Samstag, 30. August 2014

Unbequeme Kommentare unerwünscht?

Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. offenbart mit dem vereinseigenen Propaganda-Blog „veganblog.de“ eine bemerkenswerte Intransparenz. Dort werden diverse Tierschutzthemen aufgeführt und immer wieder Werbung für die vegane Lebensweise gemacht, die ja angeblich keinerlei Tierleid erzeugen soll. Interessant für jemanden wie mich sind natürlich insbesondere Artikel über Terrarientiere oder Wildtierhaltung allgemein, die neben der euphorischen Werbung für vegane Ernährung (natürlich auch für vierbeinige Raubtiere) immer mal wieder vorkommen. So werden im VeganBlog die üblichen Märchen über die Wildtierhaltung verbreitet: „Es war einmal vor langer Zeit, da stellten 3 kleine PETA-Schweinchen fest, dass im Königreich von Hamm die große böse Salmonellose ihr Unwesen trieb.“ Auch die Haltung von Einsiedlerkrebsen wird aufgrund der einseitigen schlechten Erfahrungen einer uninformierten PETA-Aktivistin grundsätzlich verurteilt (meine Antwort darauf). Flusskrebsen werden menschliche Emotionen wie Angst und sogar ein komplexes Bewusstsein zugesprochen, nur weil diese Tiere im Laborversuch nach Stromstößen instinktgesteuert helle Gänge in einem Labyrinth mieden und nach Zugabe einer Droge diese Instinkte unterdrückt wurden. Nebenbei bemerkt: Wie war das noch gleich mit Tierversuchen, liebe PETA?

Wenn man dann fundierte Kommentare abgibt, werden diese entweder nicht freigeschaltet, gelöscht oder als Spam markiert. So schrieb ich beispielswiese zu dem besagten Flusskrebs-Experiment:
Dieses instinktgesteuerte Verhalten als Emotion zu bezeichnen, halte ich für sehr gewagt. Ein Flusskrebs, der nicht in irgendeiner Weise gestört wird und sich sozusagen unbeobachtet „fühlt“, der wird sich bei der Futtersuche auch in unsichereres Terrain wie helles Wasser begeben. Ein Flusskrebs der auf irgendeine Weise mitbekommen hat, dass ein großes Tier in seiner Nähe ist, der wird sich in dunklere Gewässer zurückziehen oder der Gefahr durch Drohen gegenübertreten, bis diese vorbei ist. Dass einige Krebstiere im Gegensatz zu den meisten anderen Wirbellosen Schmerzen empfinden können, das halte ich zwar für erwiesen (und bin daher z.B. gegen das Abkochen von lebenden Hummern), aber aufgrund des in diesem Experiment offenbarten Instinktverhaltens gleich auf Emotionen wie Angst und damit höhere kognitive Fähigkeiten zu schließen, halte ich für eine leichtfertige Vermenschlichung. Ich pflege selber einige Flusskrebse und das schon seit Jahren. Das Droh- und Fluchtverhalten, wenn man sich dem Aquarium nähert, legen sie im Gegensatz zu lernfähigen Tieren nicht ab. Ich kann lediglich artbedingte Unterschiede feststellen. Von kognitiven Fähigkeiten kann somit keine Rede sein.
In einem Beitrag über eine angeschossene Hauskatze kommentierte ich wie folgt:
Wer diese Tiere frei rumlaufen lässt, darf sich nicht wundern. Wer nicht in der Lage ist, einem solchen Tier unter Aufsicht oder in einem abgesperrten Bereich Auslauf zu gewähren, ist somit nicht in der Lage eine Katze artgerecht zu halten. Hier müsste ein Sachkundenachweis eingeführt werden und die Auflagen für Halter so streng sein, dass nur noch die Leute Katzen anschaffen dürfen, die diese Tiere auch vernünftig halten können. Dann passieren solche Vorfälle nicht. Jeder Jäger, der eine streunende Katze im Sinne des Natur- und Artenschutzes abschießt, hat meinen Segen dafür. Schade um das Tier, aber leider nötig. Schuld daran ist immer der Mensch und zwar der Halter, der seine Katze frei rumlaufen lässt.
Auf einen Beitrag über einen angeblichen Schmuggelfall auf der TERRARISTIKA in Hamm entgegnete ich:
Bei diesem Schmuggel handelte es sich nicht um ein Artenschutzproblem. Es fehlten die Ausfuhrgenehmigungen, nicht jedoch die nötigen Herkunftsbescheinigungen für die Tiere. Da gibt es einen großen Unterschied. Die Tiere wurden vollkommen legal erworben und legal gehandelt. Nur sollten sie vom Käufer illegal über die Grenze gebracht werden. Diese Einzelperson ist für ihr Verhalten zu verurteilen. Die Betreiber der Terraristika in Hamm und auch der dortige Anbieter der Pfeilgiftfrösche haben sich jedoch nichts vorzuwerfen. Die Petition gegen die Terraristika ist somit vollkommen unpassend.
Insgesamt gab ich bisher 6 sachliche Kommentare ab, die allesamt nicht freigeschaltet und (sofern sie nicht gelöscht wurden) als Spam markiert wurden:


  
Bei Spam handelt es sich definitionsgemäß um unerwünschte Inhalte. Sachliche Kritik, die als Diskussionsgrundlage dienen könnte, ist somit bei PETA unerwünscht, obwohl dieser Verein auf der eigenen Website behauptet: 

„Abgesehen von plumpen Verleumdungskampagnen sind wir jederzeit bereit, uns kritischen Fragen zu stellen...“ 
(Zitat PETA Deutschland e.V., Quelle: www.peta.de/faq)

PETA schreibt außerdem in seiner "Netiquette":Wir wollen nicht zensieren. Wir löschen aber Kommentare, die rassistisch, sexistisch oder beleidigend sind. Ebenso wie Kommentare, in denen gegenüber anderen Menschen und Tieren Gewalt angedroht wird, die pornografischen Inhalt haben oder offensichtlich provozierend sind.

Entscheidend ist wohl der Passus
„offentichtlich provozierend. PETA fühlt sich durch meine Kritik schlichtweg provoziert und rechtfertigt so wahrscheinlich das Entfernen der Kommentare. 

Beleidigende Kommentare werden ironischerweise im VeganBlog häufiger freigeschaltet. PETA möchte damit offenbar die Gegenseite als Haufen Spinner darstellen, der nur beleidigen, jedoch keine sachlichen Argumente vorbringen kann. Fundierte Kritik wird hingegen nicht geduldet und die Autoren mundtot gemacht. Für mich persönlich ist dies zwar eine Art Ritterschlag, dennoch finde ich dieses intransparente Verhalten äußerst kindisch.

In meinem Blog sind jedenfalls kritische Kommentare erwünscht. Diskussionen stehe ich offen gegenüber. Und da ich an manchen Stellen (z.B. bei den Cartoons oder anderen satirischen Beiträgen) ordentlich austeilen kann, kann ich natürlich auch einstecken und dulde auch Kommentare dieser Art: 
 

Denn auch die Gegenseite zu meinen Ansichten hat einige Freaks zu bieten, die sich damit gerne selbst an den Pranger stellen dürfen. Soviel bin ich allemal bereit von PETA und Konsorten zu übernehmen.

PETA lügt sich mal wieder in die eigene (vegane) Tasche

„Artgerecht ist nur die Freiheit!“

Exoten leiden in der Gefangenschaft 
und gehören nicht in Privathand!“

„Wer Tiere verschenkt, gibt sie in 
uninformierte Hände und fördert Tierleid!“

Diese Aussagen werden von der Tierrechtsorganisation PETA mantraartig in die Köpfe der Bevölkerung gekloppt, um den Pöbel gegen Exotenhalter, die ja allesamt Tiere aus den Lebensräumen reißen und dann zu Tode pflegen, aufzuhetzen. Nun schenkte diese Organisation dem frisch verheirateten Promi-Ehepaar Brad Pitt und Angelina Jolie zwei Chinchillas, welche von PETA USA von einer Pelztierfarm befreit wurden. Wenn Tierschutzvereine Tiere aus schlechter Haltung retten, ist dies zwar lobenswert aber eben oft nicht so medienwirksam. Eine Promihochzeit ist da natürlich eine perfekte Gelegenheit, um sich in das Bewusstsein der allgemeinen Öffentlichkeit zu drängen. 

Das wäre ja auch hinnehmbar (aus meiner Sicht heiligt der Zweck die Mittel), wenn dieser Club damit seine Prinzipien nicht so dermaßen offensichtlich verraten würde. Mit einem solchen grandiosen PR-Gag könnte PETA USA glatt im Zirkus auftreten, aber dort will man diese (Schein)Heiligen sicherlich auch nicht mehr haben...


Donnerstag, 28. August 2014

Die Streifenköpfige Bartagame (Pogona vitticeps)

Streifenköpfige Bartagame (Pogona vitticeps)
Streifenköpfige Bartagamen (Pogona vitticeps) sind sehr beliebte Terrarientiere. Ihr absolut ruhiges und sogar zutrauliches Verhalten gegenüber dem Menschen macht sie zu beliebten Einsteigertieren in der Terraristik. Leider übersehen viele Leute, die ein solches Tier günstig im Zoofachhandel, von einem Züchter oder gar spontan auf einer Börse oder im Internet erwerben, dass auch diese Tiere natürlich ihre Bedürfnisse haben, über die man sich im Vorfeld informieren muss. Diese Bedürfnisse können zwar problemlos erfüllt werden, bedürfen jedoch Fachkenntnis und auch finanziellem Aufwand, den viele Leute im Vorfeld unterschätzen. Werden die Bedürfnisse jedoch nicht erfüllt, kränkeln die Tiere in schlechter Haltung und werden dann evtl. im kranken Zustand abgegeben, was einfach nur respektlos gegenüber diesen wunderbaren Tieren ist. Auf diese Problematik gehe ich an anderer Stelle dieses Blogs ausführlicher ein: Bartagamen – Die armen Schweine der Terraristik

Namensgebend für die Tiere ist ihr „Bart“, welcher insbesondere bei den Männchen in der Paarungszeit schwarz gefärbt ist und als Drohgeste abgespreizt werden kann. Pogona vitticeps wird im Deutschen auch „Farbbartagame“ genannt, da die Beschuppung je nach Herkunft und Erregungszustand der Tiere von grau, dunkelbraun, schwarz, orange bis hin zu rot in verschiedenen Helligkeitsabstufungen variiert. Ferner sind diverse Farbzuchten auf dem Markt. Eine verhältnismäßig neue Zuchtlinie ergab Tiere ohne Schuppen („Silkback“), was ich persönlich nicht gutheiße, da diese sonnenhungrigen Tiere mitunter empfindlich auf UV-Strahlung reagieren oder während der Paarungszeit von den recht rabiaten Männchen schwer verletzt werden können. Von verstärkt auftretenden Inzuchtproblemen mal ganz abgesehen. Daher haben diese Qualzuchten meiner Meinung nach in der Terraristik, bei der es primär um die artgerechte Haltung von Wildtieren gehen sollte, einfach nichts zu suchen und sollten aus Tierschutzgründen nicht erworben werden, um ihre Zucht durch einen Kauf nicht noch weiter zu unterstützen.

Die Kopf-Rumpf-Länge von Pogona vitticeps beträgt ca. 25 cm, die Gesamtkörperlänge kann bis zu ca. 55 cm betragen. Männchen werden in der Regel größer als Weibchen. Eine sichere Geschlechtsbestimmung ist jedoch nur mit den bei Männchen durch die Schwanzwurzel erkennbaren Hemipenes möglich. Manche Männchen können ihre Hemipenes allerdings eine lange Zeit verbergen, daher ist eine Fehlbestimmung als Weibchen bei diesen Tieren möglich.

Pogona vitticeps stammt aus Australien und besetzt dort große Verbreitungsgebiete im östlichen Zentrum des Kontinents. Der natürliche Lebensraum setzt sich aus halbtrockenen Wäldern, Trockenwäldern und Gebieten mit hoher Sonneneinstrahlung zusammen. In Australien sind Streifenköpfige Bartagamen geschützt und dürfen nicht außer Landes gebracht werden. In Deutschland unterliegen die Tiere jedoch keinem Schutzstatus. Glücklicherweise ist der deutsche Zuchtstamm stabil und nicht so sehr von Inzestdepressionen gebeutelt, wie bei anderen Tierarten, bei denen der Nachschub an Wildfängen aufgrund von Ausfuhrverboten der Herkunftsländer abgeschnitten wurde.

Die Tiere sitzen in der Natur und auch im Terrarium sehr gerne an sonnenexponierten Stellen, welche sie nur für die Futter- oder Partnersuche verlassen. Von dort überblicken sie ihre Territorien. Insbesondere die Männchen sind sehr territorial und dulden keine Geschlechtsgenossen in ihrem Lebensraum. Eindringlinge werden durch Drohgesten wie Kopfnicken, Bartabspreizen und Winken aus dem Revier vertrieben. Sind die Kontrahenten gleich stark, kommt es auch zu Kämpfen, welche oftmals mit Verletzungen enden. Bartagamen sind von Natur aus Einzelgänger, können aber auch in Gruppen gehalten werden. Dann aber wie erläutert nur mit einem Männchen, da es sonst zu gefährlichen Revierkämpfen kommen kann, wenn das unterlege Männchen das Revier nicht verlassen kann. Auch bei Gruppen mit mehreren Weibchen oder auch bei Paaren kann es zu Problemen kommen, wenn ein Tier unterdrückt wird, die Nahrungsaufnahme einstellt und dadurch kümmert. In einem solchen Fall muss die Gruppe ebenfalls getrennt werden. Eine Paarhaltung ist zwar möglich, jedoch ist dann der Paarungseifer des Männchens für das Einzelweibchen oftmals ein großer Stress, den man vermeiden sollte.

Wie bei allen wechselwarmen Tieren spielt auch bei Bartagamen die Umgebungstemperatur eine überlebenswichtige Rolle. In freier Natur suchen die Tiere sonnenbeschienende Plätze auf, um sich dort aufzuwärmen. Meist sind sie zu Tagesbeginn noch dunkel gefärbt, um die Wärme der Sonne effektiv speichern zu können. Sobald sie sich aufgewärmt haben, hellen sie auf und gehen ihrem täglichen Geschäft (Futtersuche, Revierkämpfe, Partnersuche und Paarung) nach. Wenn es den Tieren zu warm wird, suchen sie kühlere Verstecke auf oder öffnen das Maul, um durch die Verdunstung überschüssige Wärme abzuleiten. Im Winter ziehen sich die Tiere für eine mehrwöchige Winterruhe zurück. Im Anschluss daran beginnen die Paarungsaktivitäten.

Pogona vitticeps ernährt sich von pflanzlicher und tierischer Kost. Als tierische Kost dienen vor allem Insekten und andere Wirbellose, aber auch kleine Säugetiere, Reptilien (auch der eigene Nachwuchs!), Vögel (vor allem Bodenbrüter) und andere Kleintiere, die von den Agamen bewältigt werden können. Der Anteil an tierischer Kost überwiegt in der Jugend, mit zunehmendem Alter beträgt der Anteil an pflanzlicher Kost hingegen bis zu 80 %. 

Die Nachzucht von Pogona vitticeps gestaltet sich nicht sehr schwer, sollte aber wenn überhaupt nur mit Bedacht durchgeführt werden, da diese Tiere sehr häufig nachgezogen werden und viele Halter im Laufe der Zeit das Interesse an den Tieren verlieren und diese wieder abgeben möchten. Der Markt ist also übersättigt mit diesen Tieren, was die Preise der Nachzuchten (insbesondere von wildfarbenen Exemplaren) drückt und dadurch viele Tiere in wenig optimalen Haltungsbedingungen landen. Die Zucht zu Futterzwecken (z.B. für echsenfressende Schlangen wie Lamprophis aurora) klingt zwar makaber, ist aber tierschutzrechtlich unbedenklich und würde eine Nachzucht von Bartagamen zumindest rechtfertigen. Abgesehen davon wären gezielte Zuchtprogramme zur Erhaltung der wildfarbenen Variante und der Vermeidung von Inzuchtdepressionen wünschenswert. Von allen anderen Nachzuchtbemühungen sollte bei dieser Tierart jedoch abgesehen werden, solange es dermaßen viele Halter oder gar Tierheime gibt, denen man nicht mehr gewollte Bartagamen abnehmen kann.

Haltungsbedingungen:
Streifenköpfige Bartagamen lassen sich in trockenen Wüstenterrarien pflegen. Dabei sollte man den Lebensraum möglichst naturnah gestalten und den Tieren Kletteräste (die breiter als sie selbst sein sollten) und verschiedene Versteckplätze bieten. Für eine eventuelle Bepflanzung eignen sich aufgrund des trockenen Klimas allenfalls Sukkulenten und Tillandsien, die dann aber evtl. von den Tieren als Nahrung angesehenen werden. Als Bodengrund sollte man ein grabfähiges Gemisch aus Sand und Lehm verwenden. Statt teurem Terrariensand aus dem Fachgeschäft empfehle ich gewaschenen Spielkastensand aus dem Baumarkt (dieser sollte jedoch nicht mit chemischen Mitteln keimfrei gemacht worden sein, da dies den Tieren schaden kann), den man mit Lehm im Mischungsverhältnis 1:5 (1 Teil Lehm zu 5 Teilen Sand) oder 1:7 mischt. Loser Sand ohne Lehmanteil ist nicht empfehlenswert, da dieser laut Literatur zu Wirbelsäulenverkrümmung und Hüftproblemen führen kann. Ergänzt wird die Einrichtung z.B. mit Dekorationen (dienen als zusätzliche Reviergrenzen) und Steinen, die jedoch einsturzsicher aufgebaut werden müssen. Ich habe einen Stein direkt unter dem Sonnenplatz liegen, welcher auch noch nach Ausschalten der Lampe eine gewisse Restwärme abstrahlt und gerne als Schlafplatz genutzt wird. Bartagamen schlafen übrigens gerne mal in den unmöglichsten Positionen:
 
Aufrecht an der Wand schlafende Bartagame

Die Mindesthaltungsrichtlinien für Reptilien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geben für ein Pärchen ein Terrarium mit den Maßen 5 x 4 x 3 (Länge x Tiefe x Höhe) der Kopf-Rumpflänge an. Bei einer Kopf-Rumpf-Länge von 25 cm macht dies ein Terrarium von mindestens 125 cm x 100 x 75 cm für ein adultes Pärchen. 



Ein wichtiger Punkt bei der Haltung von lichthungrigen Tieren wie der Bartagame ist die Beleuchtung des Terrariums. Ein einzelner Wärmespot reicht dafür nicht aus! Das Terrarium muss zusätzlich mit einer Grundbeleuchtung ausgestattet werden, die täglich ca. 12 Stunden lang brennen sollte. Dafür eignen sich Leuchtstoffröhren mit einer Farbtemperatur von ca. 6000 Kelvin.

Ein zusätzlicher Sonnenplatz mit dem richtigen Anteil an UV-Strahlung ist ebenfalls überlebenswichtig und verhindert Mangelerscheinungen. Ich empfehle die „Bright Sun UV Desert“ der Firma Lucky Reptile (welche allerdings ein Vorschaltgerät benötigt). Ein Set inkl. Vorschaltgerät (bevorzugt „Bright Control Pro II“, denn dieses verbraucht weniger Energie als das elektronische Vorgängermodell „Bright Control“) kostet je nach Bezugsquelle um die 120 Euro. Die Lampe (Kostenpunkt einzeln ca. 40 Euro) muss jährlich ausgetauscht werden, da der UV-Ausstoß mit der Zeit geringer wird. Dies sollte ein zukünftiger Halter von Bartagamen beachten, da die Tiere sonst Mangelerscheinungen in Form von Rachitis bekommen können. Im Handel sind auch Leichtstoffröhren und Kompakt- bzw. Energiesparlampen mit UV-Anteil erhältlich. Diese sind zwar für viele Tierarten (z.B. aus Regenwäldern) sehr gut geeignet, jedoch meiner Meinung nach nicht für tagaktive Wüstenbewohner und Sonnenanbeter wie Bartagamen. Als Ergänzung können sie zwar nicht schaden, jedoch sollten sie nicht als einzige UV-Quelle dienen. Da Reptilien für die Synthese von Vitamin D3 neben UVB-Strahlung auch Strahlungswärme benötigen, ist ohnehin ein weiterer Hitzespot nötig, weswegen man dann auch direkt eine hochwertige Bright Sun UV Desert anschaffen sollte, die ein wirklich sehr helles und sonnenähnliches Licht erzeugt, Wärme abstrahlt und einen UV-Ausstoß hat, der den ganztägigen Einsatz ermöglicht.

Die Temperatur im Terrarium sollte tagsüber zwischen 25 °C in der kühlsten Ecke des Terrariums und bis zu 45-50 °C unter dem Sonnenplatz liegen. Nachts kann die Temperatur auf Zimmertemperatur absinken. Die Luftfeuchtigkeit sollte tagsüber bei ca. 30-40 % liegen. Nachts sollte sie auf ca. 50-60 % ansteigen. Bartagamen häuten sich in Fetzen und dies eigentlich ständig (überspitzt gesagt: Kaum ist der Schwanz fertig gehäutet, fängt am Kopf schon wieder die nächste Häutungsphase an), weswegen auch während dieser Zeit die genannten Werte das Optimum darstellen. Ein Badebecken kann, muss den Tieren aber nicht zur Verfügung gestellt werden. Eine Wasserschale mit sauberem Trinkwasser ist jedoch ein Muss. Gesprüht wird bevorzugt morgens kurz nach Einschalten der Beleuchtung, denn die Tiere nehmen in der Natur den Morgentau auf und decken so ihren Trinkwasserbedarf. Aktiv aus der Wasserschale getrunken wird dagegen eher selten.

Gefüttert werden adulte Bartagamen täglich mit frischem Grünfutter, welches man mit einem Calciumpräparat oder Sepiaschale bestäuben sollte. Wildkräuter und Blüten stellen hierbei das Optimum dar (natürlich keine Giftpflanzen!). Käuflich erworben werden kann z.B. Rucola / Rauke. Andere (echte) Salate sind weniger gut geeignet, da sie nur wenige Nährstoffe enthalten. Insider bezeichnen Kopfsalat scherzhaft auch als den 4. Aggregatzustand von Wasser. Obst sollte nur vergleichsweise selten gefüttert werden. An tierischer Kost eignen sich diverse Futtertiere aus dem Zoofachhandel oder auch Wiesenplankton (keine geschützten Arten fangen!), welche man alle 2-3 Tage anbieten sollte. Die Futtertiere sollte man zusätzlich mit einem Vitaminpräparat bestäuben (auf Anweisung des Herstellers achten). Trächtige Weibchen können außerdem ergänzend mit nestjungen Mäusen (aufgetautes Frostfutter!) gefüttert werden, da eine Trächtigkeit oftmals sehr kräftezehrend ist. Ein Fastentag pro Woche ist ebenfalls anzuraten. Viele Bartagamen in der Haltung sind übergewichtig, daher ist weniger oftmals mehr. Fertigfutter aus der Zoofachhandlung wird von mir nicht grundsätzlich verurteilt und kann eine ausgewogene Ernährung ergänzen, sollte jedoch nicht der Alleinfutter dienen.

Bartagamen sollten für die Gesunderhaltung eine jährliche Winterruhe einlegen. Dafür sollten bereits im Herbst Kotproben untersucht werden, da nur gesunde Tiere in die Winterruhe geschickt werden dürfen. Schließlich wollen wir eine natürliche Auslese im Terrarium vermeiden. Mitte/Ende Oktober (je nach Wetterlage) wird nach befundfreier Kotuntersuchung die Fütterung eingestellt und auf das letzte Abkoten der Tiere gewartet. Währenddessen wird die Beleuchtungsdauer möglichst etappenweise reduziert und letztlich (nach Darmentleerung) vollständig ausgeschaltet. Das Terrarium sollte in einem Raum stehen, der eine Innentemperatur von 15-18 °C ermöglicht. Alternativ werden die Tiere in eine Box für die Überwinterung umgesetzt, welche an einen geeigneten Standort gebracht werden kann. Bei Temperaturen von über 20 °C während der Winterruhe verbrauchen die Tiere schneller ihre Reserven, was ihrer Gesundheit schadet und demnach vermieden werden sollte. Nach 2-3 Monaten (erneut je nach Wetterlage) fahre ich die Beleuchtung möglichst etappenweise wieder hoch und hole die Tiere damit aus der Winterruhe (wobei in der Natur der Frühling den Winter auch sehr schnell und spontan verdrängen kann, weswegen ein nicht ganz so streng kalkuliertes Hochfahren der Beleuchtung den Tieren auch nicht schadet). Ab diesem Zeitpunkt kann auch wieder normal gefüttert werden.

Die Lebenserwartung der Streifenköpfigen Bartagame liegt bei guter Pflege (ausgewogene Ernährung, wenig Stress, durchgeführte Winterruhephasen) bei ca. 15 Jahren.


 

Samstag, 23. August 2014

"Vier Pfoten" dramatisiert Rackhaltung: Tierrechtler sich eben auch nur Rassisten

In unserem Nachbarland Österreich sind die Tierrechtler mit ihren Bestrebungen ein Verbot der Wildtierhaltung durchzusetzen schon ein Stückchen weiter. Dies wird auch in diesem Artikel aus den österreichischen Medien deutlich: Illegaler Tierhändler hielt 40 Reptilien in Mini-Boxen

Dieser Artikel ermöglich womöglich einen Ausblick auf die Zukunft von Deutschland in Sachen „Wildtierhaltung“. In Österreich unterliegen alle Reptilien bereits einer Meldepflicht. Wer seine Tiere (egal ob Python oder Gecko) dort nicht anmeldet, macht sich automatisch strafbar. Ein perfektes Beispiel dafür was passiert, wenn eine vollkommen legale Beschäftigung (die Begeisterung für exotische Reptilien) in die Illegalität gedrängt wird. Dann wird logischerweise auch öfter dagegen verstoßen, was medienwirksam von irgendwelchen Vereinen verbreitet wird, um ihre Anti-Exoten-Propaganda zu bestätigen. Das erinnert mich irgendwie an Länder, in denen von der Norm abweichende sexuelle Ausrichtungen oder religiöse Ansichten illegalisiert wurden.

Wenn die Tiere so wie im Artikel beschrieben tatsächlich dauerhaft gehalten wurden, läge natürlich ein tierschutzrechtlich inakzeptabler Fall vor, den man dann auch entsprechend ahnden müsste. Es könnte sich natürlich um einen Anbieter handeln, der mit den Tieren von Börse zu Börse tingelt und die Tiere niemals aus den Transport- und Verkaufsboxen nimmt. Ein weiterer Artikel offenbar jedoch (zumindest bei den Riesenschlangen) weitere Einblicke in den Fall: 20 Riesenschlangen in Wiener Wohnung entdeckt

Darin werden Königspythons (selten größer als 150 cm) plötzlich als Tigerpythons (oftmals größer als 3 m) deklariert. Unwissenheit oder absichtliche Übertreibung? Man weiß es nicht. Die Bilder in diesem Artikel zeigen jedenfalls, dass es sich um Rackhaltung handelte. Diese ist zwar umstritten und auch aus Sicht der meisten deutschen Veterinäre nicht artgerecht, jedoch zeigen Königspythons in diesen Racks weniger Stress und pflanzen sich besser fort. Das Thema Rackhaltung hatte ich in diesem Blog schon einmal beleuchtet: Ist die Rackhaltung bei Königspython und anderen Reptilien erlaubt?

Ein dramatischer Tierschutzverstoß lag demnach zumindest bei den Schlangen objektiv und von den Bedürfnissen der Tiere aus betrachtet gar nicht vor. Die weiteren Bilder zu den Haltungsbedingungen der Geckos zeigen zwar keine artgerechte Unterbringung, aber die Umstände diesbezüglich müssten vor jeder Art von Spekulation erst einmal ermittelt werden. Um Tierschutz geht es jedoch mal wieder eher sekundär. Genau wie unsere hiesigen Tierrechtsvereine wird sich auf solche Vorfälle gestürzt, während positive Fälle (wie z.B. Nachzuchtberichte insbesondere in Zusammenhang zur Rackhaltung) unter den Tisch gekehrt werden. Im Artikel wird sich auf einen Fall mit illegalem Welpenhandel bezogen. Dass „Vier Pfoten“ deswegen kein Hundeverbot fordert, offenbart mal wieder die typische (meiner Meinung nach rassistische) Doppelmoral solcher Clubs.

Wenn man sich auf der genannten Plattform willhaben.at einmal umschaut und ein paar Suchabfragen startet, stellt man folgendes bei der Anzahl an Tieranzeigen fest:

Amphibien & Spinnen: 121
Echsen / Geckos: 447
Schlangen: 374
Summe: 942

Mischlingshunde: 1610
Rassehunde: 384
Summe: 1994

Hauskatzen: 792
Rassekatzen: 426
Summe: 1218

Es stehen also 942 Anzeigen von Exoten insgesamt 3212 Anzeigen von klassischen Haustieren gegenüber. Welcher Haushalt wird jedoch gestürmt? Tja...

Ein Satz zum Ende des Artikels lässt aufhorchen: „Gesetzlich erlaubt ist das Feilbieten von Tieren nur für [...] Tierschutzorganisationen.“ Dann ist ja wohl klar, um was es eigentlich geht: Tiere beschlagnahmen, um sie dann legal für überhöhte Schutzgebühren selber zu verticken. Das ist ja auch mal eine sehr interessante und lukrative Masche. Und der Bürger Wiens freut sich, dass sich ein nobler Verein für die Beseitigung dieser Viecher eingesetzt hat.

Wir haben in Deutschland bereits mit diversen anderen Vereinen zu kämpfen (Pro Wildlife, Aktion Tier, PETA, Deutscher Tierschutzbund usw.) Umso betrübter macht es mich, dass gestern zur besten Sendezeit auf RTL ein Werbespot von „Vier Pfoten“ ausgestrahlt wurde! Gilt dieser Verein aus deutscher Sicht nicht sogar als Exotenimport? Na ja, das ist ja nicht das erste Mal, dass etwas Fremdenfeindliches aus Österreich nach Deutschland schwappt. Und Feindlichkeit gegenüber dem Fremden liegt meiner Meinung nach definitiv vor, wenn man der Randgruppe von Exotenhaltern nachstellt und wegen irgendwelcher Vorfälle drastische Verbote dieser Art von Tierhaltung fordert und dies sogar ohne jede Form von sachlicher Grundlage sondern nur aufgrund einer emotionalen Ideologie, bei Vorfällen mit klassischen Haustieren wie Hunden jedoch von Ausnahmefällen spricht.

"Tierrechtler sind auch nur Rassisten" (Satire)

Donnerstag, 21. August 2014

Gefährliche Tiere: Die Doppelmoral des Deutschen Tierschutzbundes e.V.

Erneut wurden unschuldige Menschen von Hunden gebissen: In Krumbach eine 93-jährige Rentnerin, die glücklicherweise „nur“ leicht verletzt wurde und in Leipzig ein 3-jähriger Junge, der wiederum schwere Verletzungen davontrug. Neue Sensationsmeldungen über Schlangenfunde gab es die letzten Tage keine. Und selbst wenn es sie gegeben hätte, wären diese Zwischenfälle (wie auch schon die letzten Funde in dieser Sommerlochsaison) ohne irgendwelche Schäden an Leib und Leben der beteiligten Menschen ausgegangen.

Nun verstehe ich aber einfach nicht, wie der Deutsche Tierschutzbund den Umgang mit Hunden, die offensichtlich ein gewisses Gefahrenpotential besitzen, und seinen Aktionstag „Kollege Hund“ befürworten kann, im gleichen Atemzug jedoch Riesenschlangen, Grüne Leguane und Gifttiere als sehr große Gefahr für die gesamte Bevölkerung ansieht, ein Verbot ihrer Haltung fordert und Panik in Bezug auf diese Tiere verbreitet (siehe diverse Auftritte von Mitgliedern wie z.B. Frau Dr. Henriette Mackensen in den Medien oder den reißerischen Artikel „Exotenhaltung: Gefährlich für Menschen, qualvoll für Tiere“ in der Mitgliederzeitschrift „du und das tier“, Ausgabe 6/2011). Dabei wird immer wieder der Fall der entflohenen Monokelkobra in Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen, im Artikel fälschlicherweise als hessischen Ort angegeben) von Frühjahr 2010 herausgekramt und als großes Negativbeispiel aufgebauscht. Dabei bleibt doch aber wohl eher festzuhalten, dass in den vergangenen 4 Jahren kein weiterer Fall dieser Art mehr aufgetreten ist. Und das nicht einmal in einem der Bundesländer ohne gesetzliche Regelung in Bezug auf die Gefahrtierhaltung. Lediglich Zwischenfälle bei denen der direkte Halter aufgrund einer Unachtsamkeit von seinem Gifttier gebissen wurde, kommen alle paar Monate mal vor. Diese stehen aber, zumindest nüchtern mit gesundem Menschenverstand betrachtet, in keinerlei Relation zu den ständigen Unfällen mit Hunden. Denn wenn jemand sich entscheidet eine Giftschlange zu halten, dann geht er bereitwillig dieses persönliche Risiko ein. Genauso wie ein Motorradfahrer, Reiter, Skifahrer oder Fallschirmspringer bewusst ein gewisses Risiko für seine Freizeitaktivitäten eingeht. Wichtig ist, dass keine Unbeteiligten durch das Tier gefährdet werden und das Tier nicht leiden muss, was bei sachkundiger Haltung (auch in Privathand) gegeben ist. Meldepflicht und Sachkunde sollten demnach zwar vorausgesetzt werden, damit sich nicht jeder Depp eine Giftschlange kaufen kann, ein Verbot wäre jedoch vollkommen unverhältnismäßig.

So richtig spannend wird es aber erst, wenn man den Deutschen Tierschutzbund direkt auf diese Inkonsistenz anspricht. Ich tat dies vergangene Woche mit der folgenden (bewusst sehr radikal angehauchten) Verarsche… ähm pardon… E-Mail:
Guten Tag,

erschüttert las ich heute in den Presseportalen, dass ein Hund im Landkreis Böblingen Amok lief, mehrere unschuldige Menschen biss und die Polizei mehrere Stunden in Atem hielt. Wie kann der Deutsche Tierschutzbund nach derartigen Vorfällen mit diesen gefährlichen Tieren den Aktionstag „Kollege Hund“ verantworten? Sollten Sie nicht eher eine grundsätzliche Maulkorbpflicht für Hunde fordern? Oder ist das in Ihren Augen nicht artgerecht? In diesem Falle ist eine artgerechte und zugleich sichere Haltung dieser Raubtiere in Privathand offenbar nicht möglich und sollte daher grundsätzlich verboten werden.

Als besorgter Bürger dieses Landes bitte ich Sie, nutzen Sie Ihren Einfluss auf Medien und Politik, damit schnellstmöglich die Haltung dieser gefährlichen Tiere verboten wird und ich mich auf deutschen Straßen wieder sicher fühlen kann! Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen
Marco Bergmann

Ich erhielt darauf tatsächlich eine sehr ausführliche Antwort von der Fachkoordination des Vereins. Wenn man sich die darin getätigten Aussagen (mit der Forderung nach einem Exotenverbot und den Begründungen des Vereins diesbezüglich im Hinterkopf) einmal anschaut, könnte man eigentlich nur lauthals lachen… wenn es nicht so dermaßen verlogen und scheinheilig wäre, dass einem die Galle im Halse aufsteigt.

Beispielsweise wird der von mir genannte Vorfall mit dem Hund in Böblingen mit der Aussage abgetan, dass man ja nicht direkt vor Ort gewesen sei und daher die Situation zwecks einer Stellungnahme nicht beurteilen könne, es sich aber sicherlich (wie bei allen derartigen Vorfällen mit Hunden) um eine besondere Ausnahmesituation handele. Sehr richtig, doch dies trifft dann auch auf die diversen Fälle mit Exoten zu. Diese „Ausnahmesituationen“ werden jedoch im Rahmen der *räusper* „Aufklärung über die Gefahr von Exoten“ (so nennt es der Verein, ich nenne es Propaganda!) ständig aus der Kiste gekramt, ganz gleich ob es sich um bestätigte Fälle wie die Monokelkobra in Mülheim an der Ruhr (2010) oder um Spekulationen wie die mysteriöse Schildkröte „Lotti“ handelt. *Achtung: Doppelmoral!*

Der von mir (zumindest in der Mail an den Verein) geforderte Maulkorbzwang ist aus Sicht des Tierschutzbundes nicht angemessen, weil es sich um eine qualvolle Einschränkung des Hundes handelt, die seine natürliche Lebensweise sehr stark einschränkt (z.B. Hecheln, Wasseraufnahme, Sozialkontakte). Sehr richtig, jedoch wird mir später ebenso erläutert, dass bei aggressiven Hunden (durch einen Wesenstest bestätigt) ein Maulkorb wiederum doch angebracht sei. Aha, also sind diese „Kampfhunde“ aus Sicht des Tierschutzbundes dann doch wieder Hunde zweiter Klasse, die man sehr wohl mit Maulkörben beeinträchtigen und quälen darf. *Achtung: Doppelmoral!*

Während der Tierschutzbund ein Haltungsverbot von potentiell gefährlichen Exoten fordert, obwohl die Sicherheitsvorkehrungen im Vergleich zu einem Maulkorb bei Hunden keinerlei Tierleid erzeugen (eine Schlange interessiert es herzlich wenig, ob ihr Terrarium mit einem Schloss verriegelt ist) und Unfälle mit diesen Tieren erwiesenermaßen die Ausnahme sind, ist das von mir in meiner Mail an den Verein geforderte Hundehalteverbot laut Aussage des Vereins keine sachgerechte Lösung. In Bezug darauf wird mir erläutert, dass von den ca. 5 Millionen Hunden in Deutschland nur ein geringer Anteil als „verhaltensgestört“ und somit als gefährlich einzustufen ist. Es käme letztlich auf die Herkunft der Tiere und den Umgang des Halters an. Aha, also bei sachkundigen Haltern ist alles geritzt und bei Leuten, die ihre Hunde schlecht halten, kann es in Ausnahmesituationen zu Zwischenfällen kommen. Bei Exoten wiederum ist es dem Verein total egal, wie sachkundig und verantwortungsbewusst die Halter sind. Gefordert wird ganz einfach ein grundsätzliches Verbot der Privathaltung ohne die jeweiligen Halter und die Haltungsbedingungen der Tiere mit Sachverstand zu betrachten. *Achtung: Doppelmoral!*

Der weitere Verlauf der Antwort ist schlichtweg nur noch lächerlich und ich muss mich hier jetzt wirklich an den letzten Faden persönlicher Sachlichkeit klammern. Denn nicht nur die Hundehalter haben laut Aussage des Vereins Schuld an den Zwischenfällen mit diesen Tieren, sondern sehr häufig auch die von Hunden gebissenen Personen. Logisch, der 3-jährige Junge in Leipzig hätte ja nicht mit dem Hund spielen müssen. Oder die unbeteiligte Fußgängerin in Böblingen: Wie kann die nur so leichtsinnig sein und nicht die Straßenseite wechseln, wenn ein angeleinter Hund ihr begegnet? Mit dieser Logik verteidige ich ab sofort Schildkröte „Lotti“ mit dem Argument, dass die Menschen, die in einen öffentlichen Badesee steigen, selber Schuld haben, wenn sie von solchen Tieren gebissen werden.

Es folgen ein paar aufschlussreiche Ratschläge, wie ich mich als Bürger zu verhalten habe, wenn mir ein Hund mit einem für mich unklaren Verhalten (also im Grunde jeder Hund) begegnet: Sofern möglich soll ich einen anderen Weg einschlagen oder mich hinter eine „Sichtbarriere“ begeben. Wenn dies nicht möglich ist, darf ich den Hund keinesfalls anschauen (da er dies als Drohgeste auffassen könnte), ich darf nicht weglaufen (weil das seinen Jagdtrieb anregen könnte), ich darf keine hektischen Bewegungen machen oder auf ihn zulaufen (weil er sich dadurch ebenfalls bedroht fühlen könnte) – kurzum, ich darf eigentlich gar nicht viel machen, außer mich zerfleischen zu lassen. Ach doch… ich soll einfach an dem Hund vorbeigehen und ihn ignorieren, weil dann in den allermeisten Fällen nichts passiert. Und was ist in den anderen Fällen? Rechtfertigt eine Haftpflichtversicherung des Halters dieses Risiko? Jogger sollen jedenfalls den Lauf unterbrechen und Fahrradfahrer gegebenenfalls absteigen. Sehr interessant… schalten wir doch mal das Kopfkino an: Ich spaziere durch den Wald und suche Brombeerblätter für meine Phasmiden. Plötzlich bricht ein Hund aus dem Unterholz, fletscht die Zähne und knurrt mich an (so übrigens kürzlich tatsächlich geschehen!). Vor mir steht also ein aggressives Raubtier. Sehr logisch, dass ich seelenruhig an diesem Tier vorbeispaziere, ohne es auch nur zu beachten. Wenn schon angeleinte Hunde aus heiterem Himmel Passanten anfallen, macht dieser Rat natürlich Sinn. Na ja, oder auch nicht. Vielleicht verstecke ich mich dann doch lieber hinter der nächsten „Sichtbarriere“ in der Hoffnung, dass dadurch auch die hochspezialisierte Nase des geifernden Raubtieres getäuscht wird…

Es ist erstaunlich, welche Verhaltenstipps man als Nichthundehalter beachten soll, wenn man einem Hund begegnet. Offenbar sind Hunde die Könige der Bundesrepublik und wir Menschen müssen uns diesen Tieren unterordnen, Umwege einschlagen, uns verstecken oder unsere Tätigkeiten (wie z.B. Joggen oder Fahrradfahren) unterbrechen, damit wir in keine gefährliche Situation mit diesen Tieren geraten. Das ist ja sehr beruhigend… Da sind mir Giftschlangen echt lieber. Die wählen zuerst einmal selber die Flucht beim Zusammentreffen mit dem Menschen. Oder aber sie ermöglichen einem selbst die Flucht und würden nicht vom Jagdinstinkt getrieben hinter uns herjagen. Davon abgesehen sind diese Tiere (abgesehen von unseren einheimischen, wenn auch nicht tödlichen Giftschlangen) nicht alltäglich im öffentlichen Raum unterwegs – Hunde hingegen schon.

Wenn man bedenkt, dass diese Doppelmoral von den meisten Menschen nicht erkannt wird (oder erkannt werden will, weil einen Hund hat ja schließlich „jeder“), die Politik und die Bevölkerung die Aussagen der Propaganda des Deutschen Tierschutzbundes und anderer Vereine für bare Münze nimmt und unser Hobby deswegen auf der Kippe steht, könnte man vor Wut selbst zum gefährlichen Tier mutieren.

Selbstverständlich habe ich den Verein auf seine Doppelmoral hingewiesen:
Sehr geehrter […],

vielen Dank für Ihre sehr ausführliche Antwort.

Ich kann also festhalten, dass aus Ihrer Sicht Hunde, welche die Spitzenreiter in den Bissunfallstatistiken sind und die täglich im öffentlichen Raum unterwegs sind, nur in bestimmten Ausnahmesituationen (also z.B. im Falle eines verantwortungslosen Halters) als gefährliche Tiere einzustufen und die von mir angeregten Einschränkungen der Haltung dieser Tiere oder ein Verbot der Hundehaltung unangemessen sind, weil simple Verhaltensweisen gegenüber einem freilaufenden Hund bereits ausreichen. Soweit richtig?

Dann verstehe ich jedoch nicht die Grundsatzposition des Deutschen Tierschutzbundes in Bezug auf die Privathaltung von z.B. Riesenschlangen oder Gifttieren (nachzulesen in „du und das tier“ 06/2011). Diese Tiere sind zwar auf Börsen frei verkäuflich und die Gesetzeslage ist in Deutschland sicherlich nicht gerade gut zu durchblicken, aber trotzdem (!) kommen Unfälle mit diesen Tieren kaum vor und wenn, sind nahezu ausschließlich die direkten Halter betroffen und keine unbeteiligten Personen. Davon abgesehen sind diese Tiere bei verantwortungsvollen Privatleuten sicher untergebracht und stellten für Außenstehende keine Gefahr dar. Dies zeigt auch der berüchtigte Fall der entflohenen Monokelkobra. Dass trotz der fehlenden Regelungen in diversen Bundesländern seit Jahren kein weiterer Fall dieser Art geschehen ist, spricht wohl für die Exotenhalter. Nur bei verantwortungslosen Leuten kann es zu solchen Zwischenfällen kommen, aber das ist ja dann genau wie bei Hunden nur eine besondere Ausnahmesituation, die keine grundsätzlichen Einschränkungen rechtfertigt.

Erklären Sie mir also bitte abschließend, wo in Bezug auf das Gefahrenpotential der Unterschied zwischen der Hundehaltung und der Haltung von potentiell gefährlichen Exoten zu finden ist und warum der Tierschutzbund bei den Exoten sehr strikte Meinungen vertritt und grundsätzliche Verbote (statt erst einmal geprüfte Sachkunde) fordert, bei Hunden (den für Unbeteiligte wesentlich gefährlicheren Tieren) jedoch nicht härter eingreifen möchte, sondern stattdessen lediglich Verhaltenstipps für Jogger oder Fahrradfahrer empfiehlt. Dies passt für mich irgendwie nicht zusammen. Aber vielleicht können Sie ja Licht ins Dunkel bringen.

Mit freundlichen Grüßen
Marco Bergmann
Wir wissen alle warum der Verein diese Masche fährt: Weil Exotenhalter im Vergleich zu Otto Normalhundehaltern nicht so gerne Gelder an Vereine spenden, die sie mit Lügen und widersinnigen Aktionen in der Öffentlichkeit diskreditieren, mit solchen Aktionen aber der Schein des Tierschutzes bei solchen Organisationen effektiv gewahrt werden kann. Doch jeder Tierhalter sollte sich in die Lage versetzen können, wie es einem Menschen ergehen muss, dessen vorbildliche Tierhaltung plötzlich in die Illegalität gedrängt werden soll. Wie würde sich ein Hundehalter wohl fühlen, wenn der beste Freund des Menschen plötzlich zum öffentlichen Feindbild gemacht und von uniformierten Beamten aus der Wohnung gezerrt werden würde? Da wäre der Aufschrei in der Bevölkerung sicherlich groß. Aber bei Schlangen, Spinnen und anderem Getier, welches von uns Terrarianern genauso geliebt wird, jubelt der Pöbel über jeden noblen Tierschützer, der diese Viecher aus den Privathaushalten entfernt und am besten gänzlich um die Ecke bringt – ganz egal ob die Haltung artgerecht und sicher war oder nicht.

Die Antwort des Tierschutzbundes enthielt natürlich keine konkrete Antwort auf meine Fragestellung zur Doppelmoral. Es wurde stattdessen vom Thema abgelenkt und die weiteren (angeblichen) Probleme der Wildtierhaltung erläutert, die den Verein zu seiner Verbortsforderung bewegen. Beispielsweise, dass die technischen und finanziellen Anforderungen an die Haltung von Wildtieren eine artgerechte Pflege nahezu unmöglich machen und dass Wildtiere in der Freiheit besser aufgehoben wären, weil ihre Haltung überaus reizarm ist. Das kennen wir ja alles schon zu genüge. Meine Antwort folgte prompt:
Sehr geehrter […],

vielen Dank für Ihre Antwort. Leider sind die von Ihnen genannten Argumente für mich stellenweise nicht nachvollziehbar und leider beantworten Sie auch nicht meine Frage, wieso der Tierschutzbund zumindest in Bezug auf die Gefährlichkeit von Tierarten offenbar eine Doppelmoral an den Tag legt. Stattdessen lenken Sie vom Thema meiner Fragestellung ab.

Wenn nicht allein die Gefährlichkeit ein Verbot begründet, dann kann beim Thema Hundehaltung natürlich ebenfalls ausgeholt werden: Hunde werden weitaus häufiger vernachlässigt und in Tierheimen abgegeben oder gar ausgesetzt als exotische Wildtiere. Sie können Krankheiten übertragen und da sie als warmblütige Tiere dem Menschen sehr viel ähnlicher als wechselwarme Tiere sind, ist eine Ansteckung zudem sehr viel wahrscheinlicher, als eine Salmonellose beim Umgang mit Reptilien zu bekommen. Hunde kosten ebenfalls viel Geld und viele Leute unterschätzen die laufenden Kosten (z.B. Tierarztbesuche) und insbesondere den Zeitaufwand vor der Anschaffung. Hunde können von Leuten mit einem intensiven Berufsleben kaum rund um die Uhr betreut werden und versauern somit in den Wohnungen. Ihr Leben ist somit zu großen Teilen ebenfalls sehr reizarm. Es sind jedoch sehr soziale Lebewesen, die von Natur aus in einem Rudel ihre Beute jagen wollen, dies aber in der Gefangenschaftshaltung nicht können und demnach nicht artgerecht gehalten werden. Oder ihnen wird die Jagd ermöglicht, sobald sie im Wald von der Leine gelassen werden. Dann töten sie jedoch geschützte einheimische Arten (Faunenverfälschung) und sind eine Gefahr für Spaziergänger. Hunde werden mit Produkten aus der Massentierhaltung gefüttert, welche ein enormes Tierleid erzeugen. Oder aber sie werden mit veganer Ersatznahrung gefüttert, was nicht ihrem artgerechten Nahrungsspektrum entspricht. Die Zweckentfremdung als Statusobjekt geht bei Hunden sogar so weit, dass auf Kosten der Gesundheit neue Rassen gezüchtet werden. Die Situation bei diesem domestizierten Haustier ist also weitaus kritischer. Dass der Tierschutzbund dies alles befürworten bzw. zumindest schweigsam unter den Tisch kehren kann und sich stattdessen auf die (aus meiner Sicht weitaus weniger problematische) Wildtierhaltung konzentriert, macht diesen Verein für mich leider sehr unglaubwürdig.

Sicherlich gibt es auch Missstände in der Wildtierhaltung, die es natürlich zu beseitigen gilt und bei denen fachkundige Halter eine Zusammenarbeit mit organisierten Tierschutzvereinen nicht ausschlagen würden, wenn Ihr Verein seine drastischen Forderungen überdenken würde. Verbote sind nämlich der falsche Ansatz und verprellen auch die Leute, die fachgerecht mit diesen Tieren umgehen, Aufklärungsarbeit z.B. über den technischen und finanziellen Aufwand leisten und damit das Wohl dieser Tiere nachhaltig verbessern. Sachkundeprüfungen und Regelungen des Handels wären der bessere Ansatz. Durch private und engagierte Wildtierhalter hat die Wissenschaft bereits Erkenntnisse über die Lebensweise dieser Tiere erhalten, die nachhaltig zum Schutz der Tiere und ihrer Lebensräume beigetragen hat. Manche Arten, die sich innerhalb der Privathaltung bester Gesundheit erfreuen, sind in der freien Natur womöglich schon längst ausgestorben oder aber kurz davor (z.B. Axolotl). Und dafür sind nicht die Importe für den Heimtiermarkt verantwortlich, sondern primär Lebensraumzerstörung, Umweltverschmutzung und Klimawandel. Durch die Haltung der Tiere in Privathand werden andere Menschen auf diese Probleme durch das direkte Erleben und Begreifen der Tiere erst wirklich aufmerksam gemacht. Dies kann kein Buch und keine Dokumentation ersetzen. Der Umgang mit den Tieren lässt viele Leute ihre Vorurteile und Ängste verlieren. Ihr Horizont wird erweitert. Die Tiere sind somit Botschafter ihrer Art. Nicht zuletzt aufgrund der Gifttierhaltung hat die Medizin große Fortschritte bei der Entwicklung von z.B. Blutgerinnselhemmern gemacht.

Dass nun nicht jeder Neuling in diesem Bereich direkt eine neuimportierte Reptilienart oder eine Giftschlange als Schauobjekt für sein Wohnzimmer auf einer Börse kaufen sollte, darüber sind wir uns vollkommen einig. Gesetzlich verpflichtende Sachkunde würde hier aber bereits Abhilfe schaffen. Ein Verbot würde hingegen auch die vielen von mir genannten Vorteile außer Kraft setzen: Von Naturbildung von Kindern über Sensibilisierung der Menschen für Tiere am unteren Ende der Nahrungskette (auf denen unser aller Leben aufbaut) bis hin zu Nachzuchtprojekten (wobei sich diverse Farbzuchten und Hybride natürlich nicht mehr auswildern lassen, weswegen ich diesen Zweig der Wildtierhaltung ebenfalls kritisch sehe).

Leider gehe ich nicht davon aus, dass meine Nachricht bei Ihnen ein Umdenken bewirken wird. Ich erwarte auch nicht, dass Sie bzw. Ihr Verein ein Befürworter der Wildtierhaltung wird. Ich wünsche mir jedoch in Zukunft eine objektivere Berichterstattung in Ihren Publikationen und Pressemeldungen. Sehr gerne auch über die tatsächlich vorhandenen Missstände, damit diese gezielt beseitigt werden können. Aber eben gerne auch mal über die positiven Aspekte wie z.B. diverse Nachzuchterfolge, um das Bild der Wildtierhaltung in der Öffentlichkeit nicht propagandistisch ins Negative zu rücken. Ich selbst habe bereits „Wegwerfexoten“ aus sehr schlechter Haltung in meinen Bestand aufgenommen, deren vorherige Situation mir zwar das Herz bluten lies, die aber von mir wieder gesund gepflegt wurden, was die Möglichkeiten einer artgerechten Pflege beweist. Auch über solche Fälle (die ich als aktiv gelebten Tierschutz bezeichnen würde) könnte Ihr Verein einmal berichten, anstatt nur die vereinzelten Negativfälle (bei Hunden nannten Sie es distanziert „Ausnahmesituationen“) zu verbreiten und damit die gesamte Wildtierhaltung zu diffamieren. Wie wäre es z.B. mal mit einem Aktionstag „Kollege Exot“, bei dem jeder Arbeitgeber mit einer Urkunde ausgezeichnet wird, der in seinem Betrieb ein Terrarium mit eher anspruchslosen Tieren (z.B. Stabschrecken, Tausendfüßlern oder Achatschnecken) duldet?

Mit freundlichen Grüßen
Marco Bergmann
Na ja, man wird ja wohl noch träumen dürfen…

Zum Abschied, und sei es auch ‘ne Qual,
ein großes „Heil der Doppelmoral“!


Dienstag, 19. August 2014

DEWEZET berichtet über „Giftige Haustiere“

In meiner örtlichen Tageszeitung, der Deister- und Weserzeitung (DEWEZET) war kürzlich ein Artikel über die Haltung von giftigen Haustieren in Niedersachsen. Der Artikel handelt von den Bestrebungen des Bundes, eine einheitliche Gefahrtierregelung einzuführen, die aufgrund eines Vorfalls in Kerken (NRW) ins Rollen gebracht wurde. Dort wurde ein Schlangenhalter von seiner Puffotter gebissen. In dem Artikel kommt ein Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes zu Wort, was schon einmal wieder die einseitige Berichterstattung unterstreicht. Am Ende heißt es laut Aussage des Experten: „In Niedersachsen seien zudem tropische Giftspinnen wie Schwarze Witwen sowie andere Gefahrtiere wie Riesenschlangen gar nicht erfasst.“

Diese Unwahrheit in Bezug auf die Giftspinnen und die plumpe Bezeichnung von Riesenschlangen als Gefahrtiere, erregten meinen Unmut und ließen mich den folgenden Leserbrief an die Redaktion schreiben:
Leserbrief zu DEWEZET-Artikel: Giftige Haustiere sind verboten

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse jedoch auch ein wenig Bestürzung las ich in der DEWEZET den Artikel „Giftige Haustiere sind verboten“ [...]. Im besagten Artikel heißt es, dass tropische Giftspinnen wie Schwarze Witwen nicht in der Gefahrtierverordnung von Niedersachsen erfasst seien. Diese Aussage wurde leider schlecht recherchiert. Die Gefahrtierverordnung von Niedersachsen besagt nämlich eindeutig:

Es ist verboten, nicht gewerblich Giftschlangen einschließlich der Nattern der Gattungen Dispholidus und Thelotornis, Giftechsen, tropische Giftspinnen und giftige Skorpione zu halten.
Somit ist die Haltung von tropischen Giftspinnen in Niedersachsen sehr wohl reglementiert und ohne Ausnahmegenehmigung verboten. Durch die Aussage in Ihrem Artikel steht jeder Spinnenhalter nun unter Generalverdacht, er würde auch für den Menschen potentiell gefährliche Tropenspinnen einfach so halten dürfen. Daher bitte ich Sie um eine Richtigstellung dieser offenkundig falschen Aussage.

Dass Riesenschlangen nicht in der GefTVO erfasst sind, entspricht den Tatsachen, was ich in Bezug auf z.B. Anakonda auch für nicht sehr sinnvoll halte. Da allerdings die meisten Riesenschlangen unter der für Menschen gefährlichen Größenmarke liegen (somit nur bestimmte Arten der Riesenschlangen als Gefahrtiere einzustufen sind), halte ich die pauschale Bezeichnung der Redakteurin zum Ende des Artikels, dass Riesenschlangen grundsätzlich gefährliche Tiere seien, für nicht angemessen. Ein Schäferhund ist für Menschen und insbesondere Kinder weitaus gefährlicher als ein 150 cm langer Königspython (Python regius) oder eine unter 200 cm lange Kaiserboa (Boa imperator syn. Boa constrictor imperator), die normalerweise auch in einem abgeschlossenen Terrarium gehalten wird, wohingegen ein Hund frei mit den Menschen interagieren kann. Dies belegen auch die Statistiken zu Unfällen mit Tieren, bei denen Hunde, Katzen und Pferde weit oben gelistet sind, die Vorfälle mit Riesenschlangen oder (um konkret beim grundlegenden Fall der Diskussion zu bleiben) Bisse und Stiche von Gifttieren, abgesehen von heimischen Insekten wie Bienen und Wespen, am unteren Ende der Liste stehen.

Der Vorfall in Kerken zeigt, dass Unfälle zum Leben halt einfach dazugehören. Menschen fallen von Pferden, verunglücken mit ihren Autos im Straßenverkehr oder beim Skifahren in den Alpen und gefährden damit unter Umständen sogar noch unbeteiligte Dritte. Ab und zu wird dann auch mal ein Schlangenhalter aufgrund eines dummen Zufalls von seinem Tier gebissen. Dabei sind Unbeteiligte so gut wie nie in Gefahr. Die Forderung vom Deutschen Tierschutzbund nach einem generellen Verbot der Privathaltung von giftigen Tieren ist somit total unverhältnismäßig. Die Meldung in der DEWEZET mit schlecht recherchierten Fakten und Pauschalisierungen schürt die Brandherde und dies finde ich nicht sachgemäß.

Mit freundlichen Grüßen
Marco Bergmann
Natürlich halte ich selbst eine verantwortungsvolle Haltung von z.B. Schwarzen Witwen in sachkundiger Privathand für nicht weiter problematisch. Außerdem wird hier wieder das Problem der undeutlichen Formulierung der GefTVO deutlich: Die Tropen liegen zwischen dem 23° nördlicher und dem 23° südlicher Breite und somit ist beispielsweise die Europäische Schwarze Witwe (Latrodectus tredecimguttatus) tatsächlich nicht in der GefTVO genannt, da sie faktisch gesehen keine tropische Giftspinne ist. Aber mit diesen Fakten wollte ich die Redaktion nicht auch noch überfordern. Wer diese Tiere nachweislich sachgerecht halten kann, dem sollte dies auch gestattet werden. Jedoch ging es bei besagtem Artikel (initiiert durch den Tierschutzbund) darum, dass erneut die Ängste der Leserschaft bedient werden. Begriffe wie „Schwarze Witwe“, „Riesenschlange“ etc. werden einfach unreflektiert im Artikel genannt, damit sich der Leser einmal ordentlich gruseln kann.

Telefonisch erhielt ich vom Sekretariat der Tageszeitung die Information, dass mein Leserbrief geprüft und als in Ordnung befunden wurde. Er wurde am 19.08.2014 in der DEWEZET abgedruckt.

Es geht also, dass man sich als Exotenhalter gegen einseitige Propaganda wehrt. Immer nur Jammern bringt nichts, man muss sich schon die Mühe machen und selber aktiv werden, um das Bild der Exotenhaltung nachhaltig zu prägen! Artikel in Fachmagazinen oder Blogs sind schön und gut, erreichen aber die Massen nicht. Daher danke ich der DEWEZET für die Offenheit gegenüber meiner Gegendarstellung.


Dienstag, 12. August 2014

Aktuelle Schlagzeilen mit „gefährlichen Tieren“


Königspython
Riesenschlange, aber harmlos.
Hier einmal ein paar aufschlussreiche Meldungen aus dem Mediengeschehen der letzten Tage zum Thema „Gefahrtiere“ auf öffentlichen Raum:

Dortmund:
66-Jährige fängt Kornnatter mit Grillzange. Das Tier zeigt keine Gegenwehr.

Bremen:
Königspython schleicht sich in Wohnung. Das Tier lässt sich ohne Widerstand einfangen.

Zeulenroda/Erfurt:
Polizisten fangen Kornnatter in Garage. Das Tier verhält sich harmlos.

Vahingen/Enz (Kreis Ludwigsburg):
Spanische Dogge baut sich vor der Wohnungstür auf, fletscht die Zähne und lässt Besitzer nicht passieren. Feuerwehr rettet Besitzer, Polizei betäubt Hund.

Bondorf (Kreis Böblingen):
Drama mit bissigem Hund. Großer Mischlingshund beißt mehrere unbeteiligte Menschen und hält die Polizei rund drei Stunden lang in Atem.

Landkreis Hof:
Pony rast mit führerlosem Gespann durch den Ort. 87-Jährige verletzt.
 
Limburg:
Katze verursacht Unfall. Autofahrer überfährt Verkehrsinsel, reißt Verkehrszeichen ab und die Ölwanne des Wagens auf. Das Fahrzeug wird abgeschleppt, das Öl durch die Feuerwehr beseitigt.

Zürich:
Katze verursacht Verkehrsunfall. Ausweichende Autofahrerin kollidiert frontal mit entgegenkommendem Fahrzeug.

Bei sämtlichen Vorfällen mit entflohenen oder ausgesetzten Schlangen in den letzten Tagen wurde niemand verletzt und kein Schaden verursacht. Die Meldungen zu domestizierten Tieren im öffentlichen Raum zeigen hingegen, wo das wahre Gefahrenpotential liegt. Verletzte oder anderweitig geschädigte und noch dazu unbeteiligte Personen, beschädigtes Eigentum (privat und öffentlich) sowie aufwendige und damit teure Einsätze von Polizei und Feuerwehr stehen in keinem Verhältnis zum hineininterpretierten Gefahrenpotential von z.B. Riesenschlangen wie dem Königspython. Natürlich haben auch die domestizierten Tiere keine Schuld an diesen Vorfällen, sondern immer nur die Halter, die z.B. Katzen frei herumlaufen lassen oder Hunde aus finanziellen (oder tierrechtsideologischen) Gründen nicht erziehen bzw. mittels Maulkorb so sichern, dass sie keine Gefahr für Unbeteiligte darstellen können. Und wenn jetzt jemand wettert, dass Maulkörbe das natürliche Verhalten von Hunden zu sehr einschränken, komme ich zu dem einzig logischen Schluss, dass eine artgerechte und zugleich sichere Haltung dieser Raubtiere in Privathand leider nicht möglich ist und daher verboten werden sollte.


Übrigens… der Deutsche Tierschutzbund betreibt jedes Jahr einen Aktionstag namens „Kollege Hund“ in dessen Rahmen Arbeitgeber ausgezeichnet werden, die ihren Mitarbeitern die Mitnahme ihres Hundes in die Firma erlauben. Wie kann der Verein dies nur verantworten?
 

Deutschlands bissigster und damit gefährlichster Hund:
Der Deutsche Schäferhund


Sonntag, 10. August 2014

Bartagamen, die armen Schweine in der Terraristik

Die Streifenköpfige Bartagame (Pogona vitticeps) ist ein Paradebeispiel für die guten und negativen Aspekte der Terraristik. Einerseits zeigt sich an ihr, wie einfach viele Reptilien zu halten und sogar zu vermehren sind und andererseits offenbart sie auch viele Abgründe wie die Auswirkungen einer schlechten Haltung, Billigpreise von Nachzuchten und die Abgabe in Tierheimen und Auffangstationen. Auch wenn ich gegen die Verbreitung von Lügen und einseitiger Propaganda seitens Tierrechtlern gegen die Haltung von Exoten bin, kann auch ich nicht die Missstände ausblenden, die es tatsächlich in der Terraristik gibt und mir in meiner Zeit als Terrarianer insbesondere bei Bartagamen vor Augen geführt wurden. Mir blutet das Herz, wenn ich Reptilien oder auch Amphibien und Wirbellose leiden sehe. Damit meine ich nicht das von Tierrechtlern hineininterpretierte Leid von Terrarientiere in der sog. „Gefangenschaftshaltung“, sondern das Leid von Tieren, die entgegen ihrer Bedürfnisse schlecht gehalten werden. Sei es aufgrund mangelnden Fachwissens der Halter oder der Kosten, die manche Leuten zu Beginn der Haltung unterschätzten. Oft werden dann aus finanziellen Gründen Abstriche bei der Haltung gemacht. Mein bisheriger Bestand an Bartagamen offenbart diese Problematik und setzt sich aus den folgenden Tieren zusammen:

Bartagame 1 und 2:
Es handelt sich um ein Pärchen, welches mein Partner und ich aus schlechter Haltung von Leuten aus unserem Bekanntenkreis übernommen haben. Die Tiere wurden zwar in einem ausreichend großen Terrarium gepflegt, jedoch ließen Hygiene, Bodengrund und Beleuchtung (insbesondere UV-Anteil) zu wünschen übrig. Das Weibchen quittierte dies mit einer beginnenden Rachitis, welche jedoch glücklicherweise von uns dank Versorgung mit Calcium und UV-Licht gestoppt werden konnte.

Auch die Ernährung der Tiere bei den Vorbesitzern war nicht artgerecht. Bei Fertigfutterpellets und gefriergetrockneten statt lebenden Insekten kann man ja vielleicht noch wohlwollend beide Augen zudrücken, da die Tiere daran wohl nicht mittelfristig eingegangen wären. Dass die Tiere jedoch mit Kuchen und ähnlichen Leckereien gefüttert wurden, entzieht sich meinem Verständnis.

Augenverletzung
Die Tiere wurden zudem ständig frei in der Wohnung herumlaufen gelassen. Eine Lungenentzündung war glücklicherweise nicht das Resultat. Aber eine Augenverletzung beim Männchen. Ob diese aus einem Zwischenfall mit einer der Katzen der Vorbesitzer resultierte oder aus den Machenschaften, mit denen die Kinder der Vorbesitzer die Tiere traktierten, lässt sich nicht nachvollziehen. Denn diese hatten rege Freude daran, die Tiere umherzuwerfen oder (insbesondere mit dem Weibchen) „Auto“ zu spielen: das Tier wie ein Spielzeugauto ordentlich über den Teppichboden zu ziehen. Dadurch verlor das Weibchen an den Vorderbeinen nahezu alle Krallen. Das Auge des Männchens ist laut tierärztlicher Untersuchung zwar nicht vollständig blind, besitzt aber nicht mehr die volle Sehkraft. Dies wird auch im Verhalten des Männchens deutlich. 


Ausgerissene Krallen
Die Vorstellung, was diese armen Tiere bereits in ihrem Leben durchgemacht haben, tut mir im Herzen weh und macht mich enorm wütend! Da die Tiere bei uns jedoch wieder aufgeblüht und (abgesehen von den körperlichen Behinderungen) gesund sind, zeigt sich mal wieder, dass eine artgerechte Haltung dieser exotischen Tiere problemlos möglich ist.

Bartagame 3:
Dabei handelt es sich um ein aufgewecktes Männchen, welches soweit artgerecht gehalten wurde, dass es gesund und ohne nennenswerte körperliche Mängel (abgesehen von einem leichten Mopskopf, der bei willkürlich miteinander verpaarten Bartagamen-Nachzuchten inzwischen sehr verbreitet ist, jedoch keine gesundheitliche Beeinträchtigung darstellt) in unseren Bestand kam und sicherlich auch in der vorherigen Haltung ein hohes Alter erreicht hätte. Von allen hier genannten Tieren ist dies gewissermaßen unsere Vorzeige-Bartagame. Wir übernahmen sie, weil der Vorbesitzer (ein Teenager aus dem Bekanntenkreis meines Lebensgefährten) der Haltung überdrüssig geworden war und die Eltern sich auch nicht mehr um das Tier kümmern wollten, es jedoch bei uns in guten Händen wussten. 

Gesunde Bartagame

Dabei sieht man nebenbei bemerkt, welchen Anteil engagierte Terrarianer leisten, die ungewollte Tiere bei sich aufnehmen, noch bevor diese zum Problem für Tierheime und Auffangstationen werden. Dadurch werden diese Einrichtungen merklich entlastet. Im Falle von Verboten der Privathaltung (und sei es nur von bestimmten Arten) würde diese auf den ersten Blick nicht sichtbare Stütze der gemeinschaftlich finanzierten Tierheime wegbrechen!

Bartagame 4:
Eine ebenfalls jugendliche Halterin wollte sich von ihrer Bartagame trennen. Wir fanden das Tier in einem Internetinserat, weil wir auf der Suche nach einem weiteren Weibchen waren. Die Übergabe fand an einem Bahnhof statt, was nicht weiter kritisch zu betrachten ist, sofern die Tiere dabei vor Temperaturschwankungen geschützt sind. Wir reisten daher mit einer Styroporbox an. Die Vorbesitzer brachten das Tier in einer Faunabox mit. Die Agame war schon sehr dunkel gefärbt (ein Zeichen für Unterkühlung sowie Stress) und lag ruhig in der Box. Die Außentemperaturen lagen zu diesem Zeitpunkt bei knapp über 20 °C, was kurzfristig von einem gesunden Tier problemlos überstanden und gewissermaßen als kurzzeitige „Nachtabsenkung“ wahrgenommen wird. Den Transport in einer Faunabox fanden wir allerdings dann doch etwas dubios. Die Vorbesitzer wollten das Tier abgeben, weil es angeblich den jüngeren Partner (ein Männchen) als Futter betrachtete. Ein guter Fresser schien es jedenfalls zu sein, weil der Schwanzansatz ordentlich Fett eingelagert hatte (weswegen wir auch erst daheim nach näherer Betrachtung feststellten, dass es sich bei dem erworbenen Tier ebenfalls um ein Männchen handelte).

Daheim angekommen steckten wir das Tier erst einmal in ein vorbereitetes Quarantäne-Terrarium. Dort wurde es an dem Abend der Anschaffung auch noch kurz aktiv. Am nachfolgenden Tag war das Tier allerdings nicht mehr aktiv, sondern saß ständig mit offenem Maul unter seinem Wärmespot. Auch die Atmung war im Vergleich zu unseren anderen Tieren unregelmäßig und damit auffällig. Es war sogar gelegentlich ein Röcheln zu hören. Mir wurde klar, was das zu bedeuten hatte: Lungenentzündung! Der kurze Transport war daran sicherlich nicht schuld, hat das Übel aber gewiss auch nicht verbessert.

Das Tier kämpfte insgesamt 2 Wochen in unserer Obhut und unter fachtierärztlicher Behandlung mit der Krankheit. Nach der zweiten Behandlung schien sich sein Zustand ein wenig zu verbessern. Kurz vor der dritten, medikamentösen Behandlung beim Tierarzt lag das Tier jedoch regungslos im Quarantäneterrarium. Es hatte den Kampf gegen die Krankheit leider verloren


Neben der Trauer um den Verlust war da einerseits der Trost, dass das Tier nicht mehr leiden musste. Andererseits auch die Wut auf die Vorbesitzer, die E-Mails natürlich ignorierten. Dass diese Leute am Bahngleis noch meinten „Wenn ihr irgendwo Nachzuchten von farbigen Bartagamen findet, dann meldet euch doch wieder“, macht mir regelrecht Angst.

Fazit:

Unser eigener Bestand zeigt also, dass 75 % (3 von 4 Tieren) aus schlechter Haltung stammen und davon 33 % (1 von 3 Tieren) aufgrund der Nachwirkungen einer falschen Haltung verstorben sind. Insbesondere die treudoofen Bartagamen werden von den Leuten ständig aus den (hoffentlich) geheizten Terrarien genommen und der Zugluft sowie anderen Gefahren in den Wohnungen ausgesetzt. Außerdem wird an der Technik oder bei der Ernährung gespart. Falsche Haltung ist bei diesen Tieren, die es als Nachzucht massenweise zu Ramschpreisen gibt, daher leider sehr weit verbreitet. Überforderte Halter, die im Falle einer Krankheit des Tieres kein Geld für den Tierarzt bezahlen wollen, sonder es an andere Leute oder Tierheime abgeben oder gar aussetzen, sind offenbar keine Randerscheinung. Mir kommt das kalte Knochenkotzen, wenn ich mir ausmale, wie viele dieser liebenswerten Tiere in den Terrarien (sofern überhaupt vorhanden und nicht im Hamsterknast gehalten) leiden. Dabei sind doch gerade Bartagamen nun wirklich nicht schwer zu pflegen. Warum also werden diese Tiere so scheiße von einigen Leuten behandelt?! Damit meine ich nicht einmal euch als informierte Leser dieses Blogs, sondern uninformierte Leute, die sich einen Dreck um das Wohl ihrer Tiere scheren. Dies ist selbstverständlich kein ausschließliches Problem bei Exoten, sondern kommt bei jeder Art von Tierhaltung vor, aber diese Problematik ist eben sehr wohl vorhanden und in diesem Punkt bin ich derselben Meinung wie die radikalen Tierrechter: Das kann so nicht weitergehen!

Aber was kann man tun? Die Forderungen von Vereinen wie dem Deutschen Tierschutzbund nach Haltungsverboten und Positivlisten erscheinen in diesem Licht tatsächlich noch sehr viel absurder. Bei anspruchsvollen Arten sind mir bisher derartige Probleme noch nie begegnet. Die Halter dieser Tiere zeigen ein großes Engagement. Der Tierschutzbund fordert jedoch eine Positivliste mit Arten, die einfach zu halten sind und ein Verbot von komplizierteren Liebhabertieren. Bartagamen würden gewiss auf der Positivliste landen und somit würde sich am Leid Tiere rein gar nichts ändern! Die Tierheime stünden weiterhin vor dem Problem, dass 99,9 % der abgegebenen Exoten diese „Allerweltsarten“ (inkl. Kornnattern, Leopardgecko & Co.) sind. Man würde jedoch den engagierten Terrarianern die Grundlage für Forschung und Artenschutz wegnehmen. Positivlisten verstärken also das Tierleid, anstatt es zu beheben! Man müsste das Problem also eigentlich genau von der anderen Seite anpacken. Zuerst einmal eine Abgabe der Tiere nur an sachkundige Halter. Konzepte dazu gibt es bereits, diese werden nur noch nicht von der Politik mit Sachverstand angefasst. Vielleicht bringt auch der seit August 2014 verpflichtend eingeführte „Beipackzettel“ etwas. Wobei den wahrscheinlich viele Leute genauso aufmerksam lesen und befolgen werden, wie die Beipackzettel von Medikamenten oder die Bedienungsanleitung von elektrischen Geräten.

Ein (wenn auch radikaler) Vorschlag meinerseits wäre, dass man die Nachzucht von Bartagamen und anderen Terrarientieren, die als „Einstiegsdroge“ in die Terraristik gelten und derzeit noch in Massen produziert werden, nur mit Sondergenehmigung betreiben darf. Bartagamennachzucht beispielsweise nur für den Eigenbedarf und ansonsten nur mit strenger Geburtenrate. Diese Verordnung würde solange Gültigkeit haben, bis die Tierheimbestände an Bartagamen an die Leute vermittelt wurden, die sich wirklich sachkundig gemacht haben und die artgerechte Haltung gewährleisten können. Damit würde die Vermehrung begrenzt, die Tierheime würden entlastet und immer mehr Tiere würden artgerechter gehalten. Wer mit Leidenschaft Bartagamen pflegen möchte, wird sicherlich mit diesen Regelungen keine Probleme haben.