Mittwoch, 2. April 2014

Wo kauft man seine Terrarientiere?

Wenn man seinen Bestand an Tieren erweitern oder eine erstmalige Anschaffung tätigen möchte (bereits eingerichtetes und auf Funktion geprüftes Terrarium vorausgesetzt!), bieten sich einem verschiedene Bezugsquellen. Diese möchte ich einmal vorstellen und meine persönliche Meinung dazu abgeben. Gegenstimmen sind (im Rahmen einer angemessenen Diskussion) im Kommentarbereich erwünscht: 

Zoofachhandel 
Im Zoofachhandel findet man inzwischen auch immer mehr Terrarientiere. Insbesondere die großen Ketten haben die Terraristik fest in ihrem Angebot integriert. Für die Beschaffung von Verbrauchsmaterialien wie Bodengrund, Lampen oder auch Futter (bei Lebendfutter jedoch oft mit Abstrichen) sind diese Geschäfte an sich gut geeignet.

Was den Kauf von Tieren betrifft, sollte man sich gerade in Zoofachgeschäften ausgiebig mit dem Personal unterhalten, um deren Sachkunde zu checken. Dies ist natürlich für Neulinge, die sich erstmalig ein Terrarientier anschaffen wollen, nicht ganz einfach. Die Beratung ist jedoch leider häufig mangelhaft, außer man gerät an einen Verkäufer, der privat selber leidenschaftlicher Terrarianer ist. Diese sind jedoch eher die Ausnahme.

Hier ein paar meiner eigenen persönlichen Erlebnisse als Kunde:
  • Falsche wissenschaftliche Artnamen an den Terrarien. Bei nachweispflichtigen oder gar meldepflichtigen Tieren würden die Dokumente somit unter Umständen Probleme bereiten. In meinem Falle war es einfach nur ein Ärgernis, als sich das gekaufte Phyllium giganteum im Laufe der Häutungen als Phyllium sp. entpuppte. 
  • Mangelnde Kenntnis des Fachpersonals. In einem konkreten Fall war ich auf der Suche nach ein paar Schnecken für mein Nano-Aquarium (ich pflege auch aquatische Wirbellose). Zuerst wollte man mir eine Rennschnecke verkaufen. Dank meiner Vorkenntnis wusste ich, dass diese aus dem Nano-Aquarium ausbrechen können, da sie zur Fortpflanzung Brackwasser aufsuchen (somit war mir auch klar, dass diese Schnecken mal wieder Wildfänge sein mussten). Als man mir dann stattdessen einen Wels zur Algenbeseitigung verkaufen wollte, war das Verkaufsgespräch vorerst gelaufen. Einen solchen Fisch für einen Nano-Cube? Artgerecht wäre das nicht! Ohne meine Vorkenntnis wäre also evtl. ein Wirbeltier in einem viel zu kleinen Aquarium untergekommen. Als ich dann zufällig in einem anderen Becken ein paar Blasenschnecken entdeckte, wollte ich diese eigentlich kaufen. Doch diese dienten laut Aussage des „Fachpersonals“ nur als Futter für einen Kugelfisch, der gerade nicht im Bestand war. Meine sarkastische Bitte: „Dann hätte ich eben gerne etwas Futter für meinen Kugelfisch!“, wurde mit einem Fingerzeig in Richtung der Fischfutterdosen quittiert.
  • Eine weitere Unkenntnis spielte sich beim geplanten Kauf eines Königspythons ab. Meine erste Nachfrage, ob es sich um eine deutsche Nachzucht handeln würde, wurde bejaht. Bei dem Preis des Tieres eigentlich unwahrscheinlich. Beim Blick in die Papiere entpuppte es sich dann auch als Farmzucht, welche mit Hunderten anderen Tieren in die EU eingeführt wurde.
  • Viele der Tiere im Zoofachhandel sind Wildfänge (also aus der freien Natur entnommene Exemplare). Insbesondere bei adulten Tieren sollte man skeptisch sein und nachfragen (wobei auch das keine Garantie ist, eine Nachzucht zu bekommen). Diese Wildfänge sind zwar legal importiert, aber dennoch aufgrund des Transportstresses in keinem guten Gesundheitszustand. Sie tragen häufig Parasiten in sich, die durch den Stress der ständigen Ortswechsel erst richtig Schaden anrichten können.
Von den Haltungsbedingungen in manchen Geschäften einmal ganz abgesehen. Einsiedlerkrebse in „Einzelhaft“, abgemagerte Kornnattern oder verendete Echsen habe ich in solchen Geschäften leider schon sehen „dürfen“. Die Tiere sind dort eben leider oftmals nur eine Ware. Ob man sich in solchen Situationen von seinem Mitleid überreden lassen sollte, beleuchte ich in einem anderen Post auf diesem Blog: Die Krux mit den Mitleidskäufen

Von einem Kauf von Tieren in Zoofachgeschäften kann ich somit eigentlich nur abraten. Ein härteres Durchgreifen des Gesetzgebers wäre angebracht. Dann wäre es mir wirklich lieber, wenn Zoofachgeschäfte mit Terraristikabteilung lediglich Zubehör und Futtertiere anbieten würden.

Züchter
Der Kauf direkt bei einem Züchter stellt definitiv die bessere Alternative dar. Insbesondere wenn man sich die Zucht- und Haltungsbedingungen direkt vor Ort anschauen kann. Züchter sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und können eine wirklich kompetente Beratung zu den Tieren geben.

Meinen größten Kritikpunkt stellt jedoch die Schönzucht bei manchen Tierarten dar. Wildfarbende Exemplare (also Tiere in ihren natürlichen Farben) mancher Arten fallen inzwischen eher als Nebenprodukt bei professionellen Züchtern ab und sind nicht mehr das Hauptaugenmerk der Zuchtbemühungen. Selbst diese wildfarbenen Tiere sind selten reinerbig, sondern tragen die meist rezessiven Gene der Designer-Farbvarianten in sich. Zwar sorgen die oft hohen Preise von Designer-Morphs schon einmal dafür, dass die Tiere nicht spontan gekauft und dann vernachlässigt werden. Auch Wildfänge sind hierbei ausgeschlossen. Dennoch geht es professionellen Züchtern bestimmter Terrarientiere nicht mehr vorrangig um die Erhaltungszucht der natürlichen Farbvarianten, sondern um die Gewinne beim Verkauf von farblich abweichenden Mutanten. Und diese Art der Produktion betrachte ich mit gemischten Gefühlen.

Börsen
Auf Börsen findet man sowohl private als auch professionelle Züchter. Hier verhält es sich ähnlich, wie bei meinen vorherigen Ausführungen zur Zucht. Der Nachteil auf Börsen ist zudem, dass man die Tiere nur in den Boxen betrachten und sich somit kein Bild von den tatsächlichen Haltungsbedingungen beim Züchter machen kann. Dennoch ist die Beratung auf Börsen allemal besser, als in Zoofachgeschäften. Wenn man sich im Vorfeld auf den Kauf eines bestimmten Tieres vorbereitet ((Quarantäne-)Terrarium steht bereit und man hat sich durch Literatur belesen) und dann auf der Börse mit dem Anbieter ins Gespräch kommt, kann man einen guten Kauf abschließen.

Ein nicht zu verschweigender Nachteil bei Börsen: Die Verlockung eines Spontankaufs ist groß. Wenn man schon eine Börse besucht, möchte man auch ein Tier mitnehmen. Dadurch landen viele Tiere leider in nicht gerade artgerechten Haltungsbedingungen. Hier sind die Anbieter gefordert, ihre Tiere nur in die Hände von Leuten zu geben, die einen sachkundigen Eindruck machen.

Internetversand
Bei Bestellungen im Internet gibt es im Grunde die gesamte Bandbreite an Anbietern. Sowohl Zoofachgeschäfte, gewerbliche Züchter als auch Privatpersonen bieten den Verkauf über das Internet inkl. Versand an.

Der größte Nachteil hierbei ist, dass man oftmals wortwörtlich die „Schlange im Sack“ kauft. Man kann sich nur selten ein Bild von den Haltungsbedingungen und dem Tier selber machen. Beratung bleibt leider ebenfalls zu oft auf der Strecke, wenn man erst am Kundendienst vorbei muss, um einen Experten zu sprechen. Auch die Versandbedingungen sind nicht immer eindeutig. Gegen den Versand über ein auf Tiere spezialisiertes Versandunternehmen ist nichts einzuwenden. Manche Anbieter verschicken ihre Wirbeltiere jedoch auch mit normaler Post! Der Zusatz „Express“ macht hierbei keinen Unterschied – es ist und bleibt tierschutzrechtlich bedenklich und von Versandunternehmen wie der DHL wird dies auch nicht gestattet. Einzig der Postversand von Wirbellosen ist erlaubt. Wenn diese Tiere dann jedoch unsachgemäß verpackt sind (z.B. Landkrabben in einem Beutel voller Wasser oder Spiderlinge in einer Heimchendose voller Erde) ist eine Lebendankunft ein Glücksspiel. Beides habe ich bereits erlebt und daher sehe ich den Versand über den normalen Postweg grundsätzlich kritisch

Der Versand nach Bestellungen im Internet stellt somit immer ein gewisses Risiko dar, wenn man an die falschen Anbieter gerät. Angesehen davon findet man im Internet eine große Auswahl an Tieren und kann auch Preise vergleichen.

Private Anbieter / Kleintieranzeigen
Manchmal handelt es sich hierbei um private Anbieter, die sich der Erhaltungszucht verschrieben haben und diese zu unterstützen halte ich für wichtiger, als irgendwelche Großhändler mit ihren Farbzuchten. Manche Terrarianer geben ihre Tiere auch wegen eines Umzugs oder wegen der Aufgabe ihres Hobbies ab. Daher sind hierbei oftmals günstige Preise zu finden oder noch das ein oder andere Zubehör abzugreifen. Bei einem Besuch beim Anbieter kann man sich ein Bild von den Tieren und ihren Haltungsbedingungen machen. Leider stößt man dabei hin und wieder auch auf nicht ganz so erfreuliche Dinge, die auf unzureichender Sachkunde der Halter beruhen. Nach solchen Besuchen erhofft man sich als leidenschaftlicher und tierlieber Terrarianer ebenfalls eine konsequentere Durchsetzung der bestehenden Gesetze seitens der Politik. Andererseits stößt man auch auf viele Terrarianer, die den Tieren ein artgerechtes Umfeld bieten, weswegen ein komplettes Verbot der Exotenhaltung total kontraproduktiv für den Tierschutz wäre.

Die Abnahme von einem privaten Halter (beispielsweise aufgrund eines Inserates im Internet) stellt den von mir favorisierten Weg der Anschaffung dar.

Tierheim / Auffangstation
Terrarientiere findet man in Tierheimen vergleichsweise selten. Diese an sich erfreuliche Situation resultiert leider daher, dass viele überforderte Halter, die nicht den Weg über eine Kleintieranzeige gehen, ihre Pfleglinge einfach aussetzen, wo diese dann aufgrund der klimatischen Bedingungen eingehen. Aufgrund von schlechter Haltung gehen viele Tiere auch schon direkt bei den Haltern ein. Manche Halter können jedoch über ihren Schatten springen und geben die Tiere in ein Tierheim oder direkt an eine auf Reptilien spezialisierte Auffangstation.

Dort kann man diese Tiere mitunter sogar kostenlos bekommen. Außerdem gibt man auf diesem Wege einem Tier eine Chance, welches der jeweilige Vorbesitzer nicht mehr halten wollte / konnte. Durch die Beschaffung eines Tieres aus einem Tierheim / einer Auffangstation unterstützt man auch nicht die Produktion von Tieren. Einerseits ist dies positiv zu betrachten, weil dann der Kommerzgedanke der Zoofachgeschäfte nicht unterstützt wird, welche Tiere nur als Ware betrachten. Dadurch landen langfristig gesehen auch weniger Tiere in miesen Haltungsbedingungen. Andererseits unterstützt man damit auch nicht unmittelbar einen Züchter bei der Erhaltungszucht. Viele dieser Tierheimtiere sind zudem auch schon sehr mitgenommen, kränkeln oder stehen am Ende ihres Lebens. Trotzdem ist der Weg zu einer solchen Einrichtung anzuraten, gerade vor dem Hintergrund, wenn man selber das jeweilige Tier nachzüchten möchte (was meiner Meinung nach das Hauptbestreben eines Terrarianers sein sollte).

Import aus dem Ausland
Der Import von Tieren aus dem Ausland ist schon eine sehr spezielle Beschaffungsmaßnahme. Die Gründe für einen Import können sein:
  • Import von Nachzuchttieren von professionellen Züchtern (z.B. aus den USA), die spektakuläre Farbvarianten gezüchtet haben, welche es in der EU noch nicht gibt. Diese Variante stellt den Großteil aller Importe dar.
  • Import von Wildfängen, die für die Auffrischung des Genpools zur Vermeidung von Inzuchtdepressionen bei noch nicht lange etablierten Terrarientieren benötigt werden.
  • Import von Wildfängen, die (noch) nicht nachgezüchtet werden können. An diesen Tieren werden die Nachzuchtbedingungen erforscht, um eine Erhaltungszucht in der Terraristik zu gewährleisten.
Alle genannten Varianten sind in meinen Augen für Neulinge relativ uninteressant. Einzig für Züchter oder fortgeschrittene Halter (im letzten Fall sogar nur für professionelle Halter und Forscher) ist dieser zumeist komplizierte Weg der Tierbeschaffung interessant.

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