Sonntag, 19. Oktober 2014

Terrarientiere im Internet bestellen

Die Schlange im Sack kaufen?
Ein oftmals sehr kontrovers diskutiertes Thema ist die Frage, ob man Terrarientiere im Internet bestellen sollte oder nicht. Wie so oft gibt es auch bei diesem Thema viele unterschiedliche Meinungen und leider auch sehr viele Pauschalisierungen, insbesondere von Seiten der Gegner einer Bestellung von Tieren im Internet. Ein großes Gegenargument lautet, dass man die Tiere und die Haltungsbedingungen bei einer Bestellungen im Internet vorher nicht begutachten kann. Klar kauft man auf diesem Weg mitunter die Katze bzw. genauer gesagt die Schlange im Sack, aber bei vielen Internethändlern ist die Qualität so gut, dass das kein Problem ist.

Ein Beispiel: Mein erster Königspython, welchen ich im Zoofachhandel erwarb und der augenscheinlich einen gesunden Eindruck machte, verstarb noch vor Abgabe einer Kotprobe. Eine Sektion ergab einen Befall mit verschiedenen Parasiten. Meinen zweiten Königspython erwarb ich dann bei einem Züchter im Internet. Dieses wildfarbene Tier kostete inkl. Versand zwar einiges mehr, war jedoch gesund und machte mir in den Jahren der Haltung bisher keinerlei Probleme. Ich zahle also lieber höhere Preise für ein gesundes Nachzuchttier von einem Züchter mit Internetversand, anstatt ein krankes (wenn auch günstiges) Farmzucht- oder gar Wildfangtier aus dem Zoofachhandel um die Ecke zu erwerben. In Zoofachgeschäften sind die Tiere ja auch nicht immer in einer artgerechten Umgebung untergebracht, weswegen die Begutachtung der Haltungsbedingungen dort für den zukünftigen Halter wenig nützt. Die Tiere sind zudem vom Transport und Laufkundschaft häufig sehr gestresst und dadurch leider eben auch oftmals sehr krank. 

Auf Börsen sieht es da schon besser aus, zumal man dort die Tiere in der Regel von spezialisierten Züchtern erwirbt und somit auch eine bessere Fachberatung erhält, sofern die Anbieter sich dafür die Zeit nehmen. Im Internet bleibt die Beratung zwar meist aus, aber wenn man gezielt nach bestimmten Arten sucht und sich im Vorfeld ausführlich über die Pflege informiert hat, wird man im Internet meist recht schnell fündig und erhält je nach Anbieter auch eine sehr ordentliche Qualität. Problematisch sind allerdings Spontankäufe von Leuten, die sich vor dem Kauf nicht eingehend mit den Bedürfnissen der jeweiligen Tierart auseinandergesetzt haben. Hier sollten strengere Regelungen eingeführt werden, um solche Spontankäufe zu verhindern - beispielsweise ein verbindlicher Sachkundenachweis, der dem Händler während des Bestellvorgangs als Scan/Foto hochgeladen werden muss.

Ein weiteres (jedoch emotional behaftetes) Gegenargument lautet: „Die armen Tiere in dunklen Paketen mit der Post zu verschicken ist doch pervers!“ Mit solchen pauschalen Meinungen sollte man vorsichtig sein, denn Tierversand bedeutet nicht gleich Versand mit der Deutschen Post AG:

Wirbellose Tiere
Die Deutsche Post AG verbietet in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen den Versand von Wirbeltieren, erlaubt aber den Versand von Wirbellosen:
Von der Beförderung ausgeschlossen (Verbotsgüter) sind:
4. Sendungen, die lebende Tiere oder sterbliche Überreste von Menschen enthalten; ausgenommen sind Urnen (nur für Paket) sowie wirbellose Tiere wie Bienenköniginnen und Futterinsekten, sofern der Absender sämtliche Vorkehrungen trifft, die einen gefahrlosen, tiergerechten Transport ohne Sonderbehandlung sicherstellen

Dies gilt ebenfalls für den nationalen Expressversand. Wirbeltiere dürfen demnach gar nicht per Post verschickt werden. Die Angaben zu den Wirbellosen fasse ich als Beispiele auf. Demnach ist ein Versand von z.B. Vogelspinnen oder anderen wirbellosen Terrarientieren per Post erlaubt, sofern die Tiere tierschutzgerecht und ausbruchsicher verpackt sind. Gleiches gilt für Futtertiere wie z.B. Schaben. Letztlich trägt der Absender die Verantwortung und die Beseitigungskosten, wenn eine Postfiliale durch den Ausbruch aus einem nicht ausreichend sicher verschlossenen Paket von z.B. Periplaneta americana befallen wird.

Ich habe auch schon öfters wirbellose Tiere von Internetanbietern erhalten, die diese Tiere mal mehr mal weniger gut für den Transport gesichert hatten. Beispielsweise vorbildlich in Filmdosen oder Heimchendosen mit ausreichend Füllstoff (z.B. Küchenkrepp) gesichert oder eben leider auch in Heimchendosen voller Substrat, welches beim Transport natürlich ordentlich durchgeschüttelt wurde und die Tiere demnach bei der Ankunft entsprechend gestresst oder sogar beschädigt waren. Es kommt also hierbei auch auf den jeweiligen Anbieter an. Bewertungen im Internet auf unabhängigen Portalen können einem vor der Kaufentscheidung helfen. Einen Anbieter von Landkrabben, der laut Bewertungen auf solchen Portalen diese Tiere in Beuteln voller Wasser verschickt, würde ich z.B. meiden. Je nach Art und aktueller Witterung ist natürlich auch eine temperaturstabile Verpackung mit evtl. zusätzlichen Wärmemitteln anzuraten, die bei vielen Anbietern jedoch vom Kunden während des Bestellvorgangs separat hinzugebucht werden müssen. In diesem Fall liegt die Verantwortung für die lebendige Ankunft laut AGB der Anbieter dann meist beim Kunden (es lohnt sich also, diese zu lesen!). 

Wirbeltiere
Obwohl der Versand von Wirbeltieren per Post verboten ist, gibt es leider Anbieter (sowohl private als auch gewerbliche), die trotzdem Wirbeltiere per DHL-Express versenden. Ich habe dies und die damit verbundenen Verluste leider schweren Herzens auch schon erlebt, weswegen ich mich von diesen Anbietern inzwischen distanziere. Ein solcher Versand ist nicht nur seitens der Deutsche Post AG verboten sondern tierschutzrechtlich äußerst bedenklich. Denn selbst wenn man auf das Paket einen Vermerk „Vorsicht, lebende Tiere“ anbringt und es per Express verschickt, werden diese Pakete nicht anders behandelt als der Rest. Wer schon einmal die Abfertigung von Paketen bei der Post gesehen hat, käme nicht im Traum auf die Idee, Wirbeltiere auf diesem Weg zu versenden.

Für den tierschutzkonformen Versand von Wirbeltieren gibt es aber auch spezialisierte Versandunternehmen, bei denen der Transport aufgrund von regelmäßigen Schulungen der Zusteller reibungslos abläuft. Beispielsweise für Reptilien und Amphibien das Logistikunternehmen GO!, welches ich dank meiner positiven Erfahrungen ruhigen Gewissens für den Tierversand uneingeschränkt empfehlen kann. Seriöse Internetanbieter verschicken Wirbeltiere mit solchen Tierspeditionen. Diese kosten zwar etwas mehr, die Pakete werden jedoch tierschutzkonform abgearbeitet und temperaturstabil transportiert sowie umgeladen.

Ob das Tier nun kilometerweit mit dem eigenen Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Züchter nach Hause transportiert wird oder mit einer spezialisierten Tierspedition, macht meiner Ansicht nach keinen Unterschied. Eine dunkle und temperaturstabile Verpackung mit z.B. zerknülltem Zeitungspapier gibt den Tieren auf dem Transportweg Halt und das Gefühl des Verstecktseins. Überspitzt formuliert: Je dunkler und enger die Verpackung, desto geringer der Stress für das Tier. Da die Tiersendung im Falle von GO! in der Regel am späten Nachmittag beim Absender abgeholt wird und die Zustellung bereits früh am nächsten Tag erfolgt, ist der zugemutete Stress der Tiere sehr gering. Bisher hatte ich auf diesem Wege noch nie Ausfälle zu beklagen.

Der zukünftige Halter sollte die Tiere nach Ankunft mit Flüssigkeit versorgen (ich persönlich füge je nach Tierart auch noch eine Prise Kochsalz hinzu, um einen evtl. vorhandenen Mangel an Elektrolyten ebenfalls schnellstmöglich auszugleichen). Eine Fütterung erfolgt erst, sobald der Transportstress sich gelegt hat (je nach Tierart nach etwa 1-3 Tagen, bei Schlangen auch mal länger).

Fazit: 
Ob ein Kauf von Tieren im Internet nötig und ethisch vertretbar ist, entscheidet natürlich jeder Halter für sich selbst. Es kommt außerdem sehr stark auf den jeweiligen Händler an, ob dieser seine Wirbeltiere mit einer Tierspeditionen versendet oder den leichten, wenn auch im Falle von Wirbeltieren verbotenen Weg über die Deutsche Post AG geht. Auch die Art der Verpackung entscheidet im hohen Maße über die unbeschädigte Ankunft von Tieren jeder Art. Tierschutzrechtliche Bedenken bei einem Versand mit einem auf Tiertransporte spezialisierten Logistikunternehmen sind jedoch unbegründet. Ein Transport über Nacht in, von den Tieren als sicheres Versteck wahrgenommenen, engen und dunklen Verpackungen bedeutet für die verschickten Tiere weniger Stress, als manche Leute aus emotionalen und vermenschlichenden Beweggründen annehmen. 

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