Mittwoch, 16. Juli 2014

Die Schwarze Wegameise (Lasius niger)

Bei der Schwarzen Wegameise handelt es sich um eine einheimische, nicht geschützte Ameisenart. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ganz Europa. Sie kommt zudem auch in Asien, Afrika und Nordamerika vor. Dort bewohnt sie Wälder und offene Landschaften. Im Sommer findet man in den Städten auf den Wegen und am Straßenrand die Nestöffnungen dieser sehr anpassungsfähigen Ameisenart. Nicht selten dringen die Tiere sogar bis in die Behausungen des Menschen vor und werden dann als Schädlinge betrachtet und bekämpft.

Königinnen der Schwarzen Wegameise können bis zu 1 cm lang werden. Arbeiterinnen werden nicht einmal halb so groß. Männchen erreichen knapp ein Drittel der Größe der Königin. Wie der Name schon vermuten lässt, ist die Grundfarbe dieser Ameise schwarz. Der Hinterleib glänzt je nach Lichteinfall in einem Bronzeton. Im Sommer findet der Königinnenflug statt. Genauer gesagt schwärmen an den warmen Sommertagen sowohl weibliche als auch männliche, beflügelte Geschlechtstiere aus und paaren sich im Flug. Die Männchen sterben zeitnah nach der Paarung, während die Königinnen ihre Flügel abtrennen und in einer unterirdischen Kammer eine neue Kolonie gründen. Die einmalige Paarung der Königin während des Schwarmfluges reicht aus, um lebenslang befruchtete Eier abzulegen.
Königspaar bei der Kopulation
Die Schwarze Wegameise ist eine dem Menschen gegenüber friedliche Ameisenart, die selten aktiv jagt, sondern allenfalls tote Insekten sammelt. Ihre Hauptnahrung im natürlichen Lebensraum stellt jedoch der Honigtau von Blattläusen dar. Die Ameisen betrommeln die Läuse mit ihren Fühlern, worauf die Läuse einen kleinen Tropfen Honigtau abgeben. Die Ameisen wiederum beschützen die Läuse vor Räubern wie z.B. dem Marienkäfer. Im Terrarium kann man diese Ameisen mit Zuckerwasser, Ahornsirup und Honig ernähren. Trotz des friedlichen Gemüts ist eine Vergesellschaftung mit anderen Arten zu vermeiden. Auch gegenüber Individuen der eigenen Art aus anderen Kolonien reagiert Lasius niger mit tödlicher Gewalt.

Haltungsbedingungen:
Für die Pflege von wirbellosen Tieren gibt es prinzipiell keine Mindesthaltungsrichtlinien. Man sollte sich trotzdem nach den Hinweisen in der Fachliteratur oder den Erfahrungen anderer Halter richten, um wirbellose Tiere artgerecht halten zu können. Zu Beginn der Haltung von Lasius niger ist der Platzbedarf noch sehr gering, da man meist mit einer selbst gefangenen, einzelnen Königin oder einer käuflich erworbenen Kleinkolonie mit der Königin und ein paar Arbeiterinnen beginnt. Ameisen werden in sogenannten „Formicarien“ gehalten, die es je nach Bedürfnis der zu haltenden Art in verschiedenen Ausführungen gibt. Der Grundaufbau stellt bei Lasius niger einerseits ein Nest dar, in dem die Kolonie lebt. Außerdem wird den Tieren noch eine sogenannte „Arena“ zur Verfügung gestellt, in der die Arbeiterinnen nach Nahrung suchen und wo sie die anfallenden Abfälle der Kolonie entsorgen. Dies machen sie zur Freude des Pflegers meist an einem bestimmten Stammplatz, der so weit wie möglich vom Nest entfernt liegt, was die Reinigung des Beckers erleichtert. Als Arena eignen sich dichtschließende Terrarien oder Aquarien mit feinen Lüftungsgittern, durch die sich die Ameisen nicht durchzwängen können. Solche Becken können im Internet z.B. beim Ameisenshop „Antstore“ käuflich erworben werden. Für Lasius niger empfiehlt es sich, den Bodengrund mit einer reinen Lehmschicht zu beschichten, damit die Tiere sich nicht in der Arena eingraben können und dort plötzlich ein Nest anlegen. Wichtig ist, dass das Becken ausbruchsicher ist. Dafür kann man wenige Zentimeter unter dem Beckenrand eine Schicht aus speziellem Flüssigkunststoff auftragen, an dem die Ameisen abrutschen. Diesen gibt es ebenfalls im Ameisenshop zu kaufen.
 
Als eigentliches Nest dient zu Beginn der Haltung meist ein Reagenzglas, welches man zu etwa 2/3 mit Wasser füllt und in das man anschließend einen fest geknüllten Wattebausch bis an das Wasser heran drückt. Das Ende der Watte, welches zur Öffnung des Reagenzglases zeigt, sollte durch das aufgesogene Wasser feucht (nicht nass!) sein und das im Reagenzglas enthaltene Wasser darf nicht herauslaufen. Auf diese Weise entsteht im vorderen Drittel des Reagenzglases das eigentliche Nest für die ersten Wochen der Kolonie. Wenn man eine befruchtete Königin selber nach dem Königinnenflug gefangen hat, setzt man diese in das Reagenzglas und verschließt es mit einem lockeren Wattebausch, feiner Gaze oder einem fein durchlöcherten Stopfen, um Luftzufuhr zu gewährleisten. Das Reagenzglas muss verdunkelt werden, sonst wird keine Kolonie gegründet und die Königin würde auf der verzweifelten Suche nach einer geeigneten Gründungskammer irgendwann sterben. Zur Verdunklung eignet sich z.B. rote Folie, weil Ameisen die Farbe Rot wohl nicht wahrnehmen können und im roten Licht das Gefühl von Dunkelheit und Sicherheit haben (wobei hier manche Halter auch eine andere Meinung vertreten und das Nest komplett verdunkeln). Die Königin hat normalerweise genug Energie getankt und benötigt in den ersten Tagen keine Nahrung. Sobald sie mit der Koloniegründung begonnen und das Nest somit angenommen hat, legt man das Reagenzglas geöffnet in die Arena und kann in der Arena in kleinen Näpfen oder auf kleinen Stückchen von Alufolie ein paar Tropfen Zuckerwasser, Ahornsirup oder Honig als Futter reichen. Zuckerwasser wird sehr gerne aufgenommen, Honig ist jedoch wesentlich nahrhafter. Manche Halter mischen sich auch eine eigene Futterlösung mit Zucker, Wasser, Honig und anderen Inhaltsstoffen selbst.

Im Laufe der Wochen wird die Kolonie immer weiter wachsen. Das Reagenzglas wird dabei irgendwann (meist erst nach einigen Monaten bis zu 2 Jahren, je nach Haltungstemperatur, Ernährung und damit verbundener Expansion der Kolonie) für diese zu klein. Irgendwann ist auch das Wasser verbraucht und die Kolonie muss umziehen. Normalerweise macht sie das freiwillig, sobald wegen Wasser- oder Platzmangel die Haltungsbedingungen im Nest nicht mehr optimal sind. Spätestens dann muss der Halter der Kolonie ein größeres Nest mit optimalen Haltungsbedingungen zur Verfügung stellen. Dafür gibt es grundsätzlich zwei einfache Möglichkeiten:

1. Man verbindet die Arena über einen Schlauch mit einer sogenannten Ameisenfarm. Diese gibt es ebenfalls käuflich im Ameisenshop zu erwerben. Dabei handelt es sich prinzipiell um zwei Glasscheiben, zwischen denen ein grabfähiges Substrat (eine Sand-Lehm-Mischung) gefüllt wird, in dem die Ameisen dann ihre Gänge und Höhlen selber anlegen können. Dies ist vorteilhaft für interessante Beobachtungen der Tiere, jedoch sind diese Nester in Sachen Befeuchtung und Pflege nicht unbedingt sehr praktisch.
Yton-Nest
2. Man stellt ein vorgefertigtes oder selbstgebautes Nest z.B. aus Yton (Blähbeton) oder Gips in die Arena. Dafür schnitzt man z.B. in einen Yton-Block die Gänge und Kammern und befestigt anschließend mit Schrauben oder Aquariensilikon eine Glasplatte inkl. roter Folie auf den Block. Zur Befeuchtung wird ein Wassergraben auf der Oberseite des Blocks bis hinter einen Teil der Kammern gefräst. Die Ameisen können bei einem solchen Nest zwar ihre Gänge nicht selber anlegen, jedoch ist ein solches Nest leichter zu pflegen und die Gefahr, dass sich in einer Kammer Schimmel bildet, ist nicht so groß wie bei einer Ameisenfarm. Im Notfall kann man die Glasplatte einfach abnehmen und Teile des Nestes säubern oder für die Kolonie verschließen. Bei einer Ameisenfarm würde eine solche Aktion das gesamte Nest zerstören. Beim Yton-Nest erlebt man allerdings nicht, wie die Ameisen ihre Gänge und Kammern selber bauen, was das zu erlebende Beobachtungsspektrum etwas einschränkt.

Bei beiden Varianten biete sich der Vorteil, dass man das Nest von der Arena separieren kann, was bei der Winterruhe ein Vorteil ist. Man kann dann das Nest mit der darin zurückgezogenen Kolonie in die Winterruhe schicken, während der Rest des Formicariums an seinem Stammplatz bleiben kann. Ich persönlich bevorzuge die zweite Variante mit einem selbstgebauten Yton-Nest, bei dem ich die Ränder der Kammern mit etwas Gips ausgefüllt habe, damit keine Eier oder Larven in den Poren des Blähbetons fallen können. Für den Umzug der Kolonie empfiehlt es sich, das neue Nest direkt mit dem Reagenzglasnest zu verbinden. Das neue Nest wird dann von den Tieren schneller gefunden und bei darin herrschenden besseren Bedingungen im Vergleich zum Reagenzglas auch relativ schnell angenommen. Sollte dies alles nichts nützen und die Tiere einfach nicht umzugswillig sein (Lasius niger hat eine ausgeprägte Nesttreue), kann man auch den radikalen Weg gehen und das Reagenzglasnest in der Arena in der Nähe des neuen Nestes ausschütten und vorsichtig ausklopfen. Den Ameisen schadet dies meiner Meinung nach nicht. Die Arbeiterinnen werden die Brut zusammentragen und schnellstmöglich nach einem neuen Nest suchen. Steht das Yton-Nest bereit, wird es recht schnell gefunden und als neue Unterkunft angenommen.

Formicarium
Lasius niger ist als einheimische Art an unsere Temperaturen gewöhnt und somit stellt sie keine besonderen Ansprüche an das im Formicarium herrschende Klima. Zimmertemperatur reicht bei der Haltung dieser Art vollkommen aus. Zusätzliche Wärmequellen wirken sich sogar eher negativ auf das Wohlbefinden der Kolonie aus.

Die Luftfeuchtigkeit ist ebenfalls relativ nebensächlich. Wichtiger ist die Nestfeuchtigkeit. Das Nest darf nicht zu nass sein! Lasius niger mag es im Nest zwar eher feuchter als zu trocken, jedoch kann eine zu feuchte Haltung im Nest für Kondenswasser sorgen und somit zu Schimmelbildung führen. Dies wäre für die Kolonie wesentlich tödlicher, als eine zu trockene Haltung. Ich befeuchte mein Yton-Nest einmal täglich, indem ich den Wassergraben des Nestes auffülle. Danach zieht das Wasser in den Blähbeton und befeuchtet die Hälfte der Kammern im Nest, während die andere Hälfte trocken bleibt. So können die Ameisen sich in die Kammern zurückziehen, die ihnen am ehesten zusagen. In der Arena sollte man außerdem eine Tränke (z.B. eine Vogeltränke oder eine Dochttränke) anbieten, damit die Tiere direkten Zugang zu Frischwasser haben.

Ernährt werden die Tiere wie schon erwähnt mit Zuckerwasser und Honig. Gelegentlich wird der Speiseplan mit toten Insekten oder anderen Proteinen (z.B. getrocknete Mückenlarven aus dem Zoofachgeschäft) ergänzt. Hauptnahrung stellt jedoch Honig bzw. Zuckerwasser oder eine Mischung aus beidem dar. Wer in der Arena den nötigen Platz hat, kann auch eine mit Blattläusen befallene Pflanze darin aufstellen. Die Ameisen können dann die Läuse melken, was die natürlichste Form der Ernährung für diese Tiere darstellt.

Im Oktober sollte man die Kolonie etappenweise abkühlen, um sie auf die Winterruhe vorzubereiten. In dieser Zeit ist die Kolonie verstärkt zu füttern, damit sie genug Reserven speichern kann. Die eigentliche Überwinterung von Mitte November mit zum März des Folgejahres (bei Bedarf auch etwas länger oder kürzer) sollte bei ca. 6 bis 9 °C stattfinden. In dieser Zeit muss das Nest weiterhin befeuchtet werden. Die meisten Kolonien in der Haltung gehen ein, weil der Halter das Nest während der Winterruhe nicht ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt hat. Ich persönlich überwintere meine Tiere in einem unbeheizten Raum, in dem im Winter ca. 8 °C herrschen. Auch eine Überwinterung im Keller, im Kühlschrank oder frostfrei im Freien wäre denkbar. Die Winterruhe ist notwendig für die Produktivität der Kolonie im darauffolgenden Jahr. Die Lebensdauer der Kolonie wird dadurch ebenfalls erhöht bzw. wird sie im Falle einer ausbleibenden Winterruhe massiv verkürzt. Im März wird die Temperatur wieder schrittweise auf die Normaltemperatur gebracht und mit der Fütterung begonnen.

Die längste nachgewiesene Lebensspanne einer Königin und somit der gesamten Kolonie lag bei fast 29 Jahren. Wer sich also für die Haltung der Schwarzen Wegameise entscheidet, sollte mit einer Lebenserwartung der Kolonie von zumindest über 20 Jahren rechnen. In dieser Zeit kann die Kolonie auf weit über 30.000 Individuen anwachsen. Dennoch reichen für diese Art am eher kleinere Formicarien aus. Aufgrund der niedrigen Ansprüche und die Robustheit ist Lasius niger für Neulinge in der Ameisenhaltung sehr zu empfehlen. 


Kommentare:

  1. Wir haben seit gestern einen verlausten Petersilienstock hineingestellt. Hast du das auch schon ausprobiert? Denn wir haben jetzt das Problem, dass die Läuse überall herum laufen und tausende von kleinen Fliegen in der Arena herum schwirren:-/ Hattest du die gleichen Erfahrungen?

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    1. Hallo Angi,

      also ich habe meinen Ameisen bisher noch keine Läuse zum Melken angeboten, daher kann ich diesbezüglich keine Erfahrungen mit der teilen. Bei den kleinen Fliegen könnte es sich aber um Trauermücken handeln. Hast du die Pflanze mit einem Topf Blumenerde zu deinen Ameisen gestellt oder kürzlich auf anderem Weg feuchte Erde eingebracht? Trauermücken legen ihre Eier in feuchte Erde und wenn die Temperaturen stimmen (z.B. im Terrarium), kann es zu einem Massenschlupf kommen. Abhilfe schafft da ein Austrocknen des Substrates. Ich hatte auch schon öfter eine Trauermücken-Plage in meinen anderen Terrarien, aber die hat sich nach ein paar Tagen immer wieder von selbst gelegt.

      Beste Grüße
      Marco

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  2. das mit den Läusen ist immer noch so ein Problem in der Haltung. Meist werden die Läuse einfach gefressen.
    Als Futter eignen sich die Läuse aber sehr gut für kleine Arten, wie Temnothorax ;)

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