Samstag, 31. Mai 2014

"Wir müssen doch den Regenwald bewahren" (Cartoon)

Aufgrund des Einflusses von Tierrechts- und dubiosen Artenschutzvereinen steht das geplante Verbot von Wildfängen im Koalitionsvertrag der Regierungskoalition CDU/CSU und SPD. Eine derartige Reglementierung lässt sich allerdings nicht für Deutschland alleine, sondern nur in der gesamten EU durchsetzen. Sollte es nun nach der Wahl des neuen EU-Parlaments zu einem europaweiten Verbot von Wildfangimporten in die EU kommen, zeigt mein neuer Cartoon die Problematik, vor welcher die Bevölkerungen der betroffenen Exportländer stehen würde:


Wenn sie mit den legalen Wildfängen kein Geld mehr verdienen können, weil die EU als Großabnehmer weggebrochen ist, besteht für diese Menschen auch kein Grund mehr die Lebensräume der Wildfangtiere zu schützen. Die Flächen könnten dann z.B. für den Abbau von Edelmetallen, konventionelle Landwirtschaft oder den Anbau von Futtermitteln genutzt werden. Saatgutmonopolisten reiben sich sicherlich schon die Hände.

Wildfänge sind also nicht in jedem Fall ein Raubbau an der Natur. Schwarz-Weiß-Denken und Pauschalisierungen sind hinderlich. Man muss schon genau hinschauen und dann einzelfallbezogen entscheiden. Beispielsweise finde ich es ein Unding, dass Wildfänge anspruchsvoller Arten (z.B. Flugdrachen) von gewissen Händlern regelmäßig auf Börsen an jedermann zu Ramschpreisen verkauft werden. Diese Tiere überleben selbst bei Profis nicht lange und die Nachzucht ist meines Wissens bislang noch nie geglückt. Da diese Tiere aber leider nicht international geschützt sind, ist der Handel mit Wildfängen prinzipiell legal. Verwerflich finde ich es trotzdem. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Ich bin der Meinung, dass nur noch der Handel mit Wildfängen aus nachhaltiger Quelle erlaubt sein sollte. In der Aquaristik gibt es sog. Ramsar-Schutzgebiete. Dort wird den Bevölkerungen der Herkunftsländer die nachhaltige Nutzung ihrer wildlebenden Tierbestände gestattet. Die Fische werden in einem gewissen Rahmen gefangen und für den Heimtiermarkt verkauft. Wichtig ist, dass die ansässige Bevölkerung ausreichend daran verdient. Sozusagen ein „Fair Trade Logo“ für den Tierhandel. Es kann nicht sein, dass die Menschen die Tiere in Massen wegfangen, um dafür einen Hungerlohn zu bekommen, während sich skrupellose Tierhändler eine goldene Nase daran verdienen. 

Ein generelles Verbot von Wildfängen halte ich aber ebenso für falsch! Denn die Ramsar-Schutzgebiete sorgen dafür, dass die Wildbestände und die Lebensräume erhalten bleiben. Schließlich sind das ja die Einnahmequellen der Menschen. Würde die nachhaltige Nutzung mit generellen Importverboten unterbunden, müssten die Menschen sich andere Einnahmequellen suchen. Die Lebensräume wären dann gewissermaßen wertlos und würden zerstört. Mit dramatischen Folgen für die dort lebende Tier- und Pflanzenwelt. Für den Reptilienhandel gibt es solche Konzepte einer nachhaltigen Nutzung leider (noch) nicht.

Nachhaltige Wildfänge sind somit durchaus wichtig für den Arterhalt. Nicht nur innerhalb der Terraristik zur Blutauffrischung, sondern auch außerhalb in den natürlichen Lebensräumen. Denn wenn diese Lebensräume zerstört werden, sterben auch die Arten, die gar nicht für den Heimtiermarkt relevant sind. Somit bewirkt eine vermeintliche Verbesserung des Tier- und Artenschutzes genau das Gegenteil. Dass die EU mit einem solchen Verbot ganz nebenbei die Artenschutzbemühungen und bestehende Gesetze und Regelungen wie das Washingtoner Artenschutzübereinkommen mit Füßen tritt, interessiert unsere Politik und die radikalen Tierrechtler herzlich wenig. Hauptsache man kann sich kurz profilieren und ein paar mehr Wähler bzw. Spender ergattern.

Dienstag, 27. Mai 2014

Du sollst keine Spider-Morphs mehr züchten!

Unter diesem polarisierenden Titel meines heutigen Beitrags möchte ich einmal die Gefahren der leichtsinnigen Verpaarung von Königspythons mit der Zeichnungsvariante „Spider“ aufzeigen. Zuerst einmal ein paar Informationen zu dieser Variante. 

„Juvenile male spider (spider-webbed) morph ball python. This is a dominant pattern mutation.“ by WingedWolfPsion https://commons.wikimedia.org/wiki/Python_regius#mediaviewer/File:Spider_Morph_Ball_Python.png is licensed under a Creative Commons license: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/
Wie man auf dem Foto erkennen kann, zeigt ein Spider an den Flanken dünne (an ein Spinnennetz erinnernde) Querstreifen. Bei der wildfarbenen Variante (also der Farb- und Zeichnungsvariation, welche sich auf natürlichem Wege im Rahmen der Evolution entwickelt hat) sind diese Streifen wesentlich breiter. Diese Wildform wird in Züchterkreisen auch „Classic“ genannt. Die Zeichnungsvariante Spider wurde erstmalig im Jahre 1999 gezüchtet. Die daraus resultierenden Nachkommen dienen als Zwischenschritt bei der Zucht von weiteren, in der Regel hochpreisigen Designermorphs. 

Nun weiß der aufmerksame Leser meines Blogs, dass ich die ganze Schönzucht in der Terraristik nicht unbedingt gut finde. Im Falle der Zucht mit Spider-Exemplaren sehe ich die Sache allerdings noch eine Nummer kritischer. Spider vermehrt sich nämlich über den dominanten Erbgang. Das ist soweit nicht tragisch. Kritisch zu betrachten ist jedoch, dass sich Spider sogar dominant gegenüber der natürlichen Farbvariante Classic weitervererbt. Das bedeutet, dass ein mischerbiger Königspython, der die Gene für Spider von einem Elternteil und die Gene für Classic von dem anderen Elternteil vererbt bekommt, am Ende die Zeichnungsvariante Spider zeigt, weil Spider als dominante Erbanlage die rezessiven Gene der Wildfarbe unterdrückt. Normalerweise ist die Wildfarbe dominant gegenüber anderen Farbvarianten wie z.B. Albino. Nur in Bezug auf die Spider-Morph zieht das natürliche Erscheinungsbild den Kürzeren.

Die Genetik des dominanten Erbganges ist eigentlich nicht schwer zu verstehen. Grundsätzlich trägt jedes Individuum einen doppelten Chromosomensatz in den Keimzellen. Jeweils eine Hälfte dieses Chromosomensatzes stammt von einem der beiden Elternteile, die ja wiederum ebenfalls einen doppelten Chromosomensatz besitzen. Im folgenden Schema stelle ich die Kreuzung eines reinerbigen Spiders mit einem reinerbigen wildfarbenen Exemplar dar. Das Spider-Gen wird von mir mit einem großen „S“ dargestellt, da es sich um das dominante Gen handelt. Die in diesem Erbgang rezessiv auftretende Wildfarbe wird mit einem kleinen „w“ dargestellt. Ein reinerbiger Spider hat also den doppelten Chromosomensatz „SS“ für Spider und ein reinerbiger Classic hat den doppelten Chromosomensatz „ww“ für die Wildfarbe. Bei der Vererbungslehre nach MENDEL wird jeweils eine Hälfte dieser Chromosomensätze an die Nachkommen vererbt. Daraus ergibt sich das folgende Verhältnis der verschiedenen Nachkommen. Alle rechtsradikalen Blogbesucher, die hier wegen der Suchbegriffe „reinerbig“ und „SS“ zu mir gefunden haben, können übrigens an dieser Stelle gerne wieder abziehen. 

Bei der Kreuzung von einem reinerbigen Spider mit einem reinerbigen Classic entstehen somit Mischlinge mit der Erbanlage „Sw“ im Verhältnis 4:0 (was somit 100 % entspricht). Diese Mischlinge zeigen die Zeichnungsvariante Spider, weil die Wildfarbe unterdrückt wird. Man nennt sie in Züchterkreisen „Spider heterozygot für Classic“. Sie tragen die Gene der Wildfarbe in sich und können diese bei weiteren Zuchtversuchen an ihre Nachkommen weitergeben. Diese Möglichkeiten sehen wie folgt aus:

Bei der Kreuzung von zwei mischerbigen Spiders entsteht ein Verhältnis von 1 reinerbigen Spiders zu 2 mischerbigen Spiders zu 1 reinerbigen Classics (1:2:1). Somit zeigen 75 % der Nachkommen die Zeichnungsvariante Spider und 25 % die wildfarbene Zeichnung. Da man den Tieren nicht ansehen kann, ob sie reinerbige oder mischerbige Spiders sind und somit die Veranlagung für die Wildfarbe in den Genen tragen, spricht man im Züchterjargon bei diesen Nachkommen auch von „Spider possible heterozygot für Classic“.


Bei der Kreuzung von einem mischerbigen Spider mit einem reinerbigen Classic entsteht ein Verhältnis von 2 mischerbigen Spiders zu 2 reinerbigen Classics (2:2). Somit zeigen 50 % der Nachkommen die Zeichnungsvariante Spider und 50 % die wildfarbene Zeichnung. 


Bei der Kreuzung von einem mischerbigen Spider mit einem reinerbigen Spider entsteht ein Verhältnis von 2 mischerbigen Spiders zu 2 reinerbigen Spiders (2:2). Somit zeigen trotzdem 100 % der Nachkommen die Zeichnungsvariante Spider. Auch diese Nachkommen werden als „Spider possible heterozygot für Classic“ bezeichnet, da man ihnen ihre Rein- bzw. Mischerbigkeit nicht ansehen kann.

Soviel zu den Fakten… jetzt wird es emotional:
Die aufgezeigten Erbgänge machen deutlich, dass bei der Zucht mit der Zeichnungsvariante Spider die natürliche Farbvariante verhältnismäßig selten auftritt. Da diese Farbgebung auf dem Markt auch wenig Gewinn erwirtschaftet, weil spektakuläre Farbmorphen, die man mithilfe von Spider züchten kann, gefragter sind, fallen wildfarbene Exemplare bei den meisten großen Züchtern eher als Nebenprodukt an und sind nicht Hauptziel der Zuchtbemühungen. Solange der Genpool in der Terraristik immer mal wieder durch legale Wildfänge und Farmzuchten aufgefrischt wird, sehe ich auch kein Problem darin. Sollte jedoch die EU (ausgehend von den Bemühungen unserer Bundesregierung auf Drängen der SPD und diverser Tierrechtsvereine) tatsächlich ein Importverbot beschließen, wird unser Königspython-Bestand in der EU von diesem Nachschub an frischem Blut abgeschnitten. Dann nimmt die von uns Menschen betriebene Selektion ihren Lauf und innerhalb der Terraristik wird langfristig eine eigene Evolution stattfinden, bei der sich dank des wilden Herumgezüchtes mit der Zeichnungsvariante Spider, diese irgendwann als die neue „Classic-Form“ etablieren und die natürliche Farbgebung des Königspythons vollständig verdrängen wird. Zwar sind natürlich auch diese Spider-Königspythons liebenswerte Geschöpfe, dennoch wäre das nicht der Sinn der Terraristik, welche sich eigentlich der Erhaltungszucht verschreiben sollte. Und dazu gehört auch der Erhalt der Farb- und Zeichnungsvarianten, welche sich die Natur „ausgedacht“ hat.

Freitag, 23. Mai 2014

Begriffserklärung: Artenschutz, Tierschutz und die lieben Tierrechtler

Bei der vorherrschenden Debatte über Einschränkungen in der Heimtierhaltung fällt mir häufig auf, dass manche Exotenhalter, und somit Leute aus meinen eigenen Reihen, grundsätzlich negativ gegenüber Tierschützern und Tierschutzvereinen eingestellt sind. Dabei besteht ein feiner Unterschied zwischen Tierschützern und Tierrechtlern. Auch der Artenschutz wird gerne in der Debatte genannt und vor allem mit Tierschutz verwechselt.

Der Artenschutz dient grundsätzlich der Erhaltung von bedrohten Tierarten. Gesetzliche Grundlagen dafür sind z.B. das Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Wenn Terrarianer diese bedrohten Tierarten auf legalem und somit nachhaltigem Weg importieren oder Nachzuchten in Gefangenschaft halten und diese Arten dann selber nachzüchten, betreiben sie somit Artenschutz. Da die meisten engagieren Terrarianer auch über den Tellerrand schauen (und sei es nur durch das Lesen von Fachzeitschriften), interessieren sie sich auch für die Belange der Terrarientiere in ihrem natürlichen Lebensraum. Ihnen liegt der Erhalt dieser Lebensräume somit ebenfalls am Herzen. Die Umweltbildung ist ein ebenfalls nicht zu vernachlässigender Aspekt des Artenschutzes. Was der Mensch nicht kennt, das schützt er auch nicht. Durch Aufklärung auch anhand direkten Kontakts zu den Tieren werden die Menschen für die Problematik der Lebensraumzerstörung dieser Tiere sensibilisiert. Die hier geschilderten Artenschutzbemühungen werden nicht nur von uns Terrarianern, sondern z.B. auch von Zoos vorangetrieben. Selbst die ebenfalls von Tierrechtlern oftmals kritisierten Jäger betreiben Artenschutz. Durch den Einfluss des Menschen haben einige Tiere, die z.B. Pflanzen schädigen oder geschützte Kleinlebewesen wie Reptilien, Amphibien, Wirbellose und Vögel töten, keine natürlichen Feinde in Form von großen Raubtieren mehr. Würde man diesen Tieren freie Bahn lassen, würde das Gleichgewicht der Natur zusammenbrechen. Jäger, die solche für die einheimischen Arten gefährlichen Tiere (wozu auch streunende Hauskatzen gehören) dezimieren, dienen also im Endeffekt einem größeren Ganzen, welches unser aller Leben bestimmt.

Unter Tierschutz versteht man hingegen den Schutz eines einzelnen Tieres vor vermeidbaren Schmerzen, Leid und Schäden. Gesetzliche Grundlage dafür ist das Tierschutzgesetz. Als engagierte Terrarianer sind wir ebenfalls am Tierschutz interessiert. Wenn eines unserer Tiere krank ist, dann geben wir es in professionelle Behandlung. Wir pflegen die Tiere unter artgerechten Bedingungen, damit sie kein Leid empfinden. Faktisch gesehen sind Exotenhalter somit auch Tierschützer (pauschal also alle Tierschutzvereine zu diffamieren, wäre somit falsch). Leider gibt es (wie bei allen Tierhaltern) auch unter uns Terrarianern Leute, die sich nicht an das Tierschutzgesetz halten. Die sich z.B. nicht im Vorfeld über ihre Tiere informiert haben und aus Unwissenheit oder anderen Gründen die Tiere nicht artgerecht halten. Diese Problematik betrifft jedoch grundsätzlich nur einen kleinen Teil der Exotenhalter und außerdem findet man dies auch in anderen Bereichen der Tierhaltung. Gegen bundeseinheitliche Regelungen und die Pflicht einer Sachkundeprüfung sollte eigentlich kein Tierhalter, dem das Wohl seiner Tiere am Herzen liegt, etwas einzuwenden haben – sofern einem dadurch nicht unnötig Steine in den Weg geworfen werden. Schließlich sind wir zur Einhaltung der bestehenden Gesetze verpflichtet, daher wäre es kein Problem für uns, wenn die Politik diese härter kontrollieren würde. Jedoch wären pauschale Verbote und weitere Einschränkungen der falsche Weg. Zudem sollten diese Maßnahmen dann nicht nur für uns Exotenhalter härter durchgesetzt werden, also lediglich für eine Minderheit, was dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes widersprechen würde, sondern auch in anderen Bereichen der Tierhaltung angewandt werden. Wenn Kinder regelmäßig tagsüber nachtaktive Hamster aus ihren Verstecken zerren, um mit diesen Tieren zu kuscheln und zu spielen, ist dies ebenfalls ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Was diese Aspekte des Tierschutzes betrifft, bin ich also grundsätzlich mit diversen Tierschützern einer Meinung, weshalb hier auch gemeinsame Gespräche auf sachlicher Basis möglich sind.

Nun gibt es jedoch leider auch immer ein paar Fanatisten unter den Tierschützern. Diese werden als Tierrechtler bezeichnet. Diese Personen betreiben emotionalen Tierschutz und fordern gleiche (oder sogar noch mehr) Rechte für Tiere, wie für den Menschen. Da es den Vertretern der Tierrechtsbewegung, die sich gerne in radikalen Vereinen wie PeTA, Pro Wildlife, Aktion Tier etc. organisieren, oftmals an wissenschaftlichen Fakten fehlt, werden gerne mal falsch ausgelegte Statistiken verbreitet und durch teure Werbekampagnen die Emotionen der Menschen geweckt. Sei es Mitleid mithilfe trauriger Robbenbabyaugen oder Furcht durch Panikmache mit exotischen (und damit fremden) Tieren. Die Argumente dieser Tierrechtler haben jedoch bei näherer Betrachtung keinen Bestand. Es handelt sich bei diesen Menschen durchweg um Heuchler! Und diese Behauptung kann ich natürlich auch untermauern:
  • Wenn ein Tierrechtler zu Podiumsdiskussionen fährt und sich dort für die Freiheit von (angeblich) in Gefangenschaft leidenden Spinnen und Insekten einsetzt, auf dem Weg dorthin mithilfe seines Autos oder der öffentlichen Verkehrsmittel allerdings einen ganzen Wirbellosen-Holocaust veranstaltet, ist dies Heuchelei!
  • Wenn ein Tierrechtler die angeblich nicht artgerechte Haltung von Exoten im Terrarium anprangert, jedoch seinen Hund oder seine Katze (Raubtiere) mit einseitiger veganer Ersatznahrung füttert, ist dies Heuchelei!
  • Wenn ein Tierrechtler vor der Faunenverfälschung durch ausgesetzte Exoten warnt, jedoch gleichzeitig seine Katze in den Wäldern geschützte Arten dezimieren lässt, weil seine Katze aus seiner Sicht das Recht auf diesen Freiraum hat, ist dies Heuchelei!
  • Wenn ein Tierrechtler die Gefahr von (sicher verschlossenen) Gifttieren als Argument gegen die Exotenhaltung hochhält, seinen Hund jedoch nicht zur Hundeschule schickt, weil dies der Natur des Hundes widerspricht, und somit selber ein potentiell gefährliches Tier hält und sogar in die Öffentlichkeit ausführt, ist dies Heuchelei!
  • Wenn ein Tierrechtler seine gefährlichen Hunde und streunenden Katzen nicht sterilisieren lässt, weil dies ja auch ein Schaden am Tier wäre, sich diese Tiere somit unkontrolliert vermehren und noch mehr Schaden anrichten können, ist dies Heuchelei!
  • Wenn ein Tierrechtler jeden fleischessenden Menschen verurteilt, jedoch für die Produktion von pflanzlicher Nahrung ebenfalls Tiere ihr Leben lassen mussten (z.B. durch Pflanzenschutzmittel und Mähdrescher), ist dies Heuchelei!
  • Wenn ein Tierrechtler nur die Freiheit als artgerecht definiert, jedoch einem Menschen 100 Jahre Knast wünscht, der ein Tier aus rechtlich unbedenklichen Gründen getötet hat, ist dies Heuchelei!
  • Wenn ein Tierrechtler jede Nutzung von Tieren verurteilt, jedoch Impfungen oder gar Insulinspritzen akzeptiert, um sein Leben zu retten und dieses somit über das Wohl des Tieres stellt, ist dies Heuchelei!
Die Liste ließe sich noch beliebig erweitern. Ich persönlich definiere mich selbst als Tierschützer, weil ich gegen das unnötige Leid von Tieren bin. Aber ich bin eben auch gegen Heuchler. Möchte man Heuchelei unterstützen, kann man auf die dubiosen Machenschaften der oben genannten Tierrechtsvereine gerne hereinfallen und diese mit Spenden oder Mitgliedschaften beglücken. Im Sinne des angestrebten Tierschutzes wäre dies jedoch leider nicht.

Montag, 19. Mai 2014

Was ist die perfekte Anfängerschlange?

Ich persönlich bin eigentlich kein Freund von Bezeichnungen wie „Anfängerschlange“, weil dadurch manche Tiere für Fortgeschrittene und Profis nicht mehr so attraktiv gemacht werden. Selbst manche Anfänger sind zu stolz und wollen direkt richtig durchstarten und nicht mit einer (angeblich) langweiligen „Anfängerschlange“ beginnen. Dennoch sollte man als Neuling in der Terraristik zum Wohle der Tiere ehrlich zu sich selbst sein und lieber mit einer sogenannten „Anfängerschlange“ beginnen, als einem anspruchsvollen Tier eine nicht artgerechte Unterkunft zu bieten. Ich selbst würde nun jedoch spontan keine Schlange als die Anfängerschlange schlechthin betiteln, sondern erst einmal beleuchten, was eine Schlange als für den Anfänger geeignet macht. 

Dazu gehört für mich primär, dass die für das Tier benötigten Haltungsbedingungen ohne großen Aufwand geschaffen werden können. Manche Schlangen sind zudem robust und verzeihen gewisse Anfängerfehler, die jeder Neuling sicherlich machen wird, ohne negative Konsequenzen. Der Aspekt der Fütterung sollte ebenfalls beachtet werden. Des Weiteren sollte die Schlange von Natur aus ein umgängliches Verhalten an den Tag legen. Zwar sind Schlangen und andere Reptilien keine Schmusetiere, dennoch sollte das Tier eines Anfängers sich dem Menschen gegenüber nicht aggressiv verhalten. Leider reagieren manche Neulinge nach dem ersten Schlangenbiss mit Desinteresse oder gar Furcht und wollen ihr Tier so schnell wie möglich wieder loswerden. Dabei lässt sich jeder Schlangenbiss auf ein Fehlverhalten des Halters zurückführen. Natürlich möchte man gerade als Neuling in der Terraristik sein Tier ab und zu (z.B. zur Fütterung oder zur Gesundheitskontrolle) auch mal in die Hand nehmen. Bei der vorherrschenden Entfremdung von der Natur in unserer Gesellschaft sehe ich absolut kein Problem darin, wenn man Besuchern gelegentlich mal eine an den Menschen gewöhnte Schlange vorführt und auch mal in die Hand gibt. Dies kann man natürlich nicht auf alle Reptilien übertragen, aber ich sehe das Handling von Schlangen unter dem Aspekt der Wirkung als Botschafter für ihre Art (und somit im Sinne des Artenschutzes) als wichtige Aufgabe bei der Haltung dieser Tiere. Daher stellt für mich die Handhabbarkeit der jeweiligen Schlange ebenfalls einen Aspekt für die Auswahl einer geeigneten Schlange für einen Neuling dar. Nicht zuletzt spielt das Interesse des zukünftigen Halters eine große Rolle. Oftmals wird die Kornnatter als die Anfängerschlange schlechthin betitelt. Hat jedoch ein Anfänger eigentlich kein Interesse an Nattern, sondern möchte lieber Riesenschlangen pflegen, wäre der Beginn mit einer Kornnatter mit der Begründung, dass man klein anfängt und sich später erst an eine größere Schlange wagt, meiner Meinung nach falsch. Beginnt ein Anfänger in der Riesenschlangenhaltung mit einer geeigneten jungen Riesenschlange, wächst er gewissermaßen mit dem Tier und sammelt wertvollere Erfahrungen exakt in Bezug auf diese Art. Wenn man als Neuling jedoch mit einer Natter angefangen hätte, die vom Verhalten her ganz anders als eine Riesenschlange ist, hätte man im Grunde genommen auch keine nennenswerten Erkenntnisse über den Umgang mit dem eigentlichen Ziel der Begierde gesammelt. Vielleicht würde die Natter früher oder später sogar wegen Desinteresse vernachlässigt.

Manche Schlangen benötigen für ein gesundes und langes Leben eine Winterruhe. Anfänger sparen diese leider sehr gerne aus, was ich ziemlich fahrlässig finde. Solche Halter, die ihre Tiere das ganze Jahr über im beheizten Wohnzimmer stehen lassen wollen, sollten dann lieber eine Art wählen, die keine Winterruhe benötigt.

Auch die behördliche Meldepflicht bei geschützten Tieren spielt eine Rolle. Darüber müssen sich Neulinge ebenfalls im Vorfeld informieren, damit man z.B. bei der Haltung von gelegentlich als Anfängerschlangen empfohlenen Rosenboas (Lichanura trivirgata) nicht gegen geltendes Artenschutzrecht verstößt. Manche der Arten sind zudem in manchen Bundesländern als Gefahrtiere gelistet. Auch darüber muss man sich im Einzelfall vor der Anschaffung informieren.

Einen wichtiger Aspekt bei der Pflege von Tieren stellt natürlich die Versorgung mit Nahrung dar. Die Futterbeschaffung sowie die Fütterung als solche sollten im Vorfeld durchdacht und vielleicht sogar mal bei einem anderen Schlangenhalter erlebt werden. Der Großteil aller für die Terraristik relevanten Schlangen ernährt sich von Nagetieren. Diese gibt es auch in Form von Frostfutter, welches meine bevorzugte Art der Fütterung darstellt. Frostnagetiere kann man gut bevorraten, die Fütterung birgt kein Verletzungsrisiko für die Schlange und tierschutzrechtlich ist die Fütterung auch unbedenklich. Wenn jedoch ein Halter Ekel oder Furcht bei dem Anblick von Nagetieren empfindet, ist die angestrebte Schlangenhaltung schon ziemlich problematisch. Ein solcher Neuling stößt bei seiner Suche nach der perfekten Ersatzschlange evtl. auf die Raue Grasnatter (Opheodrys aestivus) oder die Afrikanische Eierschlange (Dasypeltis scabra). Diese Futterspezialisten sind jedoch für Anfänger nicht geeignet. Die Raue Grasnatter ernährt sich zwar von Wirbellosen, jedoch ist sie äußerst anfällig was die Haltungsbedingungen betrifft und würde einen Anfängerfehler nicht verzeihen. Die Afrikanische Eierschlange ist zwar von den Haltungsbedingungen her nicht sonderlich schwer zu halten, jedoch stellt die Futterbeschaffung den unorganisierten Halter vor ein Problem. Kleinere Eierschlangen benötigen auch kleine Futtereier (z.B. von Wellensittichen) und diese kann man ohne eine gutlaufende Wellensittichzucht (oder Kontakt zu einem solchen Züchter) nicht so einfach und schon gar nicht regelmäßig beschaffen. Daher sind diese Futterspezialisten für Anfänger ungeeignet.

Als Alternative zur Nagetierfütterung wäre allenfalls noch die Gattung der Strumpfbandnattern (Thamnophis) zu nennen. Diese lassen sich nämlich mit Fisch ernähren. Diesen gibt es ebenfalls gefrostet im Zoofachhandel. Lebendfisch birgt immer das Risiko einer Infektion mit Parasiten wie Amöben, weswegen man nur auf Frostfutter zurückgreifen sollte. Eine dauerhafte Ernährung nur mit Fisch führt allerdings häufig zu Mangelerscheinungen, weswegen diese Ernährung mit einem Vitaminpräparat ergänzt werden muss. Strumpfbandnattern ernähren sich nämlich in der freien Natur neben Fisch vorrangig von Amphibien, welche man in der Terrarienhaltung ohne eigene Amphibienzucht nur schwer beschaffen kann. Unsere einheimischen Amphibien dürfen im Sinne des Artenschutzes nämlich keinesfalls verfüttert werden! Gelegentlich lassen sich Strumpfbandnattern auch an nestjunge Mäuse gewöhnen, welche vom Nährwert her besser sind, als eine einseitige Ernährung mit Fisch. Strumpfbandnattern sind tagaktiv und daher leicht zu beobachten und somit für den Anfänger vielleicht interessanter, als dämmerungs- und nachtaktive Tiere. Jedoch zeigen viele Vertreter der Strumpfbandnattern (die Bändernattern) ein ganz besonders hektisches Verhalten, was so manchem Anfänger unter Umständen nicht zusagen wird. Strumpfbandnattern benötigen je nach Herkunft eine ziemlich lange Winterruhe bei sehr niedrigen Temperaturen.

Die wohl am häufigsten als „Anfängerschlange“ betitelte Schlange wird wohl die Kornnatter (Pantherophis guttatus) sein. Wer auf der Suche nach einer Schlange ist, die unter Umständen eine beachtliche Größe von bis zu 120 cm bis 150 cm erreichen kann, und keine Probleme mit der Fütterung von Nagetieren hat, ist bei der Kornnatter richtig. Die erforderlichen Haltungsparameter sind diesem Tier leicht zu bieten. Intensives Studium der zugehörigen Fachliteratur vor der Anschaffung natürlich vorausgesetzt. Kleine Anfängerfehler werden von dieser robusten Schlange gut verkraftet, was jedoch kein Freifahrtschein für Fahrlässigkeit ist. Vom Verhalten her ist die Kornnatter in der Regel ruhig, wobei dies im Grunde vom einzelnen Individuum abhängt. Gerade beim Herausnehmen aus dem Terrarium reagieren Kornnattern im ersten Moment relativ schreckhaft, was bei unruhigem Verhalten seitens des Pflegers gelegentlich mal mit einem Biss quittiert wird. Grundsätzlich verhält sich die Kornnatter dem Menschen gegenüber jedoch nicht aggressiv. Kornnattern benötigen je nach Herkunft eine kühle bis milde Winterruhe.

Für Anfänger, die sich mit der Haltung von vergleichsweise kleinbleibenden und schlanken Schlangen befassen wollen, würde ich persönlich die Afrikanische Hausschlange (Boaedon fuliginosus) bzw. die Gestreifte Hausschlange (Boaedon lineatus) empfehlen. Diese Schlange verkörpert meiner Meinung nach alle Aspekte, die eine sogenannte „Anfängerschlange“ haben sollte. Sie wird nicht sehr groß, zeigt ein am Menschen interessiertes jedoch nicht aggressives Verhalten, lässt sich gut an Frostfutter gewöhnen, die Haltungsparameter sind ohne großen Aufwand zu erreichen und kleinere Anfängerfehler werden nicht mit dem sofortigen Ableben der Schlange bestraft. Zudem zeigt diese Schlange durch ihre irisierende Beschuppung ein attraktives Farbspektrum. Wegen ihrer vergleichsweise geringe Körperlänge, lässt sie sich in kleineren Terrarien pflegen, in denen Haltungsparameter wie Wärme und Luftfeuchtigkeit ohnehin einfacher eingestellt werden können. Lediglich bei der Fütterung zeigt diese Art eine gewisse Gier und beißt evtl. mal zu, was aufgrund der vergleichsweise recht sprizen Zähne schon etwas schmerzhaft sein kann. Dafür benötigt diese Art keine Winterruhe.

Die Sinaloa-Milchschlange (Lampropeltis polyzona Sinaloae) gehört meiner Meinung nach ebenfalls in die Riege der „Anfängerschlangen“. Auch wenn Königsnattern, zu denen auch diese Schlange gehört, gelegentlich im Verruf stehen aggressiv zu sein, trifft dies auf die Sinaloa-Milchschlange absolut nicht zu. Von allen Nattern, die ich bisher gepflegt habe, stellt diese Art die wohl ruhigste dar. Bei Arbeiten im Terrarium legt die Sinaloa-Milchschlange ein sehr neugieriges Verhalten an den Tag und ist in den Abendstunden regelmäßig im Terrarium zu bewundern. Eine artgerechte Haltung kann ohne großen Aufwand gewährleistet werden. Diese Art benötigt eine eher milde Winterruhe.

Sollte sich ein Anfänger eher für Riesenschlangen begeistern und für diese Tiere langfristig auch die nötigen Haltungsbedingungen zur Verfügung stellen können, sollte er meiner Meinung nach auch ruhig mit einer solchen anfangen. Als gut geeignet dafür empfinde ich die Kaiserboa (Boa imperator syn. Boa constrictor imperator). Hierbei ist jedoch auf die Herkunft des Tieres zu achten, da manche Tiere zwar als „Kaiserboa“ verkauft werden, jedoch gelegentlich Hybriden (sog. Mix-Boas) mit dem Erbgut von Boa constrictor constrictor sind, welche Körperlängen von bis zu 3 m erreichen können. Dem muss dann auch ein Anfänger in Zukunft gewachsen sein. Einige Kaiserboas erreichen (je nach Geschlecht und Herkunft) jedoch gerade mal Körperlängen von bis zu 150 cm und wirken lediglich aufgrund ihrer Masse größer als eine gleichgroße Kornnatter. Beginnt man mit einer jungen Boa, können die eigenen Erfahrungen mit dem Tier wachsen, was später bei dem adulten Tier den Umgang wesentlich erleichtert. Da die Kaiserboa normalerweise ein sehr ruhiges Verhalten zeigt (oder andernfalls die Ehrlichkeit besitzt, mit Fauchen zu drohen ehe sie beißt) und dank ihrer Robustheit kleinere Anfängerfehler verzeiht, ist sie in meinen Augen die perfekte „Anfängerriesenschlange“. Sie unterliegt dem Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, wurde jedoch von der Meldepflicht (als gefährdetes Tier) befreit. Es besteht jedoch weiterhin Nachweispflicht. Man muss bei Erwerb also einen Herkunftsnachweis erhalten, der die legale Herkunft des Tieres belegt (manche Bundesländer wie z.B. Niedersachsen verzichten darauf). In manchen Bundesländern zählt die Art (wie andere Riesenschlangen auch) zu den gefährlichen Tieren und bedarf einer Haltungsgenehmigung. Im Falle der Kaiserboa finde ich diese Regelung übertrieben, da für den Menschen von diesem Tier keine nennenswerte Bedrohung ausgeht. Diese Art benötigt keine Winterruhe.

Eine weitere Riesenschlange, welche in den seltensten Fällen größer als 150 cm wird, wäre der Königspython (Python regius), welcher hier nicht ungenannt bleiben soll. Nach meiner Auffassung ist diese Schlange für den engagierten und gut informierten Anfänger ebenfalls geeignet. Von allen Schlangen mit denen ich bisher zu tun hatte, war und ist der Königspython der ruhigste Vertreter. Dies führt leider häufig dazu, dass Zoofachgeschäfte diese Schlange unbedarften Anfängern verkaufen, die sich nicht großartig über die Bedürfnisse dieser Tiere informiert haben. Dies sollte man aber (eigentlich nicht nur bei diesem Tier) sehr gewissenhaft tun, da der Königspython Anfängerfehler nicht so einfach wegsteckt, sondern häufig mit Futterverweigerung bestraft. Ständiges Hantieren, falsche Terrarieneinrichtung (insbesondere fehlende Verstecke bei Haltern, die ihr Tier ständig im Terrarium sehen wollen), zu große Terrarien oder mangelhafte Haltungsparameter haben negative Auswirkungen auf das Fressverhalten dieser Schlange. Dennoch ist es kein Hexenwerk diesem Tier eine artgerechte Unterbringung zu bieten und dadurch auch eine problemlose Haltung zustande zu bekommen. Ein informierter Anfänger kann dies genauso gut. Berichte von Bikern, die mit ihrem Königspython um den Hals über Landstraßen brettern oder Typen, die diese harmlose (wenn auch in manchen Bundesländern als gefährliches Tier eingestufte) Schlange als „Gag“ in das Bett der schlafenden Freundin werfen, möchte ich allerdings nie wieder lesen! Der Königspython ist ebenfalls im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gelistet, jedoch von der Meldepflicht befreit. Nachweispflicht besteht jedoch in den meisten Bundesländern weiterhin. Diese Art benötigt keine Winterruhe.

Bei all diesen Ratschlägen zu den einzelnen Schlangen vertrete ich aber dennoch die Meinung, dass man keine dieser sogenannten „Anfängerschlangen“ nur für irgendwelche Trockenübungen anschaffen darf, um sie dann wieder abzugeben, sobald man sich selbst als fortgeschrittenen Halter definiert. Insbesondere adulte Schlangen vertragen ständige Ortswechsel nicht so gut, weswegen man sich für eine dauerhafte Haltung entscheiden sollte, sofern man sich überhaupt für eines dieser Tiere entscheidet. Wichtig ist auch, dass dabei das zu erwartende Lebensalter  beachtet wird. Gerade die hier genannten Riesenschlangen werden bei guter Pflege über 30 Jahre alt.

Fazit:
Einsteiger in die Schlangenhaltung sollten sich vor der Anschaffung eines Tieres zunächst Gedanken über Platzbedarf, Schutzstatus, Verhalten, Klimaansprüche / Winterruhe, bevorzugte Nahrung, zu erwartene Endgröße, Lebenserwartung usw. machen. Nach Abwägung dieser Dinge gibt es am Ende zwar für jeden Halter eine oder sogar mehrere passende „Anfängerschlange/n“, DIE perfekte „Anfängerschlange“ schlechthin gibt es jedoch nicht. 
 

Der Feind in den eigenen Reihen?

Ich bin frustriert, seitdem ich kürzlich auf eine Interessengemeinschaft stieß, die (angeblich) gegen ein Verbot der Haltung exotischer Haustiere kämpft. Bei diesem „Kampf“ nutzt diese Interessengemeinschaft jedoch Dokumente des Robert Koch-Instituts, in denen Studien und Zahlen genannt sind, die eher den radikalen Tierrechtsorganisationen in die Hände spielen. Beispielsweise eine Präsentation des Robert Koch-Instituts zur Fortbildung für den Öffentlichen Gesundheitsdienst mit dem Titel „Salmonellen bei Reptilien und Infektionen bei Kleinkindern“. In diesem zum Teil sehr lückenhaften Dokument taucht beispielsweise folgende Aussage auf: „2008 waren 35 von 40 Proben positiv = 87,5 %“ Diese Ergebnisse stammen aus einer veterinärdiagnostischen Untersuchung auf Salmonellen in Thüringen aus dem Jahre 2008. Hierbei wurden lediglich Proben von verdächtigen Tieren untersucht. Das Robert Koch-Institut gibt diese Ergebnisse ohne weitere Anmerkungen an.

Dass Tierrechtsorganisationen solche Zahlen für ihre Propaganda gegen die Exotenhaltung nutzen, ist weitläufig bekannt. Dass jedoch eine angebliche Interessengemeinschaft aus unseren Reihen solche Präsentationen und Zahlen ohne jegliche Kommentierung verbreitet, lässt mein Vertrauen in diese Gruppe stark schwinden. Auf meine Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass die besagte Interessengemeinschaft die Dokumente lediglich zur Verfügung stellt und der Leser sich selber damit befassen und bei Bedarf beim Robert Koch-Institut nachfragen soll, um die Zahlen zu verstehen und richtig einzuordnen. Ich behaupte nun jedoch, dass die meisten Leute (die nicht wie ich aus dem wissenschaftlichen Bereich kommen) solche Untersuchungen ohne nähere Erklärungen einfach nicht richtig einordnen können. Dass gerade einmal 40 Proben von Verdachtstieren untersucht wurden, lässt sich einfach nicht auf die Exotenhaltung im Allgemeinen übertragen! Derart hohe Ergebnisse stammen immer aus speziellen Einzelfällen wie Untersuchungen auf Zuchtfarmen mit Geflügelschlachtabfällen als Futter, von Untersuchungen auffälliger Tiere oder bei einzelnen Importeuren, bei denen die Tiere auf dem Transportweg ihre eigenen Exkremente gefressen haben und es somit zu einer Reinfektion kam. Doch dies müsste man den Lesern verdeutlichen und nicht stumpf und unreflektiert Dokumente des „heiligen“ Robert Koch-Instituts zur Verfügung stellen, welches bereits in der Vergangenheit mehrfach mit Studien z.B. zur innerfamiliären Gewalt, zu Kinderschutzimpfungen oder in der EHEC-Krise seine „unabhängige Kompetenz“ unter Beweis stellte. Aber ich werde wieder sarkastisch...

Wie sollen wir effektiv gegen weitere Einschränkungen in der Heimtierhaltung kämpfen, wenn wir uns in unseren eigenen Reihen schon mit derartigen Problemen auseinandersetzen müssen? Immerhin verstehe ich nun, warum fanatische Tierrechtsorganisationen so ein leichtes Spiel haben. Ich selbst beobachte das Mediengeschehen und die Machenschaften dieser Organisationen regelmäßig, um direkt darauf zu reagieren. Liegt somit der Verdacht nahe, dass vielleicht gerade diese gut organisierten Clubs Mittel und Wegen nutzen (vielleicht sogar hinter der Maske neu entstandener, angeblicher Interessengemeinschaften), um von innen heraus unseren Kampf gegen ein Haltungsverbot zu unterbinden? Klingt paranoid, aber wenn das Vertrauen regelmäßig erschüttert wird, kommt man leider zwangsläufig zu solchen Gedanken. Insbesondere wenn die hier kritisierte Interessengemeinschaft die Aussage tätigt, dass sie keine Ahnung von den Interessen eines Exotenhalters wie mir hat, solange ich nicht Mitglied dieser Gemeinschaft bin. Wer mit dem Kampf gegen ein Haltungsverbot exotischer Haustiere wirbt, sollte doch wohl das primäre Interesse der Exotenhalter verstanden haben und sich dafür aktiv einsetzen und nicht unreflektiert und unkritisch Dokumente verbreiten, die genau das Gegenteil bewirken.

Montag, 12. Mai 2014

Nachtrag: „Salmonellenpanik“ im FOCUS

Am 08.05.2014 berichtete der FOCUS über die Gefahr einer Infektion mit Salmonellen, derer Kinder beim Umgang mit Reptilien (angeblich) ausgesetzt seien. Ich berichtete bereits hier grundsätzlich über diesen Artikel. Dabei stolperte ich über die folgende Aussage:
Bis zu 90 Prozent der im Haus gehaltenen Reptilien sind Salmonellenträger.
Mit dieser Aussage machen Medien Panik und verunglimpfen das Hobby Terraristik ohne einen Verweis auf den wissenschaftlichen Ursprung dieser Daten zu geben. Da auch diverse Tierrechtsorganisationen diese Bezifferung für ihre Anti-Exotenhaltung-Kampagnen verwenden, fragte ich mich, woher diese Zahl überhaupt stammt. Da ich intransparente Behauptungen in den Medien nicht ausstehen kann, erkundigte ich mich beim FOCUS, bei der Deutschen Presse-Agentur und bei dem im Artikel genannten Pressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte über die Herkunft dieser Angabe. Der FOCUS verwies mich an die dpa. Hatte die Redaktion schließlich (wie bei deutschen Massenmedien leider üblich) den Artikel ohne diesen zu hinterfragen von der Nachrichtenagentur übernommen.

Da ich von dpa und BVKJ bis zur Veröffentlichung dieses Beitrags keine Rückmeldung bekam*, recherchierte ich selbst nach der Herkunft der Aussage, dass bis zu 90 % der in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien mit Salmonellen infiziert seien.

Bei meinen Recherchen stieß ich auf das Epidemiologische Bulletin 9/2013 des Robert-Koch-Institutes mit dem Titel „Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien“. Darin finden sich die 90%-Angabe und der zugrundeliegende Urheber:
 
Woodward et al. ermittelten eine Prävalenz bei Reptilien von bis zu 90 %.
 
Über nähere Hintergründe dieser Aussage schweigt jedoch auch das Robert-Koch-Institut. Während meiner weiteren Recherchen über die Studie von Woodward fand ich schließlich einen aufschlussreichen Artikel der drei Autoren Andreas Hassl und Silvia Pfleger vom zertifizierten Klinischen Institut für Hygiene der Medizinischen Universität Wien sowie Gerald Benyr vom Naturhistorischen Museum Wien mit dem Titel „Salmonellen-Infestationen in Amphibien und Reptilien“. Die Autoren erläutern die wissenschaftliche Erhebung ihrer Daten bis ins Detail, was für die Qualität der Angaben spricht. Dabei wurden in einem Zeitraum von 2 Jahren (1997-1999) von verschiedenen Reptilien und Amphibien in Gefangenschaft und im Freiland Kotproben auf Salmonellen-Stämme untersucht. Lediglich bei 54 von 376 Kotproben der in Gefangenschaft gehaltenen Tiere konnten Salmonellen nachgewiesen werden. Dies entspricht gerade einmal einem Anteil von rund 14 Prozent! Bei den freilebenden Tieren waren es 28 %.

Laut der Autoren lässt sich die hohe Durchseuchungsrate in Höhe von 90 % aus der Studie von Woodward et al. dadurch erklären, dass darin Tiere in und aus speziellen Zuchtanstalten (vorrangig Schildkröten) erfasst wurden, bei denen die Tiere wahrscheinlich mit Schlachtabfällen aus der Geflügelzucht (!!!) gefüttert wurden. Die Salmonellen wurden also durch den Einfluss des Menschen auf die Reptilien übertragen und nicht umgekehrt! Dies muss man sich mal bitte auf der Zunge zergehen lassen: In der Öffentlichkeit als seriös eingestufte Tierrechtsorganisationen nehmen massiv Einfluss auf die Politik und die Medien, unterstellen dabei bis zu 90 % aller in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien eine für Kinder gefährliche Salmonellen-Infektion und betreiben somit eine an Volksverhetzung grenzende Propaganda gegen die Exotenhaltung (da die von den Massenmedien primär erreichte Bevölkerung ja ohnehin alles glaubt, was in der Zeitung steht), welche auch noch bereitwillig von der Deutschen Presse-Agentur weiterverbreitet wird! Dabei liegen die Umstände vollkommen anders! In Erkenntnis dessen werde ich bei der dpa eine Beschwerde einreichen. Jedem meiner Leser ist es natürlich freigestellt, dies ebenfalls zu tun.

Es bleibt also festzuhalten, dass gerade mal ein Sechstel des in der Öffentlichkeit verbreiteten Infektionspotentials von Terrarientieren für Salmonellen vorherrscht. Doch nicht einmal dieser Anteil führt zu einem tatsächlichen Ausbruch der Krankheit beim Tier, geschweige denn zu einer Übertragen auf den Menschen. Es liegen in Deutschland schlichtweg keine verlässlichen Zahlen über die Häufigkeit von Salmonellen-Infektionen vor, die von Reptilien auf den Menschen übertragen wurden. In den Niederlanden konnten (laut einer Studie von Bertrand et al. im Jahre 2008) in den Jahren 2000 bis 2007 lediglich 0,6 % aller gemeldeten Salmonellen-Infektionen in direkten oder indirekten Zusammenhang mit Reptilien oder Amphibien gebracht werden! Der Zoonosetrendbericht des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) aus dem Jahre 2009 verdeutlicht, dass trotz der steigenden Popularität der Terraristik sogar ein Rückgang an gemeldeten Salmonellen-Infektionen festzustellen ist. Panikmache ist also vollkommen unbegründet. Leider geht es den Tierrechtlern nicht um wissenschaftliche Fakten, sondern um einen Glaubenskrieg. Über diese Fanatiker rege ich mich inzwischen nicht mehr auf. Dennoch sollten gerade die Medien bei der Meinungsbildung eher Interesse an wissenschaftlichen Daten haben, anstatt auf eine Art religiösen Fundamentalismus hereinzufallen! Bei dem Gedanken bekomme ich glatt Symptome einer Salmonellose. Gegen die Gefahr einer Salmonellen-Infektion hilft simples Händewaschen. Gegen die Verunglimpfungen seitens Tierrechtler leider nicht...

Um mit der sinngemäßen Einschätzung von Michaela Gumpenberger aus ihrem Artikel „Reptilien und Salmonellen aus veterinärmedizinischer Sicht“ zu schließen: Terrarientiere sind keine Risikoquellen für den Menschen, wenn sie unter hygienisch einwandfreien Bedingungen gepflegt werden. 
 
 
 
*Sollte ich nachträglich noch Antworten erhalten, werde ich diese hier in diesem Beitrag bei den Kommentaren aufgreifen. 

Freitag, 9. Mai 2014

FOCUS berichtet über Salmonellengefahr beim Umgang mit Reptilien

Die offenbar von Tierrechtlern betriebene Propaganda über die Medien reißt nicht ab. Nun wird mal wieder das Schreckgespenst der Salmonellose aus der Kiste gekramt, um in nackter Sensationsgier Panik zu verbreiten. Auf focus.de hieß es nämlich gestern:  Salmonellengefahr - Reptilien können Kleinkinder anstecken. Der vollständige Artikel kann hier nachgelesen werden: https://www.focus.de/wissen/natur/tiere-und-pflanzen/tiere-salmonellengefahr-reptilien-koennen-kleinkinder-anstecken_id_3828563.html

Es entspricht zwar der Wahrheit, dass Reptilien Salmonellen in sich tragen können. Jedoch ist nicht jeder Salmonellenerreger auf den Menschen übertragbar. Die wenigen Stämme, bei denen eine Ansteckung des Menschen möglich ist, lassen sich durch einfache Hygienemaßnahmen entschärfen. Händewaschen mit Seife und heißem Wasser nach dem Umgang mit Reptilien ist dafür schon ausreichend. Die Panikmache, dass Kinder hochgradig gefährdet seien, ist für mich nicht nachvollziehbar. Wer Reptilien oder andere Tiere hält, sollte sich der einfachsten Hygienemaßnahmen bewusst sein, diese an seine Kinder weitergeben und zur Sicherheit dafür sorgen, dass Kinder keinen unbeaufsichtigten Zugang zu den Tieren haben. Dann ist die Haltung von Reptilien (und anderen potentiellen Zoonose-Überträgern wie u.a. auch Hund und Katze!) in Familien mit Kindern ohne Risiko möglich. Man lässt sein Kind ja wohl auch nicht unbeaufsichtigt in der Garage mit Papas Werkzeugen oder gar im Katzenklo spielen. Reptilien sind ohnehin als Schmusetiere ungeeignet und dies sollte jedem verantwortungsvollen Halter bewusst sein.

Andere Haustiere haben jedoch in gleichem Maße das Potential als Überträger von Krankheiten zu agieren. Nutztiere wie Schweine und Geflügel gehören zur selben Risikogruppe und diese Tiere essen wir ja sogar. Warum wird diesbezüglich keine Panik geschoben, sondern grundsätzlich davon ausgegangen, dass jeder Elter vor dem Umgang mit den Kindern die Küchenhygiene strikt eingehalten hat? Wer sein Kind den rohen Pfannkuchenteig vom Löffel schlecken lässt oder Mayonnaise serviert, setzt seinen Nachwuchs einem nicht minder geringeren Risiko einer Ansteckung mit Salmonellose aus! 

Im Artikel heißt es:
Bis zu 90 Prozent der im Haus gehaltenen Reptilien sind Salmonellenträger.
Auf welcher wissenschaftlichen Erhebung beruht diese Zahl? Gibt es eine zugrundeliegende Studie, aus welcher diese Zahl zu entnehmen ist? Diese Fragen habe ich der FOCUS-Redaktion, der dpa sowie dem im Artikel genannten Sprecher des BVKJ gestellt und werde im Falle einer Antwort berichten. Ohne transparente Quellenangaben, mit denen man die Authentizität solcher panikmachenden Aussagen überprüfen kann, hat eine derartige Zahl nämlich keinerlei wissenschaftlichen Wert. Sollte ich keine zufriedenstellenden Antworten erhalten, ist dies ein Indiz dafür, dass diese (in meinen Augen nämlich viel zu hohe!) Angabe auf der emotionalen Propaganda von Tierrechtlern beruht. Denn bereits im November 2013 machte die radikale Tierrechtsorganisation PETA mit dieser dubiosen „bis zu 90%-Angabe“ im Rahmen einer Kampagne massiv Stimmung gegen die Haltung von Reptilien. Schon damals war nicht deutlich, woher diese Bezifferung tatsächlich stammt.

Daher sage ich „Ja!“ zu sachlicher Aufklärung über Salmonellenüberträger und wie man sich vor einer Ansteckung schützen kann. Einen entsprechenden Infoflyer hat die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) veröffentlicht.

Jedoch ein deutliches „Nein!“ zu unsachlicher Propaganda ohne wissenschaftliche Grundlage!  
Wobei... das kann ich auch:

Donnerstag, 8. Mai 2014

Nachzuchtbericht: Pogona vitticeps

Die Bartagame (Pogona vitticeps) ist eines der wohl am einfachsten zu vermehrenden Reptilien. Daher ist das Angebot dieser Tiere oftmals größer, als die Nachfrage. Als Terrarianer sollte einem zwar die Nachzucht seiner Tiere im Sinne des Arterhalts am Herzen liegen, damit man nicht nur als Tierverbraucher agiert, jedoch ist die massenhafte Nachzucht von Tieren, bei denen das Angebot die Nachfrage übersteigt, mit Vorsicht zu genießen. Leider kommt es dadurch leider sehr häufig vor, dass die Nachzuchten von Bartagamen zu Spottpreisen im Internet oder auf Tierbörsen verramscht werden. Da die Bartagame zudem als Anfängertier betrachtet und gehandelt wird, landen diese Tiere häufig in nicht gerade artgerechten Haltungsbedingungen. Aufgrund des niedrigen Preises ist das Interesse an einer wirklich artgerechten Haltung bei manchen Haltern leider nicht sonderlich hoch. Denn wenn ein Reptil, welches man für unter 5 Euro anonym auf einer Börse gekauft hat, eingeht, dann ist das eben auch kein allzu großer Verlust. Das klingt krass, kommt aber leider immer wieder vor. Meine Bartagamen stammen selbst aus sehr schlechter Haltung, daher gebe ich meine Nachzuchten nur an Leute ab, von deren Sachkunde ich mich überzeugt habe.

Ein weiterer Aspekt den man vor der Nachzucht beachten sollte, ist der Platzbedarf der Tiere. Spätestens nach der Geschlechtsreife (die etwa nach 1 Jahr eintritt) müssen die Männchen voneinander getrennt werden, weil es sonst zu gefährlichen Revierstreitigkeiten kommen kann. Da das Geschlecht bei Bartagamen genetisch festgelegt wird und nicht (wie z.B. bei diversen Geckos) durch die Inkubationstemperatur beeinflusst werden kann, hat man evtl. einen großen Anteil an männlichen Tieren, von denen jedes ein eigenes Terrarium benötigt.

Trotz dieser Umstände möchte ich einmal von der Nachzucht von Pogona vitticeps berichten:

Nach der Winterruhe beginnt in der Regel die Paarungszeit bei den Bartagamen. In dieser Zeit zeigt das Männchen reges Interesse am Weibchen und äußert durch massives Kopfnicken und einen schwarzgefärbten Bart ein interessantes Balzverhalten. Winkt das Weibchen mit seinem Arm, soll dies der Beschwichtigung des Männchens dienen (meiner Erfahrung nach jedoch oftmals ohne Erfolg). Ist das Weibchen selbst für eine Paarung bereit, nickt es zuerst langsam mit dem Kopf, belässt den Kopf schließlich am Boden und hebt den Schwanz an. Das Männchen beißt anschließend dem Weibchen in den Nacken und hält es fest, während es einen seiner Hemipenes in die Kloake des Weibchens führt.

Nach der Paarung dauert es etwa 4-5 Wochen, bis das trächtige Weibchen nach einem geeigneten Eiablageplatz sucht. In dieser Zeit sollte man eine calciumreiche Ernährung (gelegentlich z.B. auch mal eine Babymaus) anbieten, damit das Weibchen keine Probleme bei der Bildung der Eierschalen bekommt. In dieser Zeit der Trächtigkeit liegt es besonders häufig unter dem Sonnenplatz. Da Bartagamenweibchen das Sperma nach der Begattung speichern können, kann es gelegentlich auch etwas länger dauern, ehe es zur Eiablage kommt. Irgendwann beginnt das Weibchen schließlich mit den ersten Probegrabungen an den verschiedenen Stellen im Terrarium. Es zeigt in dieser Zeit oftmals ein nervöseres Verhalten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss man ihm eine geeignete Eiablagestelle bieten. Zur Sicherheit sollte man auch das Männchen aus dem Terrarium nehmen, damit das Weibchen bei der Eiablage nicht gestört wird. Da mein Weibchen aufgrund der oben erwähnten vormaligen schlechten Haltung an den vorderen Gliedmaßen keine Krallen mehr besitzt, biete ich ihm in einer Ecke des Terrariums anstatt eines Sand-Lehm-Gemisches lediglich hoch aufgeschütteten Spielsand, welchen ich regelmäßig befeuchte, damit das Weibchen an dieser Stelle problemlos graben kann. Bisher wurde dieser Platz jedes Mal erfolgreich für die Eiablage angenommen. 

Zur Eiablage gräbt das Weibchen am ausgewählten Ablageplatz zuerst eine Grube. Anschließend lässt es die Eier in diese Grube fallen. Danach gräbt es die Grube wieder zu und drückt den Sand mit seinem Kopf fest. Weitere Brutpflege betreibt es nicht. Zur Inkubation sollte man die Eier schnellstmöglich aus dem Terrarium nehmen und in einen Inkubator (gekauft oder selbstgebaut) überführen. Tut man dies nicht, kann das Gelege im Terrarium verderben. Oder aber es kommt direkt im Terrarium zum Schlupf der Jungtiere, welche dann jedoch von den adulten Bartagamen als Beute betrachtet werden und daher in der Regel nicht lange überleben. Die Eier sollte man bei der Überführung in einen Inkubator nicht drehen, da dies in manchen Stadien der Entwicklung zum Absterben des Embryos führen kann. Da man die heiklen Momente von außen nicht erkennen kann, sollte man die Eier grundsätzlich so wenig wie möglich bewegen. Gleiches gilt jedoch auch im Umkehrschloss: Fällt einem während der Inkubation einmal versehentlich ein Eierbehälter herunter, muss man nicht gleich aufgeben. Es kann immer noch zum Schlupf kommen. Hat man keinen Abnehmer für die Nachzucht, sollte man die Eier entsorgen. 


Ich inkubiere die Eier in kleinen Plastikbehältern (z.B. Heimchendosen oder Eisverpackungen) auf feuchtem Vermiculit. Dazu drücke ich leichte Kuhlen in das feuchte Inkubationssubstrat, in die die Eier etwa zur Hälfte eingebettet werden. Das Vermiculit mische ich inzwischen nicht mehr penibel nach Gewichtsanteilen mit Wasser, sondern nach Gefühl und wringe es anschließend aus, bis kein Wasser mehr abtropft. Als Inkubationstemperatur bevorzuge ich bei Bartagamen 28°C. Gelegentlich muss das Vermiculit nachgefeuchtet werden, um verdunstetes bzw. von den Eiern aufgenommenes Wasser auszugleichen. Manche Züchter überprüfen den Anteil an Wasserverlust durch regelmäßiges Wiegen der Behälter. Ich mache das eher nach Gefühl und Fingerprobe. Gibt man eine Schale mit Wasser in den Inkubator, erübrigt sich das regelmäßige Nachfeuchten sogar evtl. ganz. Von Schimmel befallene Eier werden umgehend entfernt, um ein Übergreifen des Pilzes auf gesunde Eier zu vermeiden. Wobei ich auch hierbei sagen muss, dass Eier, die von abgestorbenen Eiern mit Schimmelpilz angesteckt wurden, nicht unbedingt immer für tot erklärt werden sollten. Entwickelt sich das Ei trotzdem weiter, besteht die Chance, dass trotzdem ein gesunder Schlüpfling daraus schlüpft.

Kurz vor dem Schlupf fällt die Schale der Eier ein (es bilden sich Dellen an den Eiern). Zu diesem Zeitpunkt dauert es meist nicht mehr als 2 Tage, bis die Jungtiere schlüpfen. Es schlüpfen üblicherweise nicht alle Jungtiere gleichzeitig, sondern der Schlupf eines Geleges kann sich über mehrere Tage hinziehen. Mithilfe eines Eizahns (der anschließend abfällt) durchstößt das schlüpfende Reptil die Eischale. Das Schlüpfen selber kann sich über mehrere Stunden hinziehen. Als Halter muss man eine gewisse Geduld bewahren und das Tier am besten gar nicht stören. Dann gibt es auch keine Probleme beim Schlüpfvorgang.


Sobald der Schlüpfling das Ei verlassen hat, überführe ich ihn für 1-2 Tage in eine sterile Box mit feuchtem Küchenpapier. Dies sollte man unbedingt dann machen, wenn der Dottersack noch nicht ganz durch die Bauchdecke resorbiert wurde! Routinemäßig mache ich dies zur Sicherheit bei allen Schlüpflingen, um sie in den ersten Stunden besser beobachten zu können. 


Danach kann man die Tiere in ein Aufzuchtterrarium setzen, welches artgerecht eingerichtet ist (Bodengrund, Versteckplätze, Sonnenplätze, flache Wasserschale) und die erforderlichen Haltungsparameter wie das der Elterntiere aufweist. Gefüttert wird in den ersten Wochen täglich, ab dem ca. 3. Monat alle 2-3 Tage mit Lebendfutter. An Grünfutter gehen die Tiere meist erst nach einigen Wochen. Anbieten sollte man ihnen dieses jedoch schon etwa ab der 3. Woche, damit sie sich daran gewöhnen. Um Rachitis vorzubeugen ist eine UV-Bestrahlung bei den im Wachstum befindlichen Jungtieren von größter Wichtigkeit! Auch eine Zufütterung von Calcium bei jeder und eines VitaminD3-Präparates bei jeder 2. bis 3. Fütterung sind angebracht. Hierbei sollte man auch die Dosieranweisung des jeweiligen Herstellers beachten. Während der Aufzucht sollte man das Verhalten der Tiere genau beobachten und bei Bedarf unterdrückte Exemplare (die kümmern, Sonnenplätze meiden und sich meist am Rande des Terrariums aufhalten) aus der Gruppe entfernen. Aufgrund des schnellen Wachstums ist vom Halter ein besonderes Augenmerk auf die erfolgreiche Häutung der Jungtiere zu legen.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Ist die Rackhaltung bei Königspython und anderen Reptilien erlaubt?

Königspython (Python regius)
Diese Frage wurde kürzlich in einer Terraristik-Gruppe auf Facebook gestellt, weswegen ich sie einmal ausführlich hier in meinem Blog beantworten möchte. Unter „Rackhaltung“ versteht man die Haltung von Tieren in Schubladensystemen. Diese Schubladen enthalten normalerweise eine Versteckmöglichkeit, eine Wasserquelle, Bodengrund, Belüftungslöcher und werden auf die benötigte Temperatur geheizt. Im Versteck herrscht eine für die Tierart empfehlenswerte Luftfeuchtigkeit. Es gibt auch Systeme, welche den Einbau von Lichtquellen ermöglichen (was bei dämmerungs- und nachtaktiven Tieren bei Vorhandensein eines Tageslichteinfalls meiner Meinung nach jedoch nicht nötig ist). Einzig die Bewegungsmöglichkeiten der in einem Rack gehaltenen Tiere sind eingeschränkt. Die Frage, ob eine solche Haltung rechtlich erlaubt ist, stellt sich immer wieder. Und genau wie bei der Meldepflicht oder der Haltung von diversen „Gefahrtieren“ gibt es dazu verschiedene Ansichten, die vehement verteidigt werden und gerade bei Neulingen in der Terraristik für Verwirrung sorgen. Das Für und Wider in Bezug auf eine Rackhaltung bei Königspython und anderen Reptilien wird immer wieder heiß diskutiert. Plausible Argumente gibt es auf beiden Seiten. Bevor ich selbst meine Meinung zu diesem Thema abgeben möchte, beleuchte ich erst einmal die rechtliche Situation:

Der Haltung von Tieren liegt grundsätzlich erst einmal das Tierschutzgesetz zugrunde. Darin steht nichts über ein Verbot der Rackhaltung. Man darf dem Tier lediglich die Möglichkeit auf Bewegung nicht so sehr einschränken, dass vermeidbare Schmerzen und Leid entstehen. Ob ein Tier nun in einem Rack Schmerzen oder anderes Leid erfährt, ist pauschal nicht so leicht zu beantworten. Der Blick auf den natürlichen Lebensraum sollte hierbei Aufschluss darüber geben, ob ein bestimmtes Tier in einem Rack qualvoll leidet (z.B. Baumbewohner) oder ob ein solcher Lebensraum seinen natürlichen Lebensbedingungen ähnelt (diverse Bodenbewohner). Natürlich gibt es hierbei ebenfalls Diskussionen ob ein Tier nun ein Bodenbewohner ist oder nicht. Manche Terrarianer halten z.B. auch manche Königsnattern oder Leopardgeckos im Rack, da diese häufig zu den Bodenbewohnern gezählt werden. Andere Halter sind der Meinung, dass diese Tiere häufig klettern und daher in einem entsprechend eingerichteten Terrarium gehalten werden sollten.

Im Grunde genommen ist es egal, welche persönliche Meinung die einzelnen Terrarianer in den hitzigen Debatten in Bezug auf eine artgerechte Haltung vertreten. Entscheidend vom rechtlichen Aspekt ist am Ende nur die Beurteilung eines Amtstierarztes, der die Haltung der Tiere begutachtet. Ein solcher Gutachter wird sich nicht nur auf das Tierschutzgesetz beziehen, sondern auch die Mindesthaltungsrichtlinien für Reptilien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für sein Urteil einbeziehen. Diese sind für uns Halter zwar nicht bindend, sondern lediglich eine Empfehlung, jedoch eben auch die Richtlinien, nach denen sich ein Gutachter richtet. Die Rackhaltung verstößt bei den meisten Tieren gravierend gegen diese Richtlinien. Dennoch liegt die Entscheidung über die Zulässigkeit einer Haltung beim begutachtenden Amtstierarzt. Manche akzeptieren sehr wohl auch die Rackhaltung, andere eben nicht. Ein gewerblicher Züchter mit jahrelanger Erfahrung steht mit seinen Argumenten für die Rackhaltung oftmals besser da als eine Privatperson, bei der die Rackhaltung schnell als Tierquälerei aufgefasst wird. Theoretisch könnte man es auf einen Prozess ankommen lassen und die Vorteile der Rackhaltung darstellen. Entsprechende Gerichtsurteile zur Rackhaltung gibt es nämlich bisher nicht.*

Bei einem solchen Prozess würde dann sicherlich auch die folgende Stellungnahme einbezogen werden:
Gemeinsame Stellungnahme des AK 8 (Zoofachhandel und Heimtierhaltung) der TVT, des BNA, der AG ARK der DGHT, der DVG-Fachgruppe ZWE, der DVG-Fachgruppe Zier-, Zoo- und Wildvögel, Reptilien und Amphibien und der Reptilienauffangstation München e. V. zur Haltung von Schlangen in  Racksystemen bzw. Schubladen
In dieser Stellungnahme bezieht sich der Arbeitskreis exemplarisch auf den Königspython, da diese Schlange die wohl am häufigsten in Racksystemen gehaltene Schlange ist. Die Stellungnahme kann auf der Website der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz heruntergeladen werden: www.tierschutz-tvt.de/50.html?&eID=tx_rtgfiles_download&tx_rtgfiles_pi1[uid]=195

Ich kritisiere an dieser Stellungnahme mehrere Dinge. Einerseits die Tatsache, dass bei der Erstellung kein einziger Königspython-Züchter angehört wurde, welcher seine Sicht der Dinge und die möglichen Vorteile der Rackhaltung plausibel darstellen konnte. Dies entspricht nicht meinem Verständnis von Demokratie. Die Fachverbände sind in diesem Punkt meiner Meinung nach nicht besser als diverse Parteien, die nur die „Expertenmeinung“ und Statistiken von Tierrechtsvereinen in die Wahlprogramme und politischen Entscheidungen, beispielsweise bei der Erschaffung von Gefahrtierverordnungen, einfließen lassen.

Des Weiteren finde ich die Ansicht in Bezug auf den Königspython unglücklich, dass nur Jungschlangen bis 500 g in Racks gehalten werden sollten, damit sie besser ans Futter gehen. Dabei sind es gerade die jüngeren Königspythons, die häufiger klettern, während adulte Exemplare den Boden als Lebensraum bevorzugen. Wenn eine Jungschlange im Rack weniger Stress empfindet, damit sie besser ans Futter geht, warum sollte man dann einer Schlange ab 500 g den Stress eines großen Terrariums aussetzen? Weil dieses Tier mit 500 g schon aus dem Gröbsten raus ist und eine schlechtere Haltung besser verkraftet? Diese Inkonsistenz ist für mich schlicht und ergreifend unlogisch. 

Auch die Pauschalisierung am Ende der Stellungnahme, die sämtliche weltweit vorkommenden anderen Schlangenarten für die Rackhaltung ausschließt, empfinde ich als viel zu kurz gedacht. Gibt es doch diverse andere bodenbewohnende Schlangen, die für die Rackhaltung geeignet wären. Beispielsweise die Regenbogen-Erdschlange (Xenopeltis unicolor). Dass am Ende die dauerhafte Rackhaltung von nur zwei Schlangenarten als akzeptabel betrachtet wird, sofern die Mindesthaltungsrichtlinien eingehalten werden, ist für mich auch unplausibel. Wenn zwischen den Anforderungen von Terrarium und Rack kein Unterschied gemacht wird, sind die Ausführungen zur Rackhaltung irgendwie sinnlos. Den folgenden Passus kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen, wo doch meiner Meinung nach Baumbewohner ohnehin nicht für die Racksysteme geeignet sind, auf welche sich die Stellungnahme bezieht:
Der zur Verfügung stehende Raum jeder Box ist artspezifisch zu gestalten, z.B. mit Ästen, die die Nutzung des gesamten Volumens für Baumbewohner ermöglichen [...]

Trotz meiner Ausführungen bin ich persönlich kein Verfechter der Rackhaltung und stimme in den meisten Punkten mit der Stellungnahme des Arbeitskreises der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz und den Fachverbänden überein. Andererseits sehe ich auch nach Gesprächen mit Züchtern gerade in Bezug auf den Königspython die Vorteile, welche ein Racksystem bietet. Die Lösung ist demnach wohl eine Art Kompromiss. Die Mindesthaltungsrichtlinien, welche sich bei dieser Schlange auf eine alte Forschungsarbeit aus Nigeria beziehen, halte ich für nicht gerade vorteilhaft. Darin wird der Königspython als teilweise baumbewohnend bezeichnet. Es liegt jedoch der Verdacht nahe, dass bei der zugrundeliegenden Forschungsarbeit entweder ein baumbewohnender Python mit einem Königspython verwechselt wurde oder aber (zu Show-Zwecken bei der Fotodokumentation) ein adulter Königspython sogar absichtlich in einem Baum gesetzt wurde. Der kurze Schwanz der Tiere, welcher nicht effektiv als Greif- und Kletterwerkzug agieren kann, ist ein klares anatomisches Zeichen für die bodenbewohnende Lebensweise. Folgt man den Mindesthaltungsrichtlinien blind und bietet dem Königspython ein recht hohes Terrarium, kommt es schnell zu Stress und damit Futterverweigerung. Dies habe ich selbst bei meinen Tieren erlebt. Erst als ich eine Art Zwischendecke an der Terrarienrückwand installierte, war das Problem vom Tisch. Kletteräste werden meinen Beobachtungen nach von adulten Königspythons nur sehr selten genutzt und wenn, dann stellen sich die Tiere dabei nicht sonderlich geschickt an. Die Haltung eines Königspythons in einem in der Höhe abweichend von den Mindesthaltungsrichtlinien etwas reduzierteren Terrarium halte ich daher für die beste Lösung. Diese Ansicht wird auch durch eine Aussage in der Stellungnahme der TVT und Fachverbände bekräftigt:
Die Höhe sollte eine dreidimensionale Fortbewegung erlauben, muss aber nicht vollständig mit dem Reptiliengutachten übereinstimmen.
Trotzdem würde ich im Einzelfall eine Rackhaltung von Königspythons mit den richtigen Haltungsparametern als wesentlich artgerechter bewerten als ein riesiges Terrarium, in dem sich die Schlange wie auf dem Präsentierteller fühlt. Kletteräste ändern an diesem Stress dann nämlich auch nichts mehr. Im Gegenteil: Spätestens nach dem ersten Absturz der plumpen Schlange aus größerer Höhe kann es zu Futterverweigerung kommen. Die Tatsache, dass insbesondere der Königspython in Racksystemen oft besser gedeiht, spricht objektiv betrachtet für diese Haltungsform. Auch wenn sie für mich nicht infrage kommt, würde ich sie deswegen nicht aus emotionalen Tierrechtsgedanken als qualvolle, an Massentierhaltung grenzende Haltungsform abstempeln.

*Nachtrag:
Wenige Wochen nach der Veröffentlichung dieses Artikels, fällte das Verwaltungsgericht Düsseldorf ein Urteil zur Rackhaltung (Az. 23 K 5500/12): Im besagten Fall wollte eine Königspythonzüchterin ihre Erlaubnis für die gewerbsmäßige Zucht nach § 11 TierSchG verlängern lassen. Die zuständige Amtstierärztin äußerte Bedenken bezüglich der vorgefundenen Rackhaltung. Die Züchterin bekam die Auflage, die Rackhaltung gemäß der o.g. „Rackhaltungs-Stellungnahme“ des AK 8 zu betreiben. Da die Züchterin jedoch auch adulte Schlangen in den Racks halten wollte, legte sie Widerspruch ein und erhob schließlich Klage vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf, wo sie die Vorteile der Rackhaltung darstellte. Die beklagte Amtsveterinärin erläuterte ihren Standpunkt, der zusammengefasst darauf beruhte, dass aus der zurückgezogene Lebensweise von Königspythons in freier Natur nicht geschlussfolgert werden könne, den Bewegungsfreiraum dieser Tiere in einem Rack vollkommen einzuschränken. Unter Bezugnahme auf die vorliegenden Gutachten und Stellungnahmen zur Rackhaltung entschied das Gericht schließlich, dass für eine verhaltensgerechte Unterbringung von Schlangen der Art Python regius ein größerer Platzbedarf benötigt wird, als es Rackschubladen ermöglichen. Laut Gericht fordert § 2 TierSchG die verhaltensgerechte und nicht etwa nur „die gesunde, das Überleben sichernde […] Unterbringung“. Rackschubladen sind laut Gerichtsurteil bei adulten Exemplaren nur zulässig, wenn sie die Mindestmaße (1 x 0,5 x 0,75 x Gesamtkörperlänge) nicht unterschreiten. Dies empfinde ich als klaren Widerspruch zur Stellungnahme des AK 8, die vom Gericht als „eine taugliche Orientierungshilfe für den Vollzug des Tierschutzgesetzes“ bezeichnet wurde, laut der die Höhe nicht vollständig mit dem Reptiliengutachten übereinstimmen muss.

Fazit: 
Die Rackhaltung ist somit zwar grundsätzlich nicht verboten, jedoch gibt es viele fachliche Gegenstimmen, welche im Falle einer Kontrolle wohl eher zu einer Änderungsauflage der Haltungsweise führen würden, anstatt dass man mit der Rackhaltung durchkommt. Vor Gericht muss zwar weiterhin der Einzelfall entschieden werden, weil das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf kein Grundsatzurteil darstellt, jedoch werden sich andere Gerichte sehr wahrscheinlich nach diesem Urteil richten. Die aktuelle Situation spricht also eher gegen die Haltung von z.B. Königspythons in Racksystemen. Letztlich kann man aber bei jeder Tierhaltung Fehler machen, die Haltungsprobleme verursacht, egal ob das Tier nun in einem Terrarium oder einem Rack gehalten wird.