Mittwoch, 2. April 2014

Die Krux mit den Mitleidskäufen

Angenommen man betritt ein Zoofachgeschäft und möchte eigentlich nur eine Box mit subadulten Steppengrillen für seine junge Bartagame kaufen. Als begeisterter Terrarianer wirft man dann gerne auch mal einen neugierigen Blick in die mit diversen Tieren bestückten Terrarien des Fachgeschäfts. Darin erblickt man dann plötzlich einen Königspython, der tagsüber mangels Versteck an den Scheiben entlangkriecht und einen Ausweg sucht. Beim näheren Hinsehen erblickt man deutlich eingefallene Bauch- und Schwanzpartien. Der Blick auf das Hygrometer offenbart eine Luftfeuchtigkeit von lediglich 30 %. Und schon ist er da: Dieser innere Drang, dieses arme Tier aus solchen schlechten Haltungsbedingungen zu befreien.

Doch sollte man dies wirklich tun?

Zuerst muss man sich die Frage stellen, ob man das Geschäft wegen Futtertieren bzw. anderen Besorgungen oder wegen der Neuanschaffung eines Tieres betreten hat. Im geschilderten Beispiel wird man vermutlich nicht die nötige Ausstattung haben, um dem Python spontan ein artgerechtes Umfeld bieten zu können. Demnach wäre dem Tier kurzfristig nicht geholfen, wenn man es kaufen würde. Hat man jedoch zufällig ein passendes Terrarium bzw. Quarantänebecken parat, würde man im Falle eines Kaufes des Tieres, dieses unter Umständen tatsächlich vor einem qualvollen Tod bewahren können. Der Erfolg einer solchen Aktion beruhigt natürlich das Gewissen. Man hat ja schließlich etwas Gutes getan… oder?

Leider nicht. Es gibt nämlich einen großen Knackpunkt an der Sache mit den Mitleidskäufen. Durch den Kauf rettet man nicht nur das Tier, sondern unterstützt unmittelbar auch den jeweiligen Händler bei seiner Geschäftspolitik. Er ist seine Ware schließlich losgeworden, also besorgt er gleich mal Nachschub. Dadurch landet erneut ein Tier bei diesem Händler und muss dasselbe Leid ertragen, wie der vorherige Python. Auf Dauer bescheren diese Mitleidskäufe in Zoofachgeschäften also nur Profit für den Händler und weiteres Leid für andere Tiere. Wenn dem Händler jedoch seine Tiere wegsterben, weil kein Käufer sich aus Mitleid für diese Geschöpfe erbarmt, wird er früher oder später keine weiteren Tiere mehr nachbestellen. Schließlich übersteigen irgendwann die erlittenen Verluste die Gewinnaussichten. Klingt hart, aber langfristig ist es so für die Tiere besser.

Wie verhält es sich bei Mitleidskäufen aus privater Hand?

Hierbei ist abzuwägen, in wie weit man den Verkäufer bei seinen Machenschaften unterstützt. Gibt ein überforderter Halter seine schlecht gehaltenen Tiere ab bzw. möchte er das Hobby der Terraristik komplett beenden, um sich für die Erlöse der Tiere z.B. eine Playstation zu kaufen, sind Mitleidskäufe meiner Meinung nach unproblematisch. Man rettet dabei die Tiere aus einer schlechten Haltung und die Chance, dass der Halter sich neue Tiere anschafft und leiden lässt, ist nicht gegeben. Anders verhält es sich, wenn der Halter den Eindruck macht, dass er seiner bisherigen Tiere einfach nur überdrüssig geworden ist und sich von den Verkaufseinnahmen direkt andere Tiere anschaffen würde. Einen solchen Halter sollte man dann nicht durch einen Mitleidskauf in seinem Tun bekräftigen.

Was kann man tun, wenn man schlechte Tierhaltung beobachtet?

Anzuraten ist grundsätzlich eine Anzeige beim zuständigen Veterinäramt. Im Falle von einer ausufernden und somit wohl nicht angemeldeten kommerziellen Zucht wäre auch eine Meldung beim Gewerbeaufsichtsamt denkbar. Einen Tierschutzverein sollte man nicht unbedingt hinzuziehen. Einerseits haben diese Vereine ohne die Behörden sowieso keine Grundlage, um eingreifen zu können. Andererseits sind es gerade diese Vereine, welche die Wildtierhaltung grundsätzlich verbieten lassen wollen und für die solche Einzelfälle nur eine Bekräftigung für ihre radikale Lobbyarbeit wären. Man würde sich als versierter Terrarianer damit also evtl. langfristig selber schaden.

Eine Meldung bei den Behörden kann jedoch ebenfalls Konsequenzen haben, die ich nicht verschweigen möchte. Die Veterinärämter kündigen sich oftmals vor einem Besuch des angezeigten Halters / Händlers an, was diesem eine provisorische Verbesserung der Tierhaltung vor der Begehung ermöglicht, um sich vor Konsequenzen zu schützen. Außerdem fehlt es manchen Behörden an der nötigen Sachkunde. Was für versierte Terrarianer als schlechte Haltung aufgefasst wird, kann eine Behörde wieder ganz anders beurteilen. Wird die schlechte Haltung durch eine Begehung als in Ordnung befunden, bekommt der angezeigte Halter / Gewerbetreibende eine Grundlage für eine Gegenanzeige wegen Falschbehauptung gereicht. Und dann muss man sich selbst um einen Anwalt bemühen.

Wer also für das Wohl der Tiere mit diesen möglichen Konsequenzen leben kann, der sollte diesen Weg gehen. Ansonsten hilft nur Wegschauen und hoffen, dass der Tod der Tiere ein tragbares Opfer dafür ist, dass keine weiteren mehr bei dem jeweiligen Halter bzw. Händler landen und leiden. Es reicht ja in manchen Fällen schon aus, wenn man die betroffene Person direkt auf die Missstände aufmerksam macht.

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