ich, dass die beiden auch Fehlschläge in der Haltung offensiv ansprachen. Nur so können andere Halter daraus lernen, ohne dass weitere Missgeschicke dieser Art passieren müssen. So offen geht nicht jeder Halter damit um, wenn ihm z.B. eine Schlange im Befestigungsdraht einer Efeutute erstickt ist.

Monika Rademacher und Oliver Mengedoht gaben an ebenfalls zwei Tagen Einblicke in die Krabbenhaltung und stellten neben den Grundlagen der Krabbenhaltung sehr ausführlich verschiedene Süßwasserkrabben der Gattung Geosesarma vor. Monika Rademacher veranstaltete zudem auch noch einen Workshop, in dem sie den Besuchern auf äußerst anschauliche und unterhaltsame Weise die Einrichtung eines Aquaterrariums für Krabben demonstrierte. Ich persönlich fand es jedoch sehr enttäuschend, dass dieser Workshop einerseits sehr unter Zeitdruck stand und andererseits (wie auch die beiden Vorträge zur Krabbenhaltung) eher schlecht besucht wurde. Sorry, aber wenn von angekündigten 17.000 Messebesuchern gerade mal mein Partner, zwei andere Interessierte, zwei vom Vater zwischengeparkte Kinder und ich den Workshop zur Einrichtung eines Krabbenterrariums besuchen, finde ich das schon echt bitter. Da waren die Fressbude und das Kinder-Plätzchenbacken besser besucht, woran man sieht, welche Prioritäten von manchen Leuten gesetzt werden. Da jeder Besucher am Eingang einen Flyer mit dem Rahmenprogramm erhielt und die Räumlichkeiten des Symposiums besser ausgeschildert waren als der Gifttierraum der Terraristika Hamm, kann eine verzweifelte Suche keine Ausrede sein. Der immer wieder ertönende donnernde Applaus aus dem Aquaristik-Symposium ließ auch keinen Zweifel daran, dass die Räumlichkeiten von nicht gerade wenigen Leuten sehr wohl problemlos gefunden wurden.


Auf mich sprang jedenfalls dank der vermittelten Leidenschaft der beiden Krabbenhalter der Funke erneut über und entflammte meinen Entschluss endgültig, mir im kommenden Jahr mindestens eine Krabbenart ins Haus zu holen.

Uwe Wünstel, der Leiter des Reptiliums Landau, sprach während seines Vortrags ein wenig aus dem Nähkästchen und schilderte Anekdoten aus dem Alltag des Reptilienzoos. Insbesondere Geschichten über Beschlagnahmungen dominierten den gutbesuchten Vortrag. Eine Dame aus dem Auditorium stellte am Ende einige seltsame Fragen, die an die Tierrechtsszene erinnerten. Beispielsweise was der Zoo mit den nachgezüchteten Tieren machen würde. Auf die Antwort von Uwe Wünstel, dass ein Teil davon an Privathalter abgegeben würde, die aufgrund der Meldepflicht der geschützten Tiere ohnehin unter der Kontrolle der zuständigen Behörden stünden, folgte von der Fragestellerin ein (meinem persönlichen Empfinden nach) schnippisches „Aha“. Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Timm Adam sollte am Sonntag eigentlich einen Vortrag über „ausgewählte Wirbellose im Terrarium für Anfänger“ halten. Leider war dieser Referent erkrankt, weswegen Marco Wagemann einsprang und einen Bildervortrag über Schildkröten auf Sardinien hielt. Dieser Vortrag war ebenfalls sehr interessant und die warmherzige Art des Autors und leidenschaftlichen Schildkrötenhalters ließen die ausgefallene Präsentation schnell verschmerzen. Zeitgleich zum Vortrag von Thomas und Yvonne Klesius über die Langnasennatter fand ein Workshop von Marco Wagemann über den Umgang mit Futtertieren und das richtige Verfüttern statt. Diesen hätte ich ebenfalls äußerst gerne besucht, jedoch entschied ich mich als Schlangenhalter, da ich der gezielten Cytokinese leider nicht mächtig bin, dann doch für den Vortrag über die Langnasennatter. Marco Wagemann möge mir dies bitte verzeihen.

Am Ende des Terraristik-Symposiums referierte Uwe Dost über Pfeilgiftfrösche, die Juwelen des Regenwalds. Dieser Vortrag war ein krönender Abschluss des Symposiums, da von der Taxonomie über die (mit der Zeit verschwindende) Giftigkeit und den Schutzstatus bis hin zur Zucht verschiedener Futtertiere alle Aspekte zu diesen Tieren leicht verständlich und praxistauglich vermittelt wurden. Sehr gut fand ich die anschauliche Darstellung der Lebensraumzerstörung durch den Anbau von Ölpalmen und die damit verbundene Ausrottung einiger Arten mit dem mehr als deutlichen Hinweis, dass nicht wir Terrarianer für das Aussterben dieser Tiere verantwortlich sind.

Fazit:
Für das Rahmenprogramm hat sich die Fahrt nach Sindelfingen allemal gelohnt, auch wenn dieses stellenweise von der Zeit her sehr knapp bemessen war. Das Messegeschehen der „Fisch und Reptil“ selber war jedoch für Terrarianer eher enttäuschend. Hier sollte für mehr Quantität und auch Qualität bei der Auswahl der Aussteller geachtet werden. Große Vereine die der VDA oder die DGHT könnten solche Messen ebenfalls nutzen, um auf die eigene Arbeit aufmerksam zu machen. Denn so würden potentielle Mitglieder erreicht und nur durch diese lebt ein Verein.