Mittwoch, 23. April 2014

SPD contra Exotenhaltung: Drucksache 17/12386 vom 19.02.2013

Die Europawahl steht vor der Tür und erneut steht man vor der Wahl zwischen Pest, Cholera und neuerdings dem Schreckgespenst der „Salmonellose“ (dafür steht doch das S in SPD… oder?). Dass die SPD grundsätzlich der Lobbyarbeit radikaler Tierrechtsvereine folgt, ist bereits bekannt. Ebenso, dass ein Importverbot von Wildfängen im Koalitionsvertrag der Koalition von CDU/CSU und SPD steht. Auf Bundesebene kann ein solches Verbot jedoch nicht durchgesetzt werden. Importeinschränkungen sind nur im EU-Recht festlegbar. Daher ist die Wahl des Europaparlaments am 25. Mai 2014 ein wichtiger Termin für alle Terrarianer, um den Plänen der SPD einen Riegel vorzuschieben.

Das von Tierrechtlern beeinflusste Bestreben der SPD für ein Exotenverbot wurde bereits am 19. Februar 2013 in der Drucksache 17/12386 des Deutschen Bundestages deutlich. Dabei handelt es sich um einen Antrag der SPD-Fraktion, welcher „Wildtierhandel und –haltung in Deutschland einschränken und so den Tier- und Artenschutz stärken“ soll.

Es folgen ein paar Zitate aus diesem Schriftstück:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
[…] Nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes werden derzeit jährlich zwischen 440 000 und 840 000 lebende Reptilien sowie bis zu 380 000 Süßwasserfische nach Deutschland eingeführt […].

Während der Import von Wildvögeln seit dem Jahr 2005 gestoppt ist, gehen die Einfuhren der Reptilien unvermindert weiter. […] Selbst Arten, die seit vielen Jahren unter Privathaltern beliebt sind, werden noch immer in riesigen Stückzahlen importiert, wie beispielsweise Höckerschildkröten oder Königspythons. Die Nachfrage nach solchen Arten wird bis heute nicht durch hiesige Nachzuchten, sondern Importe gedeckt.
Diese Aussage entspricht nicht der Wahrheit. Im Falle des Königspythons würden die hiesigen Nachzuchten sehr wohl den Bedarf decken – zumindest was die Haltung der Tiere betrifft. Jedoch gibt es z.B. in den USA einige namenhafte Züchter für Farbmorphen des Königspythons. Diese „neuen Modelle“ werden in die EU / nach Deutschland verschickt, um sie auch hier bei den Züchtern zu etablieren. Diese Nachzuchten stellen einen Großteil der Importe von exotischen Wildtieren dar. Ein anderer Teil betrifft die (für den Zoofachhandel meist günstigeren) Farmzuchten des Königspythons. Hierbei handelt es sich ebenfalls um Nachzuchttiere aus menschlicher Obhut, die in Afrika auf Farmen unter Zuhilfenahme der natürlichen Klimabedingungen ausgebrütet werden. Bei all diesen Importen handelt es sich demnach nicht zwangsläufig um einen Handel mit aus der Natur entnommenen Tieren, sondern um Nachzuchtprojekte, welche dem Lebensraum der Tiere und dem Artenschutz zugutekommen. Da es sich beim Königspython um eine nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützte Art handelt, ist der Handel mit diesem Tier bereits reglementiert und erlaubt eine nachhaltige Nutzung. Demnach ist die Aussage der SPD in ihrem Antrag nicht nachvollziehbar und beruhte auf Unkenntnis der tatsächlichen Sachlage.
Auch wenn für viele Arten die Lebensraumzerstörung die Hauptbedrohung darstellt, schwächen Naturentnahmen für den Handel die ohnehin schrumpfenden Wildbestände noch weiter.
Das Hauptproblem ist und bleibt die Zerstörung der Lebensräume. Ein Importverbot von Wildfängen würde diese Problematik noch verstärken. Einerseits bieten die in Menschenhand gehaltenen exotischen Tiere ein gewisses „Botschafterpotential“. Unsere Gesellschaft ist stark von der Natur entfremdet (was z.B. panische Anrufe bei der Polizei nach dem Fund einer harmlosen einheimischen Blindschleiche zeigen). Wie sollen z.B. Kinder und Jugendliche einen Sinn für die Natur und ein Interesse für die Lebensräume von Tieren wie z.B. Vogelspinnen und Schlangen entwickeln, wenn sie diese Tiere niemals direkt kennenlernen können, sondern nur in Hollywood-Streifen als gefährliche Monster erleben?

Außerdem würde ein Verbot von Importen so manchen Lebensraum zusätzlich gefährden. Wenn z.B. die Bevölkerung eines Landes mit gefangenen und anschließend exportierten Wildtieren ihren Lebensunterhalt verdient, schützt diese Bevölkerung logischerweise auch die Lebensräume der Tiere. Denn diese stellen ihr Kapital dar. Wenn dann die EU dem Wildtierimport einen Riegel vorschiebt, müssen diese Länder mit den zur Verfügung stehenden Flächen (z.B. Regenwäldern) anders wirtschaften. Es folgen Brandrodung und konventionelle Landwirtschaft, da der Wert der Wildtiere verloren gegangen ist.

Oder aber die Händler entdecken das Potential des Schmuggels. Durch bereits bestehende Ein- und Ausfuhrregelungen (z.B. durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen) kann die EU aktuell noch ihre Hand auf den Handel legen. Im Falle eines Verbots würde sich der Handel mit Exoten in den illegalen Untergrund verlagern und die Politik hätte keinerlei Einfluss mehr auf die Situation. Im Grunde wäre dies ein Arschtritt für sämtliche Artenschutzbemühungen.
Das Aussetzen nichtheimischer, insbesondere potentiell invasiver Arten durch überforderte Halter kann zu einer Faunenverfälschung mit negativen Auswirkungen auf die heimischen Arten führen.
Das Argument der Faunenverfälschung wird gerne von den Tierrechtlern und somit auch der SPD verwendet. Jedoch widersprechen sich die Urheber solcher Aussagen selbst. Einerseits wird behauptet, die Tiere seien total empfindlich und könnten in Gefangenschaft nicht überleben, da man ihnen als Halter nicht die Bedingungen bieten kann, auf die sich diese Exoten spezialisiert haben (z.B. große Hitze oder hohe Luftfeuchtigkeit). In einem Atemzug wird dann aber von Faunenverfälschung gefaselt. Wie können sich aber bitte Tiere, die in einem Terrarium mit den korrekten Haltungsparametern angeblich schnell zugrunde gehen, in unseren Klimazonen so stark vermehren, dass sie invasiv unsere Fauna bedrohen? Es mag vielleicht sein, dass manche Arten einen Sommer überleben können. Beim nächsten Winter ist jedoch schon wieder Schluss mit dem Spuk. Nur ein kleiner Teil der Arten kann theoretisch das ganze Jahr über in Deutschland überleben. Ob sich diese Arten jedoch auch vermehren können, ist bisher nur bei der Rotwangen-Schmuckschildkröte erwiesen.

Das Problem der Faunenverfälschung soll hier zwar nicht kleingeredet werden. Jedoch erlebe ich täglich ganz selbstverständlich, wie Katzen rumstreunen und (ebenfalls zum Teil geschützte) einheimische Kleinsäuger, Vögel, Reptilien, Amphibien und Wirbellose jagen und töten. Oder wie kommen eigentlich Goldfische in einen Tümpel unseres (als Naturschutzgebiet gekennzeichneten) Stadtwaldes, in dem es in diesem Jahr bisher noch kein einziges Gelege der dort im Vorjahr noch vorkommenden Erdkröte gegeben hat? Faunenverfälschung betrifft also auch andere Tierhalter! Und selbst durch den Warenhandel innerhalb der EU wandern Arten unwissentlich mit, welche das Potential zur Faunenverfälschung in sich tragen (dies sogar weitaus stärker, als die in Terrarien gehaltenen Exoten). Keine unserer Parteien käme auf die Idee, deswegen ein Handelsverbot mit anderen EU-Staaten zu fordern.

Nicht zuletzt liegt es auf der Hand, was einige Halter bei einem (von Tierrechtlern angestrebten) Haltungsverbot machen würden: Sie würden ihre Tiere aus Angst vor Beschlagnahmung einfach aussetzen. So geschehen bei der Apfelschnecke, als man diese in der Aquaristik aus Angst vor Faunenverfälschung verbot. Plötzlich hatten südliche Länder der EU exakt mit dem Problem zu kämpfen, welches sie durch ein Haltungsverbot dieser Süßwasserschnecke eigentlich verhindern wollten.
Der Verkauf von Wildtieren erfolgt über Tierbörsen, Baumärkte, Gartencenter, das Internet und über Zoogeschäfte. Oft unterbleibt dabei eine umfassende Beratung bezüglich der Haltungsansprüche oder es werden unüberlegte Spontankäufe gefördert, was insbesondere bei Wüsten-, Berg- und Regenwaldbewohnern mit ihren besonderen klimatischen Ansprüchen bzw. bei Nahrungsspezialisten oder langlebigen oder groß werdenden Arten zu erheblichen Tierschutzproblemen führen kann.
Dies mag in Einzelfällen zutreffen. Es läuft sicherlich nicht alles super in der Terraristik. Jedoch müsste die Politik sich hierbei Arbeit machen und die bestehenden Gesetze besser durchsetzen, um dafür zu sorgen, dass Tierhalter und das Personal im Handel sich bessere Kenntnisse aneignen bzw. besser geschult werden. Damit kann man sich natürlich nicht so schnell profilieren und Wähler sowie Lobbyisten werden nicht aussagekräftig überzeugt. Pauschale Einschränkungen eignen sich dafür natürlich immer besser, als sich den Problemen mit Sachverstand zu widmen. 
Einer Studie der Universität Leipzig zufolge sind bei 51 Prozent der Reptilien Haltungsfehler sowie bei weiteren 10 Prozent Ernährungsfehler nachzuweisen.
Diese Zahlen klingen natürlich erschreckend. Doch sollte man einmal näher betrachten, woher diese Zahlen eigentlich stammen: Diese Zahlen wurden aus einer Gruppe von 111 verendeten Tieren ermittelt, welche zur Aufklärung der Todesursache von ihren Haltern zur Untersuchung eingeschickt wurden. Somit ist das Ergebnis der Studie nicht repräsentativ für alle in menschlicher Obhut gehaltenen Exoten, weil bereits eine gewisse Vorauswahl zur Erhebung der Daten getroffen und lediglich die Ergebnisse eines Instituts herangezogen wurden.

Angenommen ich erhebe eine Studie in einem Hospiz für Krebspatienten und komme dadurch zu dem Ergebnis, dass 80 % der Patienten im ersten Jahr sterben. Mit dem Mund der Tierrechtler gesprochen könnte ich die Ergebnisse wie folgt darstellen: „Jedes Jahr sterben in Deutschland 80 % der Bevölkerung an Krebs!“ Kein halbwegs intelligenter Politiker würde wohl eine solche irrsinnige Interpretation von Ergebnissen einer Studie blind in einen Antrag an die Bundesregierung übertragen. Beim Thema Wildtierhaltung wurde dies jedoch offenkundig von der SPD-Fraktion getan!
In den Bundesländern bestehen keine bzw. uneinheitliche Regelungen zur Haltung gefährlicher Wildtiere in Privathand im Sinne der Gefahrenabwehr.
Dies ist korrekt und sollte daher mit politischem Sachverstand unter Konsultation der Fachverbände angefasst werden. Jedoch sollte die Politik dabei nicht zur Marionette dubioser Tierrechtsorganisationen werden! 
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass die Einfuhr von Wildfängen für den kommerziellen Lebendtierhandel in die Europäische Union verboten wird, wenn es sich um gefährliche Arten handelt oder wenn die Tiere, insbesondere Reptilien, gefährliche Krankheitserreger, wie z. B. Salmonellen, in sich tragen;
Hier haben wir wieder das Schreckgespenst der Salmonellose, mit dem die SPD und die Tierrechtler gerne argumentieren. Fakt ist jedoch, dass bei sachgemäßer Handhabung der Tiere (Händewaschen nach Kontakt, kein Kontakt mit dem Mund etc.) keine Gefahr einer Ansteckung besteht. Reptilien sind als Salmonellenüberträger nicht mehr oder weniger gefährlich als rohe Eier oder ein Stück rohes Hühnerfleisch in der Küche. Aber auch diese würden die Tierrechtler sicherlich aus den Küchen verbannen, wenn sich die Politik darauf einlassen würde. Nur seltsamerweise hat die SPD gegen den Handel mit Geflügelprodukten trotz Salmonellengefahr nichts einzuwenden.
4. sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass die EU-Importe aller Wildtiere artspezifisch erfasst und entsprechend dem Vorsorgeprinzip auf ihre Nachhaltigkeit hin geprüft werden.
Damit macht sich die SPD lächerlich. Eine solche Regelung gibt es in Form der drei Anhänge des Washingtoner Artenschutzübereinkommens bereits.
7. strenge Auflagen für die tierschutzkonforme Durchführung von Tierbörsen zu erlassen;
Auch dafür gibt es bereits die „Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Gesichtspunkten des Tierschutzes“ vom Bundesministerium für Ernährung Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Wohl bemerkt interessiert die SPD nicht der Bezug auf exotische Tiere. Denn anschließend heißt es:
8. den Verkauf von Wildtieren über Tierbörsen zu verbieten;
Also bleiben auf den dann noch erlaubten Tierbörsen lediglich domestizierte Tiere übrig. Fachbörsen wie die Terrarisika (auf denen es auch um den Austausch von Fachwissen, Abgabe von Nachzuchten und somit um Artenschutz geht) wären demnach nicht mehr erlaubt.

Beim Lesen dieses SPD-Antrags fühle ich mich als Exotenhalter beleidigt und als Tierquäler und Tierverbraucher abgestempelt! Wie kann eine angebliche Volkspartei zum Instrument dubioser Tierrechtsvereine werden, sich über bestehende Artenschutzgesetze hinwegsetzen und die Artenschutzbemühungen engagierter Terrarianer mit Füßen treten, nur um sich selbst zu profilieren und Wählerstimmen bei den Leuten zu erschleichen, die mit ihrem „Fifi“ oder ihrer „Muschi“ auf dem Schoß ohnehin Vorurteile und Abneigungen gegenüber exotischen Tieren hegen?

Zur Europawahl lautet also meine Devise: Hingehen und wählen! Denn bei Nichtwahl erhält die SPD (gewissermaßen anteilig wie alle anderen Parteien auch) einen Vorteil. Die Grünen und die Linke blasen mehr oder weniger in dasselbe Horn, auch wenn sie es bisher noch nicht so deutlich ausgedrückt haben. Die CDU hat aufgrund des Kuhhandels mit der SPD in Form des Koalitionsvertrages einen Handlungsauftrag. Sachliche Verbesserungen in der Tierhaltung sind natürlich wünschenswert. Jedoch nicht aufgrund des Einflusses der fanatischen Tierrechtler! Dann also lieber eine kleine Splitterpartei wählen, damit die Stimme eine Bedeutung hat und der SPD und somit den radikalen Tierrechtslobbyisten nicht geholfen wird.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen