Donnerstag, 17. April 2014

Haltung gefährlicher Tiere: Niedersachsen

Heute möchte ich einmal meine Meinung über die Regelung in Bezug auf die Haltung von (vermeintlich) gefährlichen Tieren in meinem eigenen Bundesland kundtun. In nachfolgenden Blog-Beiträgen werde ich mich auch zu den Regelungen anderer Bundesländer äußern.

Hier in Niedersachsen greift zu dieser Thematik die „Verordnung über das Halten gefährlicher Tiere“ (GefTVO). 
§ 1
(1) Es ist verboten, nicht gewerblich Giftschlangen einschließlich der Nattern der Gattungen Dispholidus und Thelotornis, Giftechsen, tropische Giftspinnen und giftige Skorpione zu halten.
Dieser Absatz des ersten Paragraphen der Gefahrtierverordnung ist in vielen Punkten ungenau und meiner Meinung nach sogar ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes. Es wird nämlich ein Unterschied gemacht zwischen der gewerblichen und der privaten Haltung. Ein gewerblicher Halter hat jedoch nicht zwangsläufig eine bessere Sachkunde in Bezug auf die Haltung potentiell gefährlicher Tiere. Meist sind es sogar engagierte Privathalter, die das größere Fachwissen über die Tierarten haben, auf deren Haltung sie sich spezialisiert haben. Mit einer Unterscheidung zwischen gewerblich und privat wird nicht auf die Sachkunde der jeweiligen Halter eingegangen. Es wird pauschal behauptet, dass Gewerbetreibende grundsätzlich mehr Erfahrung haben. Eine solche Einteilung ist nicht objektiv und daher unfair und meiner Meinung nach grundgesetzwidrig.

Die Nennung der Gattungen der Giftnattern ist ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings ist die pauschale Nennung von Giftschlangen nicht deutlich genug. Hier sollte man ebenfalls Gattungen oder besser noch Arten aufzählen, um mehr Klarheit zu schaffen. Gleiches gilt für Giftechsen. Die Bezeichnung als „für den Menschen potentiell gefährliche Giftschlangen und Giftechsen“ wäre meiner Meinung nach gelungener, als die plumpe Bezeichnung „Giftechsen“. Die genaue Nennung von Gattungen oder noch besser von Arten wäre allerdings die deutlichste Form.

Bei den Wirbellosen wird es jedoch noch undeutlicher. Das Verbot der Haltung giftiger Skorpione schließt nahezu alle Skorpione ein. Lediglich die Haltung ungiftiger Pseudoskorpione wäre erlaubt. Arten wie z.B. der oft gehaltene Kaiserskorpion (Pandinus imperator) sind zwar mindergiftig, aber eben faktisch gesehen ebenfalls giftig und somit ist ihre private Haltung in Niedersachsen ohne Ausnahmegenehmigung laut § 1 (2) grundsätzlich verboten. Von einem Halter mit einer Gruppe dieser Kaiserskorpione, deren Giftwirkung vergleichbar mit einem Wespenstich ist, geht somit nach Wortlaut der Verordnung eine größere Gefahr für die Bevölkerung aus als von einem Imker mit mehreren Bienenstöcken. Dabei fliegen die Bienen sogar noch frei herum, während die Skorpione sicher in Terrarien untergebracht sind.

Das Verbot von tropischen Giftspinnen ist noch lächerlicher. Hier wird nicht auf die Giftwirkung und somit die potentielle Gefahr bestimmter Spinnen für den Menschen eingegangen, sondern die Einstufung als gefährliches Tier aufgrund des Lebensraumes vorgenommen. Abgesehen von z.B. Geißelspinnen sind die meisten Spinnen ebenfalls giftig. Der Großteil (z.B. nahezu alle Vogelspinnen, ausgenommen vielleicht die Blaue Burma sowie die Gattung Poecilotheria) ist für den Menschen jedoch vollkommen ungefährlich. Ihre Giftwirkung ist wieder mit einem Wespenstich zu vergleichen. Die private Haltung einer mindergiftigen und somit für Nichtallergiker harmlosen Vogelspinne aus den Tropen ist demnach in Niedersachsen eigentlich verboten. Die Haltung einer australischen Sydney-Trichternetzspinne wäre hingegen erlaubt, da diese nicht aus den Tropen stammt. Dass es sich bei ihr aber um die für uns Menschen wohl tödlichste Giftspinne der Welt handelt, sei mal nur am Rande erwähnt. Besonders bitter wird es dann, wenn man mit Beamten in Kontakt tritt, die sich total darüber wundern, dass auch harmlose Vogelspinnen giftig sind. Glücklicherweise relativieren viele Behörden dieses Verbot und machen die Aussage, dass mindergiftige Vogelspinnen nicht gemeint seien und daher ohne Sondergenehmigung gehalten werden dürfen. Hier muss ein Halter bei der jeweils zuständigen Behörde seines Landkreises nachfragen. Wobei selbst dies zu einem Treppenwitz ausufern kann, bei dem keiner auch nur ansatzweise eine fachkundige Ahnung hat.

Hinzu kommt noch, dass giftige Hundertfüßer in der Verordnung nicht genannt werden. Dabei ist ein Biss dieser Gifttiere für den Menschen unter Umständen sehr gefährlich, da diese Tiere die Giftmenge und Giftzusammensetzung variieren können. Nicht jeder Biss ist wie der andere. Hat man jedoch Pech, kann ein Biss ernste Folgen für die gebissene Person haben. Doch sei es drum. Die Haltung dieser Gifttiere ist in Niedersachsen nicht reglementiert.

Zusammenfassung was wirbellose Gifttiere bei wörtlicher Auslegung der GefTVO betrifft:
Mindergiftige Skorpione, deren Stiche denen von Wespen ähneln: Verboten!
Mindergiftige Vogelspinnen (sofern sie aus den Tropen kommen): Verboten!
Hochgiftige Spinnen (sofern sie nicht aus den Tropen kommen): Erlaubt!
Giftige Hundertfüßer: Erlaubt!                   
§ 2
Die nicht gewerbliche Haltung eines in der Anlage aufgeführten Tieres bedarf der Genehmigung. Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn durch die Tierhaltung im Einzelfall die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet wird.
In besagter Anlage sind neben Raubkatzen, Bären etc. folgende für die Terraristik relevanten Arten gelistet. 
alle Arten der Echten Krokodile (Crocodylidae),
alle Arten der Alligatoren und Kaimane (Alligatoridae)
und der Gavial (Gavialis gangeticus)
Also lediglich Panzerechsen. Von Riesenschlangen ist in der Gefahrtierverordnung somit keine Rede. Einerseits lobenswert in Bezug auf harmlose Vertreter wie z.B. Kaiserboa oder Königspython. In Bezug auf z.B. Felsenpython oder Anakonda (die größten Vertreter unter den Riesenschlangen, die einem Menschen durch ihr Gewicht oder ihr Verhalten sehr wohl gefährlich werden können) sehe ich die fehlende Nennung bestimmter Riesenschlangen jedoch kritisch.

Fazit:
Eine Reglementierung zum Schutz der Bevölkerung finde ich grundsätzlich vernünftig. Auch eine bundeseinheitliche Regelung wäre wünschenswert, damit nicht in einem Bundesland ein Tier verboten ist, welches 2 km hinter der Bundeslandgrenze schon wieder erlaubt ist. Jedoch sollte für eine bundeseinheitliche Gesetzgebung das nötige Fingerspitzengefühl und Fachwissen bewiesen werden. Schwammige und zum Teil lachhafte Formulierungen wie „tropische Giftspinnen“ sind zu vermeiden. Auch sollten diese Regelungen dann für alle Tierhalter gelten und keine Unterschiede zwischen gewerblichen und privaten Haltern gemacht werden. Entscheidend ist bei den Tieren die Giftwirkung bzw. die potentielle Gefahr für den Menschen und bei den Haltern das Vorhandensein einer für die Haltung notwendigen Sachkunde sowie die sichere Unterbringung der Pfleglinge. Immerhin in diesen Punkten ist die Niedersächsische Gefahrtierverordnung durchaus vorbildlich umgesetzt worden. Die Liste mit gefährlich eingestuften Arten muss jedoch dringend überarbeitet werden, um Haltern und auch den Behörden Klarheit zu schaffen.

Aufgrund der Unfallstatistiken zähle ich Pferde, Hunde und Katzen ebenfalls zu den potentiell gefährlichen Tieren, weswegen ich neben einer Sachkundeprüfung für die Halter auch bei diesen Tieren eine stärkere Reglementierungen in Form von z.B. Leinenzwang im öffentlichen Raum für Hund und Katze, Auslauf von Katzen nur in privaten Anlagen und unter strikter Beobachtung sowie Ausritte von Pferden nur auf privaten oder speziell dafür freigegebenen Land- und Forstwegen fordere!

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