Montag, 6. Oktober 2014

Nachbetrachtung: Terrarienbörse Hannover (05.10.2014)

Am gestrigen Sonntag fand in der Glashalle des Hannover Congress Centrums (HCC) erneut die Terrarienbörse Hannover statt, die ich auch dieses Mal wieder besuchte. Meine Erwartungen, dort die noch offenen Lücken in meinem Bestand schließen zu können, waren zwar nicht sehr groß. Trotzdem hatte ich die Hoffnung zumindest meine leidige Suche nach Chinesischen Rotbauchunken (Bombina orientalis) endlich zu beenden.

Der Einlass verlief wie gehabt sehr schnell und auch auf der Börse verteilten sich die Besucherströme dank der vergleichsweise breiten Gänge auf ein angenehmes Niveau. Das Börsenangebot war wie gewohnt ausgeglichen: Von Dekoration, Technik, Bodengrund, Pflanzen über Terrarien bis hin zu den Tieren war wieder alles dabei. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle einmal die große Auswahl an aktueller Fachliteratur, die auf der Terrarienbörse Hannover noch vor dem Einlass erworben werden kann. Somit können auch Leute dort Bücher kaufen, die das Börsengeschehen ansonsten nicht besuchen wollen, sondern die sich erst einmal vorab informieren möchten. Dies ist ein Vorteil gegenüber der Terraristika in Hamm, wo der Kauf von Fachbüchern erst nach dem Erwerb einer Eintrittskarte möglich ist. Die Terrarienbörse Hannover bietet damit auch den Leuten einen Mehrwert, die sich erst einmal nur Fachbücher über bestimmte Tierarten anschaffen möchten und ist im Vergleich zum konventionellen Buchhandel somit eine lohnenswerte Anlaufstelle.

Meine Suche nach Chinesischen Rotbauchunken fand tatsächlich dieses Mal endlich ihr Ende, entwickelte sich zum Abschluss jedoch zu einem regelrechten Treppenwitz. Am ersten Stand, der diese Tiere anbot, waren sie deutlich als Wildfänge gekennzeichnet. Insbesondere bei leicht zu züchtenden Arten sehe ich absolut keinen Grund darin, Wildfänge zu fördern und sah daher von einem Kauf ab. Besagter Anbieter hatte noch einige weitere interessante Arten im Sortiment, die größtenteils ebenfalls Wildfänge waren oder gar nicht deutlich als solche bzw. Nachzuchten deklariert waren. Angeboten wurde von diesem gewerblichen Anbieter sogar ein Brillenkaiman-Jungtier. Nun ist es so, dass die gewerbliche Haltung in Niedersachsen nicht verboten ist. Für die private Haltung besteht jedoch die Pflicht einer Genehmigung, da diese Art in der niedersächsischen Gefahrtierverordnung als gefährliches Tier eingestuft ist. Dass die Börsenordnung einerseits den Verkauf von giftigen Tieren untersagt, jedoch den Verkauf von Panzerechsen erlaubt, ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Es bleibt also im Nachhinein zu hoffen, dass besagter Anbieter das Tier (sofern es zu einem Verkauf kam) an jemanden mit einer behördlichen Sondergenehmigung (oder aus einem anderen Bundesland) verkauf hat.

Abgesehen davon boten noch zwei weitere Stände Nachzuchten der Chinesischen Rotbauchunke an. Beide gaben allerdings auf den Verkaufsbehältnissen an, dass diese Art keinem Schutzstatus unterliegen würde, was jedoch nicht der Wahrheit entspricht. Schon in Hamm war dies für mich ein Ausschlusskriterium gewesen, weil die jeweiligen Anbieter auch kein Deutsch sprachen. Dieses Mal sprach ich jedoch einen der Anbieter direkt darauf an. Er war regelrecht erstaunt darüber, dass Bombina orientalis geschützt ist (die Art steht im Anhang I der Bundesartenschutzverordnung und ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz als besonders geschützt eingestuft). Die erforderlichen Herkunftsnachweise hatte er jedoch dabei, weswegen einem Kauf nichts mehr im Wege stand. Im Grunde genommen also ein gewerblicher Anbieter, der die Tiere zwar legal mit den nötigen Papieren in den Verkauf brachte, jedoch über die Schutzbestimmungen nicht wirklich gut aufgeklärt war. Für uninformierte Käufer können solche Situationen böse Überraschungen bescheren. Abgesehen von den Kurzangaben über Temperatur, Nahrung und Herkunft auf dem Verkaufsetikett wurde mir keine ausführliche Haltungsbeschreibung ausgehändigt. Seit dem 01.08.2014 fordert das Tierschutzgesetz, dass gewerbliche Händler dem Käufer eines Wirbeltieres schriftliche Informationen über die wesentlichen Bedürfnisse aushändigen müssen (ich berichtete). Ob dies mit einem vierzeiligen Etikett erledigt ist, darüber lässt sich sicherlich streiten.

Ein ganz besonders großes Lob möchte ich in diesem Bezug an den Anbieter „The Pet Factory“ richten. Am Verkaufsstand dieses Anbieters wurden kostenlose Care-Sheets in Form von hochwertigen Flyern über Rosenkäfer, Hirschkäfer, Tausendfüßler und Gespenstschrecken ausgelegt. Diese Flyer enthalten neben ausführlichen Informationen über die Haltung auch Verweise auf weiterführende Literatur, mit der Kenntnisse vertieft werden können und sollen. Da es sich um wirbellose Tiere handelt, ist ein Infoblatt laut TierSchG eigentlich gar nicht erforderlich. Umso mehr überzeugen diese Flyer und sind ein äußerst lobenswertes Beispiel dafür, dass es auch gewerbliche Anbieter gibt, die den Respekt vor dem Tier nicht verloren haben und die ihre Einnahmen auch in hochwertige Infomaterialen investieren. Hoffentlich werden noch viele Flyer dieser Art für andere Tiere aus dem Sortiment von „The Pet Factory“ folgen. Bei mir haben sie jedenfalls gehörig Eindruck gemacht!

Ansonsten bot die Terrarienbörse Hannover das übliche Sortiment an Terrarientieren: Leopardgeckos in den verschiedensten Farbvarianten (jedoch leider keinerlei in der natürlichen Wildfarbe), Königspythons und Bartagamen ebenso wie Pfeilgiftfrösche und Jemenchamäleons. Ein Anbieter verkaufte nahezu ausgewachsene Kornnattern zum Schnäppchenpreis (10 Euro). Ich will hoffen, dass alle Tiere ein gutes Zuhause gefunden haben. An Wirbellosen fand man sehr viele Vogelspinnen, einige Gottesanbeterinnen, ein paar Gespenstschrecken und dank „The Pet Factory“ auch noch einiges an Käfern, Käferlarven, Schnecken, Tausendfüßlern, Skorpionen und Landkrabben. Mein persönliches Highlight (abgesehen vom Brillenkaiman-Baby) waren Nachzuchten von Krötenechsen. Und auch dieses Mal wurden im „Nebensortiment“ eines Händlers ein paar Fische verkauft.

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