Donnerstag, 13. November 2014

Boss von „Zoo Zajac“ bezeichnet NRW-Gesetzesentwurf als „vernünftig“


Beim routinemäßigen Stöbern in der von mir ernannten Bibel gegen die Exotenhaltung (kurz: Onlineportal der WAZ), stieß ich auf diesen interessanten Artikel: Duisburger Norbert Zajac hat an Gesetz zur Gifttier-Haltung mitgearbeitet

Norbert Zajac ist der Betreiber des wohl weltweit größten Zoofachgeschäftes, welches beispielsweise wegen des Verkaufs von Hundewelpen oder Faultieren in der Kritik von PETA & Co. steht. Leider wird in dem o.g. Artikel deutlich, welche Interessen der Betreiber dieses kommerziellen Handels vertritt... nämlich nur seine eigenen: 

„Dieser Gesetzesentwurf ist vernünftig und er ist mit Augenmaß verfasst.“

Nein, lieber Herr Zajac, das ist er nicht! Jedenfalls nicht aus der Sicht der betroffenen Halter, die ihre Bestände auslaufen lassen müssen und keine gefährlichen Tiere mehr weitergeben, anschaffen oder nachzüchten dürfen. Moment mal… Weitergeben? Wie und wo denn das? Etwa über Kleinanzeigen im Internet oder auf Börsen wie der Terraristika in Hamm? Das ist doch ein Parallelmarkt, der in Konkurrenz zu den Zoofachgeschäften steht! Logisch, dass der Betreiber eines solchen Konsumtempels Gesetze befürwortet, die für ihn die Konkurrenz vom Markt verdrängt und viele Halter zwingt, auf „Allerweltsarten“ wie Bartagame oder Kornnatter zurückzugreifen, die natürlich rein zufällig im Ladengeschäft von Zajac regelmäßig angeboten werden. Im Artikel ist außerdem nachzulesen, dass Zajac selbst seit 35 Jahren keine Giftschlangen mehr verkauft. Da er also nicht selbst betroffen ist, fällt es ihm natürlich leicht, einen unfairen und unbegründeten Gesetzesentwurf als „vernünftig“ zu betiteln. Insbesondere, wenn er selber seine Finger in der Sache hatte, um seine eigenen Interessen zu vertreten.
Im Frühjahr 2013 sei die rot-grüne Arbeitsgruppe aus dem Düsseldorfer Landtag unter Führung des Duisburger MdL Frank Börner bei ihm in der Zoo-Handlung in Neumühl gewesen und habe vor Ort nach einer vierstündigen Führung mit Tierärzten, Biologen und sachkundigen Mitarbeitern seines Unternehmens über giftige und gefährliche Tiere gesprochen.
Aha. Man spricht mit einem Zoohandelsboss, der seit Jahrzehnten keine Giftschlangen verkauft hat über - wie sollte es auch anders sein - Giftschlangen. Das macht natürlich Sinn. So wird also Politik gemacht. Warum spricht man nicht mit sachkundigen Haltern und schaut sich die Bedingungen vor Ort in den Privathaushalten an? Zuviel Bürgernähe ist wohl auch nicht so gut.
„Der Pfeilgiftfrosch zum Beispiel ist nur dann so giftig, wenn er sich zuvor von giftigen Tieren ernährt hat. Füttert man ihn mit Fliegen, ist er so ungiftig wie ein Laubfrosch.“ Also sind künftig Pfeilgiftfrösche nur bei einer „Naturentnahme“ verboten, gezüchtete Tiere aber nicht.
Sehr richtig. Nur war Herr Zajac nicht der einzige, der die Entscheidungsträger auf solche Dinge aufmerksam gemacht hat. Ich maße mir jedenfalls deswegen nicht an, zu sagen:
„Das Gesetz ist vermutlich deshalb erträglich für den Tierhalter, weil ich daran mitgearbeitet habe.“
Ganz einfach aus dem Grund, dass es das nicht ist! Erträglich??? Meine Schwelle der Erträglichkeit ist jedenfalls demnächst überschritten…
Künftig müssen für deutlich mehr Tiere, die alle im neuen Gesetz aufgelistet sind, eine Sachkunde und eine ausbruchsichere Unterkunft vom Käufer nachgewiesen werden. Für Baby-Krokodile, Giftfische oder Schnappschildkröten.
Ich brech‘ zusammen…
Manche Giftfische sind zwar im zweiten Teil der unter Auflagen erlaubten Tierarten aufgeführt, jedoch sollen Baby-Krokodile, wie auch alle anderen Panzerechsen, in NRW komplett und ohne Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung verboten werden. Ein Terrarianer kann also noch so sachkundig sein und den Tieren ein regelrechtes „Fort Knox“ bieten, ein Baby-Krokodil wird er genauso wenig legal erwerben können, wie eine Schnappschildkröte. Denn Letztere sind bereits seit Jahren in ganz Deutschland verboten.
Etwa 500 Giftschlangen-Halter, so sagt Zajac, gebe es wohl in Deutschland.
Dann können diese 500 Personen, sollte diese sagen wir mal interessante Schätzung zutreffen, ja schon fast dankbar dafür sein, dass die Politik einen solchen Aufriss wegen einer solch kleinen Randgruppe veranstaltet. Würde sich die Obrigkeit doch nur bei anderen Minderheiten, beispielsweise bei einem Verbot der NPD oder der Gleichstellung der „Homo-Ehe“, im gleichen Maße den Arsch aufreißen. Vielleicht braucht die „Gefahrtierhalter-Szene“ ja nur ein paar V-Männer vom BND in den eigenen Reihen und schon sind alle Verbote vom Tisch.
Aber einer der größten Giftschlangen-Züchter und -Händler agiere ausgerechnet in Duisburg. Ein ehemaliger Mitarbeiter von ihm, von dem er aber nicht wisse, wo er wohne. „So einer wird seine giftigen Tiere niemals den Behörden melden.“
Mit dieser Diffamierung eines Ehemaligen zeigt Zajac, wie er zu (konkurrierenden) Privatzüchtern steht. Wie schon oben erläutert wird aufgrund solcher Aussagen deutlich, welche Interessen vertreten werden, wenn Handelsgrößen wie Norbert Zajac als hinzugezogene Experten in der Politik mitmischen. Da der Staat durch den privaten Handel schließlich auch Steuereinkünfte verliert, haben Entscheidungsträger und kommerzielle Großhändler wie Zajac schließlich auch denselben Feind. Da macht man sicherlich gerne mal ein Angebot, das man nicht ablehnen kann, denn am Ende geht es nicht um die öffentliche Sicherheit, sondern einzig und allein um hartes Geld und Wählerstimmen.

Kommentare:

  1. "Ich mache euch ein Angebot, das ihr nicht ablehnen könnt: Verbietet mit eurem neuen Gefahrtiergesetz die private Haltung von Tieren, die ich seit 35 Jahren eh nicht verkaufe und schaltet damit Teile meiner Konkurrenz aus, damit viele Leute bei mir ihre Wegwerftiere kaufen. Dann geben ich eurem Gesetzesentwurf meinen Segen und bezeichne ihn in den Medien als vernünftig und mit Augenmaß verfasst!"

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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