Montag, 5. Mai 2014

Nachbetrachtung: Terrarienbörse Hannover (04.05.2014)

Am Sonntag den 04. Mai 2014 fand in der Glashalle des Hannover Congress Centrums (HCC) die Terrarienbörse Hannover statt. Auch ich war wieder vor Ort und möchte mit diesem Beitrag einmal über meine Eindrücke berichten:

Die Börse war (nicht zuletzt auch wegen der Abschaffung der Terra-Nord in Braunschweig) verhältnismäßig gut besucht. Dank der breiten Gänge und der guten Klimatisierung der Halle, war der Besuch dieser Börse ein sehr angenehmes Erlebnis. Was mir allerdings (wie auch schon die vergangenen Male zuvor) zu Beginn direkt negativ auffiel, war die fehlende Ausschilderung in der Umgebung des Congress Centrums. Mehrmals wurde ich auf dem Weg von der Stadtbahnhaltestelle zur Glashalle, deren Eingang sich ein wenig versteckt an der Seite des HCC befindet, von Leuten angesprochen, wo denn der Weg / Eingang zur Terrarienbörse sei. Hier sollten die Veranstalter (sofern möglich) in Zukunft für eine bessere Ausschilderung sorgen.

Das Angebot auf der Börse war in einem guten Verhältnis zueinander bunt gemischt. Neben Anbietern für Terrarien aus Glas und Holz, Terrarientechnik, Literatur, Dekorationen (zum Teil sogar mühevoll selbstgefertigt!), Pflanzen und Futtertieren lag der Schwerpunkt natürlich auf dem Verkauf von Terrarientieren. Vor allem für Vogelspinnenliebhaber gab es einige Anbieter mit einer sehr großen Auswahl an Tieren. Die Gespräche mit diesen Anbietern waren wie gewohnt freundlich, interessant und erheiternd. An sonstigen Wirbellosen wurden hauptsächlich Schnecken und Tausendfüßer angeboten. Auch „The Pet Factory“ war wieder mit einer interessanten Auswahl an Käfern und anderen Wirbellosen vertreten. Abgesehen von ein paar Landkrabben und Mantiden (Gottesanbeterinnen) war die Auswahl an weiteren Wirbellosen auf dem Rest der Börse leider nicht sehr groß. Phasmiden waren sogar wider Erwarten eine echte Rarität. Stattdessen wurden allerdings einige Skorpione angeboten, was ich jedoch etwas kritisch sehe. Zwar handelte es sich durchweg um mindergiftige Tiere, weil für den Menschen gefährliche Gifttiere ohnehin nicht auf der Terrarienbörse Hannover angeboten werden dürfen, dennoch bedarf die private Haltung dieser Tiere in Niedersachsen offiziell einer Ausnahmegenehmigung durch den Landkreis. So hirnrissig ich die aktuelle Gefahrtierverordnung auch finde, Skorpione zum freien Verkauf anzubieten, halte ich auf einer Börse in Niedersachsen dennoch für nicht sehr sinnvoll. Wobei dieser Einwand meinerseits der Vollständigkeit halber dann auch für sämtliche „tropischen“ Vogelspinnen gelten müsste.

An Reptilien bestand das Börsensortiment hauptsächlich und wie gewohnt aus Kornnatter, Königspython, Leopardgecko und Bartagame. Herausstach ein Anbieter, welcher neben Rotbauchunken und Schmuckhornfröschen eine große Auswahl an kleinbleibenden Geckos im Angebot hatte. Neben diversen Dünnfingergeckos waren insbesondere die von diesem Anbieter angebotenen Rübenschwanz-Viperngeckos ein Highlight der Börse. Leider befanden sich die von mir gesuchten Palmatogeckos (Pachydactylus rangei) nicht im gut präsentierten Sortiment dieses Anbieters.

Die Ochsenfrösche und Aga-Kröten eines anderen Anbieters waren für mich als Amphibienfreund ein weiterer Höhepunkt. Es handelte sich bei diesen Tieren um Wildfänge, was bei diesen Arten im Grunde auch die Regel und aufgrund ihrer invasiven Lebensweise nicht schädlich für die Populationen in freier Wildbahn ist. Jedoch haben beide Arten aufgrund ihrer Robustheit das Potential, Krankheiten wie den Chytridpilz oder das Ranavirus unbemerkt zu übertragen. Als Käufer dieser Tiere sollte man also die Quarantäne ganz besonders gewissenhaft durchführen, um Ansteckung seines restlichen Bestandes zu vermeiden. Neben diesen großen Anuren und sogar Feuersalamandern, fanden sich wie gewohnt auch wieder ein paar Anbieter für Pfeilgiftfrösche auf der Börse.

Die Bandbreite an Tieren war für eine Börse in dieser Größenordnung sehr passabel. Mich irritierte allerdings ein wenig das Nebensortiment eines Anbieters in Form von Kampffischen. Einen solchen – für Nanoaquarien geeigneten – Fisch hätte ich nicht unbedingt auf einer Terrarienbörse erwartet. Schmunzelnd stellte ich mir selbst die Frage, ob ich vielleicht mal meine verzweifelte Suche nach Schwimmfußgeckos auf eine der einschlägigen Aquaristikbörsen ausweiten sollte…

Leider muss ich auch ein paar der Missstände aufzeigen, die mir beim Besuch der Terrarienbörse Hannover auffielen. Diese Kritik soll kein Futter für radikale Tierrechtler, sondern lediglich ein Vorschlag sein, um eine gute Börse in Zukunft noch besser zu machen. Ich möchte und kann die Terrarienbörse Hannover in Bezug auf Größe und Auswahl natürlich nicht mit der Terraristika Hamm vergleichen. Dennoch sieht man beim direkten Vergleich einige Punkte, bei denen die Terraristika Hamm schon sehr viel weiter ist. Ein Aspekt ist die Pflicht auf der Terraristika, die Verkaufstische mit angebotenen Tieren mit einem Frontsteg zu sichern, damit die Boxen mit den Tieren nicht von den Tischen fallen können. Eine solche explizite Vorschrift gibt es bei der Terrarienbörse Hannover (noch) nicht. Ein paar der Anbieter (vermutlich welche mit „Terraristika-Erfahrung“) hatten zwar einen solchen Steg an ihren Verkaufstischen montiert. Jedoch einige eben leider auch nicht. Zum Schutz der Tiere wäre die Verpflichtung einer solchen Sicherung jedoch wünschenswert.

Einen großen Kritikpunkt stellt für mich die uneinheitliche Beschriftung der Tierbehälter dar, welche zudem in Einzelfällen gegen die Auflagen der Börsenordnung verstießen. Ein Anbieter verkaufte seine Kornnattern schlicht und ergreifend als „Korni“. Den wissenschaftlichen Namen oder weitere Angaben suchte man vergebens. Manche Anbieter hatten zwar Etiketten auf die Behälter mit den Tieren geklebt, jedoch nützen diese nichts, wenn darauf „NZ/WF“ steht und keine dieser Angaben deutlich als zutreffend markiert wird. Manche Etiketten waren zudem so klein geschrieben, dass selbst ich mit meinen doch recht guten Augen Probleme hatte, diese zu lesen. Bei leider nicht gerade wenigen Anbietern fehlte zudem eine Auszeichnung der Preise. Dem gemütlichen Flohmarkt-Feeling in aller Ehre… auf einer Börse wo sich an den Verkaufstischen bereits die Interessenten tummeln und die Anbieter ohnehin schon ausgelastet sind, würden sichtbare Preise die Situation sicherlich merklich entzerren.

In Bezug auf diese kritisierten Punkte, wäre eine genauere Überwachung seitens der Veranstalter wünschenswert. Abschließend möchte ich jedoch auch noch einen Anbieter loben, dessen Verkaufsgespräche ich am Rande mitbekam und der aufzeigte, dass es auch anders geht: Ein Kunde zeigte Interesse an den Riesentausendfüßern des besagten Anbieters. Der Verkäufer bot eine fachkundlich grandiose Beratung und händigte dem Käufer schließlich auch noch eine sehr umfangreiche Haltungsbeschreibung aus. Letzteres ist nicht einmal auf der Terraristika Hamm bei wirbellosen Tieren vorgeschrieben. Daher war ich von diesem Verkaufsgespräch regelrecht begeistert und würde mir ein solches Verhalten von allen Anbietern auf Tierbörsen wünschen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen