Sonntag, 9. November 2014

Kosmos-Buch: 1x1 der Terraristik (Rezension)

Cover-QR
1x1 der Terraristik - Amphibien und Reptilien richtig halten und pflegen von Manfred Rogner; Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG; 2011; 16,95 EUR; ISBN 978-3440108376

Vorstellung des Inhalts:
Das hochwertige Hardcover-Buch aus dem Kosmos-Verlag beginnt mit einem Kapitel über die Grundlagen der Terraristik. Darin wird u.a. der Lebensraum Terrarium, die Bepflanzung, Technik und Klima sowie neun verschiedene Terrarientypen (vom Aquaterrarium über das Terrarium für Busch- und Baumbewohner bis zum Freiluftterrarium) allgemein erläutert. Das zweite Kapitel handelt von der Ernährung, Pflege und Vermehrung von Terrarientieren. Auch dieses Kapitel erläutert erst einmal grob diese allgemeinen Grundlagen.  
Die zweite Hälfte des Buches stellt insgesamt 50 verschiedene, häufig gehaltene Arten im Portrait vor. Wie der Titel schon sagt, handelt das Buch von der Haltung von Amphibien und Reptilien. Wirbellose Tiere werden somit nicht behandelt. Auch gefährliche Tiere sucht man in diesem Werk vergebens. Abgerundet wird der Inhalt durch 234 hochwertige Farbfotos sowie interessante Infoboxen, die Praxistipps und weiterführende Informationen erläutern.

Kritik:
Die ersten beiden Kapitel machen etwas weniger als die Hälfte des Buchumfangs aus und geben Neulingen in der Terraristik einen sehr guten Einblick in die Grundlagen des Hobbies. Auch die Artportraits geben einen kompakten Einblick in die Bedürfnisse der einzelnen Tiere. Wer neu in das Hobby Terraristik einsteigen möchte, kann daher ruhigen Gewissens zu diesem Buch greifen, um sich ein gewisses Grundlagenwissen anzueignen. Vor der Anschaffung eines der vorgestellten Tiere ist jedoch ein spezialisierteres Fachbuch über die jeweilige Wunschart ein absolutes Muss, da dieses Kompendium nicht ins Detail auf alle Bedürfnisse und Eigenarten der vorgestellten Tiere eingeht.

Ein paar negative Punkte sind mir jedoch auch beim Lesen aufgefallen. Beispielsweise wird in den Artportraits immer wieder auf die im ersten Kapitel vorgestellten Terrarientypen per Nennung der jeweiligen Nummer (1 = Aquaterrarium bis 9 = Freiluftterrarium) verwiesen. Es ist beim Lesefluss ziemlich nervig, wenn man von den Portraits immer wieder zurückblättern muss, um nachzulesen, was die für die jeweilige Art empfohlenen „Terrarientypen 3, 5 oder 6“ noch mal genau waren.

Das Thema Meldepflicht wird in diesem Buch leider sehr stiefmütterlich behandelt und enthält zudem grobe Fehler. Bei manchen geschützten Arten (z.B. beim Jemen-Chamäleon oder bei Dornschwanzagamen) steht zwar im Portrait unter „gesetzliche Bestimmungen“, dass man sich beim Kauf einen Herkunftsnachweis aushändigen lassen muss. Von einer Anmeldung bei den Behörden ist jedoch keine Rede. Den identisch formulierten Satz findet man korrekterweise auch bei Arten, die zwar nachweispflichtig, jedoch nicht meldepflichtig sind (z.B. Chinesische Rotbauchunke). Seit wann sind eigentlich Blauzungenskinke meldepflichtig? Beim Grünen Leguan und dem Königspython schreibt der Autor, dass diese Arten mit der entsprechenden Bescheinigung bei den Behörden gemeldet werden müssten. Dies ist im Rahmen des Artenschutzes jedoch nicht richtig. Beide Arten wurde 2005 von der Meldepflicht befreit. Das Buch erschien 2011, daher ist das Erscheinungsdatum keine Ausrede für diesen Schnitzer. Vielleicht ist ja auch die Meldepflicht als Gefahrtier gemeint, weil der Königspython in manchen Bundesländern als Vertreter der Riesenschlangen gelistet ist. Da der Autor jedoch das Thema und die Unterschiede bei der Nachweis- und Meldepflicht nicht erläutert, bleibt der Leser diesbezüglich im Dunkeln und würde gegen Artenschutzregelungen verstoßen, wenn er sich blind an die Informationen hält und sein Jemen-Chamäleon nicht bei der zuständigen Behörde meldet. Rechtliche Themen sind zwar gerne mal etwas schwere Kost, gehören aber eben auch zu einer vorbildlichen Tierhaltung dazu.

Ein weiterer Kritikpunkt von mir ist, dass der Autor in manchen Tierportraits am Ende anmerkt, dass eine andere Art genauso wie die vorgestellte zu halten sei. Beispielsweise wird die Grüne Wasseragame beschrieben und bei dieser Art korrekterweise kein Wort zu einer Winterruhe verloren. Am Ende des Portraits wird dann jedoch angemerkt, dass die Australische Wasseragame genauso zu halten sei, was in Bezug auf die Winterruhe jedoch nicht richtig ist.

Speziellere Kritikpunkte zum fachlichen Inhalt wären beispielsweise die Verwendung des Artikels die beim Königspython, zum Teil falsche wissenschaftliche Artnamen (z.B. Elaphe guttata) oder die Empehlung, Strumpfbandnattern mit Rindfleischstreifen und Hackfleischbällchen zu füttern (aus meiner Sicht nicht Bestandteil des natürlichen Nahrungsspektrums dieser Art).

Fazit:
Neulingen in der Terraristik kann ich das Buch zur Aneignung erster Grundlagen empfehlen. Aufgrund einiger grober Schnitzer sollte man sich jedoch auch noch weiterführende Literatur anschaffen. 

Von mir gibt es daher für dieses Buch 3 von 5 Sternen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen