Montag, 29. September 2014

Haltung gefährlicher Tiere: Bremen

In Bremen gilt seit Dezember 2012 die Polizeiverordnung über die öffentliche Sicherheit, welche u.a. die Haltung von gefährlichen Tieren regelt. § 1 (1) besagt:
Das nichtgewerbliche Halten von Tieren wildlebender Arten, die in der Anlage zu dieser Verordnung aufgeführt sind (gefährliche Tiere), ist außerhalb tier- und artenschutzrechtlich genehmigter Einrichtungen und Betriebe verboten. Tierhaltung im Sinne dieser Verordnung ist das Halten, Beherbergen und Beaufsichtigen von Tieren für sich selbst oder für Dritte.
In Bremen wird also mal wieder der leidige Unterschied gemacht zwischen einem Privathalter und einem gewerblichen Halter. Die gewerbliche Haltung von Gefahrtieren ist somit ohne weitere Einschränkungen möglich. Ob der gewerbliche Halter jedoch auch wirklich fundierte Fachkenntnisse über den Umgang mit z.B. Giftschlangen hat, interessiert die Behörden offensichtlich nicht (allgemeine Sachkunde nach § 11 TierSchG reicht aus), solange im Rahmen des Gewerbes Steuern gezahlt werden. Hier liegt meiner Meinung nach (wie auch in anderen Bundesländern) eine Diskriminierung der Privathalter und somit ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes vor.

Die in der besagten Anlage aufgeführten Gefahrtierarten verdienen ebenfalls Kritik. Die Liste wurde offenbar mit heißer Nadel ohne wirkliche Konsultation von Fachexperten gestrickt. So heißt es z.B.:
Von den Theraphosidae (Vogelspinnen):
Bombadierspinnen (neuweltliche Arten der Unterfamilien Theraphosinae und Aviculariinae); Poecilotheria sp.; Haplopelma lividum

Die Einstufung von Vogelspinnen als Gefahrtiere ist ohnehin schon kritisch zu betrachten. Jedoch in der Regel beißfaule Bombardierspinnen zu listen, ist ungeheuerlich! Vielleicht war einer der Autoren dieser Verordnung gedanklich ein wenig zu sehr mit der Terrorabwehr beschäftigt, als der Begriff „Bombardierspinnen“ auf den Tisch kam. Anders kann ich mir eine Listung dieser harmlosen Tiere nicht erklären.

Die Artenliste beispielsweise über Skolopender und Skorpione mit Nennung als „Gattungsname sp. regt ebenfalls zum Nachdenken an:
Scolopendra sp.: Alle Arten
Die Bezeichnung Scolopendra sp. besagt, dass eine nicht näher identifizierte Art aus der Gattung Scolopendra verboten ist. Wenn jedoch alle Arten gemeint sein sollen, müsste es wissenschaftlich korrekt Scolopendra spp. heißen. Ebenso bei den Skorpionen. Mit Buthus sp. wäre faktisch gesehen ein nachweislich als solcher bestimmter Buthus occitanus gar nicht gemeint und somit wäre die Haltung dieser Art sehr wohl erlaubt. Ansonsten müsste in der Anlage Buthus spp. aufgeführt sein, womit dann alle Arten gemeint wären. Da dies jedoch nicht der Fall ist, ist diese Verordnung im Grunde genommen überhaupt nicht rechtlich praktikabel. Ein Spielplatz für Juristen.

Zeitlich befristete Ausnahmen von dem Verbot sind durch die Ortspolizeibehörde möglich, wenn durch den Halter eine sichere Unterbringung der Tiere ohne Gefahr für Dritte gewährleistet wird, der Halter volljährig ist, die erforderliche Sachkunde und Zuverlässigkeit nachweisen kann, eine sachkundige Vertretung benannt wird und ein Notfallplan für die Erstversorgung im Falle eines Unfalls vorliegt.

Theoretisch eigentlich ganz vernünftige Ansätze. Da jedoch nicht davon auszugehen ist, dass jede Ortspolizeibehörde einen Experten für Gefahrtiere beschäftigt, bleibt ein gewisses Maß an Willkür. Wenn durch die Behörde sachkundige Experten zugezogen werden müssen, trägt die Kosten dafür der Halter. Solche Gutachten kosten mitunter mehrere Hundert bis weit über Tausend Euro. Den Notfallplan nachdem man heimtückisch von einer Vogelspinne bombardiert wurde, würde ich auch gerne mal sehen. Mehr als ein „Waschen Sie die betroffene Stelle mir Wasser ab“ dürfte dort eigentlich nicht draufstehen.

Die Anforderungen an die Zuverlässigkeit werden noch genauer beschrieben. Abgesprochen wird diese Personen, die
wegen einer vorsätzlichen Straftat gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit oder die persönliche Freiheit, wegen Raubes oder Erpressung, wegen einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, wegen Landfriedensbruchs, Widerstands gegen die Staatsgewalt, wegen einer gemeingefährlichen Straftat oder wegen einer der in § 100c Absatz 2 der Strafprozessordnung genannten weiteren Straftaten, mindestens zweimal wegen Straftaten, die unter dem Einfluss von Alkohol oder unter dem Einfluss von verbotenen Substanzen nach dem Betäubungsmittelgesetz begangen worden sind oder wegen einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz, dem Bundesjagdgesetz oder den Bestimmungen über den Artenschutz des Bundesnaturschutzgesetzes rechtskräftig verurteilt
worden sind. Was manche dieser Dinge mit der Tierhaltung zutun haben, erschließt sich mir nicht wirklich. Ferner heißt es:
Die Ortspolizeibehörde kann zum Nachweis der Zuverlässigkeit nach Absatz 2 Nummer 2 die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses verlangen.
Anders formuliert: Wer seine Tiere art- und sachgerecht halten möchte, jedoch bereits unter Alkoholeinfluss im Straßenverkehr aufgefallen ist (zwei Dinge, die im Grunde genommen absolut nicht miteinander zutun haben), hat eher schlechte Karten. Mal schauen wann diese leichtsinnigen Personen direkt nach der zweiten Auffälligkeit unter Alkoholeinfluss unfruchtbar gemacht werden. Schließlich haben sie ja dann auch nicht die erforderliche Zuverlässigkeit zur Pflege eines Kindes. Bereits gezeugte Kinder werden natürlich durch das Jugendamt beschlagnahmt...
(4) Die Kenntnisse und Fähigkeiten nach Absatz 2 Nummer 2 sollen durch einen Lehrgang, der von einer sachverständigen Stelle durchgeführt oder eine Prüfung, die vor einer sachverständigen Stelle abgelegt worden ist, nachgewiesen werden.
Welche Stellen als sachverständig anerkannt sind, bleibt leider offen.

Sehr heimtückisch ist auch der folgender Passus:
Die Anzahl der Tiere, für die eine Ausnahme nach Satz 1 erteilt wird, soll zehn nicht überschreiten, es sei denn, der Betroffene macht ein besonderes Bedürfnis geltend.
Warum zehn? Warum überhaupt eine pauschale Begrenzung? Kommt es nicht auf den Einzelfall an? Beispielsweise wie viel Platz der Halter hat, um welche Tierarten es sich handelt und wie viele sachkundige Personen diese Tiere betreuen? Mehr als zehn Bombardierspinnen überfordern nun wirklich keinen sachkundigen Halter und sind bei leidenschaftlichen Vogelspinnenhaltern schnell erreicht. Davon angesehen, was ist denn bitte ein „besonderes Bedürfnis“? Das Grundrecht auf freie Persönlichkeitsentfaltung nach Artikel 2 Grundgesetz sollte eigentlich „besonderes Bedürfnis“ genug sein!
(8) Die Vermehrung von gefährlichen Tieren ist verboten. Ausnahmen können von der Ortspolizeibehörde zugelassen werden, wenn die betroffene Person ein besonderes Interesse darlegt. Als besonderes Interesse gilt insbesondere ein wissenschaftlicher Zweck.
Bemühungen für den Arterhalt dürften ebenfalls als „besonderes Interesse“ gewertet werden. Jedoch muss auch hier wieder die Ausnahme von der Ausnahme beantragt und evtl. mit teuren Gutachten dargelegt werden.

Fazit:
Die Regelungen in Bremen in Bezug auf die Haltung von „Gefahrtieren“ sind miserabel durchdacht und voller wissenschaftlicher Mängel. Sie sind im Grunde genommen stellenweise rechtlich gar nicht ohne weitere Gerichtsentscheidungen anwendbar. Die Benennung der Polizei als zuständige Behörde ist für alle Seiten negativ zu werten. Die Halter geraten oftmals an nicht sachkundige Behörden und die Polizeibehörden sind selber bereits mit anderen Dingen ausgelastet. Außerdem wird den Haltern die Haltung und besonders die Zucht von zum Teil vollkommen harmlosen und somit grundlos gelisteten Tieren mit sehr strengen Auflagen und Einschränkungen im hohen Maß erschwert, was einem Verbot gleichkommt. Kurzum: Die Bremer Polizeiverordnung gehört eher zu den schlechteren Gefahrtierregelungen und sollte bei Überlegungen auf Bundesebene definitiv nicht als Vorbild dienen.

Sonntag, 28. September 2014

Fotoshooting bei den Leopardgeckos

Da will man mal seine freie Zeit am Sonntag nutzen und einfach mal ein schönes Foto vom Leopardgeckomännchen machen und was passiert? Die Damen der Schöpfung drängeln sich vor und verhunzen das Bild. *seufz*

Man beachte übrigens die Todesangst beim Anblick eines Menschen in den Augen dieser "nichtdomestizierten Wildtiere". ;-)

Samstag, 27. September 2014

"Die Papiere bitte!"

Foto: Nanosanchez
Eines schönen Tages begab sich meine bessere Hälfte in ein Zoofachgeschäft, welches ja laut Glauben der Tierrechtler eine wesentlich bessere Fachberatung liefert als die Anbieter auf Börsen. Der Grund des Besuchs war eigentlich der Erwerb von Futtertieren. Ihr müsst wissen, mein Schatz ist ein sehr aufgeschlossener Mensch. Er kam nebenbei mit dem Fachangestellten der Terraristikabteilung ins Gespräch, der gerade die Terrarien säuberte (die folgenden Gespräche sind aus dem Gedächtnisprotokoll wiedergegeben und somit keine Originalzitate):

„Hi! Na, schafft ihr Platz für neue Terrarien?“

„Nein, wir wollen die Terraristikabteilung abbauen, weil wir den Platz anders nutzen wollen. Die Tiere hier sind eher Ladenhüter. Das Jemenchamäleon z.B. will keiner kaufen. Das ist schon seit fast 2 Jahren im Laden. Die wollen alle nur kleine Babys, dabei sind die größeren nicht so anfällig.“

„Oh, das ist aber schade. Das Terrarium ist auch schon ziemlich klein für das Tier. Welches Geschlecht hat es denn?“

„Da sind wir uns nicht so sicher, aber meine Kollegin geht davon aus, dass es ein Weibchen ist.“

„Ich spreche mal mit meinem Partner. Vielleicht haben wir noch Platz.“


Als mein Schatz mir von diesem Gespräch berichtete, war ich erst sehr skeptisch. Normalerweise kaufe ich aufgrund schlechter Erfahrungen keine Tiere im Zoofachhandel. Außerdem sind gerade weibliche Jemenchamäleons so eine Sache. Unverpaarte Weibchen bekommen aufgrund von verklebten Follikeln gerne mal eine Legenot. Daher ist die Lebenserwartung bei Weibchen auch nicht sehr hoch und das besagte Tier somit evtl. schon jenseits seiner besten Tage. Aber ich war trotzdem aus Mitgefühl gegenüber diesem Tier bereit, mir das Chamäleon und insbesondere die Papiere zu diesem artgeschützten Tier einmal selber anzuschauen. Mein Partner rief in besagter Zoofachhandlung an und vereinbarte für diese Absichten einen Termin, an dem ich Zeit hatte und der besagte Mitarbeiter ebenfalls vor Ort sein sollte.

Vor Ort erschien mir das Tier sehr dünn und ausgemergelt. Ich erkannte am Kamm, dass es sich um ein Männchen handelte (schon einmal ein Pluspunkt). Der kürzlich abgegebene Kot sah optisch soweit in Ordnung aus. Und dann kam auch schon der Fachangestellte:

„Was kann ich für euch tun?“

„Es geht um das Chamäleon. Mein Freund hat mir erzählt, dass ihr es aus Platzgründen loswerden wollt.“

„Na ja, was heißt loswerden? Die Überlegung ist, dass wir es als Schauterrarium im Laden belassen.“

„Können wir uns denn mal die Papiere anschauen, wie vereinbart?“

„Die Papiere? Das ist schlecht. Das Tier gehört zwar der Firma, aber die Papiere sind bei einer Kollegin zuhause und die hat heute frei.“


*sprachlos*

„Welches Geschlecht hatte es doch gleich?“

„Das ist ein Männchen.“

„Das ist gut. Wäre es ein Weibchen gewesen, wäre das Interesse wohl auch nicht mehr da. Wegen Legenot und so.“

„Ja, davon habe ich auch schon gehört.“

„Ist es eine Nachzucht?“

„Ja, das ist eine deutsche Nachzucht.“

„Wäre es denn mal möglich, dass wir uns die Papiere demnächst mal anschauen können?“

„Natürlich. Ich sag’ der Kollegin Bescheid und dann könnt ihr die Papiere oder eine Kopie davon nächste Woche einsehen.“


Dieses Verkaufsgespräch ging uns den ganzen restlichen Tag nicht mehr aus dem Kopf. Was wäre gewesen, wenn ein Amtstierarzt die Haltung und die Papiere spontan hätte kontrollieren wollen. Zählt da die Ausrede, dass die Papiere gerade bei einer Kollegin zuhause liegen? Ein echter Knüller! Oder was wäre gewesen, wenn jemand das Tier direkt hätte kaufen wollen. Das wäre so, als würde ein Autohaus einen Neuwagen zum Festpreis mit kompletter Ausstattung zum Sofortkauf anbieten und dann sagen: „Sorry, die Fahrzeugpapiere haben wir aber gerade nicht da. Kommen Sie irgendwann mal wieder.“

Der nächste Besuch war ebenfalls sehr interessant. Mein Partner betrat den Laden, Terraristikmensch und Ladenchefin standen an der Kasse:

„Hallo zusammen!“

*Ladenchefin verschwindet mit den Worten „Ich bin dann mal weg.“*

„Hi! Einmal die Futtertiere?“

„Ja und die Frage, ob das mit den Papieren geklappt hat.“

„Die müssen irgendwo hier im Laden sein. Vielleicht haben wir die auch zerrissen. Das Chamäleon soll ja vielleicht als Schautier im Laden bleiben.“


Damit war die Sache dann endgültig erledigt. Bezeichnend ist, dass das Tier weiterhin mit einem Preisschild zum Verkauf angeboten wird. Damit verstößt der besagte Laden nicht nur theoretisch gegen den Artenschutz, da er die legale Herkunft des Chamäleons nicht (mehr) nachweisen kann. Aber wo kein Kläger, da eben auch kein Richter. Ich finde es allerdings sehr ironisch, dass ich die Papiere unserer nachweispflichtigen Arten fein säuberlich abgeheftet und mir mein Wissen über die Richtlinien selbst angeeignet habe, Zoofachgeschäfte hingegen, die eigentlich Ahnung von der Gesetzeslage haben und diese kompetent weitergeben sollten, offenbar mit so einem Scheiß durchkommen und von den meisten Leuten auch noch als seriöser angesehen werden als Anbieter auf Börsen, die ihre Tiere kurzzeitig mal in kleinen Plastikboxen transportieren und anbieten, sie aber nicht dauerhaft in einem Ladengeschäft mit Menschentrubel in viel zu kleinen Verkaufsterrarien halten. Man sieht halt nur das, was man sehen will.

Noch ein abschließender Hinweis:
Jemenchamäleons sind nach Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens geschützt und damit meldepflichtig, daher muss beim Kauf der Herkunftsnachweis ausgehändigt werden! Entweder amtliche Cites-Papiere, wenn es ein Importtier ist oder ein formlos ausgestellter Herkunftsnachweis des Züchters, der alle erforderlichen Angaben (Anschrift, Elterntiere etc.) enthält, um das Tier als deutsche Nachzucht zu deklarieren. Wer sich auf einen Kauf ohne Papiere einlässt oder dem Verkäufer vertraut, dass er diese nach dem Kauf noch zuschicken wird, ist mit dem Klammerbeutel gepudert.

Freitag, 26. September 2014

Verantwortungsvolle Tierfreunde halten keine „Exoten“, weil…

Wenn ich bei Google das Wort „Exoten“ eingebe, lande ich nach einem Klick auf die erste gefundene Seite auf der Website des Deutschen Tierschutzbundes e.V., auf der nicht wirklich fachlich über sogenannte „Exoten“ als solche aufgeklärt, sondern die Haltung dieser Tiere und der Handel mit ihnen verzerrt dargestellt wird.

Einige Aussagen auf der besagten Seite lassen mich nach einem Biss in die Tischplatte erneut am Sachverstand dieser Organisation zweifeln. Beispielswiese wird in der Einleitung pauschal die Aussage getätigt, dass die nach der Definition des Vereins gemeinten Exoten (also nicht domestizierte Wildtiere, die nicht in Deutschland heimisch sind) nicht an das Zusammenleben mit dem Menschen gewöhnt und daher für die Haltung als Heimtier ungeeignet seien. Wenn ich meinen eigenen Bestand mal so anschaue, muss ich hingegen feststellen, dass diverse Tiere mir gegenüber ein gänzlich anderes Verhalten zeigen. Warum kommen Wasseragame, Bartagame, Leopardgecko, Viperngecko, Namibgecko, Kronengecko, Taggecko, Pfeilgiftfrosch, Strumpfbandnatter, Hausschlange, Dreiecksnatter und Wasserschildkröte „freudig“ in meine Richtung gelaufen, gekrochen bzw. geschwommen, wenn sie doch eigentlich nicht an mich als Vertreter der Art Homo sapiens gewöhnt sind und daher doch normalerweise ängstlich die Flucht ergreifen sollten? Nein, das ist kein suizidales Verhalten, mit dem die Tiere aus ihrer ach so qualvollen Gefangenschaft entfliehen wollen. Die Antwort ist denkbar simpel: Diese Tiere gewöhnen sich an den Menschen und lernen, dass das Erscheinen eines solchen nicht nur keine Gefahr darstellt, sondern vielleicht sogar positive Effekte (Futter) mit sich bringt. 
 

Diese Tiere sind also entgegen der Behauptung des Tierschutzbundes sehr wohl an ein Leben mit dem Menschen gewöhnt. Selbst manche Wildtiere in freier Natur suchen gezielt die Nähe des Menschen. Von Hausspinnen über Tauben, Krähen, Möwen bis hin zu Waschbären, Eichhörnchen und Co.

Angenommen ich würde meine Wasserschildkröte in ihrem natürlichen Lebensraum auswildern. Sie würde auch dort das Erscheinen eines großen Säugetieres mit Futter verbinden und direkt in die Klauen eines potentiellen Fressfeindes schwimmen. Leidet dieses Wildtier also in Gefangenschaft, sofern diese ihre Bedürfnisse erfüllt? Wohl eher nicht. Man möge außerdem bitte den feinen Unterschied erkennen zwischen einem wildgefangenen Wildtier und einem in menschlicher Obhut geborenen und aufgezogenen Wildtier. 

Der Text auf der Website des Tierschutzbundes geht natürlich noch weiter ins Detail und nennt Gründe, weswegen verantwortungsbewusste Tierfreunde keine „Exoten“ auf Börsen, im Internet oder im Zoofachhandel kaufen sollten:
Wildtiere, die der Natur entnommen wurden, sind für die Haltung in Gefangenschaft völlig ungeeignet. Fang, Transport und Aufenthalte bei Groß- und Zwischenhändlern bedeuten großen Stress für die Tiere. Meist leiden sie unter Parasitenbefall, Krankheiten, Abmagerung und Austrocknung. Zudem wird der Artenschwund gefördert.
Quelle: www.tierschutzbund.de/exoten.html

In diesem Punkt stimme ich dem Verein sogar ein wenig zu. In meinem Bestand befanden sich bisher insgesamt fünf verschiedene Wildfänge. Von zwei Agakröten, einer Bändernatter, einem Tokeh und einer Ägyptischen Blaukehlagame verstarben in der Tat die Bändernatter und eine Agakröte (übrigens beide vom selben Händler) frühzeitig. Die anderen Wildfänge gewöhnten sich jedoch schnell an die Gefangenschaft, waren allerdings (abgesehen von der Agakröte) am Anfang auch nicht ganz unproblematisch. Daher sollten nur fortgeschrittene Terrarianer solche Tiere aufnehmen. Dass wildgefangene Tiere jedoch völlig ungeeignet sind, ist eine pauschale Aussage, die meiner Meinung nach nicht zutrifft. Im Falle der Agakröte und einiger anderer Arten, die mancherorts sogar als Plage auftreten oder im großen Stil für Medizin oder Nahrung gejagt werden, ist das Argument des Artenschwundes zudem äußerst unverhältnismäßig. Das der Großteil der in Terrarien gehaltenenen Tiere aus Nachzuchten stammt, die diese Arten somit erhalten, wird auch gerne verschwiegen. Jeder kann oben in den Seiten dieses Blogs einen Blick auf meinen eigenen Bestand werfen. Ich verschweige weder die wenigen Ausfälle von Wildfängen noch die diversen Tiere, die aus Nachzuchten stammen und die sich seit Jahren bester Gesundheit erfreuen.
Die Haltung von Reptilien, wie zum Beispiel Echsen, setzt detaillierte Spezialkenntnisse voraus. Viele von ihnen erreichen ungeahnte Endgrößen. So wird eine niedlich kleine junge Wasserschildkröte oft suppentellergroß, ein Grüner Leguan bis zu zwei Meter lang. Außerdem werden viele Reptilien mehrere Jahrzehnte alt - Schildkröten z. T. sogar bis zu 80 Jahre.
Das sind alles keine Argumente dafür, dass ein verantwortungsbewusster Tierfreund diese Tiere nicht erwerben sollte. Denn ein solcher wird sich die Spezialkenntnisse aneignen, den Tieren den erforderlichen Platz bieten und im besten Fall auch für die Betreuung nach seinem eigenen Ableben sorgen. Mit diesen Argumenten könnte man auch alle anderen Haustiere ausreden, da jedes seine eigenen Bedürfnisse hat, einen gewissen Platz benötigt und sein ganzes Leben lang artgerecht gehalten werden muss (laufende Kosten inklusive). Diese Argumente sind also hinfällig bzw. sind kein exklusives Ausschlusskriterium für die Haltung von nichtdomestizierten Wildtieren.
Die Haltung von Schlangen ist schon allein wegen ihrer Futteransprüche aus Tierschutzsicht abzulehnen. Schlangen sind Fleischfresser und brauchen komplette Futtertiere (Mäuse, Ratten, Kleinnager) als Nahrung. Sowohl die Lebendfütterung, als auch die Fütterung mit frisch toten Futtertieren oder Frostfutter birgt erhebliche Tierschutzprobleme.
Ich selber praktiziere die Lebendverfütterung von Wirbeltieren nicht und werde sie auch zukünftig nicht durchführen, solange sie aufgrund von Futterproblemen nicht notwendig sein sollte. Dabei geht es mir jedoch primär darum, dass meine Schlangen nicht verletzt werden. Das Verfüttern von Frostfutter kann nur dahingehend vom Tierschutzbund verurteilt werden, dass die Zucht der Nager angeprangert wird oder dass emotional jedes getötete Tier zu Nahrungszwecken kritisch betrachtet wird. Dabei liegt in solchen Fällen ein wichtiger Grund für die Tötung eines Tieres nach § 1 TierSchG vor. Von Tierschutzproblemen kann also grundsätzlich erst einmal keine Rede sein. Womit werden eigentlich Katzen oder Hunde ernährt? Im Falle einer artgerechten Ernährung ebenfalls mit Fleisch. Und woher kommt das Fleisch? Größtenteils aus der Massentierhaltung. Dass manche Leute ihre Hunde aufgrund dieser Zwickmühle vegan ernähren (solange dieser davon keine Allergien bekommen) ist mir unerklärlich, wo es doch diverse Alternativen gäbe. Wie wäre es z.B. mit einer 100 % vegan lebenden Landschildkröte?

Auf die Tierheim-Umfrage und die dubiose Hochrechnung des Tierschutzbundes bin ich ja bereits hier ausführlich eingegangen, weswegen ich mich dazu an dieser Stelle nicht erneut auslasse.
Es geht bei unserer Position weder darum, jedwede Tierhaltung in Privathand zu untersagen, noch das Engagement vieler tierbegeisterter Menschen in Frage zu stellen.
Herzlichen Dank! Wobei… da kommt doch jetzt bestimmt noch ein „aber…“ hinterher.
Allerdings ist damit nicht zu rechtfertigen, dass die übergroße Mehrheit der Privatbesitzer von Tieren exotischer Natur mit ihren Pfleglingen nicht zurechtkommt, und die Tiere dementsprechend Leiden und Schäden erfahren.
Jedem seine Meinung. Dann aber bitte auch so konsequent, dass man nicht nur eine Randgruppe von Tierhaltern herauspickt, gegenüber der die Bevölkerung ohnehin schon gewisse Vorbehalte hat, und deren Probleme kritisiert, sondern dann bitte auch mal vor der eigenen Türe kehren: Domestizierte Tiere wie Hunde, Katzen oder Pferde sind in Tierheimen, im Sinne der Faunenverfälschung, aufgrund von überforderten Haltern oder wegen ihres Gefahrenpotentials nun einmal sehr viel problematischer als die meisten nichtdomestizierten Wildtiere, die in Terrarien gehalten werden. Dies wird durch diverse unabhängige Studien, Unfallstatistiken, Gutachten, Pressemeldungen und Fachberichte belegt. Mir wäre ein radikaler Verein, der konsequent jede Art von Tierhaltung ablehnt, eigentlich sogar wesentlich lieber als ein von Doppelmoral triefender Club, der sich in seiner Feigheit z.B. nicht mit der Hundelobby anlegen will, jedoch feuchte Träume beim Gedanken an ein Verbot der Wildtierhaltung bekommt. Der Deutsche Tierschutzbund, PETA, Vier Pfoten und Co. schenken sich in dieser Unglaubwürdigkeit meiner Meinung nach jedenfalls rein gar nichts. 

Weitere Anmerkungen zur Grundsatzposition des Deutschen Tierschutzbundes über die Haltung von sogenannten Exoten in Privathaushalten findet ihr hier im Blog.

Donnerstag, 25. September 2014

Hilfe für das idea DschungelParadies Neuenmarkt

Das idea DschungelParadies Neuenmarkt (im oberfränkischen Landkreis Kulmbach) steht vor dem Aus! Aufgrund von Baumängeln sind in den letzten Jahren massive Schäden am Dach des Tropenhauses entstanden, die eine ordentliche Beheizung auf die für die in dem Haus gehaltenen Tierarten kaum noch ermöglichen. Das Bayrische Fernsehen berichtete bereits im August darüber: Baumängel - Aus für Dschungelparadies Neuenmarkt

Die exotischen Tiere sollen nun in gute Hände abgegeben werden. Die Betreiberfamilie hat jedoch die Hoffnung, dass noch ein Sponsor einspringt und das DschungelParadies gerettet werden kann. Auf der Website des DschungelParadieses findet sich der Link zu einer Spendenkampagne auf betterplace.org: Hilfe für das idea DschungelParadies Neuenmarkt


Dort wird leider deutlich, dass die Betreiber an sich schon aufgegeben haben und das Tropenhaus zukünftig z.B. als Pflegestelle für Windhunde genutzt werden soll. Es ist sehr bezeichnend, dass bereits 78 % für das Pflegenest aufgebracht wurden, für die Sanierung des Daches jedoch noch keine Spende getätigt wurde. Wer helfen möchte, kann über dieses Portal spenden. Dies sollten insbesondere die Teilnehmer meiner Tierschutzumfrage tun, die sich ja so sehr damit gebrüstet haben, jedes nur erdenkliche Tierschutzprojekt zu unterstützen. 

In diesem Fall wäre ein Verbleib der Tiere in ihrem angestammten Zuhause sicherlich das Beste. Dafür wäre jedoch eine Spende in Höhe von 250.000 Euro nötig. Zumindest etwa 100.000 Euro würden das DschungelParadies über den kommenden Winter bringen. Mit einer großzügigen Unterstützung von PETA und Co. wird man hierbei wohl leider mal wieder eher nicht rechnen können, daher erreicht diese Meldung vielleicht doch noch einen gütigen Sponsor, der den Traum der Familie und die artgerechte Tierhaltung in dem Tropenhaus vor dem endgültigen Aus bewahrt.

Wer also nicht spenden kann oder möchte, sollte trotzdem diese Meldung verbreiten, damit sie vielleicht doch noch einen solventen Gönner erreicht. Danke!

Donnerstag, 18. September 2014

Erneut Salmonellenfunde auf der Terraristika

Bereits im Dezember 2012 veröffentlichte die Tierrechtsorganisation PETA die Ergebnisse einer Salmonellen-Untersuchung von Proben, welche auf einem Kinderflohmarkt genommen wurden, der einen Tag nach der Terraristika in den Zentralhallen Hamm stattfand. Da dort Salmonellen gefunden wurden, begründete PETA damit erneut ihre Verbotsforderung von Reptilienbörsen, weil von diesen aufgrund der gefundenen Erreger auch noch an den Folgetagen eine große Gefahr ausgehen würde. Da ich auch mit den negativen Aspekten der Terraristik offensiv umgehen möchte, stellte ich mir selbstkritisch die Frage, ob an dieser Sache nicht vielleicht wirklich etwas dran sein könnte. Wobei ich jedoch skeptisch war, da ich in all den Jahren, in denen ich mich schon mit Terraristik befasse, keinen einzigen Fall erlebt habe, bei dem ein Besucher der Terraristika oder einer anderen Reptilienbörse eine Salmonellose gemeldet hatte. Und dies trotz der teilweise etwas unhygienischen Situationen vor Ort (Handling von Tieren ohne nachtägliche Desinfizierung der Hände, auf dem Boden hockende Börsenbesucher, die Bratwürstchen essen oder sogar Börsenanbieter, die neben dem Verkauf von Tieren regelmäßig mal ins Butterbrot beißen). Bei meinem Besuch der Herbst-Terraristika im September 2014 nahm ich also neben der obligatorischen Styroporbox und einigen Geldscheinen auch noch ein paar Tupfer und eine kleinere Styroporbox mit Kühlmitteln mit. Salmonellenproben sollten nämlich nicht unnötig erwärmt werden, um die Erregerzahl nicht zu verfälschen.

Die Proben wurden vor und in den Zentralhallen an diversen Orten möglichst heimlich genommen. Im Vorfeld war ich mir unsicher, ob ich den Börsenbetreiber über meine Aktion informieren sollte oder nicht. Da ich das Risiko nicht eingehen wollte, ein Hausverbot zu kassieren (schließlich hatte ich ja auch ganz normale Kaufabsichten), entschied ich mich für eine verdeckte Operation. Ich wollte allerdings nicht nur Proben auf der Terraristika nehmen, sondern auch in einem „unbefleckten“ Umfeld. Daher nahm ich jeweils eine Vergleichsprobe vor den Zentralhallen, eine in meiner Wohnung und eine in den Bahnhofstoiletten des Hammer Bahnhofs. An jeder Location wurde eine Tupferprobe genommen, welche wiederum an drei verschiedenen Stellen abgestrichen wurde. In der Haupthalle also an drei verschiedenen Stellen, ebenso im Zelt, der Tribünenhalle und auf den (Herren-)Toiletten z.B. am Türgriff, der Klobrille und dem Wasserhahn (am hygienischsten Ort natürlich angefangen… man steckt ja Tieren einen Tupfer auch nicht erst in die Kloake und dann ins Maul…). Insgesamt wurden neun Tupferproben genommen und zusammen mit einem ungenutzten Tupfer als Blindprobe verdeckt in ein unabhängiges Institut für Tiergesundheit geschickt.

 
Es wurden demnach lediglich Salmonellen in den Proben A2, B1 und C2 festgestellt. Bei Probe C2 sogar zwei verschiedene Salmonellenstämme. Die Belastung war gering bis mittelgradig (ebenfalls C2). Hinter der Verschlüsselung verbergen sich die folgenden Orte:

Probe A2 wurde auf der Terraristika in der Haupthalle genommen.
Probe B1 wurde auf der Bahnhofstoilette von Hamm genommen.
Probe C2 wurde auf der Terraristika im Herren-WC genommen.
Alle anderen Proben von der Terraristika waren frei von Salmonellen.

Im Grunde genommen macht es also prinzipiell keinen Unterschied, ob man die Terraristika in Hamm oder eine öffentliche Toilette besucht. Es ist allerdings schon interessant, dass die auffälligsten Ergebnisse auf der Terraristika ebenfalls in den sanitären Räumlichkeiten ermittelt wurden. Es bleibt bei diesen Ergebnissen zwar Spekulation, ob der gefundene Salmonellen-Typ-II in den Toiletten der Zentralhallen am Tag der Terraristika überhaupt in einem Zusammenhang mit den dort anwesenden Tieren stand oder nicht. PETA konnte diese Frage 2012 allerdings genauso wenig beantworten. Ob die damals gefundenen Keime auf dem Kinderflohmarkt tatsächlich auf die zuvor in der Halle angebotenen Reptilien zurückgeführt werden konnten, blieb letztlich ungeklärt.

Also liebe PETA, setzt doch mal wieder eine eurer Pseudo-Spammail-„Petitionen“ auf. Dieses Mal an die Betreiber von öffentlichen Toiletten. Oder für den nächsten PR-Gag ein Tipp von mir: Verkleidet euch als freundliche, vegane Scheißköttel, setzt euch vor ein Bahnhofsklo und fordert ein Verbot dieser Salmonellenschleudern.

Montag, 15. September 2014

Exotische Tiere sind für Tierheim Essen ein finanzielles Problem...?

Schon wieder ein Negativbericht über die Exotenhaltung in der WAZ, die allmählich zur Bibel der Tierrechtsideologie wird. Dieses Mal geht es um die Exotenproblematik im Tierheim Essen: Exotische Tiere sind für Tierheim Essen ein finanzielles Problem

Dieser Artikel passt mal wieder perfekt in die Forderung diverser Vereine nach einem Verbot der Haltung von sogenannten „Exoten“. Aber wie so oft ist die Berichterstattung mal wieder äußerst einseitig und verschweigt offenbar bewusst einige Hintergründe. Diese gilt es hier darzustellen:

Ob Bartagame, Schnappschildkröte oder Vogelspinne. Exotische Tiere verursachen dem Albert-Schweitzer-Tierheim in Essen erhebliche Kosten. 250 Euro sind allein für eine der speziellen UV-Lampen fällig. Und die Tiere sind alles andere als leicht zu vermitteln.
Bei dieser Einleitung frage ich mich ein wenig, was für Lampen das Tierheim da eigentlich verwendet. Gute Lampen mit Wärmestrahlung, UV-Anteil und Vorschaltgerät kosten so um die 100 bis höchstens 150 Euro. Hier könnte das Tierheim Gelder sparen, wenn es sich mit fachkundigen Terrarianern in Verbindung setzen würde.

Interessant und ebenso scheinheilig ist auch die Erwähnung von Schnappschildkröten im Aufreißer des Artikels. Die Haltung dieser Tiere ist schon seit 1999 verboten. Damals standen viele Halter, die ihre Tiere nicht bei den Behörden angemeldet hatten, vor dem Problem, was sie mit ihren Tieren anstellen sollten, nachdem die Haltung plötzlich illegalisiert wurde, ganz gleich ob sie sicher und artgerecht war oder nicht. Erst durch das Verbot wurden diese Tiere vermehrt ausgesetzt und später gefunden (wenn überhaupt, „Lotti“ lässt grüßen) oder direkt in Tierheimen bzw. Auffangstationen abgegeben. An diesem Beispiel erkennt man, wohin uns grundsätzliche Verbote der Haltung führen würden und das geprüfte Sachkunde und Meldepflicht bestimmter Tierarten der wesentlich bessere Weg wäre, da die Tiere dann bei ihren Haltern verbleiben könnten.

Es war ein lauwarmer Sommerabend, als im Essener Tierheim ein hörbar besorgter Gartenlauben-Besitzer anrief: „Da sitzt ein Drache auf meinem Dach“, war sich der Mann sicher. Und hatte fast Recht, es war ein Leguan […]
Unfassbar was für lächerliche Aussagen in den Medien gemacht werden. Welcher geistig nicht vollkommen umnachtete Mensch glaubt heutzutage noch an die physische Existenz von Drachen? Noch lächerlicher ist jedoch die WAZ, die eine solche Aussage auch noch als „fast“ richtig betitelt. Ich glaube ich rufe auch mal bei der Polizei an und sage, dass ich beim Blick aus dem Fenster Horden von Zombies sehe, die womöglich die Weltherrschaft übernehmen wollen. Schließlich habe ich in Anbetracht der Engstirnigkeit vieler Menschen unserer Gesellschaft damit ebenfalls „fast Recht“.
„Das Tier maß einen Meter fünfzig“, erinnert sich Bärbel Thomassen, Leiterin des Albert-Schweitzer-Tierheims. Ihr Team rückte aus und fing die Echse. Verletzt wurde bei der Aktion niemand. Anders als bei der Zwergklapperschlange, die vor kurzem einen Halter in Duisburg biss und ins Krankenhaus brachte.
Hier wird ordentlich vermischt. Wenn ein Halter von seinem eigenen Tier gebissen wird, dann ist das sein persönliches Pech. Hin und wieder fällt auch mal ein Mensch eine Treppe herunter oder wird von einem Sektkorken in die Fresse getroffen. Shit happens. Das hat mit einem ruhigen Leguan, der sich ohne Widerstand gegen die Staatsgewalt einfangen lässt, jedoch mal so gar nichts zu tun. Ich erinnere an diverse Hundebisse, die ebenfalls „kürzlich“ die Medien beherrschten. Dort wurden sogar unbeteiligte Personen verletzt. Von Exoten… mal schnell nachrechnen… 0 Unbeteiligte! Die Erwähnung des Klapperschlangenvorfalls dient also erneut nur der Panikmache und steht in keinem Verhältnis zu anderen Gefahren.
„Als ich vor acht Jahren anfing, waren unsere größten Exoten zwei Wasserschildkröten.“ Heute tummeln sich zwölf ungewöhnliche Tiere in den Käfigen an der Grillostraße – und verursachen ein echtes Kostenproblem.
Vielleicht sollte das Tierheim die Reptilien einfach mal in Terrarien, statt in Käfigen unterbringen. Dann sind die Stromkosten auch nicht so hoch. Ist es wirklich ein dermaßen dramatischer Anstieg, der einen Bericht in der WAZ erfordert, wenn im Zeitraum von 2006 bis 2014 ein Zuwachs von gerade einmal 10 exotischen Tieren zu verbuchen ist? Ich glaube eher nicht. Nach aktueller Bestandsliste des Tierheims befinden sich am heutigen 15.09.2014 nur noch 11 „Exoten“ im Tierheim (3 Bartagamen, 3 Schlangen, 3 Wasserschildkröten, 2 Vogelspinnen). Für Katzen hat das Tierheim übrigens einen Aufnahmestopp beschlossen, da es inzwischen über 200 Katzen beherbergt. Dazu gesellen sich 75 Hunde, 69 Vögel und 43 Kleinsäuger. Darunter 20 Mäuse und 11 Ratten, für die man sich den Pflegeaufwand eigentlich sparen könnte, indem man sie einfach den Schlangen verfüttert. Dies würde die Kosten für die Pflege der Nager senken und auch die Kosten der Futterbeschaffung für die Schlangen. Aber offenbar befindet sich das Tierheim mal wieder in einem Interessenkonflikt und stuft das Leben der abgegebenen Farbmäuse und Liebhaberratten höher ein als das der gekauften Futtertiere. Dann darf man sich aber nicht über die Kosten beschweren, wenn man sich selbst solche moralischen Hürden baut. Immerhin erkennt das Tierheim dies sogar selbst:
„Wir kämen sonst auch in einen moralischen Zwiespalt. Einerseits päppeln wir Mäuse auf, anderseits halten wir Tiere, die diese verspeisen.“
Ich finde die Verfütterung von käuflich erworbenem Frostfutter auch besser, da sich die Schlangen dabei keine Verletzungen zuziehen können. Das wäre eine für mich akzeptable Begründung gewesen, aber nicht das Vorhandensein eines moralischen Zwiespaltes. Denn Katzen würden die aufgepäppelten Mäuse, Ratten und Vögel sicherlich auch als Beute betrachten. Aber weiter im Text...
Drei Bartagamen, drei Kornnattern, zwei Vogelspinnen und vier Wasserschildkröten sind dort momentan untergebracht: „Und damit ist der Raum auch voll.“
Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Das Tierheim ist voll mit domestizierten Tieren. Zur besseren Verdeutlichung die Verhältnisse bildlich dargestellt:


Eben weil so dermaßen viele klassische Haustiere in dem Tierheim sind, kann nicht mehr Platz für Terrarien geschaffen werden. Aber dieses Problem haben dann doch nicht die Besitzer sogenannter „Exoten“ zu verschulden. Anstatt sich über diese zu beklagen, sollte das Tierheim sich über die Katzenpopulation beschweren und damit an die Öffentlichkeit treten. Die Versorgung von 200 Katzen erscheint mir auch ein wenig anstrengender als die Versorgung der genannten Reptilien. Ich pflege mit meinem Partner einen Bestand, der den Exotenbestand des Essener Tierheims bei weitem übersteigt. Den Tieren geht es gut und sie haben ausreichend Platz. Daher kann ich nicht begreifen, wie 11 „Exoten“ für ein Tierheim ein so großes Problem sein können, während die restlichen 97 % an mehr oder weniger klassischen Hausieren unter den Tisch fallen.

„Es ist eben nicht nur: Tier kommt und Tier wird wieder abgeholt“, erklärt Thomassen. So muss bei den Exoten erst einmal die Tierart bestimmt werden. Steht das Tier unter Artenschutz muss dann die Untere Landschaftsbehörde hinzugezogen werden; ist es gefährlich für die Mitarbeiter?
Gibt es in Essen eigentlich keine Terrarianer, an die sich das Tierheim wenden könnte? Ich selber habe unserem örtlichen Tierheim jedenfalls schon vor Wochen meine Hilfe angeboten, im Falle eines Exotenfalles das Tier aufzunehmen oder anderweitig zu helfen. Dieses Angebot wurde dankend angenommen, es würden jedoch nur sehr selten solche Tiere aufgenommen. Gut Hameln ist sicherlich nicht mit Essen zu vergleichen, aber vom Prinzip her ist es dasselbe. Der behördliche Aufwand könnte stark verringert werden, wenn sich das Tierheim mit engagierten und versierten Haltern vernetzen würde.
„Wird eine Bartagame aus dem Terrarium auf die Hand genommen, denkt sie ein Greifvogel würde sie gerade packen. Das ist für die Tiere ein unglaublicher Stressfaktor.“
Wenn eine Bartagame auf diese Art aufgenommen wird, mag das zutreffen. Jedoch ist das bei den im Tierheim gepflegten Mäusen, Ratten etc. nicht anders. Daher weiß jeder sachkundige Halter, dass man Bartagamen hochnimmt, indem man die Hand unter das Tier schiebt. Und wer jetzt gleich mit Schaum vorm Mund jedes Handling von Terrarientieren verteufelt: Meine Bartagamen springen sogar von selbst auf den Arm, wenn sie es nicht erwarten können, dass es Futter gibt. Von Stress bei der Interaktion zwischen Tier und Mensch also keine Spur. Empathie und Sachkunde natürlich vorausgesetzt.
Frischfutter, klein geschnitten, kostet das Tierheim mit 15 Euro am Tag genauso viel wie ein großer Hund. [...]„Im Schnitt bleiben sie bei uns 92 Tage.“ Zum Vergleich: Einen Hund findet nach rund 60 Tagen ein neues Herrchen, bei einer Katze sind es 62.“
Für alle im Tierheim befindlichen Exoten 15 Euro am Tag? Sehr bedauerlich, dass das Tierheim in so großen finanziellen Nöten steckt, dass dieser geringe Betrag nur schwer aufgebracht werden kann. Aber Momentchen mal... das Tierheim betreut derzeit 75 Hunde! Da Welpen und kleine Hunde für die Mietswohnung grundsätzlich eher vermittelt werden und das Tierheim selber auf der eigenen Website aktuell nur 3 kleine Hunde im Bestand angibt, macht das 72 Hunde x 15 Euro = 1.080 Euro pro Tag nur für die „großen Hunde“. Und dann sollen 15 Euro für die „Exoten“ ein Problem sein? Während also 11 Exoten das Tierheim für die Dauer des durchschnittlichen Aufenthaltes insgesamt 1.380 Euro kosten, kosten die großen Hunden das Tierheim insgesamt 64.800 Euro für die angegebene durchschnittliche Aufenthaltsdauer.

Irgendwie ist mir die propagierte Exotenproblematik zum Ende des Artikels einfach nicht plausibel.



Sonntag, 14. September 2014

Nachbetrachtung: 55. Terraristika Hamm

Am Samstag den 13.09.2014 fand in Hamm die 55. Terraristika statt. Ich war auch wieder mit meinem Partner vor Ort, um mein persönliches Terraristika-Jahr abzuschließen. Denn die Winterbörse besuche ich aufgrund der zu erwartenden Tiefstemperaturen grundsätzlich nicht. Erstaunlicherweise war dieses Jahr die Börse einmal richtig gut ausgeschildert. Dies lag allerdings nicht in der Hand der Betreiber, sondern ist der Tierrechtsorganisation PETA zu verdanken. Denn diese brachte im Umfeld der Zentralhallen diese Plakate an:

Foto: PETA-Plakat aufgenommen von Marco Bergmann
Von Weitem dachte ich zuerst: „Mensch, das ist doch das Terraristika-Logo! Die machen ja heute richtig Werbung neben dem alten Plakat an der Richard-Wagner-Straße, welches offenbar jedes Jahr erneut aus der Garage gekramt wird.“ Beim zweiten Blick offenbarte sich jedoch der Inhalt des Plakates. Die Auslobung „Weltweit größte Börse für Exotenqual“ wird von PETA mit Falschbehauptungen begründet, die von diesem Club auf der unter dem Plakat angegebenen Website verbreitet werden. Dort findet man wieder einmal die leidige Behauptung, dass jedes zweite Reptil in Gefangenschaft stirbt. Vegane PETA-Aktivisten scheinen offenbar zu Wiederkäuern zu mutieren und ständig denselben Mist auszukotzen, für den es keinerlei wissenschaftliche Grundlage gibt. Stellen doch über 90 % der angebotenen Tiere auf der Terraristika Nachzuchten dar, die es wohl nicht gäbe, wenn die Exoten so sehr in der Haltung gequält werden würden, wie es PETA behauptet. Daher äußere ich mich an dieser Stelle einmal nicht zu diesem Irrsinn, sondern fahre mit meinen persönlichen Eindrücken der Börse fort:

Dank unserer DGHT-Bändchen kamen wir schnell auf die Börse. Die Menschenschlange am Eingang versprach jedoch bereits, dass es sehr voll werden würde. Stellenweise hatte ich den Eindruck, dass neuerdings auch Elefanten angeboten würden, dabei waren das nur äußerst übergewichtige Börsenbesucher. In solchen Momenten frage ich mich echt, wie die erworbenen Tiere artgerecht ernährt werden sollen, wenn die Besitzer schon nicht selbst auf ihre Ernährung achten können. Noch unentspannter reagierte ich in dem Gedränge auf Mütter mit ihren... na... wie nennen sich diese kleinen Teile noch gleich... ach ja... Kindern. Dass man von Elfantenmutanten in Kinderwagen geschoben wird und von den Müttern dann noch abfällige Kommentare erntet, hat mit einem entspannten Börsenbesuch nichts mehr zutun. Daher stellte diese Terraristika meine Ellenbogen vor eine große Aufgabe. Hier könnte die Presse gerne Schlagzeilen wie „Deutschlands tödlichste Messe“ veröffentlichen. In Zukunft wären bessere Einlasskontrollen am Eingang wünschenswert. Ob Kinderwagen auf der Börse untersagt werden sollten, ist vielleicht vom sozialen Standpunkt her gegenüber Familien etwas fraglich, für mich wäre es jedoch wünschenswert. Unter Umständen lassen sich die hohen Besucherzahlen auf die Plakataktion von PETA zurückführen. Schließlich sind dadurch sicherlich viele Leute erst auf die Börse aufmerksam geworden. Natürlich unbedarfte Leute, die Spontankäufe tätigen und nicht die Experten, die wie ich viele Kilometer nach Hamm reisen und bereits Terrarien für die Tiere vorbereitet haben. Grandios gemacht, liebe PETA. Damit habt ihr selber exakt das Tierleid produziert, das ihr sonst immer anprangert. Das ist euch euer PR-Gag hoffentlich wert.

Dieses Mal wurden sehr viele Hakennasennattern angeboten. Bei den Kronengeckos, Pfeilgiftfröschen und sogar bei Kornnattern war ein Rückgang zu spüren. Dafür wurden vermehrt Dreiecksnattern und andere Königsnattern angeboten. Highlights waren diverse Blattschwanzgeckos (Uroplatus) in teilweise beachtlicher Größe, ein subadultes Männchen der Australischen Wasseragame sowie ein paar Weibchen von dieser (vor mir bereits gepflegten) Art und ein Anbieter, der neben Taranteln inkl. Eikokon auch Vertreter der Gattung Latrodectus, also Echte Witwen verkaufte. Deklariert waren die Tiere als Latrodectus sp., es schien sich jedoch um Europäische Schwarze Witwen (Latrodectus tredecimguttatus) gehandelt zu haben. Dass diese Tiere so nebenbei zum sonstigen Sortiment des Anbieters außerhalb des Gifttierraums verkauft wurden, halte ich für ziemlich gewagt.

Eigentlich wollte ich dieses Jahr die Ausgabe der vorgeschriebenen „Beipackzettel“ überprüfen, die nun nicht nur in der Börsenordnung, sondern auch im Tierschutzgesetz verankert sind. Dazu kam es jedoch nicht, da die von mir geplanten Wirbeltierkäufe nicht zustande kamen: Wir suchten Weibchen für unsere männliche Ägyptische Blaukehlagame (Trapelus savignii) sowie unseren männlichen Namibgecko (Pachydactylus rangei), einen Jungferngecko (Lepidodactylus lugubris), ein weiteres Weibchen für unsere Zuchtgruppe Rübenschwanz-Viperngeckos (Hemidactylus imbricatus), bei denen uns kürzlich die Nachzucht gelang, sowie Chinesische Rotbauchunken (Bombina orientalis). Die Blaukehlagame, der Namibgecko und der Jungferngecko wurden (soweit wir es im Geschiebe überblicken konnten) nicht angeboten, da diese vermutlich einfach zu langweilig sind im Vergleich zu den ganzen Bartagamen- und Leopardgecko-Farbzuchten. Die angebotenen Rübenschwanz-Viperngeckos waren nicht viel größer als unsere vor wenigen Wochen geschlüpften Nachzuchttiere und daher für die Zuchtgruppe ungeeignet. Bei den Rotbauchunken waren grundsätzlich die Etiketten nicht vollständig beschriftet. Beispielsweise fehlten die Geschlechtsangaben. Bei einem Anbieter war ich mir zwar mit der Geschlechtsbestimmung ziemlich sicher, entschied mich jedoch dann doch gegen einen Kauf, da ich an der Kompetenz des Anbieters zweifelte, dessen Tierangebot und Preise mich eher an einen gewerblichen Tierhändler erinnerten. Diese möchte ich jedoch ungern unterstützen. Vielleicht habe ich ja Anfang Oktober auf der Terrarienbörse Hannover endlich die Gelegenheit, meine leidige Suche nach Chinesischen Rotbauchunken zu beenden. Langsam wird aus dieser Odyssee ein roter Faden durch alle Börsenberichte.

Ansonsten war der Besuch für mich sehr erfolgreich: Neben einer Grammostola pulchra und einem juvenilen Theraphosa stirmi Weibchen konnte ich meinen Wirbellosenbestand mit einem Zuchtpaar der Türkisen Stabschrecke (Myronides sp.) aufstocken, welches daheim auch gleich mit der Paarung begann. Meine Suche nach der Rotgeflügelten Samtschrecke (Peruphasma schultei), den in meinen Augen schönsten bisher bekannten Phasmiden, endete bei einer sehr freundlichen Anbieterin, die 10 Exemplare aus ihrer eigenen Nachzucht verschenkte, da sie von dieser Art in diesem Jahr einen Überschuss produziert hatte. Am Stand des Natur- und Tierverlags konnte ich zudem noch eine Ausgabe der im Onlineshop aktuell vergriffenen DRACO-Ausgabe Nr. 51 „Gifttiere, Gifte, Menschen“ ergattern. Da die Tierrechtler insbesondere die Gifttierhalter anprangern, kann es nicht schaden, wenn ich mich diesbezüglich weiterbilde, auch wenn die Haltung der meisten in diesem Heft genannten Arten in meinem Bundesland bereits verboten bzw. stark reglementiert ist.

Die 55. Terraristika war für mich also äußerst stressig, jedoch weitestgehend auch sehr erfolgreich. Mal schauen was das kommende Terraristika-Jahr bescheren wird.

Mittwoch, 10. September 2014

Großes Lob: Stadt Castrop-Rauxel beweist Sachverstand

Vor einigen Tagen ist einem Schlangenhalter im Stadtteil Ickern von Castrop-Rauxel im Kreis Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen) eine Boa constrictor entwischt. Diverse Medien stürzten sich mal wieder auf diesen Vorfall und verbreiteten Sensationsmeldungen. Natürlich erneut Wasser auf die Mühlen der NRW-Regierung insbesondere von Umweltminister Johannes Remmel, der bekanntermaßen im Herbst ein Gefahrtiergesetz durchdrücken möchte*. Normalerweise sind mir derartige Vorfälle mit Schlangen keinen Bericht wert, da zwischenzeitlich interessantere Meldungen mit gefährlicheren Tieren („15 Bulldoggen in Wenzen ausgebrochen: 87-Jährige schwer verletzt“) die Runde machten. Nun hat sich jedoch die Pressestelle der Stadtverwaltung von Castrop-Rauxel gegenüber der WAZ über die Berichterstattung der Medien bzgl. des Boa-Vorfalls geäußert:

Die Boa? Ist keine Gefahr für den Menschen. Über ihr Verhalten – „die Flucht ergreifen oder die Rasen mähende Person erwürgen“ - zu sinnieren, ist wenig geistreich, sondern geradezu abenteuerlich.

Der Besitzer? Dürfte mit der Situation schon genug gestraft sein und muss nicht noch in aller Öffentlichkeit an den Pranger gestellt werden.

Die Redaktion? […] hat erwartet, dass die Behörden sie informieren - darüber informieren, dass eine für den Menschen ungefährliche Schlange ausgerissen ist.
Für den vollständigen Artikel hier klicken.

Für diese sehr reflektierten, sachlichen und fachlich sowie menschlich vollkommen richtigen Aussagen verdient die Pressestelle der Stadt Castrop-Rauxel meine volle Anerkennung! Eigentlich sollten solche realistischen Aussagen über das Gefahrenpotential einer Boa constrictor seitens der Behörden selbstverständlich sein. Sind sie aber leider nicht, weswegen sich einige Städte ein Beispiel daran nehmen und im Falle eines Boa-Ausbruches nicht gleich zusammen mit den Sensationsmedien vollkommen unbegründete Panik verbreiten sollten. 

*Aus diesem Grund schrieb ich Herrn Remmel den folgenden Brief, um dem Anspruch einer sachgerechten Regelung Nachdruck zu verleihen:
Sehr geehrter Herr Remmel,

vergangene Woche las ich erneut in diversen Presseportalen, dass Sie sich aufgrund vereinzelter Vorfälle (wie dem Fall einer entflohenen Boa constrictor in Castrop-Rauxel) darin bestärkt fühlen, ein Gefahrtiergesetz für Nordrhein-Westfalen zu beschließen.

Wie schon in meinem postalisch zugesandten Brief vom 13.06.2014 (siehe Anhang) bitte ich Sie hiermit, solche Regelungen mit Sachverstand unter Konsultation von Experten zu beschließen. Eine Regelung in der pauschal alle sogenannten Riesenschlangen als Gefahrtiere eingeordnet werden, wäre absolut nicht sachgemäß. Leider wollen Sie in den Medien bisher keine Details zu den Plänen verkünden, weswegen mich die Sache sehr beunruhigt. Ein pauschales Verbot der kompletten Familie der Boas (Boidae) bzw. aller Pythons (Pythonoidea) würde nämlich auch Arten betreffen, die für den Menschen in keiner Weise gefährlich sind. Neben beispielsweise Rosenboa (Lichanura trivirgata), Königspython (Python regius) oder eben auch Kaiserboa (Boa imperator syn. Boa constrictor imperator) existieren diverse weitere Riesenschlangen, die für Menschen harmlos sind, da sie die entsprechende Größe niemals erreichen. Selbst größere Arten bis zu 3 Metern Gesamtkörperlänge (z.B. Boa constrictor constrictor) sind für Einzelpersonen aufgrund des fehlenden Aggressionspotentials in der Regel nicht gefährlicher als Hunde. Ein Verbot der Haltung dieser Tiere wäre also nur zu rechtfertigen, wenn dann auch sämtliche Hunderassen in der Gefahrtierliste genannt sind. Das will doch niemand, auch wenn diese Tiere immer wieder unbeteiligte Menschen schwer verletzen, was Terrarentiere statistisch gesehen nie tun.

Für Riesenschlangen, die dem Menschen aufgrund ihrer Größe von weit über 3 Metern oder ihres Verhaltens potentiell gefährlich werden können, sollte eine Meldepflicht und eine vorherige Überprüfung der Haltungsbedingungen eingeführt werden. Darunter fallen die Große Anakonda (Eunectes murinus), der Neuguinea-Amethystpython (Simalia amethistina), der Netzpython (Malayopython reticulatus), der Tigerpython (Python molurus), der Nördliche Felsenpython (Python sebae) sowie der Südliche Felsenpython (Python natalensis). Gleiches sollte für gewisse Giftschlangenarten gelten, die nur nach der Begehung eines Sachverständigen gehalten werden dürfen, der die Haltung für ausreichend sicher bewertet und die vorhandene Sachkunde des Halters überprüft hat.

Eine Haltung sollte mit diesen Auflagen jedoch auch weiterhin für Privatleute möglich sein, da nach Verboten und den daraus resultierenden Beschlagnahmungen die Auffangstationen und Behörden vor großen Problemen stehen werden. Wohin dann nämlich mit den ganzen Tieren?

Nordrhein-Westfalen war für mich bisher immer einen Besuch wert, weil ich dort sachkundige Halter von z.B. Giftschlangen treffen konnte, die noch Tiere halten dürfen, die in meinem Bundesland bereits verboten sind. Auch wenn für mich persönlich eine Haltung dieser Tiere ohnehin nicht infrage käme, finde ich diese Tiere als begeisterter Vivarianer im Sinne der Naturbildung dennoch sehr interessant. Auch im Sinne des Artenschutzes muss eine Haltung erlaubt bleiben. Dies sollte doch auch im Interesse Ihrer Partei sein. Sollte ein Verbot durchgesetzt werden, würde sicherlich nicht nur ich als regelmäßiger Tourist wegbrechen. Ebenso würde ein mit heißer Nadel gestricktes Gesetz die falschen Signale in Richtung anderer Bundesländer und der Bundesregierung senden. Daher bitte ich Sie erneut um Sachverstand, faire und durchdachte Regelungen für alle Beteiligten.

Mit freundlichen Grüßen
Marco Bergmann

Montag, 8. September 2014

Studie über das Tierschutzverhalten im Alltag

Spinne im Bad? Hier hat der Tierschutz seine Grenze.
Der Tierschutzgedanke endet selbst innerhalb der bekannten Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen dort, wo das Kindchenschema und der Kuschelfaktor nicht mehr greifen. Dies ergab meine aktuelle Umfrage innerhalb und außerhalb bekannter Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen. Dabei macht es keinen nennenswerten Unterschied, zu welcher Tierschutzorganisation sich die fast 400 Befragten zugehörig fühlen, ob sie Vegetarier oder gar Veganer sind oder ob sie selber Haustiere pflegen oder nicht. Normalerweise sollte der Tierschutz keinen Unterschied machen zwischen z.B. Robbenkloppen und dem Aussterben bedrohter Reptilienarten oder zwischen einem vernachlässigten Hund in der Nachbarswohnung und einer Spinne in auswegloser Lage. Doch die Kampagnen der Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen gemischt mit den unbegründeten Ängsten der deutschen Bevölkerung vor bestimmten Tierarten kippen den Tierschutzgedanken in eine deutliche Richtung und offenbaren eine obskure Doppelmoral.

Doppelmoral der Tierrechtler fördert Speziesismus
So sind 94 % der Befragten für ein Verbot der Robbenjagd, jedoch nur 6 % für den Schutz einer bedrohten ungarischen Giftschlange. Wenn Tierschutz keine Unterschiede machen würde, dann müsste das Verhältnis halbwegs ausgeglichen sein. Die Klientel der Tierschutzorganisationen verliert jedoch den Blick für die Not von Tieren, die nicht als süß und somit auch als nicht schutzbedürftig empfunden werden. Dabei hat das Aussterben einer Art am unteren Ende der Nahrungskette wesentlich dramatischere Konsequenzen für das Ökosystem als das vermeintliche Leid von Zirkusstieren. So sind 95 % der Befragten für ein umstrittenes Verbot von Wildtieren in Zirkussen aber nur 5 % für den unbestreitbar nötigen Schutz von afrikanischen Chamäleons. Tierschutz ist also offenbar auch nur eine Art von Rassismus. Genauer gesagt handelt es sich um Speziesismus von dem sich die Tierrechtsbewegung eigentlich distanzieren will.

Exotische Haustiere unerwünscht

Wirft man einen Blick auf die Haustiersituation wird eines deutlich: Hunde und Katzen werden bei 96 % der Umfrageteilnehmer halbwegs artgerecht ernährt, „Wegwerftiere“ wie Hamster oder Meerschweinchen bekämen bei ebenfalls 96 % der Befragten im Notfall eine teure Operation finanziert und ein hilflos bellender Hund in der Nachbarswohnung würde von 98 % der Befragten gerettet. Hält der Nachbar jedoch exotische Tiere wie Schlangen oder Vogelspinnen (vollkommen unabhängig von ihrer tatsächlichen Gefährlichkeit), hört die Tierliebe auf und der Nachbar würde von etwa einem Drittel der Befragten (31 %) bei der Polizei, dem Veterinäramt oder dem Vermieter grundlos angeschwärzt. Im Rahmen des Tierschutzes wird demnach mit zweierlei Maß gemessen, was dem eigentlichen Schutzgedanken und den Säulen einer demokratischen Republik diametral gegenübersteht.

Schwarze Schafe in Tierschutzvereinen
Erschütternd ist das Ergebnis, dass laut Hochrechnungen der Studie Tausende Mitglieder anerkannter Tierschutzorganisationen in keiner Weise am Leid von Versuchstieren interessiert sind und weiterhin die von Ihnen bevorzugten konventionellen Kosmetikmarken kaufen. Beim Fund einer Schlange im Garten würden hochgerechnet ca. 176.000 Mitglieder des Deutschen Tierschutzbundes* Hals über Kopf Steuergelder durch das Rufen der Polizei verschwenden, anstatt sich besonnen über die Schlangenart zu informieren und dann erst entsprechend zu handeln. Auch die Situation in deutschen Tierheimen wird laut den Ergebnissen der vorliegenden Studie von den Mitgliedern dieser Dachorganisation im hohen Maße falsch eingeschätzt.

Veganer sind auch nicht besser
Der vegane Kult geht bei vielen Leuten nur soweit, bis eine Spinne hilflos in der Badewanne sitzt. Während sich mit dem Verzicht auf Honig 21 % der Befragten gegen die Ausbeutung von Bienen einsetzen, würden 15 % dieser Veganer eine in Not geratene Spinne eher töten, als sie in die Freiheit zu setzen. Während auf der anderen Seite 76 % der Befragten außerhalb der Tierschutzvereine kein Problem mit dem Töten von Nutztieren haben, sich jedoch zu 61 % gegen die Jagd aussprechen. Der plötzliche Abschuss eines Wildtieres wird somit als brutal und tierschutzwidrig aufgefasst, die Schlachtung eines Nutztieres hingegen als notwendiges Übel betrachten. 


Die vollständige Studie kann hier heruntergeladen werden. 


* Sollte der Deutsche Tierschutzbund etwas gegen diese Art der Hochrechnung haben, rufe ich hiermit die Art und Weise der Ergebnisdarstellung einer Tierheimstudie dieses Vereins in Erinnerung.