Donnerstag, 10. April 2014

Nachzuchtbericht: Blauer Baumsteiger (Dendrobates tinctorius „azureus“)

Auf der 51. Terraristika in Hamm kauften mein Partner und ich eine 1.2 Gruppe von Dendrobates azureus. Zumindest trägt der Herkunftsnachweis diesen wissenschaftlichen Artnamen, welcher ebenfalls in Anlage 5 der Bundesartenschutzverordnung aufgeführt ist. Der korrekte wissenschaftliche Artname lautet inzwischen aufgrund von neuen Forschungen eigentlich Dendrobates tinctorius „azureus“. Solange jedoch keine Revision der Anlage 5 BartSchV erfolgt, greift der gültige Schutzstatus zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Anlage 5 und somit auch die Befreiung von der Meldepflicht.

An dieser Stelle möchte ich mal über unsere ersten Erfolge bei der Nachzucht dieser Art berichten - auch in Hinblick auf die leidige Behauptung sogenannter Tierrechtler, dass exotische Tiere in Gefangenschaft eingehen und die Freiheit so viel besser wäre. Der Blaue Baumsteiger ist jedoch ein sehr gutes Beispiel, um die Vorteile der Vivaristik aufzuzeigen:

Paarungsverhalten & 1. Gelege
Nachdem sich die Gruppe in ihrem neuen Terrarium eingelebt hatte (nach ca. 2 Wochen) begann das Männchen tagsüber immer wieder mit einem leisen Quaken. Dies ist ein typisches Paarungsverhalten des Blauen Baumsteigers. Wenige Tage später beobachtete ich erstmalig, wie eines der Weibchen zusammen mit dem Männchen im Kelch einer der Bromelien saß, welche wir den Fröschen zur Verfügung stellten. Kurz darauf fanden sich im Kelch bzw. auf einem Blatt der Bromelie ein paar Eier, welche regelmäßig vom Männchen aufgesucht wurden. Laut der Literatur lässt es bei diesen Besuchen etwas Urin ab, welcher Pilzbefall vorbeugen soll.


Zu diesem Zeitpunkt wollten wir den Tieren noch selber die Aufzucht und Pflege der Gelege überlassen. Aus diesem ersten Gelege schlüpften schließlich auch mehrere Quappen. Wir konnten das Männchen beobachten, wie es die Quappen auf dem Rücken zu anderen Bromelien trug.

2. Gelege
Im Laufe der Zeit hatten wir jedoch den Eindruck, dass das Männchen mit der Pflege aller Quappen überfordert war. Hinzu kam, dass das andere Weibchen ebenfalls ein Gelege produzierte. Dieses diente vermutlich einer der Quappen als Nahrung. Um das Männchen nicht weiter zu stressen, entfernten wir das 2. Gelege und versuchten uns an der Aufzucht in einer Petrischale. Dieses Gelege ging jedoch aufgrund von Pilzbefall zugrunde, noch bevor sich sichtbare Veränderungen im Laich bemerkbar machten. Unter Umständen war es also unbefruchtet.

3. Gelege: 1. Nachzuchterfolg
Nach ca. 2 Wochen fanden wir erneut ein Gelege im Terrarium, welches wir ebenfalls für die Aufzucht außerhalb des Terrariums aus diesem entnahmen. Was aus den Quappen des 1. Geleges geworden ist, wissen wir bis heute nicht. Vielleicht hatte das Männchen schließlich die Versorgung eingestellt. Vermutlich wurden von ihm auch mehrere Quappen in eine Bromelie gesetzt und dort sind beide schließlich eingegangen. Die Kaulquappen produzieren nämlich Hemmstoffe, um die Entwicklung der Geschwister (und auch anderer Arten) zu bremsen. Daher versuchten wir uns erneut an der Pflege des Geleges außerhalb des Terrariums bei einer Temperatur von ca. 25 °C. Nachts fielen die Temperaturen teilweise auf 20 °C herab.

Drei der insgesamt fünf Eier gingen erneut aufgrund von Pilzbefall ein. Diese entfernten wir sofort. Zwei Eier veränderten sich jedoch mit der Zeit immer mehr. Im Inneren war nach wenigen Tagen schon eine Qualquappe zu erkennen. Nach 17 Tagen schlüpften schließlich die Quappen, welche wir in separate Kunststoffbecher mit niedrigem Wasserstand überführten.

Im Laufe der Zeit wurden die Quappen immer größer. Entsprechend der Größe füllten wir die Becher etappenweise mir mehr Wasser. Wir verwendeten abgestandenes Leitungswasser, welches wir mit 50 % destilliertem Wasser und einigen Seemandelbaumblättern vermischten. Der daraus entstandene Abguss diente als Aufzuchtswasser. Dieses Wasser wechselten wir etwa alle 5 Tage.

Die Quappen fütterten wir anfangs mit Spirulina, später mit Fischflockenfutter und roten Mückenlarven.


Die Entwicklung der einen Quappe stockte etwas. Sie brauchte letztlich stolze 7 Monate für die Entwicklung. Die zweite Quappe (die unter denselben Bedingungen gepflegt wurde) war nach etwa 4 Monaten fertig.


Zum Ende der Entwicklung (als sich die Vorderbeine als kleine Dellen abzeichneten) legten wir einen kleinen Stein als Ausstiegshilfe in das Wasser und verringerten den Wasserstand. Nötig ist das mit dem Stein bei Dendrobates tinctorius „azureus“ nicht unbedingt, weil diese Art auch die glatte Wand des Bechers hinaufsteigen kann. Wir wollten jedoch auf Nummer sicher gehen. Es handelte sich schließlich um unsere erste Nachzucht. Als die Vorderbeine schließlich durchbrachen, stellten wir auch die Fütterung ein, da der werdende Frosch in diesem Status seinen Schwanz zurückbildet und davon zehrt. 


Kurz darauf erfolgte der Landgang des Jungfrosches, den wir in einen kleinen Aufzuchtsbehälter umsetzten. Dort fütterten wir ihn mit Springschwänzen. Nach ein paar Wochen des Wachstums erfolgte der Umzug in das Terrarium mit den Elterntieren.

Fazit:
Dendrobates tinctorius „azureus“ - Eigene Nachzucht
Man sieht, dass die Nachzucht dieser Art gut gelingt, wenn die Haltungsbedingungen stimmen. Viele Tierrechtsorganisationen beeinflussen die Politik mit Aussagen wie „Exotische Tiere sterben in Gefangenschaft sehr schnell und lassen sich nicht dauerhaft pflegen und nachzüchten!“ Unsere Erlebnisse zeigen jedoch, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Die Elterntiere sind immer noch fit und zeigen keinerlei Degenerationserscheinungen. Einzig ihre Zutraulichkeit und den Verlust der Giftigkeit könnte man als Nebenwirkungen der Haltung in menschlicher Obhut bezeichnen. Schließlich handelt es sich bei ihnen ja auch schon um Nachzuchttiere und nicht um irgendwie geschmuggelten Wildfänge, denen es in freier Natur so viel besser gehen würde.

Und selbst diese romantische Vorstellung von der Freiheit, welche von Tierrechtlern propagiert wird, entspricht nicht der Wahrheit. Der Lebensraum von Dendrobates tinctorius „azureus“ wird massiv geschädigt. Es handelt sich bei diesen Tieren um eine Lokalform des Färberfrosches. Diese Lokalform kommt nur in einem kleinen Verbreitungsgebiet in der Sipaliwinisavanne vor. Ihr Lebensraum wird systematisch von Jägern gerodet, um bessere Jagderfolge zu erzielen. Umso wichtiger ist es, dass der Blaue Baumsteiger in menschlicher Obhut gehalten und nachgezüchtet wird. Die Terraristik stellt somit eine Arche für das Überleben dieses Tieres dar - und sei es nur dadurch, dass durch aktive Nachzucht der Bedarf an (illegalen) Wildfängen und deren Marktwert reduziert werden.

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